p-4 Paul ReeA. BolligerJ. Bahnsenvon RümelinS. Werner    
 
HUGO MÜNSTERBERG
Die Willenshandlung
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"Heute kennen wir eine Reihe niederster Organismen mit zweckmäßiger Bewegungsfähigkeit, welche wir dennoch ihrer chemischen Prozesse wegen bequemer zu den Pflanzen rechnen; da aber auch die chemische Betrachtungsweise wie alle anderen keine scharfe Grenze zwischen beiden Reichen erlaubt, beweist das nur, daß die Begriffe Pflanze und Tier bei den niedersten Formen ineinander übergehen; bei den höheren Formen aber, für die jene Klassifikationen gebildet wurden, war das zu Trennung Veranlassende zweifellos der Besitz oder Mangel zweckmäßiger Bewegungsfähigkeit."

Vollkommen angewiesen auf die Annahme chemischer Vorgänge sind wir beim Nerven. Freilich "chemischer Vorgang" ist nur ein Wort und die neurochemische Physiologie hat, außer bei der Retina, erst wenig getan, die Vorgänge im einzelnen zu verfolgen. Jedenfalls aber sprechen schwere Bedenken gegen die Annahme einer Fortbewegung irgenwelcher Substanz in den Nerven, gegen die Annahme einer stoßartigen Wirkung, bei welcher die Ermüdungserscheinung unerklärbar wäre, (9) und nicht minder gegen die Annahme natürlich durchfließender elektrischer Ströme, die früher eine solch große Rolle spielten. Eine chemische Erregung, die von Teilchen zu Teilchen übertragen wird, gewährt dagegen eine widerspruchslose, voll befriedigende Erklärung, wenn wir dabei den wertvollen Gesichtspunkten folgen, die WUNDT zur Erklärung des Innervationsvorganges aufgestellt und durchgeführt hat. Ihr Grundgedanke ist der, daß bei jeder Nervenreizung komplexe lose Moleküle in enger verbundene einfachere Moleküle zerfallen und dadurch die innere Molekulararbeit in äußere übergeht. Die Theorie in ihrer Mannigfaltigkeit zu verfolgen, ist hier nicht der Ort; uns genügt der Hinweis auf dieselbe, um auch für die zweite Frage, die Frage nach der Art des Nerv-Muskelvorgangs die Behauptung zu widerlegen, daß eine rein naturwissenschaftliche Erklärung der Körperbewegung unmöglich sei. Gerade noch den schnellen Fortschritten der Elektrophysiologie wird die Neurochemie sich sehr entwickeln müssen, wenn sie den Anforderungen gerecht werden will; daß aber zur Erklärung der Muskelzuckung bei Rindenreizung die  Naturgesetze ausreichen  und kein Sprung ins Immaterielle nötig ist, darüber kann schon heute kein physiologischer Chemiker im Zweifel sein.

Wir dürfen freilich nicht vergessen, daß die beiden bisher betrachteten Fragen die einfachsten des Rätselkomplexes sind und daher diejenigen, deren Lösbarkeit am wenigsten in neuerer Zeit bestritten wird. Wir kommen bei der Verfolgung des Problems nun zu der sich weiter ergebenden Frage: wie im normalen Leben solche, Muskelkontraktion auslösende Hirnreizung zustande kommen kann. Offenbar liegt hierin, vom naturwissenschaftlichen Standpunkt betrachtet, das Problem der Spontaneität. Das, was wir dem Willen als Freiheit prädizieren, ist, materialistisch gedacht, nur unsere Unfähigkeit, zu erklären, weshalb im bestimmten Moment gerade diese und keine andere Stelle des nervösen Zentralapparates gereizt wird. Vom Automatismus des Protoplasmas bis herauf zum freien Willen des Menschen ist nur das zentral Auslösende, nicht das peripher Ausgelöste, scheinbar so ursachlos, daß es zu immaterialistischen Hypothesen hindrängt.

Die Naturwissenschaft, welche den Molekularvorgang im Hirn nicht ohne physikalisch-chemische Bewegungsursache denken darf, kann nur zwei Möglichkeiten zulassen, entweder ist der Reiz ein somatischer, also durch die Verhältnisse der Hirnernährung und der zerebralen Blutzirkulation bedingt oder der Reiz dringt auf Nervenbahen von der Körperperipherie zum Zentrum, d. h. der Reiz entsteht im Körper selbst oder er wirkt von außen auf den Körper ein; ein drittes kann es nicht geben. Nun ist am Vorhandensein zahlloser bewegungsauslösender Reizungen der ersten Art gar nicht zu zweifeln; die maniakalische Bewegungsflucht, die soporöse und stuporöse Bewegungshemmung stehen mit Hyperämie und Anämie in engstem Zusammenhang; wir können durch Veränderung des Kreislaufs experimentell epileptische Bewegungen zerebral auslösen und die Erleichterung oder Erschwerung psychomotorischer Vorgänge durch Aufnahme von Alkohol und Giften ins Blut ist eine bekannte Erfahrung. Wir haben also gar keinen Grund zu bezweifeln, daß auch in physiologischer Breite der das Gehirn durchrieselnde Ernährungsstrom Einfluß ausübt auf den zentralen Teil des motorischen Apparates: aber wir knnen uns doch auch nicht verhehlen, daß alle derartigen Wirkungen mehr allgemeiner Art sind und ohne besondere Beziehunen auf die Außenwelt. Die berechtigte Annahme somatischer Reizungen kann uns wohl Bewegungen ansich erklären, niemals aber, weswegen gerade solche Bewegunen entstehen, die den äußeren Bedingungen entsprechen und gerade in solchen sehen wir die Willenshandlung. Hier setzt nun freilich für gewöhnlich die psychologische Hypothese ein, daß der Wille sich von den somatisch ausgelösten Bewegungen in der Erfahrung allmählich die der Außenwelt angepaßten auswählt und absichtlich reproduziert. Ist diese Vorstellung rein psychologisch gedacht, als Eingriff eines Immateriellen ins Materielle, so interessiert sie uns hier nicht; wird sie aber physiologisch ausgeführt, so ist es leicht zu sehen, wie sie die Schwierigkeit eher vermehrt, als vermindert. Jener, die zweckmäßigen Bewegungen aus den somatischen auswählende Wille, könnte doch wieder nur ein nervöser Zentralapparat sein, dessen Erregung in irgendwelcher Weise als Reiz auf den motorischen Hirnteil wirkt und wieder fragt man sich dann, wie jene den äußeren Bedingungen entsprechende Erregung durch nur somatische Ursachen erklärt werden soll. Das Problem wird dadurch lediglich zurückgeschoeben; eine Lösung ist also nur auf dem anderen Weg möglich, durch die Annahme, daß, wenn die Bewegung in Beziehung zur Außenwelt steht, der motorische Apparat zentral durch solche Reize erregt wird, die auf nervöser Bahn von außen her zentripetal das Gehirn erreichen. Von den somatisch ausgelösten zwecklosen Bewegungen abgesehen, muß also physiologisch betrachtet jedem zentral ausgelösten Bewegungsvorgang ein Komplex zentripedaler Erregungen vorangehen und in diesen von außen wirkenden Erregungen zusammen mit dem vorhandenen Bau und Zustand des nervösen Mechanismus müssen die absolut zureichenden Ursachen für den notwendigen Eintritt der bestimmten Willenshandlung liegen. Daß selbstverständlich die Reize, denen eine menschliche Handlung entspricht, nicht auf einmal zusammenwirken, sondern sich vielleicht Millionen von Reizen durch Jahrzehnte hindurch in aufgespeicherte latente Kraft umsetzen mußten, ehe ein hinzutretender Licht- oder Tast- oder Schallreiz die Auslösung der potentiellen Energie in lebendig verursacht und eine bestimmte komplexe Muskelkontraktion hervorruft, das widerspricht nicht dem allgemeinen Prinzip, daß die Summe der Reize und der Zustand des Apparates ausreichen zur Erklärung jeder resultierenden Bewegung.

Die Physiologie nennt, in durchgängiger Übereinstimmung, eine solche Bewegung: Reflex, physiologisch ist daher jede Handlung, auch die freie Willenshandlung, nichts als ein Reflex; die ungeheure Kompliziertheit und zeitliche Ausdehnung unterscheidet den Zerebralreflex nur quantitativ vom spinalen. WUNDT hat mit Recht davor gewarnt, in der Psychologie den Ausdruck Reflexbewegung auf Triebhandlungen, geschweige denn auf Willkürhandlungen auszudehnen, da Reflexe stets ohne Begleitung psychischer Vorgänge ablaufen. Dieser Einwand trifft unsere Darlegung nicht. Wir wollten ja eben hier von allen Bewußtseinserscheinungen abstrahieren und lediglich den mechanischen Vorgang untersuchen; unter dieser Voraussetzung bleiben wir also der ursprünglichen Bedeutung des Wortes völlig treu, wenn wir auch in der Willenshandlung, vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus, nur eine Reflexbewegung sehen. Das einfachste Schema aller zentral ausgelösten Muskeltätigkeit wäre demnach der spinale Reflex des enthirnten Frosches, der auf äußere die Haut treffende Einwirkungen zweckmäßig reagiert, der den Tropfen Essigsäure mit dem Bein vom Rumpf abwischt, der den Schenkel aus der Salzlösung herauszieht usw. - Das Schema der höheren Stufe würde dann etwa ein Frosch bieten, der nur des Vorderhirns beraubt ist; seine Bewegungen sind schon zu einem viel reicheren Bedingungskomplex in Beziehung gesetzt. Nicht nur Tastreize, wie beim enthirnten Tier, sondern auch Licht- und Schallquellen der Außenwelt bedingen da die besonderen Bewegungen; der Frosch weicht einem Hindernis aus und bewahrt bei Neigung der Unterlage das Gleichgewicht. Vor allem beweisen seine Bewegungen, daß sie nicht nur Resultat momentaner Einwirkung, sondern daß die Nachwirkungen früherer Reize, gewissermaßen als die Erfahrung, von nicht geringerem Einfluß sind. Doch auch das ist nichts qualitativ Neues, da der enthirnte Frosch, dern den in konzentrierte Salzlösung getauchten Schenkel sofort hervorzieht, in verdünnte Lösung mehrmals hintereinander getaucht werden muß, bis die Reflexbewegung eintritt. Offenbar ist diese Summation der Reize die einfachste Form der Nachwirkung, denn auch hier ist die Ursache für die Beinbeugung nicht das letzte Mal des Eintauchens, sondern sämtliche Male waren notwendig, um den Erfolg zu bewirken. So reicht für den Frosch mit Mittelhirn der Gesichtseindruck des Hindernisses nicht aus, um ihn zu ausweichenden Bewegungen auf der Flucht zu veranlassen; es muß sich diese Gesichtserregung mit den Nachwirkungen früher erfahrender Erregungen, z. B. der Hauterregung beim Anstoßen an das Hindernis, verbinden, um die angepaßte Bewegung zu verursachen. Wir dürfen übrigens nicht übersehen, daß solche Nachwirkung äußerer Einflüsse überhaupt nicht etwa auf biologische Prozesse beschränkt ist, daß jene primitivste Form derselben, wie sie uns im Salzsäure-Experiment am enthirnten Frosch vorliegt, vielmehr ihre Analogie in mannigfaltigen chemischen Vorgängen findet; es sei hier nur an die Erscheinungen der Katalyse erinnert, sowie an die in neuester Zeit studierte Verzögerung chemischer Prozesse in den Kapillaren. Auch wenn man nicht dem unpsychologischen Gleichnis zustimmt, das Gedächtnis als allgemeine Funktion der Materie zu betrachten, so darf man doch entschieden behaupten, daß von den katalytischen Prozessen der Chemie bis zu den, nur auf Gedächtnis zurückzuführenden Bewegungsreaktionen des seines Vorderhirns beraubten Frosches eine kontinuierliche Stufenreihe von Nachwirkungen äußerer Einflüsse vorliegt, eine Stufenreihe, die beim biologischen Vorgang kein gegenüber dem unorganischen Geschehen qualitativ neues Element aufweist. - Eine noch höhere Stufe repräsentiert der Forsch mit unverletztem Nervenapparat. Hier überwieden in dem die Bewegung auslösenden Bedingungskomplex die Nachwirkungen früherer Erregungen und eben deshalb scheinen die Bewegungen ursachlos, da die sichtbaren, unmittelbar vorhergehenden Ursachen nur einen geringen, zur Erklärung unzureichenden Teil der Ursache darstellen. Und dennoch ist auch der unverletzte Froschzentralapparat nur der Typus eienr niederen Stufe gegenüber den viel komplizierteren Verhältnissen etwa des Hundes, bei welchem die Wirkungen und Nachwirkungen der Geruchs-, Gesichts-, Gehörs- und Hautreize Bewegungen auslösen, die ihn in zweckmäßiger Beziehung hzu den mannigfaltigen Bedingungen etwa einer Jagd erhalten. Auf der Höhe dieser schematischen Stufenleiter steht dann der Zentralapparat des Menschen, bei dem nur die Untersuchung der Entwicklung die unendliche Fülle der zusammenwirkenden Reize entwirren kann. Hier überwiegen nicht nur die Nachwirkungen früherer Reize in jedem Moment über die neuen Reize, sondern die Reize selbst sind der Mehrzahl nach gar nicht Erregungen durch diejenigen Gegenstände, auf welche sich die Körperbewegungen beziehen, sondern sind Schallreize der Sprache. Lichtreize der Schrift, die sich also selbst erst wieder mit Nachwirkungen gegenständlicher Erregungen verbinden müssen, um überhaupt als Faktor in den Bedingungskomplex einzugehen; das ist dann natürlich in den Schallwellen des gesprochenen Wortes kaum ein millionster Teil der Gesamtursachen, die den bestimmten Bewegungskomplex im Hörer auslösen; aber die Bewegung und mag sie aus besonnenster "Überlegung" erfolgen und noch so sehr ethisch wertvoll sein, ist durch die Summe der erlebten Eindrücke zusammen mit jenen Schallwellen des letzten Wortes bei gegebenem Bau des Zentralapparates genauso bedingt, wie die Muskelkontraktion des enthirnten Frosches, der seinen Schenkel aus der Salzlösung zieht.

Die Frage nach den Ursachen der zentralen Reizung im motorischen Apparat, hat sich also dahin beantwortet: die Ursache sind die nervösen zentripetalen Erregungen; es ergibt sich somit eine neue und letzte Frage:  Wie konnte ein Nerven-Apparat entstehen, der so eingerichtet ist, daß er, trotz der unendlichen Mannigfaltigkeit der äußeren Bedingungend doch in jedem Moment durch die einwirkenden Reize diejenigen Bewegungen auslösen läßt, die den Verhältnissen der Außenwelt zweckmäßig entsprechen?  Das ist die Schwierigkeit; sobald wir das Entstehen eines solchen Apparates begreifen, ist die Möglichkeit einer mechanischen Erklärung der Willenshandlung bewiesen. - Gegen diese Auffassung, daß die Zweckmäßigkeit der zentralen Reflexe durch die Zweckmäßigkeit des vorgebildeten Apparates bedingt sei, scheinen die Erfahrungen der Entwicklung zu sprechen. Freilich die bekannten Versuche von SOLTMANN, (10) welcher behauptete, daß bei jungen Tieren keine Bewegungen durch Rindenreizung verursacht werden können, der Apparat mithin nicht fertig vorgebildet ist, sind in jeder Beziehung durch PANETH (11) widerlegt, abgesehen davon, daß selbst jene Versuche verschieden deutbar waren und überdies auch eine extrauterine Körperentwicklung selbstverständlich ist. Wichtiger erscheint der Einwand, daß ja die Bewegungen des Kindes durchaus noch nicht so zweckmäßig sind, wie sie bei Voraussetzung eines solchen vorgebildeten Apparates sein müßten. Aber wir dürfen nicht vergessen, daß andererseits die Bewegungen des Kindes auch durchaus nicht zweckwidrig sind, sondern unzweckmäßig nur durch ihre Unvollkommenheit. Sie erinnern an die Bewegungen Ataktischer; die feinere Abstufung der komplexen Bewegungen, die dem Ataktischen verloren gegangen sind, hat das Kind noch nicht erworben, aber bei beiden ist die Bewegungstendenz die richtige. Vor allem aber ist der Reizkomplex, der auf den Neugeborenen einwirkt, ein zu kleiner, um schon die passenden Bewegungen auszulösen; der vorgehaltene Gegenstand hat als Lichtreiz für das Kind schon dieselbe Bedeutung wie für den Erwachsenen; um aber nach dem Gegenstand richtig zu greifen, dazu leitet den Erwachsenen eine Reihe anderer früherer Reize, die auf das Kind noch nie eingewirkt haben. Die Entwicklung des Menschen besteht eben darin, daß die Reize der Außenwelt fortwährend in ihre Faktoren zerlegt und fortwährend auch wieder neu kombiniert werden; dadurch müssen mit Hilfe des vorgebildeten Nervenmechanismus die entsprechenden Bewegungen allmählich isoliert und assoziiert werden, d. h. die störenden Mitbewegungen des Kindes werden durch die Entwicklung und Erziehung beseitigt und koordinierte Bewegungskomplexe werden durch Übung erlernt. - Wir müssen also auf unsere letzte Frage zurückgehen: wie entstand jener Mechanismus, der durch die Reize auch gleich, den Reizen zweckmäßig entsprechende, Bewegungen auslöst? Wir müssen dieser Frage hier eine eingehendere Untersuchung widmen, da sie sich der naturwissenschaftlichen Einzelforschung entzieht, vielmehr allgemein biologische Betrachtung erheischt und von den Biologen stets vernachlässigt wurde, aus dem einfachen Grund, weil sie überflüssig ist, sobald man die Zweckmäßigkeit nicht im Apparat, sondern in der immateriellen Seele sucht. Dennoch dürfte beim heutigen Stand der Wissenschaft der Versuch einer hypothetischen Lösung immerhin erlaubt sein, wiewohl wir uns bewußt bleiben, daß die Lösung nur dann als solche gelten kann, wenn sie sich ausnahmslos auf sämtliche Handlungen erstreckt und nicht etwa in der üblichen Weise nur die einfachen Triebbewegungen umfaßt und vor den komplizierten ethischen Willenshandlungen ratlos stehen bleibt.

Wie also entstand das materielle Substrat der von den Reizen ausgelösten Reflexe, zu denen, wie wir sahen, vom physiologischen Standpunkt sämtliche Willenshandlungen gehören? Unsere einfache Antwort lautet: in phylogenetischer Differenzierung, auf dem Weg einer natürlichen Anpassung. Eine solche These bedarf eingehender Begründung, da die Erklärungsprinzipien des Darwinismus in der materialistischen Psychologie einen bedauerlichen Mißbrauch erfahren haben. Sollten doch - und DARWINs Untersuchungen über den Instinkt waren nicht ohne Schuld an diesem Mißverständnis - durch Selektion und Vererbung die Bewußtseinserscheinungen der tierischen Triebe und Willenshandlungen erklärt werden, obgleich es selbstverständlich ist, daß der Darwinismus zu den psychischen Vorgängen als solchen überhaupt ohne Beziehung ist. Der Darwinismus erklärt die Entwicklung körperlicher Gebilde, die den Trägern oder deren Nachkommen zweckmäßig sind; das, was in der Seele eines Geschöpfes vorgeht, die psychische Begleiterscheinung eines körperlichen Prozesses kann dagegen nie Grund einer Auslese sein; für die Erhaltung des Individuums ist es offenbar gleichgültig, ob ein zweckmäßiger Bewegungsvorgang von Bewußtseinserscheinungen begleitet ist oder nicht. Unsere Betrachtung wird durch diesen Einwand natürlich nicht gestört, da wir vorläufig ganz vom Bewußtsein abstrahiert haben und nicht behaupteten, daß durch Anpassung der Trieb oder ein Wille entsteht, sondern daß durch Anpassung nur jener Mechanismus entstanden sei, welcher bei den Einwirkungen der Außenwelt zweckmäßige Bewegungen auslöst.

Vergegenwärtigen wir uns, was die Naturforschung eigentlich unter natürlicher Anpassung versteht oder richtiger verstehen muß, wenn der Begriff methodologisch fruchtbar bleiben soll und nicht nur zum nutzlosen Sammelnamen für alle möglichen, durch Vererbung nicht zu erklärenden Erscheinungen gemacht wird. Von natürlicher Anpassung darf nur dann die Rede sein, wenn eine organische Einheit, deren Teile entwicklungs- oder fortpflanzungsfähig sind, unter dem Einfluß einer relativ konstanten Bedingung steht und mittels Selektion und Fortpflanzung der zufällig zweckmäßigen Teile, die organische Einheit schließlich diejenige Form annimmt, welche bei Fortbestehen jener äußeren Bedingung für ihre Selbsterhaltung am zweckmässigsten ist, der wichtige Schluß gezogen werden, daß jener Einfluß die Bedingung für das Entstehen jener Einrichtung war. Nur darf nicht übersehen werden, daß sich dieses darwinistische Prinzip zweier sehr ungleich erklärbarer Voraussetzungen bedient; die eine Voraussetzung ist die Selektion, welche unmittelbar verständlich ist: die durch die Variationen der Bedingungen, durch Kreuzung usw. entstehenden kleinen Abweichungen bedingen eine Förderung der einen, eine Beeinträchtigung der anderen Teile, eventuell Fortpflanzung der einen, Untergang der anderen. Ganz unverständlich ist dagegen die andere Prämisse: die Vererbung; wie es dazu kommt, daß aus organischen Geschöpfen neue gleichartige erzeugt werden, kann in den einzelnen Stadien verfolgt, aber nicht erklärt werden. Wir müssen es eben als Tatsache hinnehmen. Sobald wir die nicht zu bezweifelnde Voraussetzung der Vererbung aber anerkennen, so ist der Vorgang der Anpassung klar und verständlich.

Ist die organische Einheit ein Gewebe, so tritt die Selektion zwischen den Zellen ein; die einen werden in ihrer Entwicklung gefördert und vermehren sich, die anderen gehen zugrund, bis das Gewebe jener auswählenden Bedingung angepaßt ist. Wenn die organische Einheit ein Organ ist, so konkurrieren die Gewebe; ist es ein Organismus, so tritt ein Kampf der Organe ein; ist es eine Spezies, so kämpfen die Individuen und ist jene organische Einheit die gesamte organische Welt, die sich der anorganischen anpaßt, so konkurrieren als Teile sämtliche Spezies. Wenn wir den sensorisch-motorischen Apparat der Tiere als Anpassungsprodukt auffassen wollen, so kann die Einheit, für die er als zweckmäßig gelten soll, nur die Spezies sein. Die äußeren Bedingungen, die auf den einzelnen Organismus wirken, können nicht durch Beförderung oder Beeinträchtigung seiner Teile einen solchen Apparat hervorbringen; wir haben nur zu untersuchen, ob dagegen die Spezies, als Einheit genommen, durch Selektion ihrer Teile, der einzelnen Individuen, das Substrat der Reflexbewegungen als Anpassung erlangen konnte. Zwei Klassen von, jeder Spezies gemeinsamen, Einrichtungen werden ja allgemein als Anpassung betrachtet, die passiv schützenden Eigentümlichkeiten, wie Farben, Hüllen usw., welche dem Bedingungskomplex der drohenden Gefahren angepaßt sind, vor allem aber die gesamten Mechanismen, welche dem vegetativen Leben dienen, der Verdauungs-, Resorptions-, Zirkulations- und Sekretionsapparat. Nur die vergleichende Physiologie kann lehren, wie von der Saftströmung der die Nahrung umschließenden Amöbe bis zum vegetativen Apparat des Säugers jede Stufe eine vollkommene Anpassung an die äußeren, immer komplizierteren Lebensbedingungen repräsentier und in diesen Bedingungen wieder die Ursache lag für die zunehmende Differenzierung des so zweckmäßigen Apparates. Es fragt sich nun, ob dieser Art auf der aus Sinnesorganen, zentripetalen, gangliösen und zentrifugalen Nerven und aus Muskeln mit Knochenhebeln zusammengesetzte Apparat zu erklären sei. Das ist ja klar, wiewohl es meist unberücksichtigt bleibt, daß ein einzelner Teil dieses Mechanismus, etwa ein Sinnesorgan oder ein Lokomotionsapparat, für sich allein nicht durch Anpassung mittels Selektion erklärt werden kann, denn ein Sinnesorgan, dessen Reize sich nicht in zweckmäßige Bewegungen umsetzen, ein Bewegungsapparat, der nicht unter der Leitung sensorischer Reize steht, läßt das Geschöpf ohne Konnex mit seinen äußeren Bedingungen und ist ihm daher wertlos.

Die Annahme, daß der sensorisch-motorische Apparat, der alle tierischen und menschlichen Regungen auf äußere Reize hin notwendig auslösen soll, wirklich nur Anpassungsprodukt der Tierwelt sei, diese Annahme scheint auf den ersten Blick durch drei Einwände widerlegt. Zunächst bietet die Kompliziertheit des Apparates Schwierigkeiten. Wie soll es denkbar sein, daß auf so einfachem Weg ein Mechanismus entstanden sei, der z. B. im Menschen trotz der unendlich mannigfaltigen Bedingungen der Außenwelt doch in jedem Moment die für seine Erhaltung zweckmäßigen Bewegungen des Geh- oder Sprech oder Handarbeitsapparates auslöst? Und dennoch dürfte die Kompliziertheit des Apparates nicht so unvermittelt dastehen. Nicht nur, daß wir diesen Apparat Stufe für Stufe zurückverfolgen können bis zu dem Infusorium, das sich, dem Reiz entsprechend, nur zusammenzieht oder ausstreckt, sondern wir haben vor allem im Ernährungsapparat einen durchaus nicht viel einfacheren Mechanismus. In einem Menschenkörper, in den eine reichliche Mahlzeit gemischter Kost eingeführt ist, geht in den nächsten Stunden eine Arbeit vor sich, in der viele Millionen Zellen mitleisten und die Arbeit jeder einzelnen zweckmäßig ist; ihr fehlerloses Zusammenwirken, ihre Auswahl des Ernährenden, ihre Verarbeitung der Nährstoffe und Zuführung zu den nahrungsbedürftigen Teilen, ihre Ausscheidung des für den Körper wertlosen,  alles deutet,  wie der Physiologe weiß, auf einen so unendlich komplizierten Mechanismus, daß die Verrichtungen des Gehirns durchaus nicht so viel zweckmäßiger und verwickelter erscheinen; und dennoch denkt niemand an eine mit chemischen Kenntnissen ausgestattete Unterleibsseele, sondern sieht auch in diesem unendlich weisen Mechanismus des vegetativen Apparates nur das Produkt einer phylogenetischen Anpassung

Viel wichtiger scheint der Einwand, daß offenbar bei denjenigen Handlungen des Menschen, die wir auf Moral und Intellekt zurückführen, die Disposition des physiologischen Substrates eine nebensächliche Rolle spielt neben den viel wichtigeren Einflüssen der Gewohnheit, der Überlegung, des Unterrichts usw. Wir dürfen dabei nur nicht vergessen, daß, vom physiologischen Standpunkt, die Gewohnheit nur ein häufiger Wiedereintritt desselben Reizkomplexes ist, der Unterricht nur eine bestimmte Reihenfolge von Licht- und Schallreizen, die Überlegung nur ein gesetzmäßiger Ablauf von Reiznachwirkungen, kurz, daß ein qualitativ neues Moment dadurch nicht herbeigezogen wird. Daß der neugeborene Mensch nicht etwa imstande sei, mit Hilfe seines angeborenen Mechanismus, gleich zu sprechen und zu schreiben oder motorisch zu handeln, das bedarf nicht erst eines Hinweises; daß aber der Mensch unter der sein Leben begleitenden Einwirkung von Millionen Reizen, mögen wir sie als Erfahrung, Übung, Unterricht oder sonstwie gruppieren, dahin gelangt, logisch und moralisch zu handeln, das setzt doch wohl einen ganz besonderen sensorisch-motorischen Mechanismus voraus, denn ganz dieselbe Reihenfolge von Reizen würde den Frosch mit seinem primitiveren Apparat niemals zu solchen Bewegungen veranlaßt haben. Der Apparat allein ist das Wesentliche und der Erklärung Bedürftige. das ist dann ja selbstverständlich, daß, wenn es Aufgabe dieses Mechanismus ist, auf bestimmte Reize mit bestimmten Muskelkontraktionen zu reagieren, daß dann derjenige, auf welchen die Millionen Reize der Erziehung und des Unterrichts einwirken, zu viel komplexeren Handlungen gelangt, als der wild Aufwachsende, in welchem die eintönigen Anregungen auch nur die notdürftigsten Handlungen auslösen ohne "Intellekt" und "Moral".

Es fragt sich also nur: läßt sich ein solcher, allen Menschen, gegenüber anderen Spezies, relativ gleichartig angeborener Apparat wirklich durch Auslese des Zweckmäßigen, durch natürliche Selektion, so wie etwa der Zirkulations- oder Digestionsapparat, erklären? Offenbar nur unter der einen Bedingung, daß  die Leistungen des Apparates unter jeglichen einwirkenden Bedingungen der Erhaltung des Trägers oder seiner Nachkommen wirklich vorteilhaft sind,  während ein anders eingerichteter Apparat der Erhaltung oder Fortpflanzung schädlich wäre. Und das ist der Punkt, wo der dritte Einwand anknüpft. Die tatsächlichen Leistungen des Apparates sind, so behauptet er, durchaus nicht immer dem Träger desselben oder seinen Nachkommen zweckmäßig, im Gegenteil, gerade die höchsten Leistungen sind, wie die intellektuellen, für die Erhaltung indifferent oder gar, wie die moralischen, der Selbsterhaltung schädlich und dem Mitlebenden nützlich, dem Selektionsprinzip also gerade entgegengesetzt. Zur Widerlegung dieses wichtigen Einwandes ist eine eingehende Erörterung aller äußeren Willenshandlungen unter dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit und Selektion notwendig; können wir wirklich darlegen, daß sämtliche in der organischen Welt vor sich gehenden normalen Bewegungen für den Ausführenden oder dessen Nachkommen unter dem dazu veranlassenden Bedingungskomplex nützlich sind, so ist die Möglichkeit bewiesen, das materielle Substrat des Vorganges, d. h. den sensorisch-motorischen Apparat, welcher alle Bewegungen auf den äußeren Reizkomplex hin notwendig auslöst, als Produkt phylogenetischer Selektion zu betrachten. Es bliebe dann, bis auf den unerklärten, aber auch unbezweifelbaren Vorgang der Vererbung, in der ganzen Summe der psychomotorischen Prozesse nicht, was sich vom materialistischen Standpunkt des Physiologen nicht als notwendige Wirkung erkannter Ursachen erklären läßt, wobei selbstverständlich die organische Materie, das erste fortpflanzungsfähige Protoplasmaklümpchen als gegeben vorausgesetzt ist.

Es ist nicht etwa nur eine theoretische Annahme, wenn wir die ersten Anfänge des phylogenetisch zu verfolgenden Mechanismus schon in der niedersten Tierwelt suchen; die Resultate empirischer Untersuchungen über die Bewegungen der Protozoen laufen vielmehr übereinstimmend darauf hinaus, daß die Vorgänge nicht zu erklären sind "ohne Annahne einer die Bewegungen regelnden Empfindung". Von der psychologischen Empfindungs-Hypothese befreit, heißt das doch nur: die Bewegungen erfolgen derart, daß sie nicht verständlich werden ohne Annahme eines Mechanismus, der die Bewegungen unter gewissen äußeren Bedingungen so auslöst, als wenn sie ausgewählt würden, d. h. zweckmäßig für die Erhaltung des Geschöpfes.

Es wäre falsch zu sagen, daß jene Tiere oder die Tiere überhaupt diesen eigentümlichen Anpassungsmechanismus erworben haben; vielmehr umgekehrt: diejenigen Geschöpfe, welche diesen Apparat besitzen, nennen wir Tiere. Heute freilich kennen wir eine Reihe niederster Organismen mit zweckmäßiger Bewegungsfähigkeit, welche wir dennoch ihrer chemischen Prozesse wegen bequemer zu den Pflanzen rechnen; da aber auch die chemische Betrachtungsweise wie alle anderen keine scharfe Grenze zwischen beiden Reichen erlaubt, beweist das nur, daß die Begriffe Pflanze und Tier bei den niedersten Formen ineinander übergehen; bei den höheren Formen aber, für die jene Klassifikationen gebildet wurden, war das zu Trennung Veranlassende zweifellos der Besitz oder Mangel zweckmäßiger Bewegungsfähigkeit.

Die niedersten Tiere besitzen also tatsächlich eine Organisation, derzufolge sie Bewegungen ausführen, die zu den einwirkenden Reizen in zweckmäßiger Beziehung stehen; unter dem Einfluß eines ihm schädlichen Bedingungskomplexes verändert das Protozoon die Lage seiner Teile so, daß es sich soviel als möglich dem schädlichen Einfluß entzieht; gegenüber unschädlichen oder fördernden Reizen behält es in zweckmäßiger Weise sein alte Lage bei oder nähert sich der Reizquelle. Diese selbst kann für das einzellige, undifferenzierte Geschöpf natürlich nur ein unmittelbar berührender Gegenstand sein; Sinnesepithelien haben sich noch nicht entwickelt, Druck- und Temperaturreize allein können mithin die Bewegungen im Sinne von Annäherung und Zurückziehung, der kugeligen Oberflächenverkleinerung und gestreckten Vergrößerung bei jenen niedersten Wesen hervorrufen, aber für die gleichförmigen Lebensbedingungen der Protozoen reicht jener Mechanismus vollkommen aus, ja, wer jemals unter dem Mikroskop beobachtet hat, wie die Amöben etwa einer Alge bei zufälliger Berührung sich sofort nähern und sie zur Nahrungsaufnahme umschließen, der kann nichtz zweifeln, daß es einen nützlicheren Mechanismus für jene niederen Geschöpfe nicht geben kann. Wenn nun alle übrigen Anpassungen, die sich auf Ernährung, Respiration usw. beziehen, durch Selektion der Individuen im Kampf ums Dasein entstanden sind, weshalb soll dann nicht jene nützliche Struktur, welche eine Störung durch Ausweichung, eine Förderung durch Annäherung beantwortet, sich als Anpassung an die Verhältnisse auch durch natürliche Zuchtwahl entwickelt haben? Gerade bei den niedersten Wesen, die durch ihre starke Vermehrung der Auslese ein so unendlich zahlreiches Material bieten, muß jede zufällig auftretende nützliche Eigenschaft, die nicht erst einer gewissen Höhe bedarf, um wirksam zu werden, sondern auch im kleinsten Ansatz eine, wenn auch verhältnismäßig kleine günstige Chance für ihren Träger mit sich bringt. Wenn unter den Milliarden niederster Wesen nur einige zufällig so variierten, daß bei ihnen unter schädlichen äußeren Einflüssen auch nur die geringste Kontraktion im Sinne einer Ausweichung eintrat, so mußten sie sich durch den größeren Prozentsatz der Erhaltungschance stärker als andere vermehren, die Tiere mit dieser Fähigkeit mußten das Übergewicht erlangen und schließlich allein übrig bleiben, zumal die Fähigkeit durch die häufige Wiederholung selbst wieder langsam gesteigert wurde und je gesteigerter, desto wirksamer in der passiven Konkurrenz der Individuen war.

Das Protozoon ist nun mit diesen Fähigkeiten seinen äußeren Bedingungen vollkommen angepaßt: die einfache ausweichende oder annähernde Bewegung genügt für die Reize, die es beeinflussen. Komplizierteren Bedingungen, vor allem einem komplizierteren Bau kann das nicht mehr genügen. Nun ist ja bekannt, wie besonders die Volumenzunahme, um die Proportion zwischen Masse und Fläche zu bewahren, zu Ein- und Ausstülpungen und dadurch zu Komplikationen des Baues führen mußte. Soll das differenziertere Tier sich dennoch erhalten, so werden verschiedene Reize nun verschiedenartige Bewegungen, vor allem lokale Reize nur lokale Bewegungen hervorrufen müssen, jedenfalls aber wird stets die Organisation ein festes Wechselverhältnis von physischer Reizbarkeit und Bewegungsfähigkeit aufweisen. So weit auch immer die Komplikation eines Tieres gehen mag, das werden wir schon theoretisch postulieren können, daß - wie sich die Respiration nicht ändern kann ohne die Zirkulation, wie ein Teil des Verdauungsapparates den anderen bedingt, wie die Länge der Extremitäten auch die entsprechende Länge des Halses fordert - daß ähnlich auch die Möglichkeit des Körpers, von Reizen alteriert zu werden, nicht zunehmen kann, ohne daß die Fähigkeit zunimmt, zweckmäßig zu reagieren und daß ebenso eine neue Fähigkeit erweiterter Reaktion sich nicht herausbilden kann, wenn sie nicht durch neue Reize veranlaßt ist. Wo auch immer eine neue Reizbarkeit bei einer Art gegeben ist, stets mußten die Individuen siegen, deren Organisation zufällig eine zweckmäßige Reaktion bewirkte. Diese zunehmende körperliche Reaktionsfähigkeit verlangte, zumals sie immer mehr lokal wurde, des besonderen Apparates. Die molekulare Bewegung wird sich von Anfang an, insofern einzelne Bestandteile des Protoplasma leichter isomere Umwandlungen durchmachten als andere, längs einzelner Linien bewegt haben; jede neue Bewegung wird dazu beigetragen haben, die Bahn für die Reizschwelle leichter durchgängig zu machen und so bildete sich, stets unterstützt von natürlicher Zuchtwahl, schließlich der Nerv als Entladungsbahn zur Leitung von Eindrücken.
LITERATUR - Hugo Münsterberg, Die Willenshandlung, Freiburg 1898
    Anmerkungen
    9) HERMANN, Allgemeine Nervenphysiologie, in Hermanns "Handbuch etc.", Bd. II, Seite 191
    10) SOLTMANN, Archiv für Kinderheilkunde, Bd. IX
    11) PANETH, Archiv für die gesamte Physiologie, Bd. 37, Seite 202f