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JOSEPH ENNEMOSER
Geschichte des
tierischen Magnetismus

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"Tierischer Magnetismus wird er deshalb genannt, weil die tierische Organisation des Menschen das Mittel, der Träger dieser im Magnetischen durchblickenden Bewegung ist, welche hier zur allerfeinsten Lebensschwingung wird und gerade auch auf der Seite, welche die animalische Organisation vor der pflanzlichen auszeichnet, nämlich in der Sinnenrichtung und dem damit in genauer Verbindung stehenden Höheren im Menschen besonders tätig hervortritt."

"Wenn nun aber der tierische Magnetismus noch immer nicht nach seinen Verhältnissen in seinem wahren Wert anerkannt wird, so wird man fragen, woher kommt das? Wenn er solche Wirkungen hervorbringt, wie seine eifrigen Lobredner behaupten; wenn er eine solche Wichtigkeit für das Leben und die Gesundheit hat; wenn er sogar den Wissenschaften eine neue Richtung geben soll, warum ist die allgemeine Meinung noch so unaufgeklärt für ihn und so schwankend; warum sein Ansehen so beschränkt, warum gibt es noch so viele Ungläubige, ja soar entschiedene Gegner, daß ihn nicht einmal die höheren wissenschaftlichen Akademien unter ihren Schutz nehmen?"

Einleitung

§ 1.

Die Erscheinungen, welche unter dem Namen des tierischen Magnetismus begriffen werden, bieten ein so vielfaches Interess dar, daß sie in der neuesten Zeit eine allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Nicht bloß die Gelehrten bemühen sich das Problematische derselben nach ihrem Umfang und Wert kennen zu lernen und den richtigen Standpunkt ihrer Beleuchtung zu finden, sondern das Rätselhafte derselben zieht auch die gebildeten Laien an, sich Unterhaltung oder belehrende Kund zu verschaffen. Denn der Magnetismus bringt Dinge zur Sprache, welche nicht bloß eine sehr wichtige praktische Seite zunächst für die Gesundheit und die Verhältnisse des Lebens haben, sondern auch die höchsten Interessen der Menschheit betreffen.

§ 2.

Es ist der Zweck dieser Einleitung, den Begriff des tierischen Magnetismus zu entwickeln, seinen Wert und Zusammenhang mit anderen Erscheinungen des Lebens genetisch zu zeigen, so wie die Richtigkeit seiner Verhältnisse zu den übrigen Wissenschaften darzutun und endlich die Methode und den Gang zu bezeichnen, welchen die historische Darstellung seiner Entwicklung und Schicksale verfolgt. Auf solche Weise wird dem Leser vorläufig der Standpunkt gezeigt, von welchem aus er manches Wunderbare von Erzählungen begreiflich und mit bekannten Tatsachen im natürlichen Zusammenhang finden wird, über viele Dinge ein unbefangenes Urteil zu fällen, welche entweder der Abgerglaube vergöttert oder der Unglaube als Unding verwirft oder der blinde Glaube als ein übernatürliches Wunder anstaunt. Folgt der Leser endlich dann weiter noch auf dem Weg nach, worauf die geschichtlichen Tatsachen nach Zeit und Ort gesammelt und verglichen werden, so dürfte er wohl auch eine Aussicht gewinnen, auf eine weitere Weltordnung, als die mechanische der gewöhnlichen Sinne und Welterfahrung ist, zu schließen, wenn er vernehmen wird, daß in der menschlichen Natur Keime und Anlagen verborgen liegen, die in der irdischen Heimat oft nur als Reflexe aufleuchten, aber nie durch eine völlige Entwicklung zur Reife gelangen.

§ 3.

Unter tierischem Magnetismus versteht man jene eigentümlichen physischen und psychischen Erscheinungen, welche durch eine bewußte und neue künstliche Einwirkung auf andere, vorzüglich zur Heilung von Krankheiten hervorgebracht werden. Die gegenseitige Einwirkung belebter Wesen aufeinander ist nur ein modifizierter Einfluß einer allgemeinen Wechselwirkung, was man Naturmagnetismus genannt hat, weshalb MESMER, der Entdecker desselben, diese künstliche Art der Einwirkung, der Analogie gemäß, Magnetismus genannt hat. "Auf diese Weise wird unter dem tierischen Magnetismus eine neue ärztliche Wissenschaft oder die Kunst, Krankheiten zu heilen und zu verhüten, verstanden, dessen Wesen keine Substanz, sondern eine Kraft - eine Bewegung - gleich dem Ton in der Luft, gleich dem Licht im Äther von einer alles übertreffenden Beweglichkeit zu sein scheint. Tierischer Magnetismus wird er deshalb genannt, weil die tierische Organisation des Menschen das Mittel, der Träger dieser im Magnetischen durchblickenden Bewegung ist, welche hier zur allerfeinsten Lebensschwingung wird und gerade auch auf der Seite, welche die animalische Organisation vor der pflanzlichen auszeichnet, nämlich in der Sinnenrichtung und dem damit in genauer Verbindung stehenden Höheren im Menschen besonders tätig hervortritt." Mesmerismus oder System der Wechselwirkungen, Theorie und Anwendung des tierischen Magnetismus als allgemeine Heilkunde zur Erhaltung des Menschen von Dr. Franz Anton Mesmer, herausgegeben von Dr. Karl Christ. Berlin 1814, Seite 18, 19. Erläuterungen zum Mesmerismus von Dr. K. C. Wolfart, Seite 147.

§ 4.

Man hat den Magnetismus wegen der allgemeinen Wechselwirkung auch Lebensmagnetismus, organischen Magnetismus wegen der Wechselwirkung der organisierten Wesen insbesondere und Mesmerismus oder Mesmertum nach dem Entdecker genannt, was als Inbegriff der neuen Heilart und des Systems seiner darauf gegründeten Lehre wohl die beste Bezeichnung sein würde. KLUGE und andere nennen ihn den animalischen Magnetismus, zum Unterschied vom All-, Pflanzen- und Mineralmagnetismus. Magnetismus schlechtweg sagt zu wenig und ist zu unbestimmt, Allmagnetismus sagt zuviel und Tellurismus ist nur ein individuell von KIESER angenommener Begriff.

Wenn nun gleich "tierischer Magnetismus" die Sache nur sehr uneigentlich bezeichnet, so wird es doch sehr schwer für die unter diesem Namen schon gangbaren Begriffe von Erscheinungen einen Namen zu finden und ihn zur allgemeinen Annahme und Verständigung zu bringen. - Die Analogie mit dem Mineralmagneten drückt MESMER auf folgende Weise aus: "Gleichwie die Eigenschaft des Magneten durch gewise Verfahrungsarten im Eisen und Stahl hervorgerufen und so sehr verstärkt werden kann, daß er einen wahren Magneten vorzustellen vermag, so habe ich auch das Mittel gefunden, in meinem Individuum den Naturmagnetismus bis zu dem grad zu verstärken, daß er Erscheinungen, welche denen des Magneten analog sind, hervorzubringen vermag. Ebenso wie die natürliche Wärme durch gewisse Verfahrungsarten bis zu einem Ton der Bewegung, wodurch Feuer entsteht, verstärkt und erhöht werden kann, so ist auch der natürliche Magnetismus eine Art von unsichtbarem Feuer geworden, welches durch die Fortgesetztheit einer gewissen Reihe des Allflutenden sich anderen beseelten und unbeseelten Körpern auf unermeßliche Abstände hin mitzuteilen vermag. Und dieses Feuer nun in Betracht der Anwendung als Wirkungsmittel auf den Organismus beseelter Wesen ist dasjenige, was ich tierischen Magnetismus nenne, welcher, wie man sehen wird, durch seine Anwendung ein unmittelbares Hilfsmittel werden kann, die Tätigkeit der Muskelfiber zu verstärken, die davon abhängenden Verrichtungen in Ordnung zu bringen und auf solche Weise die Harmonie in allen Eingeweiden und Organen wieder herbeizuführen."

§ 5.

Magnet wird eine besondere Art Eisenstein genannt, welcher die merkwürdige Eigenschaft besitzt, das Eisen und den Stahl anzuziehen und festzuhalten, eine Wirkung, die sich, wenn die Körper leicht beweglich sind, schon in ziemlicher Entfernung äußert und nicht geschwächt wird, wenn man gleich zwischen den Magnet und den angezogenen Körper ein Zwischenmittel bringt, wofern nur dasselbe nicht Eisen oder eisenartig ist. So wirkt der Magnet durch Papier, Holz und Glas usw. (magnetische Atmosphäre). Ein solcher Magnet hat meistenteils zwei Punkte, die man Pole nennt und diese Anziehung gegen das Eisen am stärksten zeigen und sich zu gleicher Zeit, wenn der Magnet frei schwebt, beständig gegen Mittag und Mitternach, jedoch mit einiger Abweichung kehren. Diese letzte Eigenschaft des Magneten gründet sich auf die magnetischen Erdpole und hat die so nützliche Erfindung des Kompasses veranlaßt. Zwischen den beiden Polen findet eine entgegengesetzte Anziehung statt, so daß der Südpol eines Magneten vom Nordpol eines anderen angezogen wird, während er vor dem Südpol desselben flieht. Besonders merkwürdig ist auch, daß sich die Kraft eines Magneten verstärkt, wenn man ihm stufenweise mehr Gewicht zu tragen gibt. Endlich kann man jedem Eisen die magnetischen Eigenschaften künstlich durch Streichen mitteilen. Der Magnet hat auch noch die Eigenschaft der Neigung gegen den Mittelpunkt der Erde und zwar mit steigender Zunahme auf beiden Halbkugeln gegen die Pole zu. In einem etwas minderen Grad wird die magnetische Eigenschaft auch noch bei einigen anderen Erzen, als Nickel, Kobalt, Serpentin, Porphyr usw. beobachtet.

Der Magnet wurde auch Siderit genannt und sein Name ist nach LUKREZ bei den Griechen von der Gegend der Magneter oder der Landschaft Magnesio in Thessalien abgeleitet worden, wo er besonders häufig gefunden wurde. PLINIUS leitet den Namen von einem Hirten MAGNES her, welcher auf dem Berg Ida eine Herde Schafe weidete und ihn hier zuerst mit seinem mit Eisen beschlagenen Stock bemerkt haben soll, an dem er sich festgehangen hatte. Anneren haben ihn auch HERAKLION - Herkulesstein genannt, weil er bei der Stadt Heraklea gefunden wurde. Das Wort findet man zuerst in den orphischen Dichtungen, wo es heißt:
    "Der kriegerische Mars liebe den Magneten gar sehr."
Auch bei HOMER, PYTHAGORAS, EPIKUR und ARISTOTELES findet man Spuren, daß sie ihn gekannt haben und nach ATHANASIUS KIRCHER ist der Magnet schon in den frühesten Zeiten des Asiaten, Ägyptern und Griechen bekannt gewesen; nach ihm seien an den Hieroglyphen magnetische Bilder zu sehen gewesen, vorzüglich in den Tempeln des Serapis und der Sonne. Allein die Polarität des Magneten, sich stets nach einer Gegend zu richten, war in den frühesten Zeiten nicht bekannt und der Boussole [Kompass] wird erst 1180 in Frankreich zuerst in den Gedichten des HUGUES BERCY und JOHANN von MELUN erwähnt. Nach ZONARAS und PHOCIUS schiffte zwar ein gewisser EUSEBIUS zuerst mit dem Baetylus, einem Stein, der den Orakeln gehörte. Ob es der rohe Stein oder wirkliches Eisen gewesen sei, wird nicht gesagt. Auch ALBERT MAGNUS ist der Meinung, daß ARISTOTELES von der Polarität des Magneten gesprochen habe, wovon man aber jetzt keine Stelle mehr findet. Andere behaupten, SALOMON von Kreta habe eine kleine eiserne Lanze gehabt, die Stunden anzuzeigen, was auf den Magneten deutete; noch andere hingegen wollen, er sei durch PAULUS BENETUS 1200 nach China gekommen. Nach anderen soll VASCO da GAMA, als er das Vorgebirge der guten Hoffnung entdeckte, auf Schiffe der Wilden gestoßen sein, die zur Leitung derselben sich einer Nadel bedient hätten, aber noch wahrscheinlicher sei es, daß der Neapolitaner GIAA oder GIOJA, erst im 13. Jahrhundert der Entdecker des Kompasses gewesen sei (KIRCHER). Später haben sich die Franzosen, Engländer, Belgier usw. um die Entdeckung desselben gestritten.

§ 6.

Diese merkwürdigen Eigenschaften des Magneten gaben schon in den früheren Zeiten, obgleich die Kenntnisse über denselben noch sehr mangelhaft waren, die Veranlassung zu verschiedenen Meinungen, Ansichten und Lehren berühmter Männer, welche man bei PLINIUS, LUKREZ und später bei GILBERT angeführt findet. PLATO hielt die magnetische Eigenschaft der Anziehung für göttlich und THALES schrieb dem Magneten eine Seele zu. Allein nicht bloß Meinungen, auch Versuche und Entdeckungen wurden gemacht, daß man schon sehr bald auf die Vermutung einer allgemeinen Naturkraft geleitet wurde, welche als allgemeines Grundwesen alle den Raum erfüllende Körper belebe und durchdringe. Der Erste, welcher die Erscheinungen des Magnetismus genauer beobachtete, viele neue Versuche anstellte, sogar eine ganz neue umfassende Lehre gründete und mit der allgemeinen Naturlehre verband, war GILBERT. Nach ihm ist die ganze Erde von magnetischer Substanz und ebenso auch die Sonne, der Mond und die übrigen Gestirne. Auch EULER behauptete in einer Schrift für die Pariser Akademie, daß die Erde ganz magnetisch sei und nicht bloß im Innern einen magnetischen Kern habe, wie HALLEY vorgetragen hatte. DESCARTES, APINUS, BRUGMANN, BERNOULLI u. a. versuchten sich gleichfalls darüber in ihren Theorien. EULERs Lehre dehnten nachher auch KEPLER und STEVIN, ganz vorzüglich aber PARACELSUS auf das ganze Weltgebäude aus, so daß alle Operationen der Natur und ihr ganzer Zusammenhang für magnetisch erklärt wurde. Er spricht von "magnete magno", von magnetischer Kraft, von magnetischen Geheimnissen, sogar von einer magischen Einwirkung durch den Willen auf andere Menschen. "Die Magika ist eine große verborgene Weisheit, so die Vernunft eine öffentliche große Torheit ist." Auch wußte er den Mineralmagneten bei verschiedenen Krankheiten als Heilmittel sehr zweckmäßig zu gebrauchen.

Des PARACELSUS treuester Nachfolger, BAPTISTA van HELMONT, breitete seine Lehre bald weiter aus und sprach schon beinahe ganz MESMERs theoretische Lehre aus, indem er die im Menschen vorhandene magische, aber unbewußt ruhende Kraft "wie betrunken" erkannte, die zu ihrer Wirksamkeit nur geweckt zu werden braucht, da sie eine natürliche ihm angeborene ist, "so daß es abgeschmackt ist zu glauben, daß der Teufel etwa sein Spiel treibt (der nur in der Unwissenheit sein Feld hat und seinen Ruhm findet), wenn ein Mensch durch den Willen anderer und zwar sogar auf weite Entfernungen einwirkt. Der Magnetismus waltet überall und hat außer dem Namen nichts Neues, auch nichts Widersinniges, nur für jene, die alles belachen oder der Gewalt des Teufels zuschreiben, was sie nicht verstehen." Ähnliche Lehren finden sich bei MAXWELL, BURGGRAF (1600) und ROBERT FLUDD (1638).

§ 7.

Bei Krankheiten wurde auch schon früher vielfach der Mineralmagnet angewandt. PLINIUS, GALEN, DIOSKORIDES und AVICENNA haben dem Magneten die Kraft zugeschrieben, die dicken Säfte des menschlichen Körpers zu verdünnen und zu verbessern und dies ganz besonders in den Krankheiten des Unterleibes und der Milzsucht. Auch äußerlich am Hals getragen soll der Magnet bei Krämpfen und Nervenübeln vortreffliche Dienste tun. AETIUS, PARACELSUS, van HELMONT, BOREL und MEKER haben vielfache und sehr merkwürdige Beobachtungen von Heilungen mit dem Magnetstein aufgezeichnet, wie z. B. der Erste bei der Gicht, der Zweite bei Blutflüssen.

§ 8.

Wenngleich man daher nicht behaupten kann, daß der Magnetismus etwas ganz Neues sei: so ist doch unstreitig MESMER insofern der wahre Entdecker desselben, als er zunächst die mannigfachen Wechselbeziehungen und die Erscheinungen, welche er künstlich durch gewisse Verfahrungsarten bei Kranken hervorzubringen lehrte, zu einer umfassenden Theorie erhob und als mit ihm erst eine neue, wissenschaftliche Zeit auf diesem Gebiet entstand. Indem wir in der Folge diese Theorie näher anzeigen werden, ist uns jetzt daran gelegen, das mesmerische Verfahren und die dadurch hervorgebrachten Erscheinungen bei Kranken hier, wenigstens im Allgemeinen kennen zu lernen.

Man bezweckt die mesmerische Einwirkung des Magnetismus zur Heilung von Krankheiten, entweder auf den ganzen Körper oder nur auf einzelne Teile, wenn man im letzteren Fall nämlich den Ton der Bewegung nur auf eine bestimmte Stelle hinrichtet. Dazu hat nun der Mensch allein schon von der Natur wundbar eingerichtete und gleichsam vorbestimmte Leiter, die Hände. Ist ein Mensch krank, so ist die Ursache des Leidens allemal mehr oder weniger an einem bestimmten örtlichen Teil, wohin sich gleichsam alle Lebenstätigkeit vereinigt. Wenn nun zwei Menschen aufeinander magnetisch wirken, so wird die gesamte Tätigkeit dieser Vereinigung auf den kranken Teil gerichtet und die Hände sind es vorzüglich, die allein auf einen bestimmten einzelnen Teil einzuwirken geeignet sind. Dieser örtlich angeregte Teil wird nun der Brennpunkt der Tätigkeit nach verschiedenen Richtungen und die Krankheit wird aus einer örtlichen eine allgemeine, woraus sich die durch das Magnetisieren entstehenden Krisen, die Krämpfe erklären, die so heilsam sind und gehörig geleitet, oft ohne weitere Anwendung chemischer Arzneimittel die Gesundheit herbeiführen.

Die magnetische Wirkung durch die Hände erstreckt sich auch auf die Tiere und Pflanzen, welchen damit ein eigentümlicher Ton der Bewegung mitgeteilt wird und selbst anorganische Stoffe werden durch das Magnetisieren in ihren Wirkungen modifiziert und können als Verstärkungs- oder Milderungsmittel - als Leiter, bei gewissen Zuständen benutzt werden.

§ 9.

Das Magnetisieren - die magnetische Behandlung selbst geschieht entweder unmittelbar persönlich oder mittelbar durch Leiter. Die persönliche magnetische Einwirkung geschieht
    1) durch die Annäherung des Arztes zum Kranken
    2) durch die Hände
    3) durch den Blick und
    4) durch die Sprache.
Die mittelbare Einwirkung durch Leiter geschieht durch die ganze Natur mit ihren Stoffen und Erzeugnissen der organischen und unorganischen Reiche. Es können die Elementarstoffe des Wassers, der Metalle etc., wie lebende Bäume und Tiere, zusammengesetzte Maschinen und Bacquete, das Licht der Sonne und des Mondes, zu magnetischen Leitern und Hilfsmitteln benutzt werden.

Durch die Annäherung des Arztes zum Kranken entsteht nicht bloß allemal ein gewisses sympathisches oder antipathisches Verhältnis, sondern durch ein ruhiges etwas dauerndes Verhalten beim Kranken oft eine sehr kräftige Einwirkung.

Das Magnetisieren durch die Hände ist die gewöhnlichste Art, denn die Hnde sind die eigentlichen Organe des Willens; sie sind die Mittel den Willen objektiv zu offenbaren, die vorzüglichsten Glieder des unmittelbaren geistigen Wirkens, daher das  Handeln,  die  Handlung.  Die Hände geben dem Willen die Richtung zur Tätigkeit und wie der Leib überhaupt die Sichtbarkeit der Seele ist, so sind die Hände, ganz besonders in den Bewegungen, die physiognomischen Charaktere der Beschaffenheit und Wirkungsweise des Willens und Charakters. - Gleichwie aber die Hände den geistigen Akt ausführen, so sind sie auch die natürlichsten Leiter der Richtung und Fixierung physischer Kräft, daher wird die Manipulatioin - das Magnetisieren mit der Hand allerdings eine Kunst des allemal richtigen Verfahrens in jenen Zuständen, wo man positiv einwirken und anregen oder wo man negativ ableiten oder mehr örtlich wirken will, bei welchen Verfahrungsarten dann die verschiedenen Bewegungen mit der ganzen Hand, mit den Fingern, mit der flachen Hand oder mit ihrem Rücken, mit dem äußeren oder inneren Rand derselben zu berücksichtigen sind. Ebenso verschieden ist ferner die mannigfache Modifikatioin des bloßen Haltens der Hände mit oder ohne Berührung über eine Stelle oder das Streichen von oben nach unten nach einer bestimmten Richtung etc. in verschiedenen Entfernungen mit und ohne Berührung. -

Das Magnetisieren durch den Blick und das Ansehen des Kranken ist meist eine sehr kräftige Anregung, wenn es absichtlich und anhaltend geschieht. Tiere ertragen den Blick des Menschen nicht und nicht selten fallen Kranke durch das bloße Ansehen in Schlaf, besonders wenn sie schon eine zeitlang magnetisch behandelt wurden. -

Das Wort und die Sprache ist das unmittelbare Geistesorgan, zunächst psychisch auf den Menschen zu wirken und in ihm auch physische Bewegungen anzuregen, zu verstärken, abzuleiten oder anzuhalten etc.

§ 10.

Die absichtlich durch das Magnetisieren hervorgebrachten Erscheinungen, welche übrigens auch ohnedies in vielen Krankheiten von selbst entstehen und auch durch andere Mittel und Einflüsse hervorgebracht werden, werden am besten einfach in physische und psychische Erscheinungen eingeteilt. Die gewöhnlichen mehr oder weniger immer vorkommenden Erscheinungen sind physisch-kritische Vorgänge und zweitens seltenere, psychische Zustände. Jene sind entweder allgemeine, bei allen magnetisch Behandelten mehr oder weniger konstant und wahrnehmbar; oder sie sind besondere Wirkungen und bei verschiedenen Kranken verschieden, die sich als kritische Bewegungen in einzelnen vorherrschend angeregten Organen offenbaren. Zu den psychischen Erscheinungen rechnet man das Erwachen des inneren Sinnes mit aufgehobener äußerer Sinnestätigkeit. Diese Erscheinungen sind sehr mannigfach, indem die Seelentätigkeiten oft wechselnd und veränderlich, bald erniedrigt, bald erhöht sich äußern, weshalb ich sei wieder in die häufiger vorkommenden allgemeinen niederen Seelenzustände einteile, wobei gleichsam nur ein teilweises und beschränktes Vorherrschen des inneren Sinnes stattfindet, also ein traumähnlicher Mittelzustand zwischen Schlaf und Wachen, den man Schlafwachen, Somnambulismus genannt hat. Zweitens die seltener vorkommenden höheren Seelenäußerungen mit bestimmterem Vorherrschen des inneren Sinnes, gleichsam ein Wachen im Schlaf, habe ich Wachschlaft, - mit überwiegendem Wachzustand genannt, worunter man die Ausdrücke: Hellsehen, Clairvoyance[Wahrsagerei, zweites Gesicht - wp], Ekstase usw. versteht. Alle sowohl die physischen als psychischen Erscheinungen des Magnetismus gestalten sich nach der Konstitution der Kranken; nach Alter, Geschlecht, Temperament und Bildung; nach der Art der Krankheiten, sowie nach der Zeit der Zu- und Abnahme derselben sehr verschiedenartig, so daß sich nie im Voraus die Art der Krise genau bestimmen läßt.

Bei den allgemeinen physischen Erscheinungen beobachtet man veränderte Gefühls- und Temperaturzustände, Zirkulationsveränderungen des Blutes; im Reproduktionssystem entstehen Appetit und Ausscheidungen mannigfacher Art und das Nervensystem erleidet in den Sinnes- und Bewegungsorganen allerlei Veränderungen, wodurch heilsame Krisen und bei zweckmäßiger Behandlung auch gänzliche Genesung erfolgt. Es entsteht eine allgemeine Erweckung und Verstärkung der Lebenstätigkeiten, ohne Reizung und Überreizung des Körpers. Sowohl die Sinnesorgane wie die Muskeln, die Zirkulations- und Verdauungsorgane werden kräftiger ohne alle Anwendung materieller Mittel. Mehr Wärme, Appetit und bessere Verdauung stellt sich ein und die Ab- und Aussonderungen werden regelmäßiger. - Die besonderen physischen Erscheinungen, als seltenere Wirkungen bei einzelnen Individuen und besonderen Krankheitsformen, zeigen sich als eigentümliche kritische Vorgänge in den Sinnes-, Bewegungs- und Reproduktionsorganen; dahin gehören Fieberbewegungen, entzündungsartige Wallungen, Hautausschläge, Krämpfe, Schweiß und Durchfälle etc.

Bei den psychischen Erscheinungen des Schlafwachens und Hellsehens lebt der Kranke ein mehr inneres subjektives Leben, mit eigentümlichen Zeichen des Einschlafens und des inneren sogenannten magnetischen Erwachens. Es zeigt sich eine vermehrte und veränderte Reizbarkeit der Sinne; verschiedenartige Sym- und Antipathien zu den umgebenden Personen; mancherlei Abänderungen und gleichsam ein Stellversetzen der Sinne an ungewöhnliche Stellen des Leibes, wie z. B. das Sehen durch die Herzgrube, durch die Fingerspitzen etc. Es entsteht ein erhöhter Instinkt zu gewissen Nahrungsstoffen und Arzneimitteln, ein Vor- und Fernfühlen künftiger, vorzüglich auf sie selbst Bezug habender Ereignisse; auch stellen sich allerlei Ahnungen und Erscheinungen von Phantasiegebilden ein. So erscheinen ihnen Tiergestalten, Engel und Teufel oder verstorbene Menschenseelen mit den verschiedenartigsten Gebärden, Handlungen und Aufzügen. Auch fremde, während des Wachens ungewohnte Sprachen und Redensarten sprechen solche Somnambulen in einzelnen Fällen. Bei allen diesen Erscheinungen findet aber eine gewisse Unsicherheit, Unbeständigkeit und Ungleichheit statt, sowie auch die Schlafzustände von sehr verschiedener Dauer sind.

Bei den höheren Zuständen des Hellsehens und der magnetischen Ekstase treten die Zustände in erhöhtem Maße ein, wobei aber statt des mehr negativen, leidenden Zustandes des Schlafwachens, der Kranke einen mehr positiven, selbständigen Charakter einnimmt. Das Vor- und Fernsehen in Zeit und Raum erreicht jetzt eine bewunderungswürdige, mysteriöse Höhe, wie die innere kontemplative Gemütsstimmung jene ungemessene Tiefe religiöser Stimmung und enthusiastischer Erhebung. Das Empfindungsvermögen der Kranken steigert sich der Art, daß sie z. B. die Gefühle ihres Magnetiseurs teilen und gleichsam durch dessen Sinnesorgane sehen, hören, riechen und schmecken, ja sogar die Gemütsstimmungen der mit ihnen in Rapport gesetzten Personen teilen sich ihnen mit und die Antipathien gegen gewisse Personen steigern sich auf eine außerordentliche Weise. Der Instinkt zu Heilmitteln erhöht sich jetzt zu klaren Anschauungen des eigenen Körpers und es werden neue Erfindungen von Instrumenten und Maschinen zum Behuf magnetischer Kuren gemacht. Künftige Ereignisse, Krisen und das Ende der Krankheit werden auf Tage und Minuten bestimmt und das nicht bloß in Bezug auf den Kranken selbst, sondern auch auf andere in Rapport gebrachte Personen. Visionen von Gegenden, Personen und Geschichten in weitem Raum und aus fernen Zonen, ja von überirdischen Welten sind gar nichts Seltenes, worin jedoch bei den verschiedenen Hellseher keine Übereinstimmung stattfindet.

§ 11.

Diese neuen, durch den Magnetismus herbeigeführten Erscheinungen sind noch nicht so durchgeprüft, daß sie zu einem allgemeinen Verständnis gebracht wären, welches teils wegen der Mangelhaftigkeit der Darstellung und der Seltenheit treuer Beobachtungen, teils wegen der abweichenden und meist mißglückten Erklärungsversuche, noch fehlt. Denn auf jene weniger bekannten und selteneren, aber verwandten Erscheinungen hat uns erst der Magnetismus hingeleitet, ebenso aber auch auf die Unzulänglichkeit der bisherigen Erklärungsversuche. Der Magnetismus hat uns nämlich so manches Neue gezeigt, über die Wirkung und den Gebrauch der allgemeinen Naturkräfte; über die mögliche Konzentration dieser Kräfte auf Raum und Zeit; über die Natur des Schlafes und der Traumwelt; über die Verrichtungen der Sinne und ihre abweichenden Modifikationen; über das Notizbekommen des Geistes und dessen Wirkungskräfte auf eine andere Weise, als durch die bloßen Wirkungen leiblicher Organe; über die Einwirkung und das Band übernatürlicher Kräfte außerhalb der Grenzfernen des Raums und der Zeiten etc., wo überall die gewöhnlichen Grundsätze und Erklärungen der Physiologie und Psychologie, der Geometrie und Arithmetik nicht ausreichen. Allerdings ist die rechte Einsicht und die richtige Auslegung ebenso schwer, als die Überzeugung von Dingen, die so selten, so unkonstatiert sind und die so wenig das Leben unmittelbar berühren; allein es muß uns daran gelegen sein, durch eine richtige Auslegung zur rechten Einsicht zu gelangen über jene Dingem welche die höchsten Interessen des geistigen Lebens und Wirkens angehen. Wie wäre es wohl auch angemessener und besser, auf eine zuverlässigere Weise den rechten Überblick und die rechte Beleuchtung zu erlangen, als durch eine geschichtliche Vergleichung und Zusammenstellung aller von jeher bekannt gewordenen verwandten Erscheinungen, sowie der Ansichten und Theorien, welche darüber von wissenschaftlichen Forschern aufgestellt worden sind?

Es möge daher dem Leser gefallen, mit mir zurückzugehen bis zu jenen dunklen Hallen der Geschichte und die verschiedenen Richtungen eines mystischen unaufgeklärten Gebietes durch die labyrinthischen Gänge zu durchziehen. Wir wollen alle Winkel aufsuchen, uns in alle Zeiten versetzen und jeden Übergang zu besseren Beleuchtungen benutzen, um endlich das rechte Licht und die offenbare Wahrheit zu finden.

§ 12.

Wenn nun aber der tierische Magnetismus noch immer nicht nach seinen Verhältnissen in seinem wahren Wert anerkannt wird, so wird man fragen, woher kommt das? Wenn er solche Wirkungen hervorbringt, wie seine eifrigen Lobredner behaupten; wenn er eine solche Wichtigkeit für das Leben und die Gesundheit hat; wenn er sogar den Wissenschaften eine neue Richtung geben soll, warum ist die allgemeine Meinung noch so unaufgeklärt für ihn und so schwankend; warum sein Ansehen so beschränkt, warum gibt es noch so viele Ungläubige, ja soar entschiedene Gegner, daß ihn nicht einmal die höheren wissenschaftlichen Akademien unter ihren Schutz nehmen? - Es wird angebracht sein, den Grund davon schon jetzt näher anzugeben, weil dadurch das Wesen des Magnetismus und seine Verhältnisse zu den übrigen Wissenschaften näher einsichtlich werden und weil sich hieraus erhellen wird, wie das Verborgensein und sein zeitweiliges Zumvorscheinkommen möglich und warum er endlich in der neuesten Zeit als eine in allen Beziehungen nicht mehr zu leugnende Tatsache über allen Widerspruch erhaben, als eine historische Entwicklung in der fortschreitenden Bildung des menschlichen Geschlechts gegründet sei.

§ 13.

Der Magnetismus hat so tiefe Wurzeln in der Natur und im Wesen des Menschen, daß sie der gewöhnliche, an der Oberfläche dahinfahrende Blick nicht erfaßt; seine Kraftwirkungen gehen in eine so vielseitige Modifikation der Entwicklungen ein, daß sogar der forschende Fleiß des Beobachters den Richtungen und Spuren desselben nicht mit Sicherheit zu folgen vermag. Zudem sind die Erscheinungen oft so neu und unbekannt, daß die gewöhnliche Erfahrung mit ihnen nichts anzufangen weiß; die Resultate seiner Wirkungen sind nach den Motiven und Intentionen, nach den Einsichten und Endzwecken des Magnetiseurs so verschieden und sich nicht selten widersprechend, daß Zweifel, ja Furcht davor leicht begreiflich werden; die Grundsätze endlich, die darüber aufgestellt worden sind, sind den gangbaren Begriffen über die Gesetze der Naturerscheinungen so wenig adäquat, oft paradox und häufig sogar einander aufhebend, daß die Gründe, diesen Novizen aufzunehmen, nicht so zahlreich vorhanden sind, als wie jene, ihn zu verwerfen und ihn für ein Spiel der Einbildung müßiger, wundersüchtiger oder leichtgläubiger Köpfe zu halten.

Wenn demnach Ärzte und Physiker, Theologen und Philosophen und selbst die Gelehrtenvereine den Magnetismus bisher unberücksichtigt gelassen haben oder gar Partei gegen ihn ergriffen, so ist einerseits die genannte Eigentümlichkeit des Magnetismus daran ebenso Schuld, als es andererseits die besondere Stellung, die Bildungssstufe und der Beruf jener Stände mit sich bringt. Denn der praktische Arzt ist gewöhnlich ein Routinier, der sich um das, was außerhalb des Kreises seines gewohnten Geschäftes vorgeht, nicht gern viel zu bekümmern Luft und Zeit hat; der überhaupt gar zu leicht glaubt, sich über alles Rechenschaft geben zu können in der für ihn bereits abgeschlossenen Wissenschaft.

Für den Physiker sind die Erscheinungen des tierischen Magnetismus ohnehin größtenteils zu fremdartig und von den Naturgesetzen der physikalischen Erscheinungen gleichen Namens zu sehr abweichend, als daß es ihn anginge, sich weiter damit zu beschäftigen.

Das Reich des Theologen ist nicht von dieser Welt, seine Aufgabe ist es daher auch nicht, die Erscheinungen der Natur zu beobachten und ihre Gesetze zu ergründen. Wenn nun zuweilen der Magnetismus Erscheinungen bietet, wie jene des Somnambulismus, so sind diese geeignet, bei ihm leicht die Idee übernatürlicher Einflüsse zu erzeugen, welche er guten oder bösen Geistern zuschreibt und er wird sie nach seinen Begrifen beurteilen und sie daher ihrer Natur nach vom religiösen Standpunkt aus, rein geistig als Wunder überschätzen oder als dämonisches Spiel perhorreszieren [ablehnen, wp].

Die Philosophen des Faches spekulieren über die subjektiven und objektiven Tatsachen des Ich und Nicht-Ich. - Da nun die Erscheinungen des Magnetismus sich weder im subjektiven Ich vorfinden, noch als objektives Nicht-Ich standhalten, so werden sie in ihren Systemen die erzählten Tatsachen nur insofern einflechten, als sie dieselben zu Vergleichungen oder zu hypothetischen Beweisen ihrer individuellen Ansichten gebrauchen können. Häufiger wird aber noch der eigentliche Naturforscher, der die sinnlichen Objekte der drei Reiche sichtet, aus dem  non liquet  [es ist nicht klar - wp] das  non placet  [es gefällt mir nicht, wp] aussprechen und wie er die alte Magie zu den Märchen, so wird er den neuen Magnetismus zu den Romanen zählen. Andere sind nur zu oft geneigt, den gesunden Menschenverstand und das Schema der äußeren Sinnlichkeit als die fixen Normen und Angelpunkte einer unfehlbaren Dogmatik oder des echten Rationalismus anzusehen. Geist und Welt sind ihnen so klar, wie der durchsichtige blaue Himmelsraum, in welchem eine vollkommene und unveränderliche Gesetzmäßigkeit in den Bahnen der Sonnen und Welten herrscht.

Wenn endlich die Gelehrtenvereine und Akademien beim bisherigen Standpunkt der Erfahrungen und vor den völligen Entscheidungen des Kampfes über die neuen Zustände des Magnetismus ein so geringes Interesse gezeigt haben und noch jetzt so unentschieden zusehen: so gereicht es diesen besonders zum Vorwurf, daß sie es bisher unter ihrer Würde gehalten haben, sich mit diesem verschrieenen Gegenstand abzugeben; daß sie es nicht nur verschmähten, selbst Beobachtungen anzustellen und Materialien für  Sein  und  Nichtsein  zu sammeln; sondern daß sie offenbar schon seit MESMERs Zeiten her die ihnen angetragenen Untersuchungen entweder ganz abwiesen oder mit parteiischen Vorurteilen und mit einer wahrhaft philosophielosen Kritik behandelten. - Nur zu oft hat ein affektierter Skeptizismus mutwillige Widersprüche und Schwierigkeiten zu erkünsteln gesucht (wie die Akademie zu Paris), um nur das schadenfrohe Vergnügen zu haben, jeden unbegriffenen Verbesserungs- oder Heilversuch in der Wurzel zu ersticken und als unverdächtiger Zeuge das alte Gut und das Jahrhunderte lang behauptete Ansehen nicht zu gefährden. Alles zusammengenommen ergibt sich demnach als Ursache der so späten Anerkennung des Magnetismus
    1) Mangel treuer Beobachtungen
    2) Mangel kritisch gesammelter Erfahrungen
    3) Mangel der Vergleichung mit verwandten Erscheinungen und
    4) endlich der niedere wissenschaftliche Standpunkt selbst.
Literatur - Joseph Ennemoser, Geschichte des tierischen Magnetismus, Leipzig 1844