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BETTINA ULLMANN
Wirkungsgeschichte der
Mauthnerschen Sprachkritik


Philosophisches Werk
"Mauthner war angesichts des geringen Echos auf die "Beiträge" sehr enttäuscht doch blieb er von der Richtigkeit der sprachkritischen Reflexionen überzeugt und zweifelte nie an seiner Kompetenz als Sprachphilosoph."

MAUTHNERs "Beiträge zu einer Kritik der Sprache" haben, darin sind sich ARNTZEN (56) und POLENZ (57) einig, nachweislich auf viele Autoren gewirkt. "Es gibt nachgewiesene bzw. wahrscheinliche Wirkungsbeziehungen zu HOFMANNSTHAL, MORGENSTERN, GUSTAV SACK, KARL KRAUS und LUDWIG WITTGENSTEIN." (58) MAUTHNERs enger Freund GUSTAV LANDAUER, der ihm bei der Abfassung der "Beiträge" behilflich war, erkannte in seiner Abhandlung "Skepsis und Mystik", die sich als ein "Versuch im Anschluß an Mauthners Sprachkritik" (59) bezeichnete, einen Zusammenhang zwischen MAUTHNERs Gedanken und der jungen lyrischen Kunst der Zeit.
"Die Klage SCHILLERs aber, daß der Dichter "in den Fesseln der Sprache" das Wirkliche bezwingen müßte, ist von einem Dichter unserer Zeit neu aufgenommen worden: von HUGO von HOFMANNSTHAL. Sein Manifest, das wohl nicht ohne Kenntnis der Sprachkritik MAUTHNERs verfaßt sein wird, bringt mich dazu, auf die Berührungen zwischen MAUTHNERs Werk und der jungen lyrischen Kunst - der einzigen Poesie, die ich zur Zeit in Deutschland finde einzugehen. MAUTHNER zwar sagt mehrmals, der Naturalismus sei eine erfreuliche Bestätigung seiner Sprachkritik; ich lasse das sehr dahingestellt, da ich dem Naturalismus keine künstlerische, nur soziale Bedeutung zuerkenne, die er infolge der Schwächlichkeit und Hinfälligkeit, mit der er bei uns auftrat, aber auch schon wieder nahezu eingebüßt hat. Ich dagegen finde - vielleicht zu MAUTHNERs Entsetzen - tiefere Zusammenhänge zwischen der Sprachkritik und den Dichtem STEFAN GEORGE, HUGO von HOFMANNSTHAL, RICHARD DEHMEL und ALFRED MOMBERT." (60)
Er konstatierte eine tiefe Gemeinsamkeit des Denkens von Schriftstellern und Dichtem der Jahrhundertwende, die nicht nur auf eine direkte gegenseitige Beeinflussung zurückgeführt werden könnte, sondern ein Ausdruck des gleichen Erlebens der Gegenwart sei.

Von einer geistigen Verwandtschaft zwischen Künstlern und Intellektuellen der Jahrhundertwende gehen auch JANIK und TOULMIN in ihrem Buch "Wittgensteins Wien" aus: (61)
"Wenn wir es richtig sehen, hatten die im Niedergang und Verfall sich manifestierende Krise eine tiefe Wirkung auf Leben und Erwartungen seiner Bürger. Sie formte und bestimmte wesentliche Gemeinsamkeiten in den Weltdeutungen von Künstlern und Schriftstellern auf allen, selbst den abstraktesten Gebieten des Denkens und der Kultur. Umgekehrt haben die kulturellen Leistungen Kakaniens bestimmte charakteristische Merkmale gemeinsam, die den sozialen, politischen und ethischen Kontext ihrer Entstehung bezeugen und erhellen (...)." (62)
MAUTHNER gehöre nach JANIK/TOULMIN als Österreicher in das soziale und kulturelle Umfeld der sich im Verfall befindenden Habsburger Monarchie, (63) seine Sprachkritik präsentiere sich als Teil der Gedankenwelt der Jahrhundertwende. (64)

MAUTHNER war mit der Rezeption seiner "Beiträge" höchst unzufrieden, denn er hatte auf ein großes Echo, besonders in Fachkreisen, gehofft. ARNTZEN sieht als Grund für die eher mäßige Rezeption - er selbst schätzt die "Beiträge" als eine der grundlegenden Arbeiten zur Sprachkritik in diesem Jahrhundert ein - die Konsequenzen, die aus dem MAUTHNERschen Ansatz zu ziehen seien:
"In Lehrbuchbreite und mit enzyklopädischer Belesenheit, oft auch ins Plaudern gleitend, deutet MAUTHNER die wichtigsten zeitgenössischen Erkenntnistendenzen als lediglich undurchschaute immanente sprachliche Bewegungen und konstatiert gleich zu Anfang, "daß Welterkenntnis durch die Sprache unmöglich sei." (...) Niemand vor MAUTHNER hatte einen solchen kritischen Sprachuniversalismus vertreten und das Sprachproblem damit zum einzigen und generellen Erkenntnisproblem erklärt. (65)
Um die Resonanz von MAUTHNERs Werk auf die Sprachphilosophie des zwanzigsten Jahrhunderts zu ermitteln, fehlt, wie ELISABETH LEINFELLNER feststellt, das historische Material. (66) WITTGENSTEINs Bemerkung im "Tractatus" weist jedoch auf einen gewissen Bekanntheitsgrad MAUTHNERs in Fachkreisen hin: "Alle Philosophie ist Sprachkritik. (Allerdings nicht im Sinne Mauthners)." (67) WITTGENSTEIN ging davon aus, daß dem Leser des "Tractatus" die Differenz zwischen seinen und MAUTHNERs Thesen auffallen müßte. Obwohl er sich von MAUTHNER distanzierte, ist eine Ähnlichkeit ihrer Ergebnisse, die sich, wie LEINFELLNER und WEILER feststellen, bis in die erläuternden Einzelbeispiele erstrecken, (68) offenkundig.

WITTGENSTEIN hoffte, im "Tractatus" auf dem Wege der Sprachkritik eine formale "Theorie der Sprache" (69) entwickeln zu können- er ging von einer der Alltagssprache inhärenten Logik aus, die mit der Wirklichkeitswelt isomorph sei.
"Zwei Dinge sind folglich wesentlich für WITTGENSTEINs Bildtheorie der Sprache: Eine Korrespondenztheorie der Wahrheit und die Annahme, es gebe eine hinreichende logische Isomorphie zwischen Sprache und Realität, welche die Verbindung beider mittels des deskriptiven Gebrauchs der Sprache ermöglicht und bestätigt. Die logische Struktur der Sprache laßt die apriorische Feststellung zu, daß bestimmte komplexe Konfigurationen von Gegenständen möglich oder eben nicht möglich sind. Das ist die Funktion der "Wahrheitstafeln" in WITTGENSTEINs System." (70)
Diese Annahmen stehen in einem Widerspruch zu MAUTHNERs Thesen, die von der Unmöglichkeit der Wirklichkeitserkenntnis durch Sprache ausgehen, und machen WITTGENSTEINs Abstand zur Philosophie MAUTHNERs deutlich. (71)

Trotz dieser Divergenz zwischen beiden Denkern gibt es eine erstaunliche Übereinstimmung des Resümees ihrer sprachkritischen Ideen; auch WITTGENSTEINs "Tractatus" endet mit einem Plädoyer für die Mystik:
"Most importantly, there is in the mysticism of both Mauthner and Wittgenstein a deep awareness of a link between life in the most pervading sense and any intellectual activity which we may pursue. And together with this goes another awareness, namely that no intellectual activity can result in an exhaustive description of the total concept of life." (72)
WITTGENSTEIN erkennt in den Reflexionen des "Tractatus", daß zwei Probleme ungelöst blieben, die seines Erachtens nur durch eine mystische Einstellung gelöst werden könnten, nämlich die Frage, warum eine Isormorphie zwischen der Wirklichkeit und der Sprache vorhanden sei und die Frage nach dem Sinn der Welt. "Die Frage, wie die Logik die Struktur der Welt abbilden kann, und die nach deren Sinn konstituieren zusammen das  Mystische.  Beide beziehen sich auf Bereiche, innerhalb denen es keine sinnvolle Aussage geben kann." (73) Diese Auffassung führt ihn zu einer Wertschätzung der Kunst, die der MAUTHNERs ähnelt; allein die Kunst könnte einen Ausdruck für das finden, was der Sinn der Welt sei, nur die Kunst könnte moralische Wahrheiten ausdrücken, und nur der Künstler könnte lehren, auf was es im Leben am meisten ankäme. (74)

WITTGENSTEINs Entwicklung zu den "Philosophischen Untersuchungen" führt zu einer weiteren Annäherung seiner Sprachphilosophie an die Gedanken MAUTHNERs. Er gibt die These von einer Übereinstimmung der Struktur der Sprache mit der Wirklichkeit auf und konzentriert sich auf eine Analyse der natürlichen Sprache:
"Once he adopted this point of view, Wittgenstein could now employ with profit the notion of Spielregel, perhaps remembering bis early reading of Mauthner. He could see the task of philosophy in getting clear about sense by way of establishing the lifecontext, in which what is being analysed is supposed to have sense. And significantly, he could agree with Mauthner in recognizing the usefullness of language, no matter how misleading it may be." (75)
Beide Philosophen, so schließt WEILER seinen Vergleich zwischen WITTGENSTEIN und MAUTHNER, berührten sich, abgesehen von allen Unterschieden ihrer Betrachtungsweisen, in dem einen wichtigen Punkt: Sie stellten die Sprache in den Mittelpunkt ihrer Analysen.
"Analysis is, for both of them, the only method by which we can gain whatever it is that we call understanding of the world. From this point of view we can confidently say that, no matter how different their views on particular issues, both Mauthner and Wittgenstein have been practising critique of language in the same sense." (76)
MAUTHNER war allerdings der erste gewesen, der diesen kritischen Sprachuniversalismus vertreten und das Sprachproblem damit zum einzigen und generellen Erkenntnisproblem erklärt hatte. (77) Er gehörte zu den ersten, die dem "linguistic turn" der Philosophie Ausdruck verliehen." (78)

Die Übersicht über MAUTHNERs Schaffen bietet einen ersten Einblick in die intellektuelle Persönlichkeit dieses Mannes; einerseits ist sie eine Dokumentation der geistigen Entwicklungsstufen bis zur sprachkritischen Reflexion, (79) andererseits lassen sich im Gesamtwerk Grundgedanken und -strukturen erkennen, die in den "Beiträgen" kulminieren.

MAUTHNERs journalistische Tätigkeit schärfte sein Kritikvermögen, machte ihn für kulturelle Tendenzen und Entwicklungen sensibel und ließ ihn die Problematik der "Krise" von Kultur und Gesellschaft erkennen, die er mit einer Anerkennung der Unzulänglichkeit der Sprache zu überwinden hoffte. MAUTHNERs Einfühlsamkeit in die Feinheiten seiner Muttersprache ist ein Schlüssel zum Verständnis des Werks: Über die Sprache fühlte er sich mit der deutschen Kultur verbunden, mit einer Kritik der Sprache hoffte er, Kunst und Kultur der Zeit revolutionieren zu können und der eigenen sprachlichen Inkompetenz gab er die Schuld am Scheitern seiner künstlerischen Ambitionen.

Dennoch ist es zu kurz gegriffen, MAUTHNERs Werk allein über sein Sprachbewußtsein verstehen zu wollen, da er sich als Journalist und Schriftsteller mit den unterschiedlichsten Themen aus Kultur und Gesellschaft beschäftigte, bevor er zu sprachkritischen Reflexionen überging. In den Aufsatzsammlungen mischen sich Stellungnahmen zum Theater und Kunstleben der Zeit mit Eindrücken über den Menschen im Industriellen Zeitalter; das Fazit seiner Betrachtungen ist immer wieder die Forderung nach einer Kunst der Gegenwart, die die Erfahrungen der Menschen der Moderne verarbeiten und widerspiegeln müßte, um zu ihnen sprechen zu können.

Im erzählerischen Werk versuchte er, dieser Forderung selbst gerecht zu werden: Er griff brisante Themen wie den wieder auflebenden Antisemitismus auf, wählte als Handlungsort vieler Romane die Großstadt Berlin und bemühte sich, Romane und Erzählungen als Medien zur Übermittlung seiner Meinung zu nutzen. MAUTHNERs Werk präsentiert sich als Leistung eines Optimisten, der an die Möglichkeit einer Einflußnahme auf Leser, Publikum und letztlich die Kultur glaubte; er kämpfte sein Leben lang um die Durchsetzung von Ideen.

Zunächst widmete er sich einer Karriere als Schriftsteller - die Tätigkeit als Journalist diente nur als Brotberuf, der ihm die finanzielle Unabhängigkeit von seiner Familie ermöglichte. Nachdem er selbstkritisch erkannt hatte, daß sein Talent nicht ausreichte, um Werke von hohem künstlerischen Niveau schaffen zu können, konzentrierte er sich auf sprachphilosophische Studien. Zwar blieb ihm auch hier der erhoffte Erfolg versagt MAUTHNER war angesichts des geringen Echos auf die "Beiträge" sehr enttäuscht doch blieb er von der Richtigkeit der sprachkritischen Reflexionen überzeugt und zweifelte nie an seiner Kompetenz als Sprachphilosoph.

MAUTHNERs philosophisches Werk ist die gewaltige Leistung einer vielseitigen Persönlichkeit, dessen eigene Problematik sich mit den Fragen der Zeit so eng verband, daß die sprachkritische Idee gleichzeitig als Lösung einer persönlichen Resignation - die Einsicht in sein Versagen auf künstlerischem Gebiet - und als Analyse der Krise der Kultur Ende des 19. Jahrhunderts angesehen werden kann.
LITERATUR - Bettina Ullmann, Fritz Mauthners Kunst- und Kulturvorstellungen, Hamburger Beiträge zur Germanistik, Frankfurt/Berlin/Bern/NY/Bruxelles/Wien 2000
    Anmerkungen
    56) Helmut Arntzen, Sprachdenken und Sprachkritik. In Horst Albert Glaser (Hrsg.), Deutsche Literatur. Eine Sozialgeschichte. Bd. 8. Jahrhundertwende. Vom Naturalismus zum Expressionismus. 1880 - 1918. Herausgegeben von Frank Trommler. Reinbek bei Hamburg 1987. Seite 247-259
    57) Peter von Polenz, Eskapismus und Sprachkrise um 1900. In: Budapester Beiträge zur Germanistik. Budapest 1983. Seite 27-49
    58) Polenz, Eskapismus. Seite 41
    59) Gustav Landauer, Skepsis und Mystik. Versuche im Anschluß an Mauthners Sprachkritik. Berlin 1903
    60) Landauer, Skepsis und Mystik, Seite 149 f. Landauer zeigte sich hier als ein Vertreter einer jüngeren Generation, da er die Dichtung seiner Zeit in Beziehung zur Sprachkritik setzte. Mauthners Verständnis für neue Literaturströmungen endete beim Naturalismus. Es wäre sicherlich sehr lohnenswert, das Verhältnis von Gustav Landauer zu Fritz Mauthner näher zu untersuchen und den Bezug zwischen "Skepsis und Mystik" und den "Beiträgen" zu analysieren.
    61) Sie räumen Mauthner als einem Vorläufer Wittgensteins breiten Raum ein. Allan Janik/Stephen Toulmin: Wittgensteins Wien. München/Wien 1985. Seite 227ff
    62) Janik Toulmin: Wittgensteins Wien. Seite 16
    63) Ich halte diese Einordnung zwar für berechtigt, doch ist die Fixierung des Krisengefühls auf die Habsburger Monarchie für zu eng. Auch in Deutschland herrschte, wie in den vorangegangen Kapiteln gezeigt wurde, ein ausgesprochenes Bewußtsein davon, in einer Zeit des Umbruchs zu leben. Über die Problematik einer Einteilung in "Österreichische" oder "Amerikanische" Philosophie vgl.: Elisabeth Leinfellner: Fritz Mauthner im historischen Kontext der empiristischen, analytischen und sprachkritischen Philosophie. In: Dies./Hubert Schleichert (Hrsg.): Fritz Mauthner: Das Werk eines kritischen Denkers. Wien. Seiten 145, 163, 145f
    64) Leinfellner spezifiziert die Beeinflussung der Sprachkritik Mauthners. Sie sieht sie im Zusammenhang mit den Vorläufern des Wiener Kreises Wilhelm Jerusalem, Adolf Stöhr und Ernst Mach. Elisabeth Leinfellner, Fritz Mauthner im historischen Kontext der empiristischen, analytischen und sprachkritischen Philosophie.
    65) Arntzen, Sprachdenken und Sprachkritik. Seite 251 f
    66) Elisabeth Leinfellner, Zur nominalistischen Begründung von Linguistik und Sprachphilosophie. Fritz Mauthner und Ludwig Wittgenstein. In: Studium Generale. Zeitschrift für interdisziplinäre Studien. Berlin. Heidelberg. New York. Vol. 22. 1969. Seite 212
    67) Ludwig Wittgenstein, Tractatus logico-philosophicus. In ders., Schriften. Bd. 1. Frankfurt/Main 1960. 4003.1
    68) Berührungspunkte haben Mauthner und Wittgenstein in der Rezeption der Philosophie Ernst Machs, die beiden bekannt war. Leinfellner: Zur nominalistischen Begründung. Seite 213. Das Leiterbeispiel, das auf Sextus Empiricus zurückgeht, findet sich bei beiden Autoren, außerdem der Vergleich des Wachsens der Sprache mit dem Wachsen einer Stadt und der Begriff der Spielregel. Weiler: Mauthner's Critique of Language. Seite 298 f. Weiler vermutet, daß diese verblüffenden Übereinstimmungen tatsächlich auf eine Kenntnis der "Beiträge" von Seiten Wittgensteins zurückgehen. Da diese Metaphern jedoch auf den ersten dreißig Seiten des ersten Bandes der "Beiträge" zu finden seien, glaubt Weiler, daß Wittgenstein nur diesen Anfang mit Aufmerksamkeit gelesen hatte.
    69) Janik/Toulmin, Wittgensteins Wien. Seite 255
    70) Janik/Toulmin, Wittgensteins Wien. Seite 250
    71) Weiler führt die Differenzen zwischen Mauthner und Wittgenstein weiter aus. Weiler, Critique. Seite 298
    72) Weiler, Critique. Seite 302
    73) Janik/Toulmin, Wittgensteins Wien. Seite 262
    74) Janik/Toulmin, Wittgensteins Wien. Seite 267
    75) Weiler, Critique. Seite 304.
    76) Weiler, Critique. Seite 306
    77) Arntzen, Sprachdenken und Sprachkritik. Seite 252. GOTTFRIED GABRIEL kritisiert MAUTHNERs Erkenntnisbegriff und stellt damit dessen sprachkritische Thesen in Frage: "Mauthner orientiert sich also - mehr oder weniger verdeckt - an einem bestimmten Ideal der Erkenntnis: einer unmittelbaren Teilnahme des Subjekts am Objekt, die auch noch den Gegenstatz von Kontemplation und Tätigkeit aufheben soll. Diese Unmittelbarkeit will er erreichen durch Überwindung der Vermittlerin Sprache: (...)" GOTTFRIED GABRIEL, Philosophie und Poesie. Kritische Bemerkungen zu Fritz Mauthners "Dekonstruktion" des Erkenntnisbegriffs. In ELISABETH LEINFELLNER / HUBERT SCHLEICHERT (Hg.), Fritz Mauthner - Das Werk eines kritischen Denkers. Seiten 27-42, 38. Auch Schleichert kritisiert Mauthners Erkenntnisbegriff, stellt aber das Problem in den Zusammenhang mit anderen sprachkritisch denkenden Philosophen.HUBERT SCHLEICHERT, Kritische Betrachtung über Mauthners Sprachkritik (und nicht nur seine). In: ELISABETH LEINFELLNER / HUBERT SCHLEICHERT: Fritz Mauthner - Das Werk eines kritischen Denkers. Seite 43 - 56
    78) Zur Klärung des Begriffs "linguistic turn" schreibt SIV BUBLITZ: "Zusammenfassend kann man diese sprachanalytische Wendung der Philosophie als den Versuch beschreiben, die traditionellen philosophischen Probleme durch die Analyse der Bedeutung zentraler sprachlicher Ausdrücke zu klären." SIV BUBLITZ: Der "linguistic turn" der Philosophie als Paradigma der Sprachwissenschaft. Untersuchungen zur Bedeutungstheorie der linguistischen Pragmatik Dissertation zur Erlangung des Doktors der Philosophie beim Fachbereich Sprachwissenschaft der Universität Hamburg. Hamburg 1994. Seite 1
    79) Das philosophische Werk entwickelte sich nach den "Beiträgen" natürlich weiter. MAUTHNER feilte an den sprachkritischen Gedankengängen und stellte sie - etwa in der "Sprache" oder den "Drei Bildern der Welt" - aus verschiedenen Perspektiven dar.