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KARL LANGE
Über Apperzeption
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"Erwägt man, daß die deutlichen Vorstellungen nach Leibniz allmählich aus schwächeren entstehen, daß sie überhaupt mit Hilfe der vorausgegangenen Seelenzustände hervorgerufen und erzeugt werden, so ergibt sich auch für die Apperzeptionstätigkeit eine gewisse Abhängigkeit vom bereits vorhandenen Seeleninhalt. Sie vollzieht sich unter dem bestimmenden Einfluß desselben."

"Im Akt des Denkens, des künstlerischen Schaffens und Erfindens wird die bewußte Tätigkeit des Geistes stets durch mitschwingende unbewußte Vorstellungen unterstützt und bestimmt. Ja, gerade letzteren kommt das eigentliche Schaffen, Denken, Finden und Begründen zu. Nur die Absicht und der Wille des Schaffens auf der einen und der vollendete Erfolg auf der anderen Seite treten deutlich ins Bewußtsein. Der dazwischenliegende eigentliche Vorgang der Apperzeption oder Erzeugung des neuen Gebildes vollzieht sich unbewußt."

 "Gegeben  ist zunächst eine durch den Sinnesreiz veranlaßte primäre Seelenregung, ein schwaches, unvollkommenes Produkt, in dem Subjektives und Objektives noch nicht geschieden ist und das uns von einem reizerregenden Außending so gut wie keine Erkenntnis bietet. Es kann daher auch weder als Empfindung noch als Perzeption bezeichnet werden. Zu ihm tritt ein zweites, wichtigeres Element: das  Erinnerungsbild  von demselben oder einem ganz ähnlichen Gegenstand unserer Wahrnehmung. Dieses hilft die primäre Seelenregung deuten und verstehen, indem es mit ihr verschmilzt."

"Was verleiht ihm aber den älteren Vorstellungen ein solches Übergewicht über die neue, angeeignete Vorstellung? Es ist die starke  Reizbarkeit  derselben, die Fähigkeit, leicht ins Bewußtsein zurückzukehren und neue Verbindungen mit anderen Seeleninhalten einzugehen. Eine solche Reizbarkeit und Beweglichkeit paßt in der Regel zu reichen, wohlgegliederten Gruppen, die sehr oft und regelmäßig reproduziert werden, Vorstellungskreisen, die sich z. B. auf den Beruf, die Lebensweise, die alltägliche Beschäftigung des Menschen beziehen. Jeder hat eine oder mehrere solcher Gruppen, die eine ganz besonders starke Apperzeptionsmacht entfalten und die man daher als herrschende Gedankenkreise bezeichnet."


4. Zur Geschichte des
Apperzeptionsbegriffs

Der Begriff der Apperzeption ist kein Erzeugnis der neueren Psychologie, kein "künstlich geschaffener Ausdruck", zu dem Zweck etwa erdacht, um längst bekannten pädagogischen Wahrheiten ein neues, gelehrtes, philosophisches Gewand zu geben. Er hat vielmehr bereits seine Geschichte. (50) Ein Blick auf die historische Entwicklung desselben dürfte nicht nur jenes Vorurteil verscheuchen, sondern auch zum Verständnis der Apperzeptionstheorie wesentlich beitragen.


A. Der Apperzeptionsbegriff bei Leibniz

Der erste, welcher den Begriff der Apperzeption in der Philosophie angewandt hat, ist LEIBNIZ. Er gelangt zu demselben aufgrund seiner Untersuchungen über das Wesen und die Haupttätigkeiten der menschlichen Seele (51). Letztere ist ihm eine einfache, unteilbare Substanz (Monade), deren Leben hauptsächlich in einem fortgesetzten Wechsel oder Übergang von einer Perzeption zur anderen besteht (52). Diese Perzeptionen oder inneren Zustände spiegeln wohl die Außenwelt samt ihren Vorgängen wider, aber sie werden durch diese weder mittelbar noch unmittelbar verursacht, sondern von der Seele ihrem "inneren Prinzip" gemäß und aus ihrem eigenen Vorrat völlig frei und selbständig erzeugt. Sie entsprechen aber jenen äußeren Vorgängen ausnahmslos, weil der allwissende Gott durch einen Schöpfungsakt im voraus die Reihenfolge der ablaufenden Vorstellungen so geordnet und ein für allemal festgestellt hat, daß sie sich stets mit den Außendingen in Übereinstimmung befinden (prästabilierte Harmonie). Wenn die Seele also jeden Augenblick Perzeptionen vollzieht, so hat sie doch nicht immer gleich wertvolle, d. h. gleich starke und deutliche Vorstellungen. Es gibt unzählige Perzeptionen, deren wir uns nicht bewußt werden, weil diese Eindrücke entweder zu unbedeutend und zu zahlreich oder zu einförmig sind. (Wir geben z. B. auf die Bewegungen einer Mühle oder eines Wasserfalls nicht mehr acht, wenn sie uns durch die Gewohnheit zu etwas Alltäglichem geworden sind). Sie stehen auf gleicher Stufe mit jenen Perzeptionen, die wir im Zustand der Ohnmacht, des Schwindels, der Betäubung, des traumlosen Schlafes bilden.  Diesen schwachen Perzeptionen  (petits perceptions), deren Wirksamkeit nicht unterschätzt werden darf, da alle ohne Überlegung ausgeführten Handlungen nicht weniger als die Gewohnheiten und Leidenschaften von ihnen abhängen,  mangelt ein deutliches Bewußtsein und Erinnerung.  Solange wir uns nicht über sie erheben, unterscheidet sich unsere Seele nicht merklich von jenen  einfachen Monaden, die nur  Perzeptionen haben - denen der  Pflanzen und niederen Tiere. 

Aber der Mensch empfängt auch stärkere Vorstellungen; er vollzieht Perzeptionen, deren er sich deutlich bewußt ist und die sich darum unauslöschlich seinem Gedächtnis einprägen. Man kann sie im Gegensatz zu den schwachen Perzeptionen als  Empfindungen  (sentiments) oder  Apperzeptionen  (aperceptions) bezeichnen (52). Sie sind die Folge starker Eindrücke oder der Vereinigung und Anhäufung zahlreicher schwacher Perzeptionen, die für sich nicht apperzipiert wurden. Denn von all unseren Perzeptionen, auch den schwachen, geht keine verloren, und die deutlichen entstehen stufenweise aus denjenigen Perzeptionen, die zu dunkel waren, um bemerkt zu werden. Jede deutliche Vorstellung begreift eine unendliche Menge verworrender Perzeptionen in sich. - Diese deutlichen, mit Erinnerung verbundenen Empfindungen sind übrigens dem Menschen nicht ausschließlich eigen; auch das  Tier  hat solche, weshalb man ihm gleich uns eine  Seele  zuschreibt.

Dagegen vermag nur der  Mensch  eine weitere, höhere Stufe der Vorstellungstätigkeit zu erreichen, die Stufe der  reflexiven Erkenntnis.  Er erfaßt auf derselben die Außendinge nicht nur durch vollkommenere Perzeptionen, sondern er begreift auch ihren inneren Zusammenhang (connaissance des causes). Er erkennt und versteht die notwendigen und ewigen Wahrheiten, wie sie in den Wissenschaften niedergelegt, die göttlichen Gedanken, nach denen alle Dinge geordnet sind. Indem er schließlich seine Aufmerksamkeit auf die Vorgänge richtet, die sich in seiner Seele ereignen, erhebt er sich zur Erkenntnis seiner selbst, zur Vorstellung des eigenen Ich, zum Selbstbewußtsein. Diese  denkende Erfassung des Vorstellungsinhaltes  pflegt LEIBNIZ in seinen späteren Schriften zum Unterschied von der bloßen Perzeption  vorzugsweise  als Apperzeption zu bezeichnen. Sie ist das Kennzeichen der  vernünftigen  Seelen oder Geister (esprits).

Aus Vorstehendem erhellt sich, daß der Begriff der Apperzeption bei LEIBNIZ ein  schwankender  ist. Einmal gibt er ihr die Bedeutung von  conscience,  Bewußtsein oder  bewußtem, deutlichen Vorstellen,  dem gewöhnlichen Sprachgebrauch folgend, wonach  apercevoir  = wahrnehmen,  s'apercevoir de  = etwas inne werden, merken. Das anderemal versteht er unter ihr  la connaissance réflexive,  die durch willkürliche Aufmerksamkeit bewirkte denkende Erfassung des Vorstellungsinhaltes,  die reflexive Erkenntnis unserer inneren Zustände.  Man kann nicht sagen, daß die eine Auffassung des Begriffs ausschließlich einer früheren, die andere nur einer späteren Periode seiner schriftstellerischen Tätigkeit angehört. Denn wenn sich auch in der Monadologie und den "Principes de la nature" die zweite Definition vorzugsweise geltend macht, so fehlen doch auch hier keineswegs Anklänge an die ältere Auffassung, während andererseits in den "Nouveaux essais" einzelne Bemerkungen bereits die spätere Deutung des Begriffs vorbereiten. Bleibt hiernach des Philosophen Ansicht über das eigentliche Wesen der Apperzeption in ein gewisses Dunkel gehüllt, so dürfte zumindest über  ein  wichtiges Kennzeichen derselben kein Zweifel bestehen. Nach LEIBNIZ erzeugt die Seele ihre Vorstellungen nicht allein aus und durch sich selbst, sondern auch  von selbst,  ohne alle äußere Veranlassung. Demnach kommt der Apperzeption als einer Art des Vorstellens das Merkmal  absoluter Spontaneität  zu. Das folgt notwendig aus der Annahme einer prästabilierten Harmonie. Jedoch scheint LEIBNIZ auch hier seine ursprüngliche Ansicht nicht in aller Strenge festgehalten zu haben. Stellt die Seele als ein lebendiger Spiegel das Universum  je nach ihrem Stand- oder Gesichtspunkt dar,  verhält sie sich beim Perzipieren gewöhnlich rein leidend und sind ihre Erkenntnisakte zum Teil wenigstens von den Sinnen abhängig (dépendent des sens), von der Natur der Außendinge ebensosehr, wie vom Wesen des Geistes, so läßt sich damit die  absolute  Spontaneität der Vorstellungstätigkeit nicht vereinigen. Erwägt man weiter, daß die deutlichen Vorstellungen nach LEIBNIZ allmählich aus schwächeren entstehen, daß sie überhaupt mit Hilfe der vorausgegangenen Seelenzustände hervorgerufen und erzeugt werden, so ergibt sich auch für die Apperzeptionstätigkeit eine gewisse Abhängigkeit vom bereits vorhandenen Seeleninhalt. Sie vollzieht sich unter dem bestimmenden Einfluß desselben. Hiernach dürfte LEIBNIZ' Ansicht über die Apperzeption etwa in folgende Sätze zusammengefaßt werden können:
    1. Unter Apperzeption versteht man sowohl das bewußte, deutliche, mit Erinnerung verbundene Vorstellen, wie auch die denkende, reflexive Erfassung des eigenen Vorstellungsinhaltes, die innere Wahrnehmung oder Selbstbeobachtung.

    2. Sie äußert sich als spontane Tätigkeit, die jedoch an den bestimmenden Einfluß des vorhandenen Seeleninhalts gebunden ist.
Der erste dieser beiden Gedanken scheint nach LEIBNIZ allgemeine Anerkennung gefunden zu haben, auch bei solchen Philosophen, die seine Hypothese von der vorherbestimmten Harmonie nicht teilten. So bezeichnet z. B. CHRISTIAN WOLFF (1679 - 1754) die Perzeption als das Vorstellen eines Gegenstandes, Apperzeption aber als das Sichbewußtwerden einer Perzeption. Und HERDER sagt in seiner Abhandlung "Vom Erkennen und Empfinden der menschlichen Seele": "Alle Empfindungen, die zu einer gewissen Helle steigen, werden Apperzeption, Gedanke; die Seele erkennt, daß sie empfindet."

Dagegen ist die  Spontaneität  der Apperzeption vor allem von KANT festgehalten und als ein wesentliches Merkmal des Begriffs mit Nachdruck betont worden. Seiner Theorie der Apperzeption, die im System des philosophischen Kritizismus eine hervorragende Stelle einnimmt, werden wir nunmehr unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden haben.


B. Kants Lehre von der Apperzeption

In seinem epochemachenden Hauptwerk, der  Kritik der reinen Vernunft  (1781) (53), stellt KANT an die Spitze der Untersuchung die Frage, welches die Quellen aller menschlichen Erkenntnis sind. Er findet, daß zunächst die  Sinnlichkeit  (der äußere und innere Sinn) vermöge ihrer Empfänglichkeit für äußere, von den Dingen herrührende Eindrücke sowie für die inneren Erlebnisse des Gemüts den rohen, noch formlosen Stoff der Erkenntnis darbietet. Diese ansich verworrenen Empfindungen und Wahrnehmungen werden mit Hilfe der  Einbildungskraft  den in der Seele bereits vorhandenen  Formen des Raums und der Zeit  eingefügt und so zu Anschauungen erhoben. Damit diesen aber die Bedeutung von Objekten beigelegt werden kann, treten zu ihnen noch gewisse dem Menschen angeborene  reine Verstandesbegriffe,  welche sich alle Wahrnehmungen einordnen und einen inneren Zusammenhang zwischen ihnen schaffen. Das Auffassen und Erkennen der in den Anschauungen gegebenen Erfahrung durch die reinen Verstandesbegriffe ist im Grunde ein Urteilen, eine Verbindung verschiedener Vorstellungen ihrem Inhalt nach, eine Zusammenfassung des gegebenen Mannigfaltigen in einer Erkenntnis, eine Synthesis. Die Einheit des Mannigfaltigen aber wird gedacht im Begriff, der Kategorie. (So denken wir z. B. die Anschauungen des Blitzes und Donners notwendig zusammen unter dem Begriff der Ursache und Wirkung.) Welches jene reinen, d. h. von aller Erfahrung unabhängigen und von aller Empfindung frei zu denkenden Verstandesbegriffe sind, ergibt sich aus den Funktionen des denkenden Verstandes: so viele Arten der Urteile, so viele reine Verstandesbegriffe oder Kategorien. KANTs Kategorientafel, welche sie unter die höheren Einheiten der Quantität, Qualität, Relation und Modalität stellt, bietet ein vollständiges Verzeichnis derselben.

Demnach gibt es  zwei  Quellen der menschlichen Erkenntnis:  die  Erfahrung, welche das Material der Wahrnehmung darreicht, und unser  selbsttätiges  Inneres, welches aus ihr erst Erkenntnis bildet.  Zwei Vermögen  entsprechen ihnen:  die Fähigkeit,  Vorstellungen zu empfangen (Rezeptivität der Sinnlichkeit) und  die Fähigkeit, Vorstellungen selbst hervorzubringen  (Spontaneität des Verstandes). Nicht also sind, wie LOCKE meinte, die äußeren und innere Erfahrung die einzige Quelle unserer Erkenntnis, sondern  vor  aller Wahrnehmung,  a priori,  wohnen uns die reinen Anschauungen des Raums und der Zeit, sowie die reinen Verstandesbegriffe inne, die wir als Angeborenes zur Erfahrung hinzubringen.

Freilich begegnet eine solche Auffassung einer nicht unerheblichen Schwierigkeit. Nach KANT haben die Kategorien die Aufgabe, die Mannigfaltigkeit der Erscheinungen zu Erkenntnissen zu verknüpfen und so Erfahrung erst möglich zu machen. Aber wenn jene Verstandesbegriffe  a priori,  d. h.  vor  und  außer  aller Erfahrung gegeben sind, wenn sie nicht durch sie erzeugt sind und nichts mit ihr gemein haben - wie können sie sich dann auf diese beziehen, wie kann man von ihnen sagen, daß sie  die Erfahrung erst möglich machen?  Hierauf ist zu erwidern: Alle Erkenntnis beruth, wie wir sahen, auf der Verbindung des Mannigfaltigen zu einer notwendigen Einheit, auf der Synthesis. Die Verbindung des Mannigfaltigen kann nie durch die Sinne in uns kommen, also auch nicht in der reinen Form der sinnlichen Anschauung zugleich mit enthalten sein. Die Erfahrung sagt uns wohl, daß zwei Wahrnehmungen (z. B. Blitz und Donner) zeitlich miteinander gegeben sind; aber daß sie  notwendig  zusammgedacht werden müssen, lehrt sie nicht.  Folglich ist die Synthesis nicht im Objekt der Wahrnehmung gegeben, sondern sie wird vom Subjekt derselben vollzogen;  sie ist die Handlung einer spontanen Vorstellungskraft, des Verstandes. Die reinen Verstandesbegriffe sind also notwendig zu den Anschauungen hinzuzudenken, weil nur mit ihrer Hilfe Synthesis, d. h. Erkenntnis möglich ist.

Was ist nun aber der  letzte Grund,  warum der Verstand im Urteil die Einheit verschiedener Begriffe erkennt? Was zwingt mich, das Mannigfaltige der Erfahrung z. B. im Verhältnis der Ursache und Wirkung notwendig zu denken? Was ermöglicht und bewirkt die Verbindung von Vorstellungen den Kategorien gemäß? Es ist die Tatsache, daß alles Mannigfaltige der Anschauung eine notwendige Beziehung hat auf das: "Ich denke" in demselben Subjekt, darin dieses Mannigfaltige angetroffen wird.

Die mannigfaltigen Vorstellungen, die in einer gewissen Anschauung gegeben sind, erkenne ich sämtlich als  meine  Vorstellungen. Sie sind es aber, weil sie ein und demselben Selbstbewußtsein angehören oder angehören können. Insofern sie insgesamt mir, als einem unveränderlichen, reinen Ich, zukommen, machen sie gleichsam  eine  Vorstellung aus. Hierin aber liegt der Grund und die Möglichkeit ihrer notwendigen Verknüpfung.  Weil ich sie in einem Selbstbewußtsein vereinige, so erkenne ich auch ihren inneren Zusammenhang,  und ich bin mir ihrer Einheit, ihrer notwendigen Synthesis  a priori  bewußt. Die Beziehung unserer Vorstellungen auf ein und dasselbe Ich oder Selbstbewußtsein (welche sich darin ausspricht, daß das "Ich denke" alle meine Vorstellungen begleitet oder begleiten kann) ermöglicht alle Synthesis  a priori,  alle denkende Erkenntnis der Erfahrung. Zu dieser reflexiven Verbindung aber zwingt uns die Erfahrung, die Materie unserer Wahrnehmungen nicht;  sie ist vielmehr ein Akt der Spontaneität,  d. h. der völlig selbständigen und von äußeren Einwirkungen unabhängigen Tätigkeit unserer Seele.

Die spontane Tätigkeit nun, welche die durch die Anschauung gegebenen mannigfaltigen Vorstellungen im Selbstbewußtsein zusammenfaßt, heißt bei KANT  Apperzeption  (54). Sie wird wohl auch geradezu als  Selbstbewußtsein  gedacht.

Und zwar ist die in Vorstehendem charakterisierte Apperzeption die  reine,  ursprüngliche, transzendentale, d. h. dasjenige Selbstbewußtsein, welches unsere Vorstellungen mit der einen Vorstellung "Ich denke" begleitet oder doch begleiten kann. Sie wird als  ursprüngliche  bezeichnet, weil sie vor aller Erfahrung da ist, als  reine,  transzendentale, weil sie als spontane Tätigkeit nicht von der Materie unserer Wahrnehmungen abhängt. Die Einheit derselben ist darin begründet, daß der Mensch alle gehabten Vorstellungen als seine, d. h. als zu ein und demselben unveränderlichen Subjekt (dem reinen Ich) gehörige erkennt. Einheit der ursprünglichen Apperzeption ist schließlich gleichbedeutend mit dem Bewußtsein der Synthesis der Vorstellungen. Und der Verstand ist nichts weiter als das Vermögen,  a priori  zu verbinden und das Mannigfaltige gegebener Vorstellungen unter die Einheit der Apperzeption zu bringen.

Hieraus erhellt sich die grundlegende Bedeutung der reinen Apperzeption für KANTs Erkenntnistheorie. Wenn die Einheit verschiedener Begriffe nur erkannt wird aufgrund ihrer Beziehung zum Selbstbewußtsein, durch die Einheit der Apperzeption,  so ist letztere die Bedingung allen Urteilens, aller Erkenntnis.  Sie verbindet nicht nur Begriffe, sondern sie verleiht dieser Verknüpfung zugleich das Merkmal der Notwendigkeit. (55)

Ihre Voraussetzung war, wie wir sahen, die Vorstellung des  reinen Ich,  jenes Selbstbewußtsein, welches sich nach KANT nicht allmählich an und mit der Erfahrung entwickelt, sondern dieser vorausgehend von Anfang an da ist und all unsere Vorstellungen begleitet. Das transzendentale, d. h. jenseits aller Erfahrung liegende Selbstbewußtsein nennt er es darum, weil die Einheit der ursprünglichen Apperzeption uns nichts sagt über die Beschaffenheit des reinen Ich. -

Aber neben dem transzendentalen besteht in uns auch ein empirisches Selbstbewußtsein, neben dem reinen Ich ein empirisches, auf das wir gleichfalls unsere Vorstellungen beziehen. Nur wechselt dasselbe im Laufe des menschlichen Lebens gar oft seinen Inhalt und ist wegen dieser Wandelbarkeit nicht imstande, ein bleibendes, einheitliches Selbst zu erzeugen. Infolgedessen kann auch die Beziehung der Vorstellungen auf das empirische Bewußtsein  oder die empirische Apperzeption  keine objektiv-gültige Erkenntnis vermitteln. Sie gehorcht vornehmlich den Gesetzen der Assoziation und stiftet daher nur zufällige, nicht notwendige Vorstellungsverbindungen. (56) Wenn das Kind z. B. Blitz und Donner als zeitlich aufeinander folgende Erscheinungen auffaßt, ohne sie im Verhältnis von Ursache und Wirkung zu denken, so vollzieht es einen Akt der empirischen Apperzeption.

Alles verschiedene empirische Bewußtsein muß aber, damit ich es mir zurechnen kann, in einem einzigen Selbstbewußtsein verbunden sein. Somit hat alles empirische Bewußtsein eine notwendige Beziehung auf ein transzendentales Bewußtsein, nämlich das meiner selbst, als die ursprüngliche Apperzeption. Also setzt die empirische Apperzeption jene voraus und ist von ihr abgeleitet. -

KANTs Apperzeptionsbegriff vereinigt also in sich all die Merkmale, die wir bereits in LEIBNIZ' Theorie vorfanden: die  logische  Verknüpfung der Vorstellungen, das Denken  allgemeiner und notwendiger  Wahrheiten, die  reflexive Erfassung  unserer inneren Vorgänge, die  Beziehung  derselben auf unser Ich, hervorgerufen durch eine  spontane  Tätigkeit der Seele. Aber was dort nur mehr oder weniger dunkel angedeutet wurde, ist hier zu größerer Klarheit erhoben. Was dort als verschiedene Äußerungen ein und derselben Tätigkeit  neben einander gedacht wurde wird hier in eine strenge begriffliche Einheit zusammengefaßt. Das Denken notwendiger Wahrheiten ist nun nicht eine Form der Apperzeption  neben  verschiedenen anderen wie z. B. der inneren Wahrnehmung, der Beziehung unserer Vorstellungen zum Selbstbewußtsein, sondern es ist die Folge der letzteren. Die Vorstellung des eigenen Ich gilt nicht mehr als das mögliche Ergebnis, sondern als die notwendige Voraussetzung der Apperzeption. Hierin liegt zugleich der Hauptunterschied zwischen der kantischen und LEIBNIZ' Auffassung. LEIBNIZ betrachtet die Apperzeption als die Frucht einer langen Entwicklung der Seele. Wie aus unbewußten Perzeptionen die deutliche Wahrnehmung, so geht aus der Verknüpfung starker Vorstellungen die Apperzeption hervor, und das gewonnene Selbstbewußtsein erhebt die Seele zum vernünftigen Wesen oder Geist. KANT kennt eine solche Entwicklung unseres geistigen Lebens nicht. Nach ihm ist das reine Ich oder Selbstbewußtsein das ursprünglichste Besitztum der Seele und die transzendentale Apperzeption diejenige Tätigkeit des Verstandes, welche sich von Anfang an in der Auffassung und Vorstellung von Objekten als wirksam erweist. Die Fähigkeit zu apperzipieren wird nicht durch geistige Arbeit allmählich erworben, nicht durch einen wohldurchgebildeten Seeleninhalt begründet, sondern sie ist  vor  aller Erfahrung  gegeben,  und  sie  erst ermöglicht die höheren Geistestätigkeiten des Denkens und Erkennens.

Die kantische Auffassung stellt nach einer bestimmten Richtung einen Abschluß der Apperzeptionstheorie dar. Eine Weiterentwicklung hat der Begriff der transzendentalen Apperzeption in der Folge nicht gefunden. (57) So wichtig er auch für die kritischen Untersuchungen des Philosophen ist, so scheint sich doch seine Wirksamkeit auf das erkenntnistheoretische Gebiet zu beschränken: von einer fruchtbaren Anwendung und Verwertung desselben auf dem Feld der empirischen Psychologie hören wir nichts. Je weniger er aber geeignet ist, zur Aufhellung und Erklärung einer gewissen Gruppe psychischer Erscheinungen beizutragen, desto lebhafter erheben sich die Zweifel an seiner Richtigkeit und Gültigkeit. Man besinnt sich, daß doch wohl nicht alle Prämissen, mit deren Hilfe KANT seinen Begriff der transzendentalen Apperzeption gewinnt, völlig einwandfrei sind. So sollen z. B. Raum und Zeit subjektive Formen unserer Seele sein, die wir in den ungeordneten Erfahrungsstoff hineintragen. Aber woher kommt dann die durchgängige Übereinstimmung aller Menschen in der räumlichen und zeitlichen Auffassung der Außendinge? Wir sollen weiter das Mannigfaltige der Wahrnehmungen nur mit Hilfe angeborener Verstandesbegriffe zu Objektvorstellungen verknüpfen können. Doch was zwingt mich und alle anderen, gerade diese oder jene Kategorie auf den Erfahrungsstoff anzuwenden, wenn in diesem selbst keine Nötigung dazu liegt? Unsere Seele weiß nichts von einem solchen Hinzufügen von Verstandesbegriffen. Wohl aber lehrt die Psychologie, daß Begriffliches nicht minder als die Vorstellungen von Raum und Zeit aufgrund elementarer Prozesse allmählich entstehen, daß sie nicht vor aller Erfahrung gegeben sind, sondern an und mit ihr erworben werden. Und so kennt sie auch kein angeborenes reines Selbstbewußtsein, das all unsere Vorstellungen von Anfang an begleitet; aus dem wechselnden empirischen Ich läßt sie vielmehr als ein Abstraktum das reine Ich entstehen, eine Einheit des Bewußtseins, die wir nur annähernd erreichen. Wenn schließlich KANT als den letzten Grund aller denkenden Verknüpfung von Vorstellungen die Beziehung zum Selbstbewußtsein, die Einheit der reinen Apperzeption bezeichnet, so liegt der Einwand nahe, daß die Verbindung mehrerer Vorstellungen im Bewußtsein und ihre Zusammenfassung im Selbstbewußtsein mir noch nichts von ihren  inneren  Beziehungen verrät. Die Einheit des Selbstbewußtseins gibt nur eine Einheit des  Vorstellens,  nicht aber eine notwendige Einheit des  Vorgestellten;  sie erzeugt keine objektive, sondern nur eine subjektive Verbindung. Mit einem Wort: wer sich nicht entschließen kann, mit KANT angeborene Formen der Anschauung, angeborende Verstandesbegriffe sowie ein von Anfang an spontan wirkendes reines Selbstbewußtsein anzunehmen, der vermag auch in KANTs Apperzeptionstheorie einen wesentlichen Fortschritt über LEIBNIZ hinaus nicht zu erkennen. Doch wird er ihr das Verdienst zusprechen müssen, daß sie durch die eingehende Behandlung des Ichproblems der weiteren Untersuchung und Entwicklung des Apperzeptionsbegriffs wertvolle Dienste geleistet hat.


C. Der Begriff der Apperzeption bei Herbart

In wesentlich anderer Richtung ist eine Fortbildung der Apperzeptionstheorie durch HERBART unternommen worden. Auch er geht von gewissen Gedanken des LEIBNIZ aus. Hatte dieser die Apperzeption als ein Ergebnis der geistigen Entwicklung gleichsam aus vielen schwachen Perzeptionen hervorgehen lassen, so wirft HERBART nun die Frage auf, auf welche Weise denn schwache Vorstellungen zu einem höheren Grad von Bewußtheit erhoben werden können. Er untersucht also die Bedingungen der Apperzeption, wie sie im bereits vorhandenen Seeleninhalt gegeben sind, um tiefer in das Wesen des Vorgangs einzudringen. Und da findet er, dann, daß Vorstellungen nur dann apperzipiert, d. h. zu größerer Klarheit gebracht werden, wenn sie selbst Objekte eines neuen Vorstellens werden, wenn andere Vorstellungsreihen sie gleichsam bemerken und mit sich verknüpfen. Er weist dies zunächst bei der Apperzeption äußerer Wahrnehmungen nach.

Jede einfache oder zusammengesetzte Wahrnehmung, die durch das Tor der Sinne in das Bewußtsein tritt, wirkt auf die vorhandenen Vorstellungen als ein Reiz. Sie drängt alles ihr Entgegengesetzte zurück, was sich soeben im Bewußtsein findet und ruft mehr oder weniger Gleichartiges zurück, das nun mit all seinen Verbindungen emporsteigt. Die zusammengesetzte Wahrnehmung greift wohl in mehrere ältere Gruppen und Reihen zugleich ein und gibt damit Anlaß zu neuen Verschmelzungs- und Hemmungsverhältnissen. Indem sie somit eine lebhafte Bewegung der Vorstellungen veranlaßt, kann sie mit einem Licht verglichen werden, das einen Schein ringsumher verbreitet. Die aufgeregte Masse der Vorstellungen aber, die sich gleichzeitig erhoben hat, gleicht einem Gewölbe, das sich von einem Mittelpunkt aus allseitig ausdehnt. Solange diese Wölbung der reproduzierten Gedanken sich vollzieht, hat die Wahrnehmung vermöge ihres Empfindungsreizes das Übergewicht im Bewußtsein. Je mehr sie aber alle weniger gleichartigen Vorstellungen, da sie ihr Entgegengesetztes mit sich ins Bewußtsein bringen, hemmt, desto mehr treten diese zurück, und es steigen, vor anderen begünstigt, die der neuen Wahrnehmung ganz gleichartigen älteren Vorstellungen empor und bilden allmählich gleichsam die Spitze des Gewölbes, die umso schärfer hervorragt, je länger dieser ganze Vorgang dauert. Wenn nunmehr eine Verschmelzung der neuen Wahrnehmung mit jenen hoch im Bewußtsein stehenden reproduzierten Vorstellungen stattfindet, so behaupten die  letzteren  jetzt das Übergewicht. Denn die aus dem Innern kommenden Vorstellungen sind vermöge ihrer Verbindungen stärker als die vereinzelte neue Perzeption, zumal diese nach Wegfall des Empfindungsreizes sehr an Kraft verloren hat. Letztere muß sich daher gefallen lassen, von jenen an ihren Platz gestellt zu werden; die neue Wahrnehmung wird den älteren Vorstellungen angeeignet.

Dasselbe Verhältnis, das zwischen Wahrnehmungen und älteren Vorstellungen angenommen wurde, kann sich wiederholen zwischen schwächeren und stärkeren reproduzierten Vorstellungen. Eine schwächere, weniger tief im ganzen Gedankenkreis eingewurzelte Vorstellungsreihe sei aufgeregt und entwickelt sich nach ihrer Art im Bewußtsein. Durch sie wird eine verwandte, stärkere, tieferliegende Gedankenmasse zurückgerufen. Anfangs drängt die erstere, mehr aufgeregte Vorstellungsreihe die zweite hinsichtlich ihrer entgegengesetzten Elemente zurück. Letztere gerät dadurch in Spannung und dringt nun, ohnehin aufgerufen durch das Gleichartige, umso kräftiger empor; jetzt formt sie die erstere nach sich, indem sie an den gleichartigen, mit ihr verschmelzenden Elementen sie gleichsam festhält, sie in anderen Punkten zurücktreibt. Wir haben hier eine Aneignung von Vorstellungen, die im Gegensatz zur äußeren als  innere Apperzeption  oder besser als  Apperzeption der inneren Wahrnehmung  bezeichnet wird. Sie fällt bei HERBART, wie die von ihm vorgeführten Beispiele beweisen, fast ausnahmslos zusammen mit der  inneren Wahrnehmung oder Selbstbeobachtung.  Denn darin sieht er eben eine Hauptaufgabe der Apperzeption, daß sie uns das Aufmerken auf unsere inneren Zustände ermöglicht, damit uns Affekte und Leidenschaften nicht überraschen und zu unüberlegten Handlungen hinreißen, damit eine strenge moralische Selbstkritk eintreten kann.

Es ist daher wichtig, die  Bedingungen  kennen zu lernen, unter denen sich eine solche Apperzeption sicher und mit Erfolg vollzieht.

Physiologische Hemmung und reizbares Temperament sind ihr nicht günstig. Es dürfen ferner die zu apperzipierenden Vorstellungen weder zu neu und fremd, noch zu schwach und flüchtig sein. Es müssen der neuen Perzeption genügende apperzipierende Vorstellungen entgegenkommen, d. h. solche, die genug Berührungspunkte mit dem Neuen haben, stark genug sind und rechtzeitig über die Schwelle des Bewußtseins treten. Vor allem können die apperzipierenden Vorstellungen keine rohen, ungeordneten und lose verbundenen Massen sein, sondern nur wohldurchgebildete Gedankenkreise. Insbesondere wohnt den sie beherrschenden Begriffen, allgemeinen Urteilen und Maximen eine starke apperzipierende Kraft inne. Die allgemeinsten Begriffe nennt HERBART Kategorien. Er unterscheidet  Kategorien der äußeren Apperzeption,  die zur Aneignung der äußeren Wahrnehmung dienen, und  Kategorien der inneren Apperzeption,  mit deren Hilfe wir unsere und fremde Seelenzustände richtig auffassen. Erstere beziehen sich auf Dinge der Außenwelt, letztere auf ein inneres Geschehen. Die Kategorien der äußeren Apperzeption sind die bekannten Allgemeinbegriffe KANTs, die der inneren bezeichnen entweder ein Empfinden oder Wissen, Wollen oder Handeln. Auf ihre Ausbildung und Anwendung übt das Sprechen, namentlich das Gespräch, einen hervorragenden Einfluß aus. Dieses beschäftigt sich mit dem Abwesenden und Vergangenen, nicht mit Wahrnehmungen, sondern mit Vorstellungen. Dadurch wird die Last der unmittelbaren sinnlichen Gegenwart, welche ohne Zweifel das Tier fortdauernd drückt, hinweggeschoben. Das Gespräch veranlaßt den Menschen, sich innere Zustände länger gegenwärtig zu erhalten und durch Beschäftigung mit dem Vergangenen und Abwesenden öfter zurückzurufen. Es können infolgedessen die älteren Vorstellungen in sehr viel neue Verbindungen gebracht und eben durch diese Verbindungen in ungleich stärkere Totalkräfte umgewandelt werden. Sprechen ist Arbeit. Der ganze auszusprechende Gedanke muß dem Sprechenden beständig vorschweben und die einzelnen Worte, bevor sie geäußert werden, apperzipieren. Das Gleiche geschieht, wenn die Rede zu Ende ist, mit der gehörten Wort- oder Satzreihe: sie wird von  der  Vorstellungsmasse gleichsam wieder eingefangen und apperzipiert, der sie entsprechen sollte. So entsteht durch das Gespräch eine planmäßige Verknüpfung und Verschmelzung von Vorstellungen zu Begriffen, die als Kategorien wieder apperzipierend wirken auf die Gegenstände der Erfahrung. Die Kategorien der inneren Apperzeption insbesondere befähigen den Menschen, zu beobachten und zu deuten, was in ihm oder andern vorgeht. Indem sie ihm so das Bewußtsein einer inneren Welt vermitteln, tragen sie wesentlich zur Ausbildung einer deutlicheren und reineren Ichvorstellung bei.

Es ist HERBARTs Verdienst,  die einzelnen Vorgänge im Akt der Apperzeption genau bestimmt  und so dem Begriff der letzteren zu größerer Deutlichkeit verholfen zu haben. Die Vermutung des LEIBNIZ, daß die Apperzeption wohl von den bereits vorhandenen Seelenzuständen abhängig ist, war von KANT nicht weiter beachtet worden; da das Subjekt der transzendentalen Apperzeption, das reine Ich, als die leerste aller Vorstellungen zu denken ist, so kam für seine Theorie der empirische Inhalt der Seele wenig in Betracht. Indem nun HERBART jenen LEIBNIZ'schen Gedanken wieder aufnahm und den Bedingungen der Apperzeption nachging,  erkannte und betonte er zuerst die Bedeutung des im Laufe des Lebens erworbenen Vorstellungsschatzes für die Aneignung neuer Eindrücke und Erfahrungen.  Seit ihm gilt es als Tatsache, daß unsere äußeren und inneren Wahrnehmungen fast ohne Ausnahme zustande kommen unter der Mitwirkung älterer verwandter Vorstellungen, deren Inhalt für die neue Auffassung meistens maßgebend ist. Damit ist zugleich die Auffassung der Apperzeption als  eines Erzeugnisses allmählicher Entwicklung des Geistes  gegeben. (58) Denn wenn sie durchaus abhängig ist von der Beschaffenheit des erworbenen Vorstellungsschatzes, wenn der Mensch richtig oder falsch, oberflächlich oder gründlich apperzipiert je nach dem Inhalt und der Ordnung der in ihm herrschenden Gedankenkreise, so wächst die Stärke und der Umfang der Apperzeptionstätigkeit mit der Vermehrung und Durchbildung jener Gedankengruppen. Von einer spontanen, d. h. unabhängig von allem empirischen Seeleninhalt wirkenden und nicht entwicklungsfähigen Geistestätigkeit kann hier nicht die Rede sein. Eine solche Auffassung weist HERBART entschieden zurück: Die Apperzeption oder innere Wahrnehmung "geschieht allemal, wann und wieweit sie geschehen kann. Für die gesetzlosen Spiele der transzendentalen Freiheit ist hier kein Platz."

Freilich scheint er bei seiner Polemik gegen die Annahme eines angeborenen Apperzeptionsvermögens zu übersehen, daß der Vorgang der geistigen Aneignung nicht bloß Vorstellungsverbindungen in Bewegung setzt, sondern daß zu seinem Gelingen nicht minder auch Gemütszustände und Willensakte beitragen. Wenn er z. B. von den aufsteigenden apperzipierten Vorstellungen sagt, daß sie durch mächtigere Gedankenmassen in ihren Bewegungen geleitet und angehalten werden, so dürfte dieses Eingreifen in Vorstellungsreihen doch eher dem Willen zuzuschreiben sein. Dieser führt bei der aktiven Apperzeption, geweckt durch bestimmte, an den Inhalt der Vorstellungen gebundene Gefühle, die Hilfen herbei, die sich ohne ihn vielleicht zu spät einstellen würden, er fördert, indem er den Kreis der im Bewußtsein sich erhaltenden Vorstellungen verengt, die Wölbung und Zuspitzung der Gedanken. Ohne Gefühls- und Willenstätigkeit scheint keine stärkere Apperzeption zustande zu kommen - eine Tatsache, die dem Vorgang den Schein der völligen Spontaneität (im Sinne KANTs) verliehen haben dürfte.

Man hat ferner an der Behauptung HERBARTs Anstoß genommen, daß die Apperzeption sich lediglich nach den älteren Vorstellungen richtet, die den neu eintretenden an Stärke überlegen sind. Insbesondere ist durch STAUDE auf die bedenklichen Konsequenzen einer so einseitigen Auffassung hingewiesen worden (59). Gewiß liegt es HERBART fern, den umgestaltenden Einfluß, den unter Umständen eine neue Vorstellung auf ältere, apperzipierende Gedankenkreise ausübt, zu verkennen. Wenn er z. B. von gewissen Wahrnehmungen sagt, daß sie eine Zersetzung und Neubildung von Begriffen, eine Berichtigung festgewurzelter Vorstellungsverbindungen bewirken, wenn er die Wichtigkeit des Gesprächs für die planvolle Verknüpfung und Verdichtung der Vorstellungen durch die Apperzeption hervorhebt, so beweist dies, daß er die Bedeutung der apperzipierten Vorstellung nicht unterschätzt hat. Die allerdings etwas einseitige Fassung jenes Apperzeptionsgesetzes scheint vielmehr in einer Verwechslung zweier Begriffe seinen Grund zu haben. HERBART unterscheidet nämlich, wie wir bereits sahen, in der Regel nicht die  Apperzeption  der inneren Wahrnehmung von der inneren Wahrnehmung oder Selbstbeobachtung (dem inneren Sinn) (60). Zu einer solchen Verwechslung führt leicht die doppelte Bedeutung, welche von jeher dem Begriff der inneren Wahrnehmung beigelegt worden ist. Man versteht bekanntlich unter ihr sowohl die anschauliche Vergegenwärtigung abwesender Gegenstände oder Ereignisse mit Hilfe reproduzierter Vorstellungen, wie auch die Perzeption innerer Zustände, die Selbstbeobachtung. Dort ist man sich mehr des  Vorgestellten,  hier des  Vorstellens  bewußt; dort handelt es sich um Vorstellungen von Tatsachen der äußeren oder inneren Erfahrung, hier um ein Wahrnehmen lediglich innerer Zustände. Ohne Mühe aber kann die Tätigkeit der einen Art innerer Wahrnehmung übergehen in die der anderen. Indem HERBART nun der Apperzeption der inneren Wahrnehmung, d. h. der Aneignung reproduzierter Vorstellungen seine Aufmerksamkeit zuwandte, scheint er durch das ihm zunächst sich anbietende Erfahrungsmaterial unwillkürlich auf das verwandte Gebiet der Selbstbeobachtung geführt worden zu sein. Seine Beispiele für die innere Apperzeption nämlich beziehen sich fast sämtlich auf solche Fälle, da man seine inneren Zustände oder Handlungen: Affekte, Leidenschaften, äußeres Verhalten der Selbstbeurteilung unterwirft. Der Mann prüft einen Einfall auf seinen Wert, erkennt und beherrscht sich im Affekt und mißt sein Handeln am Maßstab seiner Maximen; während das Kind wegen mangelnder Grundsätze, der Dichter im Zustand der Begeisterung ihr Denken und Tun nicht apperzipieren. In jenen Fällen geistiger Aneignung sind allerdings Apperzeption und Selbstbeobachtung stets verbunden, da der Mensch durch ethische Begriffe und Urteile Vorstellungen apperzipiert, die  sein eigenes  Wollen und Handeln betreffen. Da liegt dann die wenn auch irrige Annahme nahe, daß das, was zeitlich oft miteinander gegeben ist, auch begrifflich zueinander gehört, daß die Selbstbeobachtung nicht bloß in einzelnen Fällen, sondern stets die Apperzeption begleitet. Nun setzt aber Selbstbeobachtung eine starke, überlegene Gedankenmasse voraus, welche einer neuen Vorstellung entgegenkommt, um sich diese einzufügen. Daraus ergab sich für HERBART die allgemeine Tatsache, daß die  innere  Apperzeption sich nach den älteren, festgewurzelten Vorstellungen richtet. Für die  äußere  Apperzeption hat er das Gleiche nicht behauptet und wohl auch nicht behaupten wollen.

Wenn nach dem Vorhergehenden nicht bestritten werden kann, daß die HERBART'sche Apperzeptionstheorie in mehreren Punkten der Berichtigung und Ergänzung bedarf, so unterliegt es andererseits doch keinem Zweifel, daß sie einer solchen Verbesserung und Fortbildung sehr wohl fähig ist. Eine stärkere Betonung der Gefühls- und Willensakte im Vorgang der Apperzeption und deren Beziehung zum Ich z. B. dürfte ihrem Wesen ebensowenig widersprechen, als eine schärfere Unterscheidung des Begriffs der absichtlichen inneren Wahrnehmung von dem der Apperzeption. Was HERBARTs Auffassung aber von der LEIBNIZ'schen und kantischen sehr vorteilhaft unterscheidet, das ist  ihre weitreichende Anwendbarkeit und praktische Bedeutung auf dem Gebiet empirischer Tatsachen.  Wie durch sie mehr als ein Kapitel der Psychologie die wünschenswerte Klarheit, nicht bloß die niederen Erkenntnisvorgänge, "wie sie sich im gewöhnlichen Leiden vollziehen," sondern auch "die höheren geistigen Tätigkeiten" eine zureichende Erklärung finden, haben wir in den vorhergehenden Abschnitten nachzuweisen versucht.

In einem ähnlichen Sinn wie HERBART haben die meisten Psychologen seiner Schule das Problem der Apperzeption behandelt. Wir nennen von ihnen nur DROBISCH, SCHILLING, VOLKMANN, LUDWIG von STRÜMPELL, ZIMMERMANN, LINDNER, DRBAL. VOLKMANN gehört das Verdienst, die Begriffe der Apperzeption und inneren Wahrnehmung (Selbstbeobachtung) zuerst streng geschieden zu haben. Nach ihm vollzieht sich die innere Wahrnehmung auf dem subjektiven Gebiet des  Vorstellens  und besteht "im Bewußtsein der Kontinuität des Vorstellens der neueintretenden Vorstellung mit dem der bereits erworbenen Vorstellungen des Ich, das mit dem Urteil: Ich habe  A  abschließt," während sich der Vorgang der Apperzeption "in der objektiven Sphäre der  Vorstellungen  abspinnt, gerichtet auf das Bewußtwerden der Identität oder Nichtidentität der einander gegenüberstehenden Vorstellungen selbst und geschlossen durch das Urteil:  A ist Z."  (61) Die fruchtbarste  Anwendung auf pädagogischem Gebiet  hat der Apperzeptionsbegriff nach HERBARTs Voranschreiten durch ZILLER gefunden. Seine Darlegungen über aneignende Aufmerksamkeit verbreiten über Bedingungen und Verlauf des Lernprozesses und die daraus sich ergebende didaktischen Forderungen helles Licht (62). Eine  Fortbildung  der HERBART'schen Apperzeptionstheorie aber ist, vorzugsweise vom sprachphilosophischen Standpunkt aus, versucht worden durch LAZARUS und STEINTHAL. Ihren Untersuchungen sind die beiden folgenden Abschnitte gewidmet.


D. Der Begriff der Apperzeption bei Lazarus

Wie bei der materiellen oder geistigen Tätigkeit, so müssen auch im Prozeß der Wahrnehmung zwei Vorgänge unterschieden werden: der der Aktion und Reaktion. Jede Reaktion wird einerseits bestimmt von der Natur der Aktion, der sie entgegenwirkt, andererseits von der Natur, d. h. von der ursprünglichen oder erworbenen Beschaffenheit des reagierenden Wesens. So wird auch jede Wahrnehmung abhängig sein von der Natur des reizerregenden Gegenstandes und von der Natur der Seele als eines empfindenden Wesens. Nun kann aber die Seele in zweifacher Weise dem Sinnesreiz entgegenwirken: einmal gemäß ihrer  ursprünglichen  Beschaffenheit, sodann aber vermöge der durch ihre bisherige Tätigkeit  erworbenen  Verfassung. Im ersteren Fall entsteht eine  Perzeption,  in letzterem  Apperzeption.  Beide Vorgänge sind im Prozeß der Wahrnehmung stets miteinander gegeben; sie können wohl inhaltlich  unterschieden,  nie aber zeitlich voneinander  geschieden  werden.  Jede Perzeption ist zugleich Apperzeption, d. h. die Reaktion der von Inhalt bereits erfüllten und durch die früheren Prozesse mehr oder weniger ausgebildeten Seele.  Als empfindendes Wesen perzipiert sie gemäß den in früherer Tätigkeit erworbenen Elementen (63). Nicht zur fertigen Perzeption tritt noch eine Apperzeption, sondern jene bildet sich unter dem mitwirkenden und wesentlich bestimmenden Einfluß der letzteren.

Daher ergänzen, verbessern verschärfen wir die Empfindungen, fügen wir bei der Auffassung äußerer Gegenstände durch die Apperzeption hinzu, was sinnlich gar nicht gegeben ist, und auch bei der Sinnestäuschung und Jllusion begegnen wir ihrer geheimen Wirksamkeit.

Von besonderer Wichtigkeit ist sie für die sprachliche Entwicklung des Einzelnen wie ganzer Völker. Die  Schöpfung der Sprache  vollzog sich unter ihrer fortdauernden Mitwirkung. Sprachlos stand anfänglich der Mensch der Urzeit den auf ihn einstürmenden Reizen der Außenwelt gegenüber, nur mit Empfindungen ihnen antwortend. Aber die Reaktionen seiner Seele gegen die Sinneseindrücke steigerten sich, namentlich, wenn starke Gefühlserregungen mit ihnen verbunden waren, bald zu Reflexbewegungen, zu Lauten, welche alsdann der Ausdruck der gefühlserregenden Anschauungen waren. In dieser Lauterzeugung äußerte sich das Streben, die Gewalt der Eindrücke durch den Ausdruck auszugleichen, die Seele wie den Organismus von der Masse der empfangenden Eindrücke zu erlösen. Der infolge einer äußeren Wahrnehmung ausgestoßene Laut wurde innerlich angeschaut und verband sich mit der Vorstellung der wahrgenommenen Sache zu einer Komplexion, zu einer Einheit des Eindrucks und Ausdrucks. So oft nun derselbe Laut, von demselben oder einem anderen Menschen erzeugt, wiederkehrte, wurde er verstanden, gedeutet, d. h. er weckte mit Hilfe der vorhandenen Lautanschauung die entsprechende Sachvorstellung;  der Laut wurde zum Sprachlaut, die Perzeption zur Apperzeption.  So geschah es auf der ersten oder  pathognomischen  Stufe der Sprachbildung mit den Interjektionen oder Gefühlsausrufungen, so auf der zweiten oder  onomapoetischen  (namenschaffenden) Stufe mit den lautnachahmenden Äußerungen: was der Mensch selbst erst in diese Laute bei ihrer Erzeugung an seelischem Inhalt gelegt hat, das hörte er nun apperzipierend aus ihnen wieder heraus.

Noch deutlicher als bei der Bildung dieser sogenannten  "äußeren Sprachform"  trat die Wirksamkeit des bereits erworbenen Seeleninhalts bei einer anderen Art der Sprachschöpfung hervor. Wenn z. B. der Grieche und Römer das Rind als  bous, bos  bezeichnete, so faßte er es offenbar als das  Bu  machende auch, d. h. er schaute das ganze Tier nach einer einzigen Eigenschaft desselben, dem Ton seiner Stimme, an. Unter all den verschiedenartigen Empfindungen, aus denen die Vorstellung des Tieres zusammengesetzt ist, trat diese eine besonders hervor; ihr Name wurde deshalb auf die ganze Anschauung übertragen und hielt diese fest. Und so kam es, daß ein Wort das ganze Ding bezeichnete, welches in Wirklichkeit nur  eine  Eigenschaft desselben ausdrückt. So oft nun die Anschauung des Ochsen mit jenem Wort verknüpft wurde, so oft vollzog sich die Apperzeption einer neuen Wahrnehmung durch eine ältere, sprachlich fixierte. Diese durch die Sprache festgehaltene einseitige Beziehung der vielseitigen Sache zum Menschen nennt LAZARUS die  innere Sprachform.  Sie bezeichnet die Art der Apperzeption einer neuen Anschauung durch einen vorhandenen stärkeren Seeleninhalt. Am gewichtigsten machte sich die innere Sprachform auf der 3. Stufe der Sprachschöpfung geltend, welche als  charakterisierende  bezeichnet wird. Hier wurden keine neuen Elemente der Sprache (Wortwurzel und Wurzelwörter) mehr erzeugt, sondern man suchte mit Hilfe des gewonnenen Wortschatzes neue Formen zu bilden und alle neuen Anschauungen alten, verwandten Gruppen und Formen einzufügen. Hier erwies sich darum auch die apperzipierende Kraft des vorhandenen Sprachschatzes am wirksamsten und fruchtbarsten. - In ähnlicher Weise wie dereinst bei ganzen Völkern die Sprachschöpfung, vollzieht sich heute noch im Leben des Einzelnen die  Erlernung der Sprache:  auch das Kind unserer Tage muß sich, um das überlieferte Idiom verstehen und anwenden zu können, wie der Mensch der Urzeit die Sprache nach den Gesetzen der Apperzeption selbsttätig schaffen. -

Der Verlauf der Apperzeption ist natürlich abhängig von der Beschaffenheit der apperzipierten und apperzipierenden sowie der dieselben begleitenden Vorstellungen. Das  Subjekt  der Apperzeption insbesondere kann sowohl aus vereinzelten einfachen oder zusammengesetzten Vorstellungen als aus  Denkformen und Denkinhalten  bestehen. Letztere entstehen durch eine  Verdichtung  der Vorstellungen, wie wenn wir z. B. die wesentlichen Merkmale zahlreicher verwandter Dinge in einen Begriff, den Inhalt einer Abhandlung in eine logische Disposition, die einzelnen Züge, Erlebnisse und Handlungen einer historischen Person in eine knappe und doch vollständige Charakteristik zusammenfassen. Begriffe und Gesetze, Methoden des Denkens und der Arbeit, Maximen des Handelns, Regeln der Kunst sind gleichsam die psychischen Organe, durch die das Einzelne, worauf sie sich beziehen, apperzipiert wird.

Nur wirken sie nicht allein durch ihren Inhalt, sondern ebensosehr durch die sie begleitenden Seelenzustände. Nicht bloß das, was im Augenblick geistiger Aneignung das Bewußtsein erfüllt, erfaßt den neuen Eindruck, sondern es sind im Apperzeptionsprozeß auch  unbewußte Elemente  tätig, die mit den Bewußtseinsinhalten eine Gruppe oder Reihe bilden. Das geschieht namentlich da, wo statt des Inhaltes eines Gedankenkreises nur eine ihn vertretende Vorstellung apperzipierend im Bewußtsein steht (Repräsentation). Im Akt des Denkens, des künstlerischen Schaffens und Erfindens wird die bewußte Tätigkeit des Geistes stets durch mitschwingende unbewußte Vorstellungen unterstützt und bestimmt. Ja, gerade letzteren kommt das eigentliche Schaffen, Denken, Finden und Begründen zu. Nur die Absicht und der Wille des Schaffens auf der einen und der vollendete Erfolg auf der anderen Seite treten deutlich ins Bewußtsein. Der dazwischenliegende eigentliche Vorgang der Apperzeption oder Erzeugung des neuen Gebildes vollzieht sich unbewußt.

Schließlich sind für Form und Verlauf der Apperzeption auch die  Gefühle und Strebungen  von Bedeutung, die das Gemüt bewegen. Unsere Wünsche und Sorgen, unsere Neigungen und Bedürfnisse, unsere Sehnsucht und unser Wollen leiten und bestimmen unsere Auffassung der Dinge und Ereignisse. Und bei den gewaltigsten Schöpfungen des menschlichen Geistes erweist sich gerade die Stimmung, jenes einheitliche Gepräge des Gemüts, als die einflußreichste Gewalt zur Richtung und Ordnung der Apperzeption. -

 Der Begriff der Apperzeption hat durch  LAZARUS  eine wesentliche Erweiterung erfahren.  (64) Beschränkte er sich bei HERBART (65) der Hauptsache nach auf die Fälle, da der Aneignung des Neuen eine Aufregung des Gedankenkreises, eine denkende, verweilende Betrachtung, eine Wölbung und Zuspitzung der Vorstellungen vorausgeht, so ergab sich bei einer genaueren Untersuchung,  daß eine Apperzeption auch ohne eine solche absichtliche Lenkung der Vorstellungsbewegung zustande kommt.  Nicht bloß im Moment andauernder Überlegung und tiefen Denkens, sondern auch bei den scheinbar einfachsten Vorgängen geistigen Lebens sind wir apperzipierend tätig. Man darf daher wohl die Apperzeption ganz allgemein bezeichnen als die Reaktion der von Inhalt erfüllten Seele gegen äußere und inneren Perzeptionen. Nur wird man nicht so weit gehen, mit LAZARUS  jede  Perzeption zugleich als eine Apperzeption anzusehen (66) und die Frage, ob unter Umständen die Apperzeption der Perzeption nachfolgt, zu verneinen. Denn es gibt, wie wir oben schon bemerkten, unzweifelhaft Perzeptionen, die entweder gar nicht, oder doch erst nachträglich apperzipiert werden.

Wenn LAZARUS weiter die Bedeutung der unbewußten Vorstellungen sowie der Gefühle und Neigungen, der Stimmung und des Willens für den Verlauf der Apperzeption mit Nachdruck hervorhebt, so bietet er damit eine sehr wichtige Ergänzung der HERBART'schen Auffassung. Denn was die im Akt der Apperzeption auftretenden Vorstellungsmassen vorwiegend weckt und leitet, sind jene geheimen Mächte des Gemüts; sie kennenlernen heißt die tiefsten Gründe und Ursachen der Apperzeption erkennen. Ob freilich unser Denken und Erfinden lediglich auf die Wirksamkeit unbewußter Elemente unseres Geistes zurückzuführen ist, wie LAZARUS meint, unterliegt doch einigem Zweifel. Gewiß verdanken wir der Regsamkeit des Unbewußten einen Gutteil des reproduzierten Gedankenstoffes, der sich dem Denkenden anbietet, jenes dunkle Gefühl, das eine Wahrheit mehr andeutet, als zur Klarheit erhebt. Aber das eigentliche Denken und Erfinden setzt doch ein absichtliches Überlegen, d. h. ein "Übereinanderlegen", ein Vergleichen und Abwägen, also die  bewußte  Tätigkeit voraus, ohne die man über subjektive Einfälle und kritiklose Gedankenassoziation nicht hinauskommt.

Der HERBART'sche Gedanke schließlich, daß das  Gespräch  die Apperzeption der inneren Wahrnehmung fördert und begünstigt, ist durch LAZARUS und STEINTHAL zu einer allgemeinen Betrachtung darüber erweitert worden,  in welcher Wechselwirkung Sprache und Apperzeption überhaupt zueinander stehen.  Ihre in gewissem Sinne bahnbrechenden Untersuchungen haben die  Einsicht in die Prozesse der Sprachschöpfung und Spracherlernung  erheblich weiter gebracht und vertieft. Insbesondere ist LAZARUS' "Leben der Seele" reich an  pädagogischen  Gedanken und Anregungen.


E. Der Begriff der Apperzeption bei Steinthal

Jede Wahrnehmung ist ein Prozeß, der sich zwischen zwei psychischen Faktoren oder Elementen vollzieht. (67) Gegeben ist zunächst eine durch den Sinnesreiz veranlaßte primäre Seelenregung, ein schwaches, unvollkommenes Produkt, in dem Subjektives und Objektives noch nicht geschieden ist und das uns von einem reizerregenden Außending so gut wie keine Erkenntnis bietet. Es kann daher auch weder als Empfindung noch als Perzeption bezeichnet werden. Zu ihm tritt ein zweites, wichtigeres Element das Erinnerungsbild von demselben oder einem ganz ähnlichen Gegenstand unserer Wahrnehmung. Dieses hilft die primäre Seelenregung deuten und verstehen, indem es mit ihr verschmilzt. Ein als Besitz der Seele anzusehender Begriff oder eine Vorstellungsgruppe  apperzipiert  also den neuen Eindruck. Aus der Verbindung beider entsteht ein Produkt der Erkenntnis, die Wahrnehmung oder  Perzeption. 

Die Apperzeption hebt nicht etwa erst die Perzeption ins Bewußtsein; denn beide können die Gunst des Bewußtseins haben oder nicht. Die Apperzeption tritt nicht zur Perzeption  hinzu,  sondern letztere ist das Ergebnis der ersteren, das Perzipierte.

Wie bei der Entstehung der einfachsten Wahrnehmungen, so ist nicht minder bei der Schöpfung und Wiederholung zusammengesetzter Anschauungen und Begriffe, bei der Erzeugung der genialsten Gedanken Apperzeption tätig. Sie ist aber in jedem Fall  die Bewegung zweier Vorstellungsmassen gegeneinander zur Erzeugung einer Erkenntnis,  der Inbegriff der seelischen Prozesse, auf denen die jedesmalige Erkenntnis beruth. Sie wird durchgängig von den elementaren psychischen Vorgängen getragen; aber sie schließt diese in besonderen Kombinationen in sich. Sie beruth z. B., wie wir gesehen haben, auf der Verschmelzung; aber letzterer Begriff enthält bei weitem nicht all die Merkmale, die wir im Begriff der Apperzeption vereinigen. Wenn man z. B. eine geliebte Person wiedererkennt, so wird der durch das Auge vermittelte Sinnesreiz durch eine ganze Reihe erinnerter Vorstellungen, Gefühle und Begehrungen apperzipiert, dadurch ergänzt und zu einem bestimmten Objekt gestaltet. Wiedererkennen heißt nicht bloß: das Bewußtsein haben, die gegenwärtige Person sei die von uns gekannte und geliebte. Sondern der ganze Zustand, in den unser Gemüt durch die Gegenwart desselben gerät, das ist es, was wir sehr kalt ein Wiedererkennen heißen. Aber nicht eine theoretische Tat, eine Erkenntnis ist es, die wir üben, sondern eine Lebensbetätigung, eine Gestaltung unseres Seins. Eine solche Apperzeption enthält mehr als die Verschmelzung eines gegenwärtigen und eines erinnerten Bildes. Sie zeigt uns,  daß wir gar nicht imstande sind, alle im Apperzeptionsvorgang mitwirkenden Faktoren für jeden Fall genau festzustellen  und daß daher der Begriff desselben in gewisser Beziehung ein dunkler bleiben wird. -

Von den Vorstellungsmassen, die sich zur Erzeugung einer Erkenntnis gegeneinander bewegen, kann die eine als das  Subjekt,  die andere als das  Objekt  der Apperzeption betrachtet werden. Ein Blick auf das  psychologische  Verhältnis, das zwischen ihnen besteht, dürfte zur tieferen Erfassung des Wesens der Apperzeption und ihrer  Bedingungen  beitragen.

Das  Subjekt  der Apperzeption bilden  in den meisten Fällen  schon vorhandene  ältere Vorstellungen,  d. h. die Seele bringt zum Apperzeptionsprozeß ein apriorisches Element hinzu, welches als das aktive und mächtigere die Richtung und den Erfolg des ganzen Vorganges bestimmt. Was verleiht ihm aber ein solches Übergewicht über die neue, angeeignete Vorstellung? Es ist die starke  Reizbarkeit  desselben, die Fähigkeit, leicht ins Bewußtsein zurückzukehren und neue Verbindungen mit anderen Seeleninhalten einzugehen. Eine solche Reizbarkeit und Beweglichkeit paßt in der Regel zu reichen, wohlgegliederten Gruppen, die sehr oft und regelmäßig reproduziert werden, Vorstellungskreisen, die sich z. B. auf den Beruf, die Lebensweise, die alltägliche Beschäftigung des Menschen beziehen. Jeder hat eine oder mehrere solcher Gruppen, die eine ganz besonders starke Apperzeptionsmacht entfalten und die man daher als herrschende Gedankenkreise bezeichnet.

Doch ist ihre Wirksamkeit keine ausschließliche: wir apperzipieren oft genug auch mit schwächeren und schwächsten Vorstellungen, wenn sie dem Gegebenen am meisten kongruent sind. Man kann daher im allgemeinen sagen:  Es apperzipiert stets diejenige Gruppe, die sich absolut oder nur für den besonderen Fall als die mächtigere erweist.  Eine Hauptbedingung für die relative Macht der Vorstellungen ist das Interesse, die Bereitwilligkeit einer Vorstellungsgruppe zu apperzipierender Tätigkeit, welche auf dem gefühlten oder erwarteten Behagen an der Betätigung ihrer Kraft beruth. Interesse aber weckt Aufmerksamkeit, d. h. Bereitwilligkeit bewirkt Bereitschaft zu geistiger Aneignung. Daß schließlich auch  unbewußte,  mitschwingende Vorstellungen sowie eine das Gemüt im jeweiligen Augenblick beherrschende Stimmung einer Vorstellungsgruppe zu apperzipierender Macht verhelfen können, darf nicht unerwähnt bleiben.

Wenn so im allgemeinen das apriorische Element als das stärkere in der Apperzeption vorzugsweise sich geltend macht, so kann doch auch der Fall eintreten, daß eine neue Beobachtung unsere apperzipierende Gruppe im Apperzeptionsvorgang selbst umgestaltet oder bereichert. Unter Umständen ist also das  Objekt  der Apperzeption das mächtigere Element, welches die Richtung und das Ergebnis der geistigen Aneignung bestimmt. -

Wie das psychologische, so läßt sich auch das  logische Verhältnis  der beiden Faktoren der Apperzeption einer Betrachtung unterziehen. Je nach den Beziehungen zwischen ihrem Inhalt unterscheiden wir folgende  Art der Apperzeption. 
    1. Ist das Objekt der Apperzeption völlig gleich dem Subjekt der Apperzeption, entspricht z. B. eine Wahrnehmung einem vorhandenen Erinnerungsbild, so verschmelzen beide miteinander, und zwar nicht bloß hinsichtlich ihres Erkenntnisinhalts, sondern auch in Bezug auf die mit ihnen verbundenen Gemütszustände. Das ist die  identifizierende  Apperzeption.

    2. Wenn hier Einzelnes von Einzelnem apperzipiert wurde, so geschieht es in anderen Fälle, daß Einzelnes von Allgemeinerem angeeignet wird, die Anschauung eines Wesens von Artbegriff, die Art von der Gattung usw. Unter diese sogenannte  subsumierende  Apperzeption fällt alles Klassifizieren und Ordnen, alles Beweisen und Schließen, alles ästhetische und ethische Beurteilen.

    3. Oft vermag man wohl eine bestimmte Tatsache unter gewisse Begriffe subsumieren; aber man ist nicht imstande, sie mit verwandten Gedankenkreise, die der Sitz lebhafter Gefühle und Wünsche sind, zu vereinigen. Stirbt uns z. B. eine geliebte Person, so verstehen wir dieses Ereignis nur zu gut; aber wir können es nicht fassen, nicht mit den übrigen Gemütszuständen in Einklang bringen, d. h. nicht apperzipieren. Wenn sich hier schließlich ein Ausgleich zwischen den einander widerstrebenden Gedankengruppen vollzieht, so handelt es sich nicht um ein Verhältnis einander über- und untergeordneter Begriffe, sondern um die Herstellung angemessener Beziehungen zwischen beigeordneten oder verschiedenen Gattungen angehörenden Begriffen. Dies ist die Aufgabe der  harmonisierenden  Apperzeption.

    4. Die  schöpferische  oder gestaltende Apperzeption finden wir schließlich in all jenen Kombinationen wieder, auf denen der eigentliche Fortschritt der Wissenschaften beruth, in den Schöpfungen unserer Dichter und Künstler, im Denkverfahren der Induktion und Deduktion, im Erraten von Rätseln, aber auch in der Jllusion und Halluzination. Eigentümlich ist ihr der Umstand, daß sie in jedem einzelnen Fall den apperzipierenden Faktor erst schafft. -
STEINTHAL hat wie LAZARUS dem Begriff der Apperzeption eine allgemeinere Fassung zu geben versucht. Indem der jedoch alle Tätigkeit der erkennenden Seele unter das weitreichende Dach seiner Formel bringt, schließt er unseres Erachtens psychologische Prozesse in dieselbe mit ein, die darum, weil sie wie die Apperzeption der Erzeugung von Erkenntnis dienen, doch nicht gleichzusetzen sind mit dem eigentümlichen Akt der geistigen Aneignung. Andererseits vermißt man in seiner Begriffserklärung Merkmale, die er selbst der Apperzeption als wesentliche zugesprochen hat: daß sie mehr ist als eine Verschmelzung von Vorstellungen, daß an der Bewegung der Vorstellungsmassen meist lebhafte Gefühle und Neigungen teilnehmen, verrät sie nicht. Dazu läßt sie uns auch im Unklaren, wie es die "sich gegeneinander bewegenden Vorstellungsmassen" anfangen, um eine Erkenntnis zu erzeugen.  Die Erweiterung des Begriffes hat also der Bestimmtheit und Klarheit desselben Abbruch getan. 

Wenn STEINTHAL weiter im Widerspruch zum herrschenden Sprachgebrauch die Perzeption nicht als den Gegenstand, sondern als das Ergebnis der Apperzeption bezeichnet, so würde gegen eine solche Neuerung, falls sie sich als zweckmäßig und notwendig erweist, nichts einzuwenden sein. Allein abgesehen davon, daß STEINTHAL die Bedeutung der primären  Seelenregungen  (Empfindungen im gewöhnlichen Sinne) doch wohl zu unterschätzen scheint, so kann der Ausdruck  "Perzeption"  nicht als eine glückliche Bezeichnung für das Produkt der Apperzeption, das Wahrgenommene betrachtet werden. Denn wenn die Tätigkeit, welche den primären Seelenvorgang mit dem bereits vorhandenen Vorstellungsinhalt verbindet, Apperzeption genannt wird, so würde das Ergebnis derselben wohl als ein Perzipiertes, als ein  Perzeptum,  nicht aber als  Perzeption  anzusehen und zu benennen sein: ist es doch nicht wie die Apperzeption eine Tätigkeit, sondern ein psychisches Produkt, nicht ein Vorstellen, sondern ein Vorgestelltes. Zur klaren Unterscheidung der drei im Prozeß der Apperzeption vereinigten Momente dürfte daher die STEINTHAL'sche Umdeutung des  terminus  PERZEPTION schwerlich beitragen. Wohl liegt ihr der auch von LAZARUS vertretene annehmbare Gedanke zugrunde, daß die Perzeption (Wahrnehmung) stets oder fast immer mit Hilfe der Apperzeption zustande kommt und ohne sie gar nicht zu denken sei. Aber was zeitlich zusammen gegeben ist, kann darum doch logisch getrennt und nach seinen besonderen Merkmalen betrachtet werden. Man kann im Prozeß der Wahrnehmung die Teilvorgänge der Perzeption und Apperzeption unterscheiden, ohne damit die Möglichkeit einer bloßen Perzeption behaupten zu wollen.

Was ferner die von STEINTHAL aufgestellte und von LAZARUS (68) der Hauptsache nach angenommene Einteilung der Apperzeptionsvorgänge anlangt, so bemerkt ERDMANN (69), daß sie sich nach logischen Gesichtspunkten richtet, während doch allein das psychologische Verhältnis zwischen Subjekt und Objekt der Apperzeption hätte maßgeblich sein sollen. Auch sei infolge dessen eine durchaus koordinierte Art, die determinierende Apperzeption, übergangen worden. Hierauf erwidert STEINTHAL (70) daß seiner Klassifikation der psychologische Einteilungsgrund nicht fehlt. Die identifizierende Apperzeption beruth auf Verschmelzung, die subsumierende auf Verflechtung, die harmonisierende auf Verbindung. (71) Überdies hängt ja die Macht einer Gruppe, wie er betont hat, nicht bloß von ihrer inneren, aus ihrem Zusammenhalt entspringenden Kraft ab, sondern auch von den ihr ganz fremden Verhältnissen, wie sie im Interesse, in der Stimmung zum Ausdruck kommen; es sind somit nicht bloß objektive Vorstellungsverhältnisse, welche die Apperzeption bestimmen, sondern auch ganz subjektive Gemütszustände. Gewiß haben diese Einwände ihre volle Berechtigung. Gleichwohl legen sie den Wunsch nahe, daß auch die schöpferische Apperzeption auf eine eigentümliche Weise der Vorstellungsverbindung zurückgeführt und so als eine den übrigen Apperzeptionsvorgängen beigeordnete Art erwiesen werden möchte. Die von ERDMANN vermißte determinierende Apperzeption rechnet übrigens STEINTHAL zu den Formen des  Verstehens da seine Arten nur Formen der  Erkenntnis  sind, so müssen jene ihnen in ihrer Gesamtheit als eine andere Gattung gegenübergestellt werden. Wie aber das Erkennen seine Arten oder Formen der Apperzeption hat, so auch das Verstehen.

In  zwei  wichtigen Punkten ist durch STEINTHAL eine  Berichtigung  und  Fortbildung  der HERBART'schen Apperzeptionstheorie bewirkt worden. Zunächst hat er darauf hingewiesen, daß die apperzipierenden Vorstellungen nicht als starre Massen zu denken sind, denen alle neuen Erfahrungen anbequemt werden müßten, sondern als bildsame Vorstellungsgruppen, die oft genug von den apperzipierten Elementen eine Umgestaltung ihres Inhalts und ihrer Verbindungenn erleiden. Und dann hat er durch eine Hervorhebung der Gemütszustände, deren dunkle, geheime Macht im Apperzeptionsvorgang die Vorstellungen begleitet und lenkt, eine tiefere Auffassung jenes Erkenntnisaktes angebahnt. Wenn er hierbei, wie uns dünkt, der Einwirkung des Willens zu wenig Rechnung trägt, (72) so scheint er doch andererseits sehr richtig die nahe Beziehung erkannt zu haben, in welcher die Apperzeptionstätigkeit oft zur Ichvorstellung steht. - -

Bei den neueren Psychologen außerhalb der HERBART'schen Schule begegnen wir dem  terminus  "Apperzeption" nur selten. Doch ist ihnen der durch ihn bezeichnete eigentümliche Prozeß nicht unbekannt; fast übereinstimmend fassen sie ihn nach HERBART's Voranschreiten auf als eine Verschmelzung ähnlicher Vorstellungen. So dienen z. B. bei BENEKE die  "Spuren",  d. h. das, was von den aus dem Bewußtsein geschwundenen psychischen Vorgängen dauernd in der Seele zurückbleibt, der leichteren und sicheren Aneignung neuer Wahrnehmungen. Mit Rücksicht auf diese Tätigkeit bezeichnet er sie als eine den sinnlichen Eindrücken entgegenkommende "Auffassungskraft" (Pragmatische Psychologie, Bd. 1, Seite 169f). - In ähnlichem Sinne redet THEODOR WAITZ von den sogenannten "Residuen oder Resten", d. h. den von einer Perzeption in der Seele verbleibenden Nachwirkungen; durch sie werden "alle späteren Zustände der Seele modifiziert" (Grundlegung der Psychologie, Seite 57). In der frühesten Kindheit soll es das Gemeingefühl, d. h. "die durch die Gleichzeitigkeit verschiedener Reize entstehende verworrene Auffassung" sein, welche alle gesondert hervortretenden, deutlichen spezifischen Sinnesempfindungen (nebst den entsprechenden Vorstellungen) apperzipiere. Auch im späteren Leben kann "keine Perzeption rein und isoliert auftreten, weil das Innere stets schon mit einer großen Menge von Resten früherer Zustände präokkupiert [beschäftigt - wp] ist", mit welchen sie sich vor ihrer Aneignung erst auseinanderzusetzen hat. - DITTES bezeichnet als Apperzeption eine Wahrnehmung, die durch das Hinzutreten schon vorhandener Seelengebilde zu neuen Eindrücken oder Perzeptionen entsteht (Lehrbuch der Psychologie, 5. Auflage, Seite 80). - ERDMANN unterscheidet ebenfalls Perzeption und Apperzeption, insofern er das aneignende Perzipieren "Anschauen" nennt im Gegensatz zum bloßen "Sehen", Wahrnehmen, Perzipieren. "Das völlig Fremde ist nur Objekt, dies wird perzipiert, nicht angeschaut". Bei der Anschauung dagegen "enthält das objektiv Perzipierte zugleich das eigene Innere". (Psychologische Briefe, 4. Auflage, Seite 281 und 279). Wenn I. H. FICHTE im Prozeß der Wahrnehmung drei Momente: das Empfinden (Perzeption), das Anschauen (Unterscheiden und Verbinden von Empfindungen) und das Anerkennen unterscheidet, so finden wir in letztgenannter Tätigkeit, durch welche "eine einzelne Anschauung auf ein schon (in der Seele) vorhandenes Gemeinbild bezogen und dies in jener wiedererkannt, - anerkannt wird", die Apperzeption wieder. Sie ist es, welche die Einzelperzeption in verwandte Vorstellungsgruppen einfügt; durch sie wird erst "ein Gegenstand wahrgenommen, d. h. das "Wahre" (Wesentliche) an ihm aus dem bloßen Empfindungsinhalt und der Einzelanschauung herauserkannt", durch sie die Wahrnehmung vollendet (Psychologie I, Seite 381f). - Nach LOTZE gibt es bewußte Empfindungen, deren Inhalt uns im hastigen Wechsel der Seelenzustände verloren geht, da ihm keine bestimmte Vorstellung unseres eigenen Lebens entgegenkommt, mit welcher er sich assoziieren und in der wohlbegrenzter Zeichnung er seinen angemessenen Ort unabänderlich einnehmen könnte. Eine solche Empfindung heißt  Perzeption  zum Unterschied von der  Apperzeption,  durch welche wir uns einer Wahrnehmung  bewußt  werden. Wir apperzipieren diejenigen Eindrücke, die wir in den verständlichen Zusammenhang unseres empirischen Ich aufnehmen und deren Verwandtschaft zu früheren Erlebnissen, deren Wert für die Weiterentwicklung unserer Persönlichkeit wir zugleich fühlen und für eine spätere Erinnerung aufbewahren." "Von der Breite und Ausführlichkeit, mit welcher in jedem Augenblick die Vorstellung unseres Ich in unserem Gedankenlauf vorhanden ist, hängen die unendlich verschiedenen  Grade der Vollkommenheit  ab, mit denen eine Wahrnehmung in unser Selbstbewußtsein aufgenommen", d. h. apperzipiert wird. "Denn die Vorstellung des Ich, die ihr entgegenkommt, ist nicht überall die gleiche; häufig arm und inhaltslos, verknüpft sie den geschehenen Eindruck nur mit wenigen vielleicht unbedeutenden Zügen des eigenen Wesens und erkennt ihn nicht in einem intellektuellen Wert an, den er für den Zusammenhang unseres Lebens wirklich hat; die bedeutungsvollsten Wahrnehmungen gehen nach dem momentanen Zustand unserer Stimmung oft fruchtlos für uns verloren, während wir in einem anderen Augenblick ihrer Wichtigkeit plötzlich inne werden. Beschränkt sich diese Veränderlichkeit der Auffassung auf den theoretischen Inhalt der Eindrücke, so würde eine spätere Reproduktion derselben unter günstigeren Umständen die Mängel der ersten Wahrnehmung ausgleichen können; sie wird dagegen verhängnisvoll, indem sie sich auch auf Entschlüsse und Handlungen ausdehnt." (Medizinische Psychologie, Seite 504.) - -

Zwei Richtungen sahen wir sich bis jetzt in der Geschichte des Apperzeptionsbegriffs im Anschluß an LEIBNIZ'sche Gedanken entwickeln. Die durch KANT vertretene Auffassung betrachtete den Apperzeptionsvorgang als die Äußerung einer  angeborenen  spontanen Tätigkeit, während die HERBART'sche Schule mehr die Wirksamkeit des im Verlauf der geistigen Entwicklung  erworbenen  Seeleninhaltes betonte. Wenn letztere vorzugsweise die weitere Ausgestaltung und Anwendung der Apperzeptionstheorie sich angelegen sein ließ, so blieb dagegen der durch KANT unternommene Versuch, alle Apperzeption auf das reine Selbstbewußtsein zu gründen, ohne Nachfolge.

Erst in neuerer Zeit ist der Gedanke einer spontanen Apperzeptionstätigkeit - unter Verzicht auf KANTs metaphysische Voraussetzungen - wieder aufgenommen und zu einer selbständigen Apperzeptionstheorie erweitert worden. Ihr ist der letzte Abschnitt unserer historischen Skizze gewidmet.


F. Wundts Lehre von der Apperzeption

Die Vorstellungen, welche sich in einem gegebenen Moment im Bewußtsein befinden, sind hinsichtlich des Grades ihrer Deutlichkeit voneinander verschieden. Die Mehrzahl derselben tritt als minder deutlich zurück hinter einer Vorstellung oder einem Vorstellungselement, das sich durch besondere Klarheit auszeichnet. Man hat diese Tatsache verglichen mit einer ähnlichen Erscheinung, wie sie der Akt des Sehens darbietet. Die Bilder, welche hier von äußeren Gegenständen gleichzeitig auf der Netzhaut erzeugt werden, sind am deutlichsten an derjenigen Stelle des Sehfeldes, welche man als Blickpunkt bezeichnet; sie nehmen an Klarheit bis zur völligen Dunkelheit ab, je weiter sie von jener Stelle entfernt liegen. Faßt man nun das Bewußtsein bildlich als ein inneres Sehen auf, so kann man wohl sagen, daß alle in einem bestimmten Augenblick gegenwärtigen Vorstellungen sich im Blick feld  des Bewußtseins befinden, während nur eine derselben im Blick punkt  des Bewußtseins steht. Der Eintritt einer Vorstellung in das innere Blickfeld aber wird als  Perzeption,  ihr Eintritt in den  Blickpunkt  als  Apperzeption  bezeichnet (73).

Demnach kündigt sich die Apperzeption zunächst in einem  hohen Grad von Deutlichkeit an,  den die apperzipierte Vorstellung erlangt. Zugleich aber auch in einer bestimmten psychischen Tätigkeit, welche diesen Erfolg herbeiführt. Jene Vorstellung, die sich als Perzeption neben anderen im Bewußtsein befand, war durch die  Aufmerksamkeit  erfaßt und für sich zu höherer Klarheit erhoben. Aufmerksamkeit ist aber nichts anderes als Willenstätigkeit. Denn der Wille wird definiert als eine im Bewußtsein wahrnehmbare Tätigkeit, welche in den Verlauf unserer inneren Zustände bestimmend eingreift und in ihnen entsprechende äußere Bewegungen hervorruft. Demnach ist die Apperzeption ihrem Wesen nach ein Willensakt, eine Einwirkung des Wollens auf die Vorstellungen. Keine Apperzeption ohne Willenstätigkeit! (74) Und zwar ist es immer der  eine  Wille, der sich in allen Formen der Apperzeption äußert. "Die Apperzeption ist das Handeln unseres Willens auf dem Gebiet unserer Vorstellungen, und nur in diesem Handeln empfinden wir selbst die Einheit unseres Willens. Deshalb ist die Apperzeption, wie auch LEIBNIZ und KANT annahmen, die Grundlage unseres Selbstbewußtseins." (75)

Es leuchtet ein, daß eine so fundamentale psychische Funktion eine weitreichende Herrschaft auf dem Gebiet des Vorstellens ausüben muß. Ohne Apperzeption würden unsere Vorstellungen zerstreuten Gliedern gleichen, denen das einigende Band fehlt; sie würden unfähig sein, irgendeine Assoziation miteinander einzugehen. Denn es ist eine irrtümliche Annahme, daß sich die Vorstellungen verknüpfen aufgrund ihres Inhaltes, ihrer inneren und äußeren Beziehungen. Was sie verbindet, ist die Apperzeption. Ja, sie erhebt die Assoziationen erst zu einem Rang innerer Funktionen. Die Apperzeption empfinden wir unmittelbar als eine innere Tätigkeit, "von welcher aus wir dann den Charakter innerer Tätigkeit auch auf den Inhalt des Apperzipierten übertragen. Die Vorstellungen selbst erscheinen uns als innere Tätigkeiten, obwohl wir uns bewußt bleiben, daß nur ihrer Apperzeption dieser Charakter zukommt". Mit Rücksicht auf diese Tatsache bezeichnet WUNDT daher die Apperzeption geradezu als die  "vorstellende Tätigkeit".  (76) Sie ist also Vorstellungs- und Willenstätigkeit zugleich und somit - da nach WUNDT das Gefühl auf den Willen zurückzuführen ist - der Inbegriff aller inneren Tätigkeit überhaupt.

So lange die Apperzeption auf dem Gebiet der assoziativen Vorstellungsverbindungen wirksam ist, so weit sie also zur Entstehung elementarer geistiger Gebilde, der Komplexionen und Komplikationen, der Vorstellungs-Gruppen und Reihen beiträgt, tritt ihr Charakter als Willenstätigkeit nicht hervor: Vorstellungen werden hier apperzipierend verbunden, ohne daß man sich des Eingreifens des Willens bewußt wird. (77) WUNDT führt dies auf die Tatsache zurück, daß hier der Wille durch die in das Bewußtsein eintretenden Vorstellungen  eindeutig  bestimmt wird, d. h. unter letzteren zeichnet sich in der Regel  eine  so sehr durch ihre Intensität oder durch den ihr zukommenden Gefühlston aus, daß die Apperzeption einer anderen gar nicht in Frage kommen kann. Infolgedessen glauben wir uns durch die äußeren Eindrücke oder durch unsere Reproduktionen gelenkt und nicht durch unseren Willen. Wir haben hier eine Form der Apperzeption vor uns, die als  passive  bezeichnet wird. Anders verhält es sich bei der Apperzeptionstätigkeit, die aufgrund der assoziativen Vorstellungsverbindungen zur Bildung von Begriffen, Urteilen und Schlüssen schreitet, einer Tätigkeit, die sich also vorwiegend auf dem Gebiet des Denkens und Phantasierens bewegt. Hier wird die Apperzeption nicht eindeutig durch assoziativ gehobenen Vorstellungen gelenkt, sondern es liegen ihr mehrere Vorstellungen vor, unter denen sie wählen kann. Und "sie wählt mittels einer durch die gesamte Entwicklungsgeschichte des Bewußtseins kausal bestimmten Tätigkeit aus mehreren Assoziationen die geeigneten Vorstellungen aus". Hier erst werden wir uns der Apperzeption als einer inneren oder Willenstätigkeit deutlich bewußt. Sie führt darum auch den Namen der  aktiven  Apperzeption.

Zum Bewußtsein kommt uns der Apperzeptionsprozeß hauptsächlich durch die Spannungsempfindungen, die ihn, namentlich im Fall der Besinnung oder der Spannung auf einen erwarteten Eindruck, begleiten. Das führt uns auf die  physiologischen Vorgänge,  welche mit ihm verknüpft sind. Nach den eingehenden und höchst interessanten Untersuchungen WUNDTs sind bei der Apperzeption einer erwarteten Sinnesempfindung folgende physiologische Funktionen zu unterscheiden:
    1. Leitung des Empfindungsreizes vom Sinnesorgan bis zum Gehirn.

    2. Reizung der Sinneszentren (im Augenblick der psychischen Reaktion, des Eintritts der Vorstellung ins Blick feld  des Bewußtseins, der Perzeption).

    3. Übertragung des sensorischen Reizes auf das Zentralgebiet der Apperzeption, d. h. die Stirnregion des Großhirns; Leitung dieses Erregungsvorgangs zu den Sinneszentren zurück, wodurch eine Verstärkung der Vorstellung bewirkt wird, und auf das Gebiet der willkürlichen Muskulatur, wodurch gewisse Muskelspannungen entstehen (Eintritt der Vorstellungen in den Blick punkt  des Bewußtseins = Apperzeption).
Namentlich sind es jene Muskelspannungen, auf welchen bei intensiver Apperzeption das Gefühl der Anstrengung beruth. Beim Aufmerken auf  äußere  Sinneseindrücke nimmt man in den  betreffenden Sinnesorganen  (Auge, Ohr) eine Spannung wahr. Beim Besinnen auf  Erinnerungsbilder  zieht sich diese Empfindung auf die das Gehirn umschließenden Teile des Kopfes zurück. In beiden Fällen handelt es sich um eine Innervationsempfindung [Nervengefühl - wp] der Muskeln, welche von einer wirklichen Spannung derselben und infolgedessen von Muskel- und Tastempfindungen begleitet wird. (78)

Die im Vorstehenden skizzierte Theorie WUNDTs nimmt ausgesprochenermaßen das Verdienst für sich in Anspruch, die  Spontaneität der Apperzeption  erwiesen und im Gegensatz zu HERBART aufs Neue nachdrücklich betont zu haben. Sie knüpft somit an einen Gedanken der LEIBNIZ'schen und kantischen Apperzeptionstheorie an, ohne denselben in seiner schroffen Form festzuhalten. Denn während die LEIBNIZ'sche Seelenmonas ihre Vorstellungen unabhängig von den Ereignissen und Erscheinungen der Außenwelt,  sua sponte  [aus eigenem Antrieb - wp] erzeugt und die kantische Apperzeptionstätigkeit durch die äußere und innere Erfahrung nur veranlaßt, nicht aber inhaltlich bestimmt wird, läßt WUNDT den Willen im Apperzeptionsvorgang aufgrund gewisser Motive hervortreten, die für die Richtung seiner Tätigkeit maßgebend sind. Er behauptet also keine absolute, sondern nur eine  relative Spontaneität  des Willens. Immerhin aber wird alle Apperzeption auf die spontane Tätigkeit desselben zurückgeführt. Zahlreiche Tatsachen, wie wir sie im Verlauf unserer bisherigen Untersuchung kennen lernten, scheinen für diese Annahme zu sprechen. In all den Fällen, da die geistige Aneignung sich erst nach der Überwindung besonderer Schwierigkeiten vollzieht, da ihr eine denkende, verweilende Betrachtung, ein Schwanken zwischen verschiedenen Reproduktionsreihen vorausgeht, wird auch die Einwirkung des Willens als eine den Verlauf der Vorstellungen regelnde Tätigkeit nachgewiesen werden können. Und je weiter die geistige Entwicklung des Menschen fortschreitet, eine desto wichtigere Rolle spielen jene Apperzeptionen, die unter Mitwirkung des Willens zustande kommen und durch denselben geleitet werden.

Aber wenn sich so bei einer gewissen Form der Apperzeption neben anderen Faktoren (Vorstellung und Gefühl) auch der Wille geltend macht,  so folgt daraus noch nicht, daß die Apperzeption nichts weiter als Willenstätigkeit ist.  Zudem beziehen sich ja all jene Bemerkungen nur auf die  aktive  Apperzeption: die  passive Apperzeption ermangelt, wie der Name schon sagt, der Mitwirkung des Willens.  Oder sollte wirklich zur Erzeugung so einfacher (von WUNDT zu den Apperzeptionsprodukten gerechneter) Komplexionen und Komplikationen, wie das Bild eines Vogels, ein Dreiklang, die Gesamtvorstellung von einem Apfel, stets ein besonderer Willensakt nötig sein? Die Erfahrung scheint dem zu widersprechen. Sie weiß nichts von einer ursprünglichen spontanen Tätigkeit, die sich  von Anfang an als ein und derselbe Wille  in allen Formen der Apperzeption geltend macht. Sie lehrt vielmehr, daß der Wille nicht ein für allemal gegeben ist, sondern sich erst allmählich aus Strebungen und Begehrungen entwickelt. Sie zeigt uns, daß das Kind das willkürliche, also vom Willen abhängige Aufmerken erst lernen muß, nicht aber als Fertigkeit zur Schule, geschweige denn auf die Welt bringt. Es apperzipiert, noch ehe sich aus dem Grund dunkler Gefühle und schwankender Begehrungen sein Wille erhebt. Und dieser ist es, der im Anfang vielfach einem apperzeptiven Vorgang seine Entstehung verdankt, nicht umgekehrt: infolge passiver Apperzeptionen erlangen gewisse Vorstellungen einen Motivwert, der den Willen hervorruft. Wohl vergilt der Wille diesen Dienst, indem er weiterhin oft im Apperzeptionsvorgang für die Wölbung und Zuspitzung des Gedankenkreises die erforderlichen Bedingungen schafft. Aber seine eigene Weiterentwicklung bis zur Höhe geistiger und sittlicher Freiheit ist, wie wir sahen, wiederum nur möglich unter der Mitwirkung zahlreicher Apperzeptionsakte. So ist also der Wille mindestens ebensosehr, wenn nicht mehr von der Apperzeptionstätigkeit  abhängig,  als letztere in gewissen Fällen vom Willen. Die Apperzeption ist ebensowenig ein bloßes Werk des Willens als der Wille ausschließlich die Folge der Apperzeption. Aber jedes vermag das andere zu bedingen und zu fördern. (79)

Freilich kann WUNDT uns entgegenhalten, daß er eine vom gewöhnlichen Sprachgebrauch weit abweichende Auffassung des Willensbegriffs vertritt, eine Auffassung, nach der z. B. schon die Lebensregungen der niederen Tiere sowie eine spontane innere Tätigkeit, die sich unbewußt vollzieht, zur Willenstätigkeit gehören. Und bei der passiven Apperzeption ist es eben jener "unbewußte Wille", der die Vorstellungen in den Blickpunkt des Bewußtseins hebt. Nun wird man ja zugestehen können, daß sich auch bei diesem Prozeß ein gewisses von apperzipierenden Vorstellungen ausgehendes und auf die anzueignenden Bewußtseinsinhalte gerichtetes Streben unbewußt betätigt, wie auch schon VOLKMANN (80) bemerkt hat, daß streng genommen jeder Akt der Apperzeption ein Begehren einschließt, insofern die Aneignung erwartet wird. Allein, wer möchte dieses unbewußte dunkle Streben auf eine gleiche Stufe mit dem klaren, bewußten Akt des Wollens stellen? Und so dürfte dem "unbewußten Willen" WUNDTs gegenüber wohl die Frage erlaubt sein: was das denn für ein Wille ist, von dem der Wollende nichts weiß oder wenigstens nicht viel gewahr wird? Ist das nicht ein solcher, der eben nichts will, weil er nichts weiß? (81) Und wenn weiter, wie wir oben sahen, die Vorstellungen erst durch die Apperzeption den Schein einer inneren Tätigkeit gewinnen sollen, wenn die Apperzeption somit als Willens- und Vorstellungstätigkeit zugleich aufgefaßt wird, so dürften solche Bestimmungen zur Aufhellung des etwas dunklen Willensbegriffs und zur scharfen Abgrenzung desselben vom Begriff des Vorstellens nicht gerade beitragen. Beide Begriffe verraten nur allzusehr ihre gemeinsame Ableitung von dem einen "wirklichen Element aller geistigen Funktionen", dem  Trieb,  bei welchem WUNDT Empfindung und Wille in ursprünglicher Verbindung wirksam sind und von dem ihre Entwicklung ausgeht.

Nach all dem unterliegt die Ansicht WUNDTs, daß das Wesen der Apperzeption in der Willenstätigkeit zu suchen ist, doch erheblichen Bedenken. Und auch in einem anderen Punkt scheint seine Darstellung des Apperzeptionsprozesses der Berichtigung oder zumindest der Ergänzung zu bedürfen.

Wenn es nach ihm der Wille ist, der eine Vorstellung in den Blickpunkt des Bewußtseins rückt, so liegt die Frage nahe, was ihn dann bestimmt, gerade diese oder jene Vorstellung zu apperzipieren? WUNDT erwidert hierauf, in  letzter  Instanz werde die Apperzeption durch ihre eigene Tätigkeit bestimmt. (Also durch nichts außer ihr?) Der Grund für die Willenshandlung der Apperzeption kann also nur "in der unserer direkten Nachweisung sich entziehenden ganzen Vergangenheit und Anlage des Bewußtseins gesucht werden", in der gesamten Entwicklungsgeschichte des desselben. Also zumeist im Unbewußten? Das wäre ein recht dunkler kausaler Grund. Doch ersehen wir aus einigen anderen Stellen der  Physiologischen Psychologie  (z. B. Seite 245) und den Ausführungen STAUDEs, daß WUNDT in Gefühlen der Lust und Unlust die  Motive  der Apperzeptionstätigkeit erkennt. Die mit den perzipierten Vorstellungen verknüpften oder durch sie erweckten Gefühle sind es, welche einen Reiz auf den Willen ausüben und ihn zur Apperzeption veranlassen. Der Inhalt der Vorstellungen entscheidet hierbei gar nichts. Die Apperzeption richtet sich nicht nach der objektiven Qualität der perzipierten Vorstellungen.

Vielleicht aber nach dem Inhalt der  apperzipierenden  Vorstellungen? Allein letztere treten in WUNDTs Theorie so bescheiden hinter den Perzeptionen zurück, daß man zu der Annahme versucht wird, es soll ihre Bedeutung für das Gelingen der Apperzeption überhaupt verneint werden. Nach WUNDT scheint die Apperzeption ihrer entraten zu können. Und doch unterliegt es keinem Zweifel, daß sich der Perzeption verwandte Erinnerungsbilder anbieten, mit deren Hilfe sie "in den Blickpunkt des Bewußtseins" gehoben wird, daß überall da, wo Apperzeptionen zustande kommen, sich auch reproduzierte ähnliche Vorstellungen als wirksam erweisen. (82) Und zwar nicht bloß vermöge ihres "Motivwertes", vermöge der mit ihnen verbundenen Gefühle. So gewiß wir unwillkürlich nach einem psychologischen Gesetz Vorstellungen um ihrer Ähnlichkeit willen verknüpfen und reproduzieren, so gewiß man mit Hilfe logischer, ästhetischer und sittlicher Normen die Tatsachen des äußeren und inneren Geschehens apperzipierend versteht, so gewiß wird die der Perzeption folgende Reproduktion von Apperzeptionshilfen  mit bestimmt durch die Qualität der beteiligten Vorstellungen. (83) Wie vermöchte auch eine Perzeption die erforderlichen Apperzeptionshilfen zu reproduzieren, wenn der Inhalt der Vorstellungen völlig unwirksam bliebe! Etwa durch die mit ihnen verbundenen Gefühle? Aber das sind dunkle, vieldeutige innere Zustände, die sich den verschiedensten Vorstellungen zugesellen können und darum  für sich allein  der Apperzeptionstätigkeit nicht die Wege zu zeigen vermögen. Oder durch den Willen? Allein, der bedarf eben der Gefühle als anregender Motive. So bleibt nur die Qualität der Vorstellungen. Diese bestimmt im Verein mit den Gefühlen unmittelbar die Richtung der Apperzeption.

Aus vorstehenden Bemerkungen erhellt sich, in welchen Stücken und aus welchen Gründen sich die von uns versuchte Darstellung des Apperzeptionsprozesses von WUNDTs Theorie unterscheidet. Wir erkennen mit ihm in der Apperzeption eine psychische Funktion, die eine Perzeption im Bewußtsein festhält und zu größerer Klarheit erhebt. Wir betonen gleichfalls die Bedeutung der Willenstätigkeit für das Gelingen gewisser Apperzeptionen, ohne jedoch Apperzeption und Wollen für identische Funktionen zu halten. Wir betrachten schließlich die Einfügung einer Perzeption in reichere oder stärkere verwandte Vorstellungskreise und Gemütselemente nicht als ein zufälliges, sondern als ein wesentliches Merkmal der Apperzeptionstätigkeit. Letztere Bestimmung macht den Vorgang der geistigen Aneignung nicht nur erst recht begreiflich, sondern sie sichert damit auch dem Apperzeptionsbegriff allein die hohe praktische Bedeutung, welche ihm die pädagogische Wissenschaft auf ihrem Gebiet eingeräumt hat.
LITERATUR Karl Lange, Über Apperzeption, Plauen 1889
    Anmerkungen
    50) Daß sich für einen so wichtigen philosophisch-pädagogischen Begriff statt des Fremdwortes eine treffende deutsche Bezeichnung hätte einbürgern mögen, ist gewiß ein berechtigter Wunsch. Allein da eine solche bis jetzt noch nicht vorliegt ("geistige Aneignung umfaßt mehr, als im Begriff der Apperzeption liegt und dient daher nicht zur scharfen Erfassung seines Inhalts), das Fremdwort Apperzeption aber als ein historisch Gegebenes von Anfang an eng mit seinem Begriff verwachsen ist, so dürfte ts sich nunmehr wohl genügend Heimatrecht in unserer Sprache erworben haben und ohne weitenicht beseitigt werden können.
    51) Vgl. folgende Schriften: "Nouveaux essais sur l'entendement humain (verfaßt um 1704, eine Auseinandersetzung mit LOCKEs "Essay concerning human understanding"). Die Monadologie (1714 für den Prinzen EUGEN von Savoyen geschrieben)
    52) Gerade darin haben die Cartesianer stark geirrt, daß sie die Perzeptionen unberücksichtigt ließen,  deren man sich nicht bewußt wird  (dont on ne s'appercoit pas).
    53) KANT, Transzendentale Elementarlehre, 2. Teil.
    54) KANT, Transzendentale Deduktion der reinen Verstandesbegriffe, § 16
    55) KANT, Transzendentale Deduktion der reinen Verstandesbegriffe, § 16, Anm.: "Und so ist die synthetische Einheit der Apperzeption der höchste Punkt, an den man allen Verstandesgebraucht, selbst die ganze Logik und nach ihr die Transzendentalphilosophie heften muß."
    56) Von ihr sieht darum auch die erkenntnistheoretische Untersuchung KANTs in der Folge ab.
    57) So erklärt z. B. der Kantianer KRUG in seinem 1827 erschienenen "Allgemeinen Handwörterbuch der philosophischen Wissenschaften" die transzendentale Apperzeption als die Zusammenfassung aller Wahrnehmungen und Gedanken in ein und demselben Bewußtsein oder im Ich. Die empirische Apperzeption aber ist nach ihm gleichbedeutend mit der einfachen Perzeption, d. h. der Auffassung eines Gegenstandes durch die Wahrnehmung, eine Erklärung, der selbst die LEIBNIZ'sche Fassung des Apperzeptionsbegriffs noch vorzuziehen sein dürfte.
    58) In hohem Grade befremdlich ist daher die Behauptung STAUDEs (Philosophische Studien, Bd. 1, Heft 2, Seite 166), daß HERBART gleich LEIBNIZ der Seele von vornherein einen bestimmten Inhalt zuteilt, daß er die unveränderlichen Vorstellungen fertig vorfindet und daher der Entwicklung der Seele zu wenig Rechnung trägt. (!)
    59) Er sagt: "Wäre dieses Gesetz allein maßgeben, so müßte jeder Mensch ein völlig fertige und abgeschlossene Entwicklung hinter sich haben, und die Frage, wie er auf diese Stufe der Vollendung gekommen sei, bliebe unbeantwortet. Denn alles, was sich seiner Seele in der äußeren oder innern Wahrnehmung darböte, würde einfach dem vorhandenen Inhalt der Seele angepaßt und in der veränderten Form beigefügt, ohne daß es mehr als eine Stärkung dieses Inhalts zu bewirken vermöchte. Die geistige Bildung des Menschen beruth aber doch gerade zum geringeren Teil auf der Befestigung des bereits fertigen Inhalts der Seele, viel mehr auf einer Zuführung neuer Erkenntnisse. Damit ein wirklicher Fortschritt des Menschen möglich wird, muß die jüngere Vorstellung, ihre ausschließlich passive Rolle aufgebend, ihrerseits auf die ältere einwirken können, und muß in der Seele mitunter auch eine ganz (?) neue Vorstellung zustande kommen können, welche vorher weder über noch unter der Schwelle des Bewußtseins zu finden war." (OTTO STAUDE, Philosophische Studien, Bd. 1, Leipzig 1883, Seite 166)
    60) Doch bemerkt er einmal richtig, daß die apperzipierte Vorstellung nicht immer als  unsere  Vorstellung uns zugeeignet wird.
    61) HERBART, Lehrbuch der Psychologie, 3. Auflage, Bd. II, Seite 188 und 189
    62) HERBART, Allgemeine Pädagogik, 2. Auflage, § 26.
    63) LAZARUS, Das Leben der Seele, 3. Auflage, Bd. II
    64) Namentlich in der 2. Auflage seines "Lebens der Seele". Der zuerst erschienene 2. Band dieses Buches hat noch die engere Fassung des Begriffs, wonach  Apperzeption  die Aufnahme einer von außen gegebenen Anschauung in die Reihe der bereits vorhandenen und inder Seele befindlichen ähnlichen Vorstellungen bedeutet.
    65) So auch ZILLER, Allgemeine Pädagogik, § 26. Vgl. auch das "Jahrbuch des Vereins für wissenschaftliche Pädagogik", Nr. 14, Seite 80f (Die von NIEDEN verfaßte Kritik unserer Abhandlung gibt im wesentlichen ZILLERs Auffassung wieder.)
    66) Die 1. Auflage enthält das Zugeständen, daß  fast  jede Perzeption von einer Apperzeption begleitet wird (Seite 29).
    67) Die Zitate beziehen sich auf STEINTHALs "Abriß der Sprachwissenschaft I, 1. Auflage, 1871. - Zuerst hat meines Wissens STEINTHAL über Apperzeption gehandelt in der "Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik", 1858, Seite 68f
    68) LAZARUS, Leben der Seele II, Seite 252f
    69) BENNO ERDMANN, Psychologie der Gegenwart,Vierteljahrsschrift für wissenschaftliche Philosophie 1879, Seite 394
    70) Zusätze zur 1. Auflage der Einleitung in die Psychologie und Sprachwissenschaft, 1881, Seite 6 - 7.
    71) STEINTHAL versteht, abweichend vom gewöhnlichen Sprachgebrauch, unter  Verschmelzung  die Vereinigung völlig gleicher Vorstellungen, unter  Verflechtung  die Verknüpfung von Verbänden, die gewisse Elemente gemein haben;  Verbindung  aber nennt er die Zusammenhaltung zweier Verbände als gesonderte Ganze, ohne daß, wie bei der Verflechtung, einer in den andern eingreift.
    72) Vgl. unter anderem die Bemerkung, daß die Apperzeption kein besonderes Eingreifen einer höheren Tätigkeit der Seele in den niederen Mechanismus ist.
    73) WILHELM WUNDT, Grundzüge der physiologischen Psychologie II, 3. Auflage, 1887
    74) Und umgekehrt: Kein Wollen ohne Apperzeptionstätigkeit! Denn "die Apperzeption muß als der  primitive  Willensakt angesehen werden, der bei den äußeren Willenshandlungen stets vorausgesetzt wird".
    75) OTTO STAUDE in WUNDTs "Philosophische Studien", Bd. 1, Heft 2, Seite 211
    76) "Auf die Frage nach dem psychologischen Grund der Assoziation läßt sich daher schließlich nur antworten: die Vorstellungen verbinden sich, weil die einzelnen Akte der vorstellenden Tätigkeit selbst, der Apperzeption, in einem durchgängigen Zusammenhang stehen".
    77) STAUDE, a. a. O. Seiten 200 und 201
    78) Vgl. WUNDT, Physiologische Psychologie I, Seite 236f.
    79) Daß diese gegenseitige Förderung zunächst nicht als eine gleichzeitige, sondern als eine im Nacheinander unserer gesamten geistigen Entwicklung hervortretende Tatsache zu denken ist, mag denen gegenüber ausdrücklich bemerkt werden, die in der "Theorie von dem großartigen Einfluß der Apperzeption auf die Bildung des Willens einen reinen Zirkelbeweis" sehen.
    80) WUNDT, Physiologische Psychologie II, Seite 412
    81) STAUDE sagt ausdrücklich: "Unser Bewußtsein wird von der Tätigkeit des Willens bei der passiven Apperzeption nicht viel gewahr" (a. a. O. Seite 201). "Ein Bewußtwerden einer Willenstätigkeit findet  nicht  statt", d. h. doch wohl, man wird gar nichts vom Wollen gewahr. Und doch bezeichnet WUNDT den Willen als eine im Bewußtsein  wahrnehmbare  Tätigkeit. Das scheinen unvereinbare Annahmen zu sein. Entweder ist der Wille an der passiven Apperzeption nicht beteiligt, oder es muß die "Wahrnehmbarkeit desselben im Bewußtsein" als ein unwesentliches Merkmal aus dem Begrif des Willens entfernt werden.
    82) STAUDE gibt dies im allgemeinen, wenn auch nicht ausnahmslos, zu. "Die Perzeption einer Empfindungsvorstellung ist immer begleitet von der Perzeption verwandter Erinnerungsbilder. Daher geschieht es häufig, daß eine Empfindungsvorstellung nicht für sich allein apperzipiert wird, sondern im Akt der Apperzeption mit einer entsprechenden reproduzierten Vorstellung verschmilzt" (a. a. O. Seite 199).
    83) Auch STAUDE scheint dieser Auffassung einige Zugeständnisse zu machen. Er sagt von der aktiven Apperzeption, daß sie zusammengesetzte Vorstellungsgruppen zerlege zum Zwecke ihrer Verwendbarkeit zu neuen Kombinationen. Hierbei "trete der Wille dem gebotenen Stoff selbständig gegenüber, geleitet von intellektuellen Motiven, die ansich mit der Qualität der zu zergliedernden Vorstellungen  nicht viel  zu tun haben" (a. a. O. Seite 206) Was versteht er aber unter intellektuellen Motiven? Sind es Begriffe, allgemeine Urteile und Gesetze, nach welchen der Erfahrungsstoff zerlegt, denen er schließlich eingeordnet wird - so wirken diese als apperzipierende massen, die mit der Qualität des gebotenen Stoffes allerdings sehr viel "zu tun" haben. Hier wird der Wille also unmittelbar durch den Inhalt der Vorstellungen veranlaßt, zerlegend einzugreifen in die Gedankengruppen. Sind dagegen unter den Motiven intellektuelle, an die Denktätigkeit gebundene Gefühle gemeint, so wird die Apperzeption wenigstens mittelbar durch die Qualität apperzipierende Vorstellungen bestimmt, da die Gefühle ja vom Inhalt derselben abhängig sind. - - - STAUDE gedenkt weiter des Falles, daß man bei der Lektüre eines wissenschaftlichen Buches einen Gedanken momentan nicht versteht und nur als dunkle Gesamtvorstellung perzipiert. Man wird dann assoziative Reihen reproduzierte Vorstellungen vor dem geistigen Augen vorüberführen, "bis sich Vorstellungen finden, die  durch ihre nähere Verwandtschaft  mit der leitenden Gesamtvorstellung zu deren Aufklärung beitragen können" (a. a. O. Seite 209). Was veranlaßt aber den Willen, diese verwandten Vorstellungen in einer ganz bestimmten Richtung des inneren Geschehens zu suchen? Doch wohl das Bewußtsein ihrer eigentümlichen Qualität. Wären sie nicht vorhanden oder ihr Inhalt psychisch völlig unwirksam, so würde man gar nicht apperzipieren  wollen,  weil man es nicht könnte. Sonach bestimmt die Qualität der beteiligten Vorstellungen ganz wesentlich die Apperzeption. Das ergibt sich auch aus der Bemerkung, daß sie durch ihre nähere Verwandtschaft mit der leitenden Gesamtvorstellung  zu deren Aufklärung beitragen.  - - - Wenn STAUDE schließlich das Ergebnis seiner Untersuchungen folgendermaßen zusammenfaßt: "Der Wille ist nicht unabhängig vom Vorstellungsinhalt der Seele; denn seine Motive sind an die Vorstellungen der Seele gebunden. Dieses Vorstellungen enthalten eine Mehrheit von Bestimmungsgründen ein und desselben Willens" (a. a. O. Seite 211) - so können wir ihm unter gewissen Voraussetzungen darin zustimmen.