(1853-1922) Die unabhängigen Realitäten
Das Problem des "Dinges ansich" samt den mit ihm zusammenhängenden des "Noumenon" der "Transzendenz", der Existenz und Erkennbarkeit einer Außenwelt und dgl. mehr, ist und bleibt zwar nicht "das", aber doch ein Hauptproblem der Erkenntnistheorie, wie oft wir es auch seitens des modernen Phänomenalismus schon haben tot sagen hören. Dieser Problemkreis, der mit dem Namen KANTs schon durch mehrere der angeführten Kunstausdrücke enger als mit dem jedes anderen Forschers verknüpft ist, wenn auch die mit den Namen zu verbindenden Begriffe noch mancher Umbildung fähig und bedürftig sein werden, hat jüngst zwei tiefgehende Bearbeitungen erfahren durch MEINONG (1) und OELZELT (2). Inwieweit diese beiden Arbeiten voneiander teilweise Anregung empfangen haben, deutet OELZELT (Seite 114) an. Die ebenfalls aus ihnen ersichtliche Bezugnahme auf mündliche und literarische Äußerungen meinerseits zu diesen Problemen möchte ich an dieser Stelle erwidern und weiterbilden und speziell auch für die Anregungen aus einer Besprechung zwischen uns (vom September 1906) die wissenschaftliche Öffentlichkeit als Teilnehmer und Richter in der unvermeidlichen Fortsetzung dieser Diskussionen gewinnen. Namentlich was meine "Psychologie" im Abschnitt "Unsere Vorstellung von einer physischen Außenwelt und unser Glaube an ihre Existenz" (§ 54 "Beschreibung des naiven Realismus", § 55 "Die physische Außenwelt vorgestellt als Ursache unserer physischen Phänomene") gebracht hatte, möchte ich konfrontiert sehen mit M.s und Oe.s neuesten Ausschaltungen des Kausalgedankens aus dem Kommerzium zwischen Ich und Außenwelt. In M.s Abhandlung dürfte die im Titel des § 18 liegende These: Äußere Wahrnehmungen als evidente Untersuchungen" der neueste und grundlegendste Beitrag zur Lösung des alten Problems sein. Diese These, welche schon durch ihre Neuheit zum Widerspruch reizt, führt M (89) mit folgender Begründung ein: "Wir finden uns ... vor die nachfolgende Alternative gestellt: entweder wir geben mit dem Vertrauen auf unsere Sinne auch die uns so natürliche Überzeugung von der Existenz einer äußeren Wirklichkeit auf oder wir versuchen, zusammen mit dieser auch jenes aufrechtzuerhalten. Wie sich dieses Dilemman praktisch entscheidet, darüber besteht nicht der geringste Zweifel: auch weitestgehende Idealisten haben immer wieder erkannt, daß sie durch ihre Theoreme ihren Glauben an die Außenwelt in concreto nicht zu überwinden imstande gewesen sind. Aber auch theoretisch hätte diese Tatsache eine größere und prinzipiellere Beachtung verdient, als sie bisher gefunden hat. Es wäre eigentlich der einzige bekannte Fall innerhalb unserer Erkenntniserfahrungen, wo das bessere Wissen dem anerkannt schlechteren nicht standzuhalten vermöchte. Oft schon hat der Irrtum über die Wahrheit gesiegt; aber ... es war nie der bereits erkannte Irrtum." - Nun hatte M. schon in § 8 "Primäre und sekundäre Qualitäten" nicht nur die Subjektivität der "sekundären" Farbe, Ton, Wärme (letztere namentlich aufgrund einer genauen und bestätigenden Analyse von LOCKEs Versuch, daß dasselbe laue Wasser der abgekühlten Hand war, der erhitzten kalt erscheint, aber nicht zugleich warm und Kalt sein kann), sondern auch die Subjektivität der "primären", der räumlichen und zeitlichen Eigenschaften zugestanden. Was M. aber als nicht bloß subjektiv auch erkenntnistheoretisch retten zu können glaubt, ist das den Eigenschaften zugrunde liegende Ding, das hinter den Erscheinungen existierende Noumenon. Die Begründung hierfür besteht vor allem ebenfalls wieder im Appell an das allergewöhnlichste Verhalten des Naiven: "Sieht jemand ... auf dem Tisch vor sich etwa ein Stück Kreide liegen, so hat er fürs erste sicher das beste Zutrauen auf das, was er "mit eigenen Augen" sieht. Es ist ... im Grunde sehr auffallend, wie zugänglich er trotz dieser Zuversicht für die Subjektivität und daher Geltungslosigkeit der sensiblen Qualitäten bleibt. Er nimmt gar keinen erheblichen Anstoß daran, daß nicht nur Farbe, Temperatur, Gewicht, Härte, sondern auch Gestalt und Größe sozusagen durch Subjekt und Umstände in die Bestimmung des gesehenen Gegenstandes hineingetragn sein mögen. Nur wenn ihm jemand einreden wollte, daß überhaupt gar keine Kreide auf dem Tisch liegt, dann wird er ... nachdrücklichen Widerstand leisten und sich auf die Dauer gewiß nicht überzeugt geben (92)." - Man wir M. sofort zugeben dürfen, daß er den verhältnismäßig festen Glauben des Naiven an Dinge als an Eigenschaften hiermit treffend beschrieben habe, wie auch früher das des "weitestgehenden Idealisten", der trotz wirklich oder vermeintlich besseren Wissens immer wieder in den Glauben des Naiven rückfällig wird (- freilich nicht erst bezüglich des "Dings", sondern auch schon seiner "Eigenschaften"; auch der unnaiv Gewordene wird die Bejahung der Farben, Temperaturen und dgl. nicht so leicht für immer los, als es M. beschreibt). - Daß aber das praktische Verhalten des Naiven vom Erkenntnistheoretiker irgendwie als berechtigt erklärt werden dürfe, leugnet Oe. (115): "Macht man (einem weniger Geschulten) klar, ob er ... eine Vermutungsevidenz dafür habe, daß von dem Tisch auch dann noch etwas existiere, wenn das Braun wegfällt, das Hart, das Eckig, ja wenn selbst der Ort, wo er sich befindet, unabhängig von unserer Anschauung, ganz anders bedeutet, wird er hierauf noch sagen: Etwas mußu doch noch bleiben? Ich gestehe, daß ich nicht weiß, was er dann sagen wird und eigentlich meine ich, ist es auch ziemlich gleichgültig, was der Laie hierzu sagt, dem doch, sobald er ernst mitzureden anfängt oder gar widerspricht, immer noch die Tür gewiesen wurde. Er wird, wenn er etwas gründlicher veranlagt ist, vielleicht sogar sagen: Wenn ich darüber urteilen soll, ob ich hier noch Evidenzen habe, so muß ich doch vorerst wissen, wovon gesprochen wird. Was soll ein Tisch, etwas, das weder braun, noch eckig und hart ist?" - Wir wollen diesen Einspruch kurz formulieren als folgende für die Existenz eines den Erscheinungen zugrunde liegenden Dinges, wie für die Erscheinung selbst. Besehen wir uns, um zwischen Oe. und M. zu entscheiden oder soweit als möglich zu vermitteln, was für Gründe und sonstigen logischen Apparat (denn noch vor den Begründungen und Urteilen mußten ja Definitionen, Distinktionen usw. gegeben worden sein) beide für sich ins Treffen führen. - Der Apparat ist bei M. kein unbedeutender. Vor allem überrascht seine Rehabilitierung des Substanzbegriffes. Auch sie knüpft an das Denken und Sprechen des Naiven an ( M. 26f): "Sage ich: "Das Blatt ist grün", so bezeichnet "Blatt" das Ding, "grün" die Eigenschaft des Blattes, jenes das "Was", dieses das "Wie" desselben ... Die darin zutage tretende Unselbständigkeit einzelner Qualitäten legt es, wie ich an mir selbst erfahren habe, sehr nahe, die natürliche Selbständigkeit und damit das Wesen der Substanz oder des Dings darin zu suchen, daß es eben den Komplex der gegenseitig sozusagen aufeinander angewiesenen Eigenschaften darstelle. Erst gegenstandstheoretische Erwägungen haben mich und zwar recht spät, darauf aufmerksam gemacht, daß durch eine solche Auffassung der eigentliche charakteristische Dinggedanke in Wahrheit verloren geht. Denn dieser Gedanke kommt bereits ohne Rücksicht auf anderweitige Unselbständigkeiten im Gegensatz der Bedeutungen von "Grün" und "Grünes" zur Geltung. Wichtig ist nun, daß für diesen Gegensatz das Moment der Einfachheit oder Zusammengesetztheit gar nicht in Frage kommt ... Prinzipiell kann man für jede, auch für eine streng einfache Eigenschaft, den Gegensatz der reinen und der substantialisierten Eigenschaft oder der Eigenschaft am Ding bilden. "Grünes" als solches muß darum auch gar nicht mehr Attribute in sich schließen als "Grün". Wer aber daraufhin geneigt wäre, zu meinen, zwischen "Grünes" und "Grün" bestehe im Grunde gar kein wirklicher Unterschied, der wird des letzteren leicht gewahr, wenn er die so triviale Tatsache beachtet, daß ein Grünes zwar natürlich grün ist, Grün dagegen ebenso natürlich nicht wieder grün." ( M. 27) Mehreres hierin entfernt sich so sehr von den philosophischen Gewohnheiten der Gegenwart, schon weil es sich denen älterer und ältester Zeiten wieder nähert, daß M.s Begriff und Behauptung von Substanzen "hinter" den (oder als "Träger" der) Eigenschaften das Bürgerrecht in einer neuesten Philosophie (Gegenstandstheorie und Metaphysik) gewiß nicht früher sich zu erwerben hoffen darf, als bis er die herkömmlichen historischen Konfrontationen mit den berühmtesten Freunden (ARISTOTELES, DESCARTES, KANT) wie Gegnern (LOCKE, HUME) dieses problematischen Begriffs bestanden haben wird. Hier, wo wir auf solche geschichtliche Exkurse durchaus verzichten müssen und wollen, sei als ein erstes Bedenken das gegen die durchgängige und wie selbstverständliche Gleichsetzung von Substanz, Ding und weiterhin auch von Noumenon ( M. 93f) angemeldet, seine Erörterung aber ebenfalls für eine andere Gelegenheit (3) verspart. Daß aber solche Bedenken nicht erst von außen in M.s Abhandlung hineingetragen zu werden brauchen, dürfte der Satz belegen: "Wir mußten ablehnen, die Dinge streng blau oder grün zu nennen,' weil wir wissen, wie diese Qualitäten ... von der Beschaffenheit unseres Sehorgans abhängen" ( M. 99; wir kommen auf die hier von mir im Druck hervorgehobenen Worte unten, Seite 373, zurück). - Wie verträgt sich das mit der von M. oben (27) selbst hervorgehobenen "trivialen Tatsache, daß ein Grünes natürlich grün ist"? Wohl schwerlich anders, als wenn das Wort "Grünes" in zweierlei Sinn angewendet wird, einem phänomenalen und einem metaphänomenalen (wie ich der Kürze wegen mit dem von JOSEF BREUER (4) geprägten Terminus sagen will). Oe. (124) nennt es eine "Umwortung", wenn man auch das dem phänomenalen Grün und Grünen zugrunde Liegende noch einmal noumenales Grün, bzw. noumenales Grünes nennt. - Den von aller Wortwahl unabhängigen Kern in M.s erkenntnistheoretischer Rechtfertigung des naiven Glaubens, daß "hinter" dem Weiß der Kreide noch Etwas, und zwar etwas anderes stecke als hinter dem Grün des Blattes oder dem Braun des Tisches, formuliert ( M. 94) folgende stehen ... noumenale Bestimmungen O'1, O'2 etc. gegenüber, von denen ... evident ist, daß zwischen ihnen die nämlichen Vergleichungsrelationen gelten wie zwischen den O." Gegen diese These richtet sich der Einwand Oe. (126): "Schon das Reich des Erfahrbaren zeigt z. B., daß verschiedene Ursachen gleiche Wirkungen haben können und es ist durchaus möglich, zu einer Reihe eines Empfindungskontinuums mit abgestuften Ähnlichkeiten eine parallele diskontinuierliche Reihe beliebiger Dinge zu konstruieren, die nur zugeordnete, aber durchaus unähnliche Qualitäten darstellen. Da dieses aber auch für alle Arten transzendenter Abhängigkeit gelten kann, so heißt dies, es können die zweiten Realitäten zweier Dinge, von denen ich Ähnlichkeit aussage, falls ich jene wahrnehmen könnte, unähnlich sein; die zweiten Realitäten zweier Farben könnten nach ihren Relationen ebenso verschieden sein, wie ihre Eigenschaften von denen der Empfindungen. Allerdings blieben die Relationen damit um nichts weniger übertragbar im vorher besprochenen Sinne, nur nicht in der einfachen Weise, daß ich das Recht hätte, ohne weiteres aus der Ähnlichkeit zweier Dinge auf die Ähnlichkeit ihrer zweiten Realitäten zu schließen." "Zweite Realität" ist in der ganzen Arbeit Oe.s (wie schon früher in der Kosmodizee 1897 und den Nachträgen zu ihr 1900) der technische Ausdruck für die vom Ich, als der "ersten Realität", unabhängige Welt der Dinge ansich. Bezeichnen wir nun, um im weiteren kurz von der Art, wie Oe. sich die "Zuordnung" der zweiten zur ersten Realität denkt, sprechen zu können, die einzelnen Glieder die der zweiten Realität mit γ, φ, λ ... ρ, α, δ so soll vor allem die Regellosigkeit der zweiten Reihe das Bedenken zum Ausdruck bringen, was vom Gedanken einer "Zuordnung", eines "Zugeordnetseins" eigentlich noch übrig bleibt, wenn wir schlechthin alles, was die zwischen den Gliedern der ersten Reihe bestehenden Ähnlichkeits- und Verschiedenheitsrelationen Gliedern auf die der zweiten Reihe genau oder annähernd übertrüge, von dieser zweiten Reihe fernhalten wollten und könnten. Fordert doch der Begriff des "Zuordnens" allein schon zum allermindesten, daß je einem "Glied" der ersten Reihe ein (5) "Glied" der zweiten Reihe "entspreche" und somit wenigstens zwischen den Zäsuren der ersten und der zweiten Reihe eine Art Ähnlichkeit bestehe - wieviel Willkürlichkeit übrigens schon im "Zergliedern" der ersten Reihe etwa liegen mag (wie z. B. im "Einteilen" der Weltgeschichte). - Oe. mag diesem Bedenken erwidern, er bedürfe zum "Zuordnen" nicht der Ähnlichkeitsrelationen, da er es ja auf Abhängigkeitsrelationen gründe; wobei für eine erschöpfende Abwägung der Anteile dieser beiden Hauptklassen von Relationen daran zu erinnern wäre, daß M. schon 1882 (6) die "Verträglichkeitsrelationen" als doch erst wieder über Vergleichungsrelationen gleichsam sich aufbauend beschrieben hatte. - Daß nun M. viel weitergehende Ähnlichkeiten zwischen den O1, O2 etc. und den O'2, O'2 etc. behauptet, wollen wir durch ein entsprechendes Ordnen der zweiten von beiden Reihen γ, φ, λ ... ρ, α, δ symbolisieren; ja, wir können die von M. als unmittelbare Vermutungsevidenz behauptete Abstufung der Ähnlichkeitsmasse zwischen den Noumenen symbolisieren durch eine Proportion Vielleicht wird sich die zwischen M. und Oe. schwebende Streitfrage sogar am einfachsten durch eine an diese symbolische Proportion anknüpfende mathematische Analogie formulieren und bis zu einem gewissen Grad schlichten lassen: Daß nach These III M. zwischen noumenalen Bestimmungen die nämlichen Vergleichungsrelationen gelten, wie zwischen den zugeordneten phänomenalen Bestimmungen, wäre analog dem denkbar einfachsten Fall mathematischer funktionaler Abhängigkeit, die ja eben die direkte Proportionalität ist; und unter dem Bild einer solchen Analogie gesehen erscheint dann Oe.s Ablehnung einer solchen allzu einfachen funktionalen Beziehung sogleich gerechtfertigt durch einen flüchtigen Überblick über die zahllosen Gattungen und Arten von Funktionen außer der bloßen Proportionalität, wie sie nicht bloß die mathematische Phantasie ausdenkt, sondern wie sie sich auch in der physischen und psychischen Welt realisiert zeigen. Dennoch kann man diesem so naheliegenden Einwand entgegenhalten, daß wenigstens in sehr vielen Fällen, wo man eine von der einfachen Proportionalität mehr oder weniger weit sich entfernende Gesetzmäßigkeit (etwa schon GALILEIs Beziehung s = at2 zwischen Fallstrecke s und Fallzeit t) in ihre Realgründe verfolgt, man früher oder später doch wieder auf die einfache Proportionalität trifft. (So ist in unserem Beispiel das Quadratgesetz auf die Beziehung v = gt für die Fallgeschwindigkeit v gegründet und diese phoronomische [bewegungstechnische - wp] Beschreibung wieder auf das erste und zweite der NEWTONschen dynamischen Gesetze, die auch direkte Proportionalitäten aussprechen.) Entscheidend würde diese Bevorzugung der direkten Proportionalität natürlich erst durch eine Art Statistik, wieviel der anderweitigen Funktionsbeziehungen auf solche einfache Proportionalitäten zurückführen und wieviele etwa überhaupt nicht. Auch wenn es eine (nur nicht allzu unbeträchtliche) Überzahl ist, darf sie als ein, wenn schon nicht Rechtfertigungs-, so doch Entschuldigungsgrund für den naiven Anfänger gelten, der, weil er eben noch keine andere Art von funktionaler Abhängigkeit kennt als die direkte Proportionalität (z. B. zwischen Preis und Warenmenge, Arbeiterzahl und Leistungsmenge - und selbst hier ist ja die Proportionalität schon manchmal durchbrochen, wenn es sich um Diamanten von 1, 2, 3 Gran handelt oder um Arbeiter, die sich gegenseitig stören oder fördern und dgl. mehr) immer und überall auf diese direkte Proportionalität treffen zu müssen, ja sie wohl gar für evident halten zu dürfen meint. Und muß man das, was der Anfänger, dieser "naive" Mathematiker, hier für evident hält, zwar zuerst nur Vorurteil nennen, so könnte er sich im Besitz jener Statistik nachmals immerhin darauf steifen, daß er wenigstens jetzt eine Evidenz der (sogar zahlenmäßig auszuwertenen) Wahrscheinlichkeit dafür habe, es werde eine neu entgegentretende Abhängigkeit "im Grunde" doch auch wieder als einfache Proportionalität wenigstens so lange präsumiert werden dürfen, bis die Erfahrung und ihre möglichst weit (zu den Prinzipien) geführte Analyse etwa doch das Gegenteil gelehrt habe.
1) ALEXIUS MEINONG, "Über die Erfahrungsgrundlagen unseres Wissens" (Abhandlungen zur Didaktik und Philosophie der Naturwissenschaften, herausgegeben von POSKE, HÖFLER, GRIMSEHL, Bd. 1, Heft 6, Berlin 1906. 2) ANTON OELZELT-NEWIN, "Die unabhängigen Realitäten" (Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, Bd. 129, Heft 2, Leipzig 1907, Seite 113 - 135. - Im folgenden werden die beiden Abhandlungen so zitiert werden, daß z. B. M (89) heißt: MEINONG, Erfahrungsgrundlagen etc., Seite 89 3) Hoffentlich in der Neubearbeitung meiner (seit fünf Jahren vergriffenen) Logik, die in § 23 sich zum Substanzgedanken im ganzen Recht skeptisch verhalten hatte; wie ich auch noch 1903 ("Zur gegenwärtigen Naturphilosophie", Seite 44) die These aufgestellt habe: "Wir brauchen eine Physik ohne Substanz, aber mit Kausalität". - Immerhin mag der künftigen systematischen Revision dieser Dinge vorgearbeitet werden, wenn ich einstweilen als einen Anlaß zu Bedenken folgendes vermerke: Es galten bisher (und gelten auch bei MEINONG) zu den obrigen drei Begriffen die folgenden als Gegenglieder:
Ding - Eigenschaft, Noumenon - Phänomen. 4) Vgl. meine Abhandlung "Zur gegenwärtigen Naturphilosophie", Beilage 1, Seite 131. - Der von MEINONG (Über Gegenstandstheorie, 1904, Seite 37f) erhobene Einspruch, es lasse sich auch das "Phänomenale" nicht aus dem Bereich der Metaphysik ausschließen, trifft nicht den Begriff und Terminus "Metaphänomenales" selbst, sondern erst die Definition der Metaphysik als "Wissenschaft vom Metaphänomenalen". - Auch alle diese am Begriff des "Phänomens" mit interessierten Streitfragen wären erst auszutragen durch eine Untersuchung: "Was für eine Phänomenologie wir brauchen" (vgl. "Zur gegenwärtigen Naturphilosophie", Seite 89, Anm. 38). 5) Nach Analogie zu den nicht ein, sondern mehrdeutigen Funktionen wäre allerdings auch die Möglichkeit zweier oder mehrerer Glieder der zweiten Reihe offen; aber nur nicht unendlich oder unbestimmt vieler. 6) HUME-Studien II, Sitzungsberichte der Wiener Akademie, 1882, Seite 89f. |