tb-1p-4Über das sogenannte ErkenntnisproblemErnst CassirerOtto Meyerhof    
 
LEONARD NELSON
Die kritische Methode
und das Verhältnis der
Psychologie zur Philosophie

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    I. Die regressive Methode
II. Über die Begründung der Urteile
III. Theorie der Deduktion
IV. Über das Verhältnis der Kritik zum System
V. Über das konstitutive Prinzip der Metaphysik
- Anhang: Über das Verhältnis des sog. Neukantianismus

"Unter der Voraussetzung des Dogmas, alle Erkenntnis sei entweder Anschauung oder Reflexion, muß unvermeidlich die an sich richtige Maxime der Aufklärung, durch Reflexion zur Metaphysik zu kommen, die fehlerhafte Form des logischen Dogmatismus annehmen, durch die Reflexion die metaphysische Erkenntnis selbst zu erzeugen und demgemäß sie zu beweisen. Als ob sich durch das Vermögen der Aufklärung die aufzuklärende Wahrheit selbst entwickeln ließe. Ein Verfahren, das an der eigenen Inkonsequenz notwendig scheitern und die gesamte metaphysische Gesetzgebung dem Skeptizismus preisgeben muß. Das Fehlschlagen dieses Unternehmens führt daher zu der Alternative, entweder (mit dem Empirismus) auf alle metaphysische Wahrheit zu verzichten, oder (mit dem Mystizismus) den wissenschaftlichen Weg der Aufklärung zu verlassen und, unter Verwerfung der Reflexion, als eines zur Metaphysik untauglichen Mittels, auf dem Weg intellektueller Anschauung die Wahrheit zu suchen."

A n h a n g
Über das Verhältnis des sogenannten Neukantianismus
zu Fries' Neuer Kritik der Vernunft

Fassen wir, um unseren Standpunkt historisch zu fixieren, die Resultate unserer Untersuchungen zusammen, so hat sich uns als das allein richtige Verfahren zu philosophieren die von KANT entdeckte Kritik der Vernunft herausgestellt. Die Kritik der Vernunft aber muß, so fanden wir, nach psychologischer Methode bearbeitet werden. Damit kommen wir auf die Wendung zurück, die FRIES dem wissenschaftlichen Philosophieren gegeben hat. Wir kommen zurück, sage ich. Denn mit der Forderung psychologischer Kritik treten wir in schärfsten Gegensatz zur herrschenden Ansicht, wie sie am nachdrücklichsten gerade von denen vertreten wird, die ihre Lehre an den Namen KANTs anknüpfen. Wenn auch heute von einer angesehenen Schule die Rückkehr zu KANT gefordert und versucht wird, so hören wir doch nichts von einer Anknüpfung an FRIES. Und doch war es gerade FRIES, der schon vor hundert Jahren die Methode der Vernunftkritik wieder aufnahm und mit ihrer Hilfe die Fortbildung der Philosophie unternahm. Wie erklärt es sich da, daß wir bei denen, die eine Erneuerung des Kantianismus zu erstreben behaupten, keiner wissenschaftlichen Prüfung - weder einer Anerkennung noch einer Widerlegung, ja meist nicht einmal einer  historischen  Beachtung  des  Philosophen begegnen, der zuerst und bis auf den heutigen Tag allein durch Erneuerung des Unternehmens der Vernunftkritik der Kantischen Philosophie eine neue Grundlage geschaffen hat? Offenbar eben daraus, daß sie, wie sich uns gezeigt hat, die psychologische Natur der Kritik verkennen. Den letzten Grund aber dieses Verkennens hatten wir im Mißverständnis des Begriffs des Transzendentalen gefunden. Nun hat aber gerade FRIES seine Reform der Kritik auf die Prüfung eben dieses Begriffs und auf die Berichtigung des Mißverständlichen in ihm gegründet. Wie kommt es nun, daß die "Neukantianer" sich nicht von FRIES über dieses Mißverhältnis haben belehren lassen? Nur daher, daß sie, wie eine Vergleichung ihrer Schriften zeigt, es vorgezogen haben, statt seine Kritik der Vernunft zu studieren, die traditionelle Fabel von FRIES' Psychologismus nachzusprechen. In der Tat ist diese Fabel, seit FISCHER (1) sie erfunden hat, ganz allgemein treuherzig weiter erzählt worden.

So lesen wir bei einem unserer geachtetsten Forscher auf dem Gebiet der Geschichte der Philosophie: "Der Psychologismus, wie ihn eta die FRIES und BENEKE darstellen oder wie er sich in der völkerpsychologischen Richtung neu entwickelt hat, verdankt die große Überlegenheit, die er den entsprechenden früheren Theorien gegenüber zweifellos besitzt, lediglich dem Anschluß an die kritische Philosophie. Das ist die Größe des Kantianismus, daß er alle seine Gegner veredelt hat." (2) Dem gelehrten Geschichtsschreiber der Philosophie scheint bei dieser seiner Gegenüberstellung kritischer und genetischer Methode ein kurzer, aber lehrreicher Ausspruch von FRIES entfallen zu sein: "Aber das versteht Herr BENEKE wieder nicht, weil ihn seine unglückliche genetische Psychologie irre macht. So versteht er KANTs Ausdruck  Erkenntnis rein a priori  gar nicht. Er hält ihn für einen genetischen Begriff ..." (3)

Mit derselben Unkenntnis des Gegenstandes ausgerüstet, unternimmt es RIEHL die FRIESsche Methode anzugreifen. (4) So führt er denn seine Streiche überall nur gegen ein Phantom, das außer in seiner Einbildung nie und nirgend existiert hat. Das Folgende dürfte hinlänglich sein, um diese Behauptung zu beweisen.

RIEHL sagt Seite 294:
    "Ich verstehe unter  psychologischem  Vorurteil, kein Vorurteil KANTs, sondern ein Vorurteil seiner Ausleger und Kritiker; die Behauptung, die kritische Philosophie sei auf Psychologie gegründet, oder die Forderung, sie solle es sein, obschon sich KANT selbst des anthropologischen Charakters seiner kritischen Untersuchungen nicht deutlich bewußt gewesen sei. Die letztere Forderung wird von FRIES und seiner Schule erhoben, die erstere Behauptung hat besonders HERBART zu ihrem Vertreter. Vorerst muß gegen FRIES erklärt werden, daß eine psychologische Grundlegung der Kritik ganz und gar ihrem eigenen Vorhaben widerstreite."
Vorerst muß FRIES gelesen werden, ehe man daran geht, ihn zu widerlegen. Derartig vage und unbestimmte Forderungen hat FRIES nicht erhoben. Vielmehr fordert er, daß der Aufstellung des Systems der Philosophie eine Kritik der Vernunft vorhergehe und beweist, daß diese Kritik eine psychologische Wissenschaft sei. Eine Philosophie, die dieser Forderung genügt, heißt eben darum kritische Philosophie. Die Kritik aber, lehrt er, sei nicht selbst Philosophie, sondern nur das Philosophieren, um zur Philosophie zu gelangen. (5) FRIES hat also allerdings die "psychologische Grundlegung der  Kritik"  behauptet; die Behauptung aber, daß durch ein solches Verfahren die  Philosophie  auf Psychologie gegründet werde, ist irreführend und, wie RIEHL sie in Anspruch nimmt, falsch.

RIEHL erklärt nämlich, daß eine psychologische Grundlegung der Kritik ganz und gar ihrem eigenen Vorhaben widerstreite und begründet die Erklärung folgendermaßen:
    "Wäre die Kritik auf Psychologie oder Anthropologie gegründet, so würde sie sich auf einen  Teil  der Erfahrung stützen." - Ganz zweifellos würde die Kritik das tun. Warum sollte sie auch wohl nicht? - "Sie würde nicht die Prüfung der Bedeutung und Tragweite der allgemeinen Erfahrungsbegriffe sein können. Sie würde vielmehr die Gültigkeit dieser Begriffe für den Umkreis der persönlichen und überhaupt der psychologischen Empirie voraussetzen."
Gewiß werden wir die Gültigkeit dieser Begriffe voraussetzen. Dabei begehen wir aber durchaus keinen Zirkel. Denn die Kritik will ja gar nicht die Gültigkeit dieser Begriffe beweisen, sondern sie nur als solche aufweisen, nämlich als Begriffe, die wir für alle Erfahrung voraussetzen müssen, die Bedingungen der Möglichkeit der Erfahrung sind. Versteht Herr RIEHL unter der "Prüfung der Bedeutung und Trageweite der allgemeinen Erfahrungsbegriffe" etwas anderes, so ist es  seine  Schuld, wenn eine solche Prüfung in einen Zirkel gerät. Die Kritik der Vernunft von KANT und FRIES hat mit einer derartigen Prüfung keine Gemeinschaft.
    "Die innere Erfahrung hat vor der äußeren in Bezug auf die Festigkeit und die Evidenz ihrer Grundlagen nichts voraus, wohl aber steht sie derselben in Bezug auf die Anwendbarkeit der logischen Erfahrungsgrundsätze bei weitem nach."
Eben dieser vermeintliche Mangel ist einer der Hauptvorzüge, durch die sich die innere Erfahrung als einen Leitfaden der Spekulation empfiehlt. Denn wir umgehen dadurch den Streit um die philosophischen Prinzipien und setzen an seine Stelle den viel sichereren Weg der Beobachtung.

"Subjektiv notwendig ist die Halluzination so gut wie die Wahrnehmung eines wirklichen Gegenstandes". (Seite 297)

FRIES' Kritik behandelt aber gar nicht die Frage, welche Vorstellungen "subjektiv notwendig" sind, sondern die Frage, welche Vorstellungen in der reinen Vernunft entspringen. "Der Begriff der Erfahrung ist der feste Grund,  die einzige Voraussetzung  der Kantischen Erkenntnistheorie." (Seite 303)

Also aus einem einzigen Begriff hätte KANT seine ganze Erkenntnistheorie entwickelt? Derselbe KANT, der nachgewiesen hat, daß aus einem Begriff nur analytische Urteile entspringen und daß aus bloßer Logik keine Wissenschaft möglich ist?

"Die beiden Fragen: wie entstehen Vorstellungen und: sind Vorstellungen gültig, mit dem Objekt übereinstimmend, d. i. enthalten sie gegenständliches Wissen, sind ganz verschiedene Fragen. Die letztere läßt sich durch keine Psychologie jemals entscheiden."

In der Tat, das sind zwei verschiedene Fragen. Und auch darin hat RIEHL Recht, daß sich letztere durch keine Psychologie jemals entscheiden läßt. Aber die Frage, ob unsere Vorstellungen mit dem Gegenstand übereinstimmen, läßt sich ebensowenig durch irgendeine andere menschliche Wissenschaft entscheiden. Denn es ist uns nicht möglich, aus unserer Erkenntnis herauszutreten und sie mit dem Gegenstand zu vergleichen; sondern darüber bleibt ein jeder dem Vertrauen zu seiner Vernunft überlassen. Suchen wir indessen nicht diese objektive Wahrheit der Übereinstimmung mit dem Gegenstand, sondern die innere Wahrheit der Übereinstimmung unserer Erkenntnisse untereinander, so wird uns, was die philosophische Erkenntnis betrifft, die Psychologie sehr gute Dienste leisten, um die mittelbare Erkenntnis der Reflexion mit der unmittelbaren Erkenntnis der Vernunft zu vergleichen und dadurch über die Gültigkeit der ersteren zu entscheiden.
    "Die Formel des Problems der Vernunftkritik lautet: wie sind synthetische Urteile a priori möglich? Die Aufgabe, die in dieser Frage ausgedrückt wird, ist eine allgemein philosophische oder in KANTs Sprache eine metaphysische; demnach kann ihre Lösung nur  aus Begriffen  erfolgen." (Seite 315)
Diese Aufgabe ist aber durchaus keine philosophische, sondern eine kritische; wie RIEHL selbst sagt, ein Problem der Vernunftkritik. Mit demselben Recht hätte RIEHL sie eine mathematische nennen können, da sie sich auf die synthetischen Urteile a priori der Mathematik ebenso bezieht wie auf diejenigen der Philosophie. Am allerwenigsten hat KANT selbst die Torheit begangen, sie "eine metaphysische" zu nennen. Wie sollte auch die Aufgabe eine metaphysische sein und ihre Lösung aus bloßen Begriffen erfolgen, da sie selbst er entscheiden soll, ob Metaphysik, d. h. Wissenschaft aus bloßen Begriffen überhaupt möglich ist. Man sollte doch etwas genauer zusehen, ehe man einen KANT solcher Unbesonnenheit verdächtigt.

Auch HERMANN COHEN hat sich durch den oben nachgewiesenen logischen Fehler zu einem Streit gegen den angeblichen "anthropologischen Irrtum" (6) der Vertreter der psychologischen Auffassung der Kritik verleiten lassen. Ehe wir uns aber auf diesen Streit einlassen, können wir Folgendes feststellen.

Wir haben bereits oben allgemein gezeigt, daß jeder andere als empirisch-psychologische Versuch einer Begründung der metaphysischen Prinzipien auf das unmögliche Unternehmen hinausläuft, aus bloßer Logik Metaphysik zu machen. Das können wir an dem von COHEN selbst gegebenen Beispiel einer vermeintlich nicht psychologischen Behandlung des kritische oder - wie er es mit Vorliebe bezeichnet - transzendentalen Problems demonstrieren. Wir können zeigen, daß die Antworten, die wir hier auf diese Frage erhalten, nur entweder als leere analytische Sätze oder als verkannte psychologische Erklärungen aus innerer Erfahrung aufgefaßt werden können. (7)

Wie lautet nämlich der "oberste Grundsatz", aus dem die Grundsätze "entspringen müssen" (Seite 140)? - "Daß wir Notwendigkeit anerkennen wollen in in demjenigen Gebiet unseres Bewußtseins, welches als Wissenschaft, als mathematische Naturwissenschaft ausgezeichnet ist." (Seite 139) - Dies ist ein analytischer Satz; oder wäre es nicht der  Begriff  der mathematischen Naturwissenschaft, die Verknüpfung der Wahrnehmungen nach notwendigen Gesetzen zu sein? Aus diesem analytischen Satz sollen die metaphysischen Grundsätze entspringen und abgeleitet werden? Oder sollte es anders gemeint sein, nämlich so: wir wollen Notwendigkeit anerkennen in einem Gebiet unseres Bewußtseins und dadurch, daß wir sie anerkennen, machen wir es zur mathematischen Naturwissenschaft? Das aber wäre eine psychologische Tatsache, eine Erkenntnis aus innerer Selbstbeobachtung. Wir haben das Bedürfnis, notwendige Gesetze anzunehmen und ihnen gemäß den Gehalt unserer Sinnesanschauung zu verknüpfen; das wäre eine Tatsache, von der wir sehr wohl ausgehen könnten. Aber die obersten Naturgesetze werden nie und nimmer aus einer psychologischen Tatsache entspringen können. Das wäre ja gerade, was COHEN am meisten verabscheut, eine Verquickung der höchsten philosophischen Grundgesetze mit psychologischen Tatsachen. Und doch sehen wir hier deutlich, wie COHEN blindlings dieser Verquickung anheimfällt, so sehr er auch dagegen protestiert. Wie er auch die terminologische Fassung seines "obersten Grundsatzes" variiert, immer bleibt nur die Wahl, ob man ihn als einen leeren analytischen Satz oder als den verkappten Ausspruch einer psychologischen Selbstbeobachtung auffassen will. So gleich darauf:
    "Nur das allein kann Leitstern des Gesetzes sein: daß ein Gesetz walten solle in dem Gebiet der Erfahrung" oder "Daß wir Gesetze haben müssen, sofern wir Wissenschaft haben wollen." (Seite 591)
Natürlich ließe sich auch nicht einmal psychologisch irgendetwas daraus herleiten. Denn wenn ich die Gesetze nicht schon in meiner Vernunft besitze, so kann mir kein Wollen dazu verhelfen, sie mir auszudenken. Denn ich schaffe sie nicht durch meinen Willen, sondern mein Bewußtsein findet sie vor, allerdings nur, wenn es willkürlich reflektiert. Aber Willkürlichkeit der Reflexion ist von der Selbsttätigkeit der Vernunft grundverschieden. Man sieht auch hier wieder, wie nahe COHEN bei FICHTE steht, ohne es selbst zu bemerken oder bemerken zu wollen. Und von seinem Standpunkt aus sind seine Einwürfe gegen FICHTE in der Tat recht schwach und inkonsequent.
    "Woher nehmen  wir selbst  dasjenige, was wir in die Dinge legen müssen, um etwas a priori an ihnen zu erkennen? Wenn jetzt die Antwort lautet: aus dem Bewußtsein, so denken wir das Bewußtsein als den Inbegriff der Mittel und Methoden, die jenes  Hineinlegen  ausmachen." (Seite 142)
Diese "Antwort" gibt uns, in einem anderen  Wort,  die Frage zurück: Wir nehmen dasjenige, was wir in die Dinge hineinlegen, aus dem Inbegriff der Mittel und Methoden, die das Hineinlegen ausmachen. Indem wir aber diesem Inbegriff, dessen Herkunft erklärt werden sollte, den zweideutigen Namen "Bewußtsein" geben, täuschen wir den ungründlichen Leser über die nichts besagende Leerheit dieser logischen Formel hinweg.

Nicht stichhaltiger sind die historischen Argumente, die dem Text der Kantischen Kritik entlehnt werden.
    "Der oberste Grundsatz heißt ... vorzugsweise der der  Einheit der Apperzeption Und auf daß der Ausdruck nicht psychologisch oder metaphysisch gefaßt werden, so lautet die Fassung:  Synthetische Einheit der Apperzeption"  (Seite 142)
Also der "systematische Gegensatz zur Materie" (Seite 141) soll nicht psychologisch gefaßt werden? Wenn Herr COHEN uns wenigstens darüber belehren wollte, welcher Gegensatz zwischen  psychologisch  und  synthetisch  bestände. Das ganze Raisonnement reiht nur eine willkürliche Behauptung an die andere.

Zum Beweis, daß in der Kantischen Kritik der reinen Vernunft "Sinnlichkeit kein  Seelenvermögen"  bedeute, zitiert COHEN KANTs Satz: "Diese Fähigkeit (Rezeptivität), ... Vorstellungen zu bekommen, heißt Sinnlichkeit" und bemerkt dazu: "Es steht nichts von Kraft oder Vermögen in dieser Bestimmung." (Seite 108) - Aber leider hat COHEN versäumt, uns über den Unterschied von Fähigkeit und Vermögen aufzuklären. Vielmehr gebraucht er selbst (mit KANT) beide Worte als gleichbedeutend. So Seite 301: "Solcher ursprünglicher Quellen,  Fähigkeiten oder Vermögen der Seele  nimmt KANT drei an: Sinn, Einbildungskraft und Apperzeption."

"Von wirklichen Dingen, denen eine die Eindrücke derselben aufnehmende Subjektivität begegnete, ist nirgends die Rede." (Seite 154) - Auch nicht im folgenden, von COHEN selbst zitierten Satz: "Die Wirkung eines Gegenstandes auf die Sinnlichkeit, sofern wir von demselben affiziert werden, ist Empfindung"? (Seite 109) - "Man hat KANT nicht zu lesen, sondern sich in ihm zu versenken"; so gebietet Herr COHEN seinen Schülern. (8) Ich dächte aber doch, daß derjenige, der andere über KANT zu belehren oder gar ihn selbst weiterzubinden beansprucht, besser täte, ihn zuvor zu lesen.

Nicht anders steht es mit folgender Interpretation:
     "Von Objekten affiziert werden  ... bedeutet nichts anderes als die Anschauung ... Auf  affiziert zu werden  folgt:  und dadurch unmittelbare Vorstellung derselben, d. i. Anschauung zu bekommen."  (Seite 165)
Demnach lehrt also KANT, daß wir durch Anschauung Anschauung bekommen. Das sind, dem "Genius" KANT gegenüber, die Früchte jener "vollen Hingabe, ohne die sich kein Geist begreifen läßt, dem man nicht gleicht." (Seite IX)

Wenden wir uns nun zum Angriff COHENs gegen den "anthropologischen Irrtum" (Seite 298) der Vertreter der psychologischen Kritik. Es "scheint" ihm "zweckdienlich" (Seite 373), die Ansichten von FRIES und APELT zu "würdigen" und zwar in folgender Weise.
    "Die metaphysische Deduktion, wenn man sie nicht als Vorbereitung der transzendentalen einhält, läßt in der Tat der Vermutung und der Ansicht Raum, daß sie die psychologische Erklärung nicht nur, was ihre Aufgabe ist, einschränke, sondern daß sie dieselbe vielmehr fortführe und erfülle. Wenn sie die formalen Bedingungen der Erfahrung als die Formen des Bewußtseins nachweist, so liegt es freilich sehr nahe, hierbei an die des menschlichen, persönlichen zu denken und nicht ausschließlich an die des wissenschaftlichen." (Seite 374)
Ohne mich hier auf einen Streit über die Mythologie vom unmenschlichen und unpersönlichen Bewußtsein einlassen zu wollen, frage ich vielmehr nur: Wo wäre es FRIES eingefallen, daß die metaphysische Deduktion es mit einer "Erklärung" zu tun habe? Das Phantom der Gefahr, die COHEN wittert, existiert überhaupt nicht.
    "Wenn man das  bewirkt werden  ... anthropologisch versteht, so ist schon die Frage nach dem Bewirken dieser Analogie zwischen logischen und metaphysischen Formen unstatthaft und unverständlich."
Die Behauptung der Unstatthaftigkeit dieser Frage hätte COHEN  begründen  sollen. Der Umstand, daß die Frage ihm unverständlich ist, brauch seinen Grund nicht in der Frage zu habn. Uns ist sie nicht nur verständlich, sondern wir haben auch begriffen, daß sie vielmehr einzig und allein "anthropologisch" statthaft und verständlich ist.
    "FRIES dagegen will anthropologisch diese Analogie nur als solche begreifen; daher sucht und setzt er ein Drittes, in und an welchem jene beiden Formen analog werden." (Seite 375)
FRIES  setzt  vielmehr überhaupt nichts; - die Abenteuer des transzendenten Setzergeschäfts hat er seinem Kollegen FICHTE überlassen - sondern er hat Tatsachen beobachtet und die Resultate seiner Beobachtung aufgeschrieben.

Es folgt dann eine Reihe von Zitaten, ohne irgendeinen Versuch einer ernsthaften Widerlegung, bis Seite 377, wo sich der Einwurf erhebt: "So zeigt diese Auffassung der transzendentalen Apperzeption selbst ihre Unzulänglichkeit, indem FRIES zu ihrer Ergänzung einer  formalen Apperzeption  bedarf."

Ein eigentümliches Kriterium der Unzulänglichkeit. Zeigt vielleicht auch die Kritik der reinen Vernunft selbst ihre Unzulänglichkeit, indem KANT zu ihrer Ergänzung einer Kritik der praktischen Vernunft bedarf? Aber überdies ist die Behauptung völlig unwahr, daß FRIES die formale Apperzeption zur Ergänzung der transzendentalen eingeführt habe, da vielmehr bei FRIES die formale Apperzeption nichts anderes bedeutet als das, was KANT unbestimmter die Einheit der transzendentalen Apperzeption nennt. (9) Daß in FRIES' Vernunftkritik außer dem Buchstabenkomplex  transzendentale Apperzeption  noch der andere  formale Apperzeption  vorkommt, kann Herrn COHEN doch wohl nicht zu seiner Behauptung berechtigen.

"Als  Gedächtnis  wird die unmittelbare Erkenntnis bezeichnet." (Seite 378) - Es ist zu bedauern, daß Herr COHEN es unterlassen hat, die Stelle anzugeben, an der FRIES einen so groben Fehler begeht, da diese Stelle seinen Lesern bisher nicht bekannt geworden ist.

"Wäre es nicht klarer und tiefer, die Einhit nicht als Grundvorstellung, sondern als die Grundbedingung des Bewußtseins und somit der Erfahrung zum obersten Grundsatz derselben zu machen?" - Nich klarer und tiefer wäre es, sondern Vermengung der Philosophie mit Psychologie, die COHEN umso ärger betreibt, je lebhafter er gegen sie protestiert.

"FRIES geht jedoch soweit in seiner anthropologischen Verblendung, daß er in die unmittelbare Erkenntnis auch das höchste Wertzeichen der Vorstellung setzt: die objektive Gültigkeit."

In der Tat; in der Unmittelbarkeit der Erkenntnis hat FRIES ein Kriterium ihrer objektiven Gültigkeit entdeckt. Daß das aber Verblendung sei, ist ein unbegründeter Vorwurf. Was haben derartige Behauptungen für einen wissenschaftlichen Wert? Unkundige mögen sich durch eine solche Behauptung blenden lassen; uns wird sie solange bedeutungslos erscheinen, bis man uns die Hinfälligkeit der FRIESschen Entdeckung nachweisen wird. Zu diesem Nachweis hätte sich Herr COHEN freilich auf die Begründung einlassen müssen, die FRIES der Sache gegeben hat. Das aber hat ihm nicht "zweckdienlich" geschienen.

Das sei der "Grundfehler dieser gesamten Ansicht, daß FRIES ... die empirisch-anthropologische Natur des unmittelbaren Bewußtseins zum Eckstein gemacht hat." (Seite 379)

Wenn Herr COHEN der FRIESschen Unterscheidung der unmittelbaren  Erkenntnis  vom  Bewußtsein  nicht folgen kann oder will, so hätte er nichtsdestoweniger richtig referieren kann oder will, so hätte er nichtsdestoweniger richtig referieren können und sollen. Freilich, wenn er seine "volle Hingabe" bereits an den "Genius" KANT verausgabt hat, was sollte ihn dann noch veranlassen, dem "anthropologisch verblendeten" FRIES diese schuldige Achtung zu erweisen. (10)

Nach Vollziehung dieser Exekution wird der unglückliche APELT auf das Prokrustesbett der COHENschen Interpretationslogik gespannt. "APELT macht diese transzendentale und formale Apperzeption zur  spekulativen Grundform aller metaphysischen Erkenntnis."  - Wo hätte APELT eine solche Tollheit begangen? Anders kann ich die von COHEN APELT untergeschobene Begriffsverdrehung nicht bezeichnen; denn sie ist für jeden, der auch nur eine halbwegs deutliche Vorstellung davon hat, was APELT unter den Worten "transzendentale Apperzeption", "formale Apperzeption" und "spekulative Grundform" versteht, schlechterdings sinnlos. Im übrigen wird COHENs Behauptung durch den erstbesten Satz aus APELTs äußerst klarer Darstellung der Apperzeptionslehre Lügen gestraft:
    "Die transzendentale Apperzeption ist das unmittelbare Ganze der Erkenntnis meiner Vernunft. Die ursprüngliche formale Apperzeption aber ist die unmittelbare Form jenes Ganzen." "Der ursprünglichen notwendigen Grundvorstellung unserer Vernunft d. i. der formalen Apperzeption können wir uns nur stufenweise nach verschiedenen Verhältnissen bewußt werden: teils unmittelbar (durch den inneren Sinn: Raum und Zeit), teils nur mittelbar (durch Reflexion: die Kategorien). Raum und Zeit ist das klare, d. h. anschauliche, die Verhältnisform der Kategorien (d. h. die spekulative Grundform) das dunkle Stück der formalen Apperzeption." (11)
"So ist auch bei diesem Mann ... infolge des anthropologischen Irrtums das Transzendentale zum Metaphysischen verblaßt." (Seite 380) - Verblaßt? Nein, nicht verblaßt, sondern ein für allemal abgetan ist das Vorurteil des Transzendentalen und Psychologie und Philosophie sind endgültig geschieden.
    "Und während die Einheit des Bewußtseins zeitlos gilt, weil sie der Zeit übergeordnet ist, erscheint die Apperzeption hier in den Raum eingefügt, als  hinter  dem Bewußtsein. Und diese lokalen und optischen Bestimmungen wiederholen sich durchgängig.  Im dunklen Innern unserer Erkenntnis  liegt die ursprüngliche formale Apperzeption,  hinter dem Bewußtsein ..." 
Man müßte annehmen, daß Herr COHEN zu scherzen beliebt - wenn dies nicht durch den Ernst dieser wissenschaftlichen Angelegenheit ausgeschlossen wäre. Es wäre dies einer der "Späße", von denen COHEN urteilt, daß sie "bei so wichtigen Fragen nicht bloß schlecht angebracht sind, sondern auch bei der groben Natur dieser Scherze kein Zeichen von geistiger Freiheit sein dürften." (12) - Aber gleichviel; die "lokalen und optischen Bestimmungen" sind verwerflich? Warum redet dann wohl Herr COHEN so viel von "logischen Örtern" (Seite 467), von "Ausstrahlungen des Ichs" (Seite 373), von "Entfaltungen der Apperzeption" (Seite 373), von der "Gesichtsweite des a priori" (Seite 352 und warum läßt er seine Grundsätze "die Wege der Erfahrung beleuchten" (Seite 474) ? Ja, noch mehr, warum "erscheint" bei ihm das "transzendental - a priori" "eingefügt" in den "Mutterleib" (Seite 352) und "in der tranzendentalen Apperzeption geboren" (Seite 307)?

So verfährt Herr COHEN, wo es sich um rein historische Fragen handelt und wo er bestimmt zu kontrollierende Tatsachen referiert. Zur Charakteristik seiner Behandlung rein sachlicher Fragen wird neben dem oben Besprochenen folgendes Beispiel genügen.
    "Im Geiste der transzendentalen Ästhetik könnte man dem Beispiel für das analytische Urteil entgegenhalten: daß ein Körper ausgedehnt sei, sei vielmehr ein synthetisches Urteil. Denn woher nähme ich dasselbe, wenn nicht aus der apriorischen Raumanschauung. Nun ist aber daran gar kein Zweifel, daß in diesem Sinne das Urteil durchaus als synthetisch gelten muß." (Seite 400)
Den  Begriff  des Körpers nehme ich allerdings aus der Raumanschauung, aber nie und nimmer das  Urteil,  daß der Körper - d. h das Ausgedehnte - ausgedehnt sei. Und darum ist und bleibt das Urteil ein analytisches. Die Kenntnis des Unterschiedes von Urteil und Begriff hat KANT freilich bei seinen Lesern vorausgesetzt.

COHEN selbst nennt es zwar beachtenswert (Seite 401), wenn KANT zum analytischen Beispiel "Gold ist ein gelbes Metall" sagt: "Um dieses zu wissen, brauche ich keiner weiteren Erfahrung außer meinem Begriff vom Gold", läßt sich aber dadurch keineswegs hindern, gleich darauf zu schreiben: "Alle Sätze welche von Gegenständen der Erfahrung gelten wollen, sind synthetische." (Seite 404)

Welche Aufklärungen und welche Fortbildung der Kantischen Philosophie kann man von demjenigen erwarten, der noch nicht einmal den Unterschied der analytischen und synthetischen Urteile, dieses ABC Kantischer Philosophie, gefaßt hat?

Doch hat sich Herr COHEN neuerdings selbst mit hinlänglicher Deutlichkeit über sein Verhältnis zur Logik erklärt: "Wir bekämpfen nicht nur ihr [der "sogenannten formalen Logik" - LN] sachliches Recht; wir bestreiten auch ihre reale Existenz." (13) - Es ist zu hoffen, daß diese Erklärung recht bald die verdiente Berücksichtigung finden möge.

Schließlich stelle ich allen diesen Angriffen, die - wie ich nunmehr zu behaupten berechtigt und genötigt bin - lediglich aus unverzeihlicher Mißdeutung und Entstellung der von FRIES mit größter Klarheit und Gründlichkeit entwickelten Lehre von der Deduktion hervorgegangen sind, noch eine Stelle aus FRIES' Metaphysik - 1824 - entgegen (14):
    "Das Eigentümliche meiner Forderung der Deduktionen und die Berufung auf psychische Anthropologie, um diese Deduktionen zu geben, ist wiederholt auch von scharfsinnigen Männern mißverstanden und mein Philosophem darum widerrechtlich zu den empirischen gerechnet worden. Der Grund dieses Mißverständnisses scheint mir darin zu liegen, daß in der Logik der Schule die Lehre von der Begründung der Urteile nicht gründlich genug behandelt war und daher meine Begründung der philosophischen Prinzipien mit Beweisen derselben verwechselt wurde.  Wer jetzt meine ausführlichen Erläuterungen der Sache ansieht, wird diesen Fehler nicht mehr begehen können." 
LITERATUR - Leonard Nelson, Die kritische Methode und das Verhältnis der Psychologie zur Philosophie - Ein Kapitel aus der Methodenlehre, Hessenberg/Kaiser/Nelson (Hg), Abhandlungen der Fries'schen Schule, Neue Folge, Bd. 1, Göttingen 1906
    Anmerkungen
    1) KUNO FISCHER, Die beiden Kantischen Schulen in Jena, Rede zum Antritt des Prorektorats, 1862. - Nur hier möchte ich nebenbei auf eine ebenso wenig bekannt, wir für die Geschichte der Philosophie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts folgenreiche Tatsache aufmerksam machen. In der eben genannten Schrift findet sich neben der oben beleuchteten groben sachlichen Mißdeutung auch ein schwerwiegender  historischer  Irrtum. Es heißt nämlich daselbst Seite 6: "Ich kehre zurück zu den jenaischen Professoren, die auf dem hiesigen Katheder die Kantische Philosophie entwickelt und fortgebildet haben. Diese Entwicklungsgeschichte umfaßt einen Zeitraum von 56 Jahren, der mit dem Auftreten des älteren REINHOLD beginnt und mit dem Tod von FRIES endet." - Die Reihe von Professoren, die auf dem Katheder von Jena die Kantische Philosophie entwickelt und fortgebildet haben, endet aber keineswegs mit FRIES, sondern vielmehr erst mit ERNST FRIEDRICH APELT, der, bis zu seinem frühzeitigen Tod im Jahr 1859, also noch zu eben der Zeit, in der Fischer dort seine Lehrtätigkeit begann, in Jena die kritische Philosophie lehrte. Die Verdienste dieses Mannes um die Fortbildung der Kantischen Philosophie verschweigt FISCHER in seiner Rede. In seiner Geschichte der Philosophe findet sich auch nicht einmal mehr APELTs Name. Nur durch diese, die gebührende Beurteilung von seiten des unparteiischen Geschichtsschreiber noch erwartende Handlungsweise ist es ihm gelungen, das Wirken und die Verdienst des letzten rechtmäßigen Vertreters der Kantischen Schule aus der geschichtlichen Überlieferung zu streichen. -
    Es ist das Verdienst ERNST HALLIERs, das von APELT hinterlassene wissenschaftliche Besitztum gegenüber der allgemeinen Nichtachtung von seiten der zeitgenössischen Philosophen in Schutz genommen und der Nachwelt übermittelt zu haben. (Namentlich: Kulturgeschichte des 19. Jahrhunderts, 12. Abschnitt. Die mathematisch-naturwissenschaftliche Schule, § 2. Ernst Friedrich Apelt und die Theorie der Induktion) Erst eine Zeit, die den Wert dieses Besitztums zu schätzen wissen wird, wird auch die Verdienste des Mannes zu ehren wissen, dem sie die Erhaltung des ihr überkommenen Erbes verdankt.
    2) WILHELM WINDELBAND, Präludien, 1884. Kritische oder genetische Methode?, Seite 248
    3) JOHANN FRIEDRICH FRIES, Die Geschichte der Philosophie, Bd. 2, 1840, Seite 514
    4) ALOIS RIEHL, Der philosophische Kritizismus, Bd. 1, 1876
    5) J. F. FRIES, System der Metaphysik, § 27, Seite 155
    6) HERMANN COHEN, Kants Theorie der Erfahrung, 2. Auflage 1885, Seite 298
    7) Schon STUMPF hat auf den tautologischen Charakter der COHENschen Erklärungen hingewiesen. (Psychologie und Erkenntnistheorie, Abhandlungen der philosophisch-historischen Klasse der königlich Bayrischen Akademie der Wissenschaften, XIX, Bd. 465 - 516). Andererseits sind die logischen Irrtümer der von COHEN gegen FRIES gerichteten Polemik - soweit diese überhaupt auf  logischen  Fehlern und nicht auf falschem Referat beruth - bereits von GRAPENGIESSER für jeden Denkenden zur Genüge nachgewiesen worden. (Die transzendentale Deduktion, Zeitschrift für Philosophie und philosophische Kritik, Bd. 65, Heft 1 und 2, Bd. 66, Heft 1) Da indessen die Ausführungen beider unbeachtet geblieben zu sein scheinen, habe ich hier versucht, von einem anderen, allgemeineren Gesichtspunkte aus, die Nichtigkeit der COHENschen Argumentationsweise darzulegen.
    8) HERMANN COHEN, Rede bei der Gedenkfeier der Universität Marburg zur hundertsten Wiederkehr des Todestags von Immanuel Kant, Marburger akademische Reden, 1904, Nr. 10, Seite 30
    9) J. F. FRIES, Neue Kritik der Vernunft, § 93
    10) Eine ähnliche "Probe eines Urteils, das vor der Untersuchung vorhergeht," finden man bei R. FALCKENBERG, Geschichte der neueren Philosophie, 3. Auflage 1898, Seite 417f und 420. Dasselbe gilt von Dr. MAX SCHELER, Die transzendentale und die psychologische Methode 1900, Seite 34. Desgleichen von Dr. HERMANN LESER, Zur Methode der kritischen Erkenntnistheorie mit besonderer Berücksichtigung des Kant-Fries'schen Problems, 1900. Sowie von A. HÄGERSTRÖM, Kants Ethik, Uppsala 1902, Seite 191f. - Einen gewissen Fortschritt dem gegenüber bietet schon das allerdings auch erstaunlich flüchtige Elaborat von Dr. THEODOR ELSENHANS: Das Kant-Friesische Problem (1902), in welchem allen Ernstes FRIES' Unterscheidung mittelbarer und unmittelbarer Erkenntnis als "mit dem psychologischen Tatbestand nicht vereinbar" abgefertigt wird, welche Unvereinbarkeit freilich "keines weiteren Nachweises bedarf. " (Seite 42)
    11) E. F. APELT, Metaphysik, § 45
    12) HERMANN COHEN, Logik der reinen Erkenntnis, Seite 74. APELT sagt ausdrücklich: "Weil es keine anschauliche Form der Nebenordnung in innerer Erfahrung, kein Analogon des Raumes gibt, so gibt es auch keine anschauliche Stellengebung der gleichzeitig vorhandenen Tätigkeiten meines Innern und mithin auch keine leeren Stellen für die dunklen Tätigkeiten meines Vorstellens und Erkennens. Hierin liegt die Unmöglichkeit einen  Ort  der Dunkelheit in meinem Innern anzugeben." (Metaphysik § 45)
    13) HERMANN COHEN, Logik der reinen Erkenntnis, 1902, Seite 430
    14) J. F. FRIES, System der Metaphysik, § 23, Seite 117f