ra-2Über die Grundbegriffe in der NationalökonomieR. Liefmann    
 
FRIEDRICH GOTTL-OTTLILIENFELD
(1823-1900)
Die wirtschaftliche Dimension
[7/8]

    Einleitung
I. Anlauf der Kritik
II. Vom Tatbestand der Wirtschaftlichen Dimension
III. Vom Werden der Wirtschaftlichen Dimension

"Alles Denken in Wirtschaftlicher Dimension fällt mit einem Rechnen in  Geldgrößen  zusammen."


III. Vom Werden der
Wirtschaftlichen Dimension


10.

Damit hat die Arbeitshypothese ihr Szenarium schon für den letzten Akt gestellt. Wenn die Händler untereinander in Berührung treten, jenseits aller Schranken prävalorer Tauschsitte, was bildet sich heraus?  Der erste richtige Markt!  Selbst wenn es am Ort des üblichen Zusammentreffens der noch in Sitte und Brauch eingebundenen Tauschenden wäre, alle anderen spielen doch bloß die Mitläufer, am Gängelband der prävaloren Proportionen ihres üblichen Tauschverkehrs hängend; den Markt aber stellen nur die Händler dar. Worin zeigt sich das? Erstens, daß von den Händlern jeder jedem erbötig bleibt, zu Angebot und Nachfrage. Über die Händlerschaft, diese Urstelle der "Allkäuflichkeit" hinweg, da verknoten sich alle üblichen Tauschbeziehungen in ihrer ideellen Verlängerung, hier dehnen und pressen sie sich. Denn, zweitens, herrscht da eben  Beweglichkeit der Proportionen.  Von einer Zeit zur anderen ändern sie sich, es bilden sich  Reihen  wechselnder Proportionen. Die Starrheit der prävaloren Proportion weicht, sie wandelt sich zur Stetigkeit der Reihe. Jede spätere der nun fallweisen Proportionen wird in der Relation auf die Vergangenheit ihrer Fälle als Abweichung nach oben oder unten oder als Gleichbleiben erschaut. Hier verwebt sich also bereits Vergangenheit und Zukunft in Proportionen. Führt dies nun ohne weiteres zur Wirtschaftlichen Dimension, wird ohne weiteres in dieser jene Verwebung und jene Stetigkeit gegenständlich? Nicht so ohne weiteres. Aber hier, wo er gleichsam mitseinen eigenem Werden schon auf dem Sprung steht, läßt sich diesem Tatbestand erst richtig beikommen; man braucht bloß zu erwägen, was noch bis zu ihm fehlt, was nach ihm hin treibt, was sein Werden bedingt, was sich mit seinem Werden verknüpft?

Der noch vereinzelte Einzelhändler, der "Urhändler", trägt also wohl den Anreiz zum Neuen schon in sich, aber dieser bleibt latent. Erst indem er Seinesgleichen gegenübertritt, wird aus ihm mehr als eine neuartige Ergänzung des prävaloren Tausches; dann erst wird er zum  richtigen  Händler und wirkt sich als Ferment aus. Die  Händlerschaft, als Trägerin jener Verkehrssitte,  an der sie unablässig weiter formt, sie treibt den Keil ein in die traditionale Wirtschaftsführung, schlägt Hieb um Hieb in die gleiche Kerbe; bis zu einem einstigen völligen Wandel in rationale Wirtschaft.

Zu einem  Wettbewerb  der Händler untereinander kommt es nicht sofort, weil jeder in seinem eigenen Bereich im Zeichen von Sitte und Brauch wirkt. Der Einbruch in dieses feste Gehege kann nicht gleich das Nächste sein. Wohl aber ein Tauschverkehr  zwischen  den Händlern, der es beiden Teilen erlaubt, im eigenen Bereich die Verkettung des Tausches günstiger zu gestalten, reicher an Gewinn. So war der Urhändler - worunter im allgemeinen der noch vereinzelte Händler, hier aber die Sippe "Honig" zu verstehen ist - im Beispiel genötigt, Kälber gegen Pferde stets im Verhältnis von 7 gegen 1 zu vertauschen. Sein Genosse dagegen vertauscht etwa in seinem Bereich 5 Kälber gegen ein Pferd. Ihm kann der Urhändler nun 6 Kälber gegen eines seiner um 5 Kälber ertauschten Pferde bieten, was jenem einen Gewinn von 1 Kalb für das Pferd sichert. Aber auch der Urhändler ersteht daraufhin schon um 12 Kälber jenes gute Schwert, das er bei "Kalb II" für 20 absetzt. In ähnlicher Weise mag es auch in der Relation "Pferde-Schwerter" durch einen Zwischentausch von Händler zu Händler zu einem  beiderseitigen  Mehrgewinn führen. Hier erfolgt also die Arbitrae von Objekt zu Objekt gleichsam schon  übers Kreuz.  An den prävaloren Proporitionen selber ändert das nichts. Auch der Kalkül des Händlers wird damit noch nicht unmittelbar verändert. Die Relation 6 zu 1 für günstiger zu erachten, als 7 zu 1, das leuchtet auch so ein, bedarf keinerlei Umrechnung auf irgendeinem "gleichen Fuß". Auch die Verkettung des Tausches nimmt nicht unbedingt zu; muß doch z. B. der Urhändler nunmehr seine Proportionen von "Kalb I" zu "Schwert", statt über "Pferd", einfach über den Genossen hinweg durchrechnen. Daher erschwert sich auch der Kalkül anscheinend noch nicht.

Nichts aber liegt näher, diese  Erschwerung des Kalküls tritt schließlich für den Händler doch ein.  Der Anstoß dazu schlummert in eben jener Arbitrage übers Kreuz, so harmlos sie auf den ersten Blick aussieht. Erstens zwingt sie den Händler, sich geistig ganz anders als bisher zum Tausch zu verhalten. Den Urhändler hat mehr das Erlebnis des Tausches geführt; es ließ ihn auf die Möglichkeiten des Gewinnes mit der Nase stoßen. Im Verkehr mit Seinesgleichen lernt er erst, alle diese Dinge mehr im Denken vorwegzunehmen,  Möglichkeiten des Gewinns geistig zu erarbeiten.  Erstmals geht es ihm auf, daß hierzu  Information  die Grundlage bildet, Überblick über das Ganze und Einblick in alle Einzelheiten. Schon deshalb muß er ungleich mehr an Proportionen auf Gewinn durchrechnen, bald wohl auch verwickeltere, weil die Verkettung zunimmt. Zweitens kommt in diese Proportionen schon als solche Unruhe! Neben die prävaloren Proportionen tritt die "geschäftliche", von Händler zu Händler und diese wird auch bald zu schwanken beginnen, von einer Zeit zur anderen, von einer Sachlage zur anderen. Drittens aber trägt die Arbitrage übers Kreuz sogar in den prävaloren Tauschverkehr selber Unruhe hinein. Man braucht nur an die ungünstig veränderte Lage der Sippe "Pferd" zu denken. Ihr nimmt der Urhändler den Überfluß nicht mehr ab, seit er Pferde günstiger von seinem Genossen ertauscht. Vermutlich beraubt er gleichzeitig die Sippe "Pferd" sowohl ihres Tauschfreundes "Kalb I", wie auch des Tauschfreundes "Schwert"; er setzt sie hinsichtlich ihres ganzen Tauschverkehrs matt. In solchen Fällen entsteht nun ein Vakuum, saugfähig für etwas abermals Neues. Dieses Neue hat es auch wirklich in sich, den ganzen Verkehr nach Richtung und Größe aufzulockern: der  Wettbewerb

In der Tat, nachdem der Urhändler an der Sippe "Pferd" alles Interesse verloren hat, diese aber aus ihrer Zwangslage herauswill, ist da nichts natürlicher, als daß man nun mit den  anderen  Händler Fühlung sucht. Für "Pferd" hat das den Sinn, daß man Anschluß gewinnt an jenen richtigen Markt, der sich zwischen den Händlern ausbaut. Für den anderen Händler hat es den Sinn, ein erstes Mal das Gehege zu durchbrechen, das bisher schützend den Urhändler umzog. Der Wettbewerb setzt hier als ein "lauterer" ein. Aber für "Pferd" erwächst zugleich der Zwang, mit dem neuen Tauschfreund auch eine neue Proportion hinzunehmen: bloß 6 Kälber für 1 Pferd oder gar bloß 5 Kälber. Mit der erzwungenen Umschaltung im Tauschverkehr erscheint erstmals auch "draußen" die prävalore Proportion gebrochen! Doch auch an solchem Wettbewerb läßt sich "Blut lecken". Diesem ersten, noch geduldeten Einbruch ins Gehege folgt früher oder später ein weniger freundlicher, durch ein  Unterbieten!  Bei "Kalb II", zum Beispiel, wäre da ein guter Angriffspunkt, denn bislang bringt es ruhig seine 20 Kälber für das Schwert auf. Erheblich weniger als bisher geben zu müssen, führt schließlich doch in die Versuchung, daß man auch in der  Richtung  des Verkehrs aus Sitte und Brauch heraustritt. Selbst diese neuen Proportionen mögen wieder dazu neigen, zu "sittegemäßen" zu werden, aber schließlich lockert sich doch der starre Tauschverkehr auf. Nicht bloß zwischen den Händlern selber wird der ganze Verkehr marktmäßiger, die Proportionen beginnen wenigstens im Grundsatz allgemein zu schwanken, stetige Reihen zu bilden. Gewiß naht daraufhin überall der Ausgleich im Dreieck, das will sagen, die Arbitrage von Objekt zu Objekt untergräbt sich langsam selber. Nur wird das für den einzelnen Händler nicht so unmittelbar fühlbar, weil die Einbrüche ins Gehege, die am Abbau der Diskrepanz der Proportionen arbeiten,  wechselseitig  möglich bleiben. Es weiß auch dieser Abbau den Händler noch auf lange hinaus zu ernähren; zu einem völligen Ausgleich kommt es nie.

11.

Aber viel früher, als sich das Markttreiben bis an seine Peripherie hin so ausgestaltet, wie es uns heute als ganz selbstverständlich erscheint, tritt jene  folgenschwere Spannung  auf. Sie wird allerdings nur der Händlerschaft fühlbar, dieser aber bis zur Unerträglichkeit. Es fällt im jähen Anstieg schwerer und schwerer, den klaren Überblick nicht zu verlieren über einen Tauschverkeht, der in der Richtung und in den Größen so ganz und gar aufgewühlt ist. Der Händler hält ja dauernd die Fäden dieses Verkehrs in der Hand, er bleibt mit seinem eigenen Gedeihen dafür verantwortlich, daß sie sich mindestens für ihn nicht verwirren. Es leuchtet ein, daß bei dem mühseligen Durchbrechen von Proportionen, in immer anderen Richtungen, einer immer längeren Verkettung entlag, mit immer anderen Ansätzen in der einzelnen Proportion, darüber früher oder später jene Aufgabe an die Grenze ihrer Lösbarkeit gerät. Die Rechnung auf Gewinn muß der Händler auch stets auf ganze bestimmte Objekte abstellen, die er entweder tauschmäßig schon erlangt hat, oder tauschmäßig erlangen kann. In der Beziehung auf diese Objekte empfindet er nun die  steigende Verworrenheit  ihrer Tauschgeschicke immer störender. Vom gleichen Objekt her soll er in ganze Bündel von Proportionen gleichzeitig hineinrechnen. Hier so recht erst drängt alles in der entscheidenden Richtung: nach einem  untrüglich vereinheitlichten  Ausdruck der Tauschgeschicke eines Objekts! Gerade für den Händler ist das höchst wichtig. Er kann ja von den Möglichkeiten, die sich seinem Gebaren eröffnen, stets nur eine begrenzte Anzahl, bloß eine Auslese ausnützen; so muß er sich hüten, den Hebel am falschen Punkt anzusetzen. Gerade davor kann ihn rasch und sicher nur ein Aufschluß in Gestalt jener Zahl frommen, die sozusagen  alle  Proportionen, in die ein Objekt verflochten bleibt,  einheitlich in sich aufhebt.  Würde ihm diese Zahl z. B. lehren, daß ein Tausch im Verhältnis von 7 Kälbern zu 1 Pferd zwar sehr "teure" Pferde verschafft, aber "alles in allem genommen" ein Tausch im Verhältnis von 6 zu 1 immer noch keine besonders "wohlfeilen" Pferde, dann erst ist er  zureichend  beraten.

Nun braucht man sich bloß vorzuhalten, wohin diese Vereinheitlichung allein abzielen kann: auf  Zahlen gleicher Benennung,  von denen jede der Einheit eines Objekts zugehörig ist, als ließen sich alle Proportionen, in die dieses Objekt einbezogen erscheint, auf diesen Ausdruck reduzieren. Damit seiht man es im Voraus ab, wie sich das  Problem  der Wirtschaftlichen Dimension den Händlern auch noch in anderer Form stellt, die hier nur zu streifen ist, denn sie kann sich erst später abklären: In der Form nämlich, daß auch  Summenbildung  möglich werden muß! Einmal die Summe dessen, was innerhalb einer bestimmten Zeit an Gewinn erzielt wird oder auch als erzielbar in Betracht zu nehmen ist. Auf der anderen Seite die Summe dessen, was sich für diese Zwecke des Erwerbs in Anspruch nehmen läßt. Auch für diese Summenbildung, deren tieferer Sinn sich erst in der Folge zeigen soll, bedarf es eines von Objekt zu Objekt vereinheitlichten Ausdruckes, denn auch zur Summation und Substraktion und schließlich auch zur Klarheit über das Verhältnis des Summierten zueinander, gehören  gleichbenannte  Zahlen.

Man sieht, was an die Wirtschaftliche Dimension heranführt: mit ihr soll sich im Ganzen das praktische Problem lösen,  den Erwerb als Rechnung zu ermöglichen!  Im Grunde ist dieses Problem unausweichlich. Handeslmäßiger Erwerb, wie er hier gemeint ist, gebärdet sich druch seine rein größenhafte Zielsetzung notwendig  rechenhaft.  Nicht nur auf Gewinn im Einzelnen, auch auf Ertrag im Ganzen muß da gerechnet werden und der ganze Vorgang des Händlers muß ein rechenhaft gerichteter bleiben. Nur mit dem Rechenstift in der Hand findet man heraus, wo der Hebel anzusetzen und wie tief er einzusetzen ist. Darüber hilft sich bloß die Naivität des Urhändlers hinweg, durch ein mühseliges Durchrechnen bloßer Proportionen. Sobald einmal ein richtiger Markt auflebt, zunächst von Händler zu Händler, in dessen Treiben aber auch die Allgemeinheit allmählich hineingezogen wird, bedarf es ganzer Arbeit in dieser Hinsicht. Nur der Händler selber kann es schaffen. Für jene  Verkehrssitte,  die die Händlerschaft unablässig erarbeitet, wird  mit der Gestaltung der Wirtschaftlichen Dimension jedenfalls erst der eigentliche Grundstein gelegt.  Bewußte Gestaltung aber ist hier am Werk. Gleichwie in sein Wirtschaftsgebilde hinein der Händler das Neue des Erwerbsgebildes einbaut, so rückt er auch nach außen hin, für den Verkehr von Gebilde zu Gebilde, sich den ganzen  Apparat  zurecht, der ihm über sein eigenes Vorgehen erst die rechte Klarheit verschafft; sowohl schon bei der Absicht dieses Vorgehens, wie im Vollzug desselben, als auch im Rückblick auf dessen Erfolge. Die Allgemeinheit aber gerät darüber vorläufig noch einen Schritt weiter ins Hintertreffen gegenüber dem Händler. Noch schärfer sticht seine Gebaren vom Traditionalismus der Wirtschaft ab.

Denn allen Nichthändlern, angesichts der paar Proportionen, an denen sie interessiert sind und ihre Passivität in Rücksicht gezogen, abgesehen von ihrer gelegentlichen Flucht in den Markt hinaus, ihnen bleiben jene Schwierigkeiten, bleibt der ganze Spannungszustand erspart, seine Lösung Hekuba [egal, unbedeutend - wp]. Geschweige also, daß sich die Wende gleich für die Allgemeinheit und wie von selber vollzöge, vollzieht sie sich überhaupt  nur  für die Händlerschaft, hier aber als Ausfluß richtiger Selbstbehauptung,  in bewußter Tat.  Diese rationalistisch eingestellten Leute, mit ihrem Blick, ihrer Fähigkeit zu rechnen und Dinge geistig vorwegzunehmen, müssen unter dem Druck jener Notlage früher oder später den gebotenen Ausweg auch finden: man  rationalisiert das Denken über den Tausch,  auf dem Weg einer  Normalisierung der bestimmenden Norm!  Für jedes Objekt gilt es dann eine Zahl zu erarbeiten, gleichsam die "Normalie" der geltenden Größen, in der sich seine Verflochtenheit in den Tauschverkehr eindeutig zum Ausdruck bringt. Statt immer von Neuem lange Reihen von Proportionen dahin und dorthin durchzurechnen, läßt sich diese  einzige Zahl  an jedes Angebot, an jede Nachfrage als Maßstab anlegen und sofort sieht man es daraufhin klar ab, welche Möglichkeiten des Gewinnes vorliegen, ob man von ihnen Gebrauch machen soll, wie man sich dabei verhalten muß und was dabei herausschaut. Zunächst stellt sich der Händlerschaft - und nur ihr - das  Problem  der Wirtschaftlichen Dimension.

12.

Ist die Wirschaftliche Dimension einmal zum praktischen Problem geworden, dann spitzt sich dieses ohne weiteres zur Suche nach jener  Einheit  zu, die alle charakteristischen Zahlen aufbaut, als eitel Zahlen gleicher Benennung, wie ihrer der "Erwerb als Rechnung" bedarf.  Diese Einheit finden, heißt einfach das Objekt wählen, wovon sie zu nehmen ist!  Offenbar aber handelt es sich dabei um die  Geldeinheit,  hier mithin um die  Wahl  dessen, was mit seiner eigenen Einheit die Geldeinheit darbietet! Denn alles Denken in Wirtschaftlicher Dimension fällt mit einem Rechnen in  Geldgrößen  zusammen. Hier hat die Arbeitshypothese offensichtlich an den Punkt herangeführt, wo sich der Tatbestand der Wirtschaftlichen Dimension mit jenem des Namens  Geld  berührt. Damit zeichnen sich die Zusammenhänge sofort schärfer heraus. Man sieht, es verknüpft sich die die Wirschaftliche Dimension nicht so mit dem Geld, daß etwas da sein müßte, was als Geld gebraucht wird, als solches auf dem Markt von Hand zu Hand geht. Vorläufig dreht es sich nicht um diesen  Geldgebrauch,  sondern nur um die  Geldrechnung!  Grundwesentlich ist die Wirtschaftliche Dimension mit dem Geld eben nur insoweit verknüpft, als dieses mit seiner eigenen Einheit an den charakteristischen Zahlen baut. Nun heißt aber der Vorgang, bei dem eine Zahl aus Einheiten hervorgeht,  Zählen.  So wird man hier von  Zählgeld  sprechen dürfen, um es ad hoc auszudrücken, was alleinig vom ganzen, höchst verwickelten Tatbestand des Geldes für die Wirschaftliche Dimension von grundwesentlichem Belang ist. Als Zählgeld ist natürlich keine besondere "Gattung" von Geld gemeint, sondern gleichsam ein Stück vom Sein des Geldes, von diesem Tatbestand. Aus ihm ist damit herausgelöst, was sich mit dem Tatbestand der Wirtschaftlichen Dimension genau überschneidet. Auf das Objekt bezogen, das in der Rolle des Zählgeldes auftritt, indem es mit seiner eigenen Einheit die charakteristischen Zahlen aufbaut, könnte man von dessen "Funktion" als Zählgeld sprechen; womit einer der "Dienste" gemeint ist, die ein Objekt der Wirtschaft zu leisten hätte, um überhaupt in der Rolle des Geldes aufzutreten.  Zählgeld ist demnach etwas kraft des Dienstes, für die Wirtschaftliche Dimension die erforderliche Einheit und Benennung zu liefern.  Zählgeld und Wirtschaftliche Dimension bedingen sich im Grund und Wesen gegenseitig. Ohne Zählgeld ließe sich noch eine  Rechengeldeigenschaft  sondern, gemeint als das Ganze der Eigenschaften, die ein Objekt befähigen, als Zählgeld zu dienen. Der Sachverhalt ist ja durchsichtig, daß als Zählgeld nur in Betracht kommen kann, was seiner eigenen Natur nach in Einheiten größenhaft ist und damit die Grundbedingung allen Rechnens darbietet. Das können die  natürlichen  Einheiten einer Objektgattung leisten, z. B. "1 Rind" oder "1 Kaurimuschel" oder "1 Blaufuchsfell". Ein Objekt kann auch in  gemessenen  Einheiten größenhaft sein und so über doppelt benannte Einheiten hinüber das Rechnen ermöglichen: "1 Scheffel Salz", "1 Stück Vadmal [Tuch, wp]", "1Elle Muschelschnur", "1 Pfund Gold" usw. Es kann sich auch um  künstlich für den Dienst als Zählgeld geschaffene Einheiten  handeln, bei denen zu ihrem Namen entweder erst die gemessenen Einheiten eines Objektes als Deutung hinzutreten: "1 Mark Banko gleich soundsoviel Gewichtseinheiten rein Silber"; oder die Angabe des Verhältnisses zu einer anderen Einheit: "1 Mark gleich ein Drittel Taler". Unter ganz bestimmten Bedingungen bleiben schließlich auch rein  mythische  Einheiten denkbar, in deren Namen allein sich Objekte überleben, die als solche bereits verschollen sind. Die übergangene Hypothese von einem "sakralen" Ursprung des Zwillingspaares Wirtschaftliche Dimension und Geld hätte da lehrhafte Beispiele erörtern lassen. Sie erübrigen sich hier, weil ja diese ganzen Verhältnisse des Geldes nicht um ihrer selbst willen zur Aussprache kommen.

Darum verfolgt auch die Arbeitshypothese nicht weiter die verschienenen Möglichkeiten, wie die Verkehrssitte, hinter ihr also die Händlerschaft, die  Wahl  des Zählgeldes tatsächlich trifft. Es besagt sicherlich immer nur eine dieser Möglichkeiten, wenn die Wahl auf jene Objektgattung fällt, die im Verkehr von Händler zu Händler, auf dem eigentlichen Markt, abseits des immer noch prävaloren Tauschverkehrs, am häufigsten auftritt. Ebensogut könnte eine ganze andere Objektgattung gewählt werden, z. B. gleich schon mit dem Vorblick auf die bald zu erörternde Rolle des nämlichen Objektes "Zahlgeld", mithin unter dem Gesichtspunkt der dort auftauchenden "Bargeldeigenschaft"; und gerade daraufhin könnte eine Objektgattung zu wählen sein, die bisher sogar wenig von Hand zu Hand gegangen war! Aber wäre es selbst die "meistgehandelte" Objektgattung, die man wählt, erstens schleicht sie sich keineswegs in die Rolle des Geldes ein, wie der Dieb in der Nacht, sondern führt auf die  bewußte Wahl  seitens von Leuten zurück, die sehr gut wissen, wo sie der Schuh drückt und was sie daraufhin wollen. Zweitens münzt es diese Absicht keineswegs gleich  auf eine Erleichterung des Tausches,  sondern notwendig zuerst darauf, den  Erwerb als Rechnung zu ermöglichen.  Drittens entspringt aus dieser Wahl vorerst gar nichts, was die Allgemeinheit unmittelbar berührt, vielmehr spielt sich das Ganze noch im engen Kreis derer ab, die es allein angeht: der um Tausch und Proportionen Wissenden, der gewerbsmäßig tauschenden  Händler. 

Innerhalb dieses Kreises aber, da muß sich die getroffene Wahl natürlich  in der Verkehrssitte durchsetzen,  wird zu deren Grundstein. Im Kern mag die Wahl wie immer von einer Vereinbarung ausgehen, einem Übereinkommen, dem sich der nicht befragte Rest freiwillig unterwirft, aber dem praktischen Erfolg nach muß es zu einer "öffentlichen" Sache werden, daß innerhalb des Verkehrskreises Angebot und Nachfrage, Zuschlag und Ablehnung, daß  alles  Gebaren der Händler auf der Grundlage der  charakteristischen Zahlen  vor sich geht; getragen also von einem Denken in Wirtschaftlicher Dimension, in dern notwendigen Anlehnung an ein Rechnen und Veranschlagen in den gewählten Einheiten. Es läßt sich zwar denken, unter dem Druck jener praktischen Problemstellung hat wohl der Eine oder Andere schon längst begonnen und wußte für seinen eigenen Teil die Proportionen sämtlich auf die Einheiten  eines  Objektes hin umzurechnen, das sich für diesen Dienst ihm persönlich nahe gelegt hat; etwa so. wie dem Urhändler im Beispiel etwa der Honig oder die Kälber als "Individualgeld" dienen könnten. Das mag ihm zwar die Durchrechnung der Proportionen kaum erleichtert, aber doch manche Richtschnur geboten haben. Sinn jedoch gewinnt das Ganze doch nur und führt erst dann zu einer  untrüglichen  Vereinheitlichung im Ausdruck des gesamten Größenspiels beim Tausch, von Objekt zu Objekt, sobald sich schon  im ganzen Verkehrskreis die Auseinandersetzung von Händler zu Händler bloß auf dieser Basis bewegt.  Anstelle der stetigen Reihen der schwankenden  Proportionen,  schlagen sich dann sofort die stetigen  Reihen der schwankenden Größen  aus dem Tauschverkehr nieder und heften sich jedem Objekt wieder als seine charakteristische Zahl an. Dann wird die Verwebung von Vergangenheit und Zunkunft des Markttreibens gleich in Fälligen Preishöhen als  Geldpreis  gegenständlich; womit der Markt selber erst richtig ausreift. Denn nun erst fällt er recht eigentlich mit der Stiftung Wirtschaftlicher Dimension zusammen, löst sich von ihm öffentliche Meinungab in Sachen des Tausches, wird er für das Größenspiel beim Tausch zu einem klaren Spiegel. Nichts aber liegt näher, als daß in viel späteren Zeiten diese ganze "Normalisierung der bestimmenden Norm" hinsichtlich ihrer Grundlage allemal der  öffentlichen Regelung  zutreibt; diese greift ausdrücklich von der Seite der Wahl und des Um und Auf des Geldes ein; freilich weniger des Tausches halber, als anderer "Dienste" des Geldes wegen, die über seine Rolle als Zählgeld noch hinausliegen.


13.

Am Tauschverkehr selbst geht die Geburt der Wirschaftlichen Dimension zunächst fast spurlos vorbei. Fiel z. B. die Wahl des Zählgeldes auf das unter Händlern "meistgehandelte" Objekt, so steigert es sich vorerst in dieser Eigenschaft nicht, schlug die Wahl ins Gegenteil aus, so wird das bisher marktfremde Objekt auch nicht durch seine Wahl als Zählgeld in den Tauschverkehr hineingerissen. Geschweige, daß am eingefahrenen Tauschverkehr "draußen" gerüttelt würde, auch im "Innern" des Marktes geht alles seinen alten Gang; der Verkehr bleibt "natural". Im Ganzen zwar hat der "Naturaltausch" seine Unterstufe damit schon überwunden; von einem prävalorem Tauschverkehr kann man jetzt nicht mehr reden. Aber beim "Naturaltausch" verbleibt es nach wie vor; er wird immerzu als das Hergebrachte, als die Regel eingehalten, keineswegs als das Ausnahmsweise empfunden, im Sinne etwa jenes "falschen Naturaltausches", wie er in der Kriegswirtschaft auftrat. Die "Ausnahmen" stellen sich umgekehrt erst von der  anderen  Seite her ein! Als das Erste wohl legt es sich nahe, Ungleichheiten in wechselseitigen Angebot und Nachfrage der Händler dadurch wettzumachen, daß für den überschießenden Rest nun das Objekt eintritt, in dessen Einheiten man zu rechnen pflegt. Dieses "Clearing" zwischen den Händlern beginnt auch den Reigen jener zahlreichen Verfeinerungen, die im Gefolge des "rationalen" Denkens über den Tausch ihm nach und nach zuteil werden. Hier z. B. braucht man nicht fernerhin, um den beabsichtigten Tausch in Ganz zu bringen, erst Aufrundungen vorzunehmen; man kann sich nunmehr streng im Rahmen des Bedurften oder Abzusetzenden halten.

Bald aber wirkt sich das Zählgeld auch im Bereich des "indirekten" Tausches aus. Zum  Tausch auf Umwegen  drängt ja der anhebende Verkehr zwischen den Händlern ganz besonders. Im Gegensatz zum Wirtschafter, ist der Händler auf den Tausch vorläufig noch so eingestellt, daß er Bestimmtes "will" und Bestimmtes "hat". Aber dem Angebot fehlt leicht die Nachfrage, der Nachfrage das Angebot. Dann galt es bisher schon auf Umwegen zu tauschen. Dem ist der Händler, hinausgehoben über alle Hemmungen der Sitte, auch besonders gewachsen. Ihm darf man es zumuten, daß er  stets  aus ist nach jenem Tausch auf dem  kürzesten Umweg,  der schon mit dem  zweiten  Schritt des Erwünschten habhaft macht. Es hängt jedoch von der Lage des Marktes, davon also ab, wie sich Angebot und Nachfrage zu ihm mischen, ob ein Objekt überhaupt und welches geeignet ist, um darüber hinweg gleich auf dem kürzesten Umweg zu tauschen. Das haben schon die Beispiele vom Urtausch veranschaulicht. Nur dann, wenn es der Markt  gänzlich  am erwünschten Angebot oder Nachfrage fehlen ließe und man sich bis zum nächsten Markt vertrösten muß, empfiehlt es sich vielleicht, vorerst eine  stellvertretende Gegengabe  zu ertauschen. Dafür aber, ganz ohne Zweifel, taugt am besten das "meistgehandelte" Objekt, von dem der Händler ja auch Kenntnis besitzt, im Gegensatz zur marktfremden Allgemeinheit; denn für raschen Absatz dieses Objekts in jeder, künftig auch in der erwünschten Richtung, streitet dauernd die Vermutung. Erstens aber bleibt für diesen Zweck bloß das "meistgehandelte" unter den am Markt  noch angebotenen  Objekten verfügbar. Man sieht, dem "absolut meistgehandelten", dem "marktgängigsten" Objekt kommt der "indirekte" Tausch gar nicht so unmittelbar zugute! Zweitens aber schwankt die Wahl hier zwischen bloßen  Graden  in der Absetzbarkeit, in der "Beliebtheit" der Tauschobjekte! Ganz anders, hingegen, liegt es mit  jenem  Objekt, das  schon in der Rolle des Zählgeldes  auftritt, gleichgültig, ob es bereits vorher das "meistgehandelte" war oder nicht. Von ihm steht nachweislich zu erwarten, daß es die Vermittlung beim "indirekten" Tausch früher oder später  gänzlich  an sich reißt, weil  seine  Vermittlung wie von selber zum Tausch auf dem kürzesten Umweg führt. Denn es liegt dieses Objekt nicht minder nachweislich dem Angebot wie der Nachfrage, der Hingabe wie der Annahme gleich willkommen zur Hand, infolge eines uneinholbaren Vorsprungs vor allen anderen Objekten. Aus  diesen  hebt es sich nicht einfach um Grade, sondern in jener  spezifischen  Weise heraus, die nun die Arbeitshypothese anschaulich vorstellen soll, die aber auch ganz unabhängig von ihr in Geltung steht.

Zunächst darüber, warum sich dieses Objekt förmlich dazu aufdrängt, gar nicht um seinetwillen, sondern im Interesse der Tauschpraxis ertauscht zu werden; das ist handgreiflich sowohl bei jenem "clearing", wie auch beim "indirekten" Tausch. Begleicht man bei jenem "clearing" den überschießenden Rest in Gestalt einer entsprechenden Menge des Objekts, das schon in der Rolle des Zählgeldes auftritt, was geschieht da? Nun, jener Rest ist doch errechnet worden auf der Grundlage der Einheiten dieses Objektes und so bringt man einfach eine Rechnung, bei der man in diesen Einheiten denkt,  im Wege der Tat  durch  dieselben  Einheiten zum Klappen! Das muß den Beteiligten unmittelbar einleuchten. Noch deutlicher spielt sich die Sache beim "indirekten" Tausch ab. Besonders da schlägt ein Gedanke wie von selber zur Tat um. Sobald einmal Zählgeld da ist, vertauschen sich zwei beliebige Objekte stets nach der - mehr oder minder - bestimmenden Norm ihrer Wirtschaftlichen Dimension. Aber  diese  wird je in einer Einheitenzahl des Zählgeldes gedacht. Wenn nun für das angebotene Objekt das begehrte ausbleibt, was liegt näher, als daß abermals das in Geldeinheiten Gedachte, weil der Tausch sonst im Denken stecken bliebe, auch durch eine  Tat in Geldeinheiten  zu Ende geführt wird! Hier ist es nicht minder das ganz Natürliche, wie bei jenem "clearing", wenn jenes bevorzugte Objekt in die Bresche springt. Seinen eigentlichen Zweck verfehlt der Tausch dann; dem Angebotenen versagt sich das Begehrte. Aber man landet wenigstens bei dem, als was das Angebotene schlechthin  gilt;  denn indem man die Geldeinheiten, in die das Angebotene umrechenbar ist, zur Tat ihrer Annahme werden läßt, gleichwie sie auf der Gegenseite zur Tat der Hingabe werden, erhält man förmlich den verkörperten "Wert" des Angebotenen vorläufig in die Hand. Wo immer sich aber das Zählen in Geldeinheiten sozusagen überstürzt zur  Tat,  in Gestalt eines handgreiflichen  Zuzählens  dieser selben Einheiten, wird ein  Zahlen  daraus. Über jenem "clearing" also, undnoch mehr über der Pflege jenes "indirekten" Tausches, da bereichert sich offenbar der Tatbestand des Namens Geld. Das Objekt nämlich, das mit dem Zählgeld schon in Kraft steht, tritt nun überdies als  Zahlgeld  auf!

Wie alles Zahlen ein Zählen voraussetzt, so kann  Zahlgeld nicht in Kraft treten, wenn nicht Zählgeld schon in Kraft steht.  Geldgebrauch, wie es sich im Zahlgeld zur Rolle eines bestimmten Objekts versteift, also das tätige Gebaren mit Geldeinheiten,  Geld als Tat,  kommt immer erst nachher. Den Vortritt räumt das notwendig der  Geldrechnung  ein, dem Zählen in Geldeinheiten, dem Rechnen in Geldgrößen; diese Geldrechnung versteift sich wieder zur Rolle des Zählgeldes. Es ist der besondere Widersinn jener Ausmalung, die über den "indirekten" Tausch hinweg das Geld sich förmlich einschleichen läßt, daß gleich der Geldgebrauch den Anfang machen will. An Zählgeld wird dann auch weiterhin nicht gedacht,  denn am Tatbestand der Wirtschaftlichen Dimension tappt man ganz vorbei.  Nichtsdestoweniger ist mit der "marktgängigsten Güterart" ingesgeheim schon Zählgeld unterstellt. Niemals würde ein bloßer Gradunterschied in der "Marktgängigkeit" hinlangen, es muß schon ein spezifischer Vorsprung des betreffenden Objektes vorliegen, bevor man stets danach wieder beim "indirekten" Tausch greift, in der sicheren Erwartung, daß hiermit der Tausch gleich auf dem kürzesten Weg gelingt. NIcht das "meistgehandelte" Objekt, mindestens nicht als solches, wird zum Geld; umgekehrt, was schon vorher in der Rolle des Geldes auftritt, eben als Zählgeld, wir über jenen Geldgebrauch hinüber, den allein schon die Geldrechnung aufdrängt, unausweichlich zum "meistgehandelten" Objekt überhaupt, zum Stammgast des Marktes.


14.

Die Rolle einer Objektgattung als Zählgeld ist das Ursprüngliche, die als Zahlgeld schon daraus abgeleitet. Was Zählgeld ist, brauch nicht zugleich auch Zahlgeld zu sein, wohl aber umgekehrt. Eben darum ist es ohne Widerspruch denkbar, daß als Geldeinheiten, als Bausteine der Wirtschaftlichen Dimension und als Grundlage alles Rechnens über das Größenspiel beim Tausch, sogar Einheiten  mythischer  Natur auftreten; Einheiten eines verschollenen Objekts, das überhaupt nur im Namen seiner Einheiten nachlebt. Die ersten Ansätze dafür, in welcher Anzahl diese Einheiten an den charakteristischen Zahlen der Tauschobjekte bauen, boten einst vielleicht die "sühnegepaarten" Mengen, sofern die Bußtarife auf jene "mythischen" Einheiten lauteten. Diese Zahlen kamen späterhin für allen anderen Objekte ins Schwanken, nuir für jenes Objekt allein mußte die "mythische Relation" starr bleiben, das den Platz des Zahlgeldes auszufüllen hatte, weil ihn das verschollene Objekt nicht selber einnehmen kann! Man rechnet dann immerzu in "mythischen" Einheiten, aber in den handgreiflichen Einheiten eines tauschhaften Objektes wird "stellvertretende" gezahlt. Schließlich gewöhnt man sich vielleicht, in den Einheiten  dieses  Objekts auch zu zählen und zu rechnen. Einmal selber in der Rolle des Zählgeldes, vertauscht dieses Objekt auch die Rolle des "stellvertretenden" mit der des  richtigen  Zahlgeldes. Dieser Wandel kann auch anders Platz greifen. Von uraltersher hätte man z. B. in Rindern gerechnet und in Rindern folgerichtig gezahlt. Aber den Händlern wird schließlich das Mittreiben ganzer Herden unbequem. Mögen die Rinder noch so sehr die sonst jedermann willkommene Gegengabe darstellen, den Händlern ist mit einem Zahlgeld schlecht gedient, das unbewacht davonläuft, das frißt, stirbt, der Teilung trotz usw. Für ihren eigenen Verkehr - denn wie es die Allgemeinheit hält, bleibt stets eine Frage für sich -- führen die Händler nun ein "stellvertretendes" Zahlgeld ein: künstlich, etwa aus Metall geschaffene Einheiten. Diese werden sich zwar in ihrer Rolle nicht ohne Störungen von der Marktlage her behaupten; aber das ist hier nicht zu verfolgen. Genug, daß man wohl schließlich in jenen künstlichen Einheiten auch zu zählen und zu rechnen sich gewöhnen mag. Das "stellvertretende" Zahlgeld, weil es inzwischen selber die Rolle des Zählgeldes antritt, wandelt sich zu richtigem Zahlgeld; und vielleicht erinnert nur mehr den Name dieser künstlich geschaffenen Einheiten an den urtümlichen Sachverhalt - pecunia!

Das Zahlgeld, wird es auf das betreffende Objekt als seine Funktion bezogen, hat nur mittelbar mit einem  Tauschmitteldienst,  noch weniger mit einem  Zahlungsmitteldienst  dieses Objekts zu schaffen. Mit Rücksicht auf die Zusammenhänge der Wirtschaftlichen Dimension erfordert auch dies ein paar Worte; während natürlich der sogenannte "Wertmesserdienst" des Zahlgeldes auch nicht ein einziges mehr wert ist.  Tauschmittel,  im tiefsten Sinne des Wortes, ist immer schon das  Zählgeld,  indem es der Wirtschaftlichen Dimension von Objekt zu Objekt ins Dasein verhilft und so alles Denken über das Größenspiel im Tausch rationalisiert. "Tauschmittel" ist daneben auch das  Zahlgeld,  indem es in der geschilderten Art den "indirekten" Tausch fördert und so als Vermittler beim Tausch dient. Gerade jedoch darüber, as soll sich zeigen, wächst das Geld weit hinaus; das Zahlgeld wird aus dem gelegentlichen  Vermittler  des Tausches zu seinem regelmäßigen  Vollzieher.  Woran aber bei jener Vorstellung vom "Tauschmitteldienst" außerdem gedacht wird, ist eine Forderung, eine Zumutung an das betreffende Objekt. Kraft bestimmter Eigenheiten soll es im Ganzen die Eignung aufweisen, als Zahlgeld beim Tausch zu fungieren. Den Grad seiner Eignung für diese Funktion könnte man besser als die  Bargeldeigenschaft  des Objektes aussagen. Damit wäre die Rolle des Zahlgeldes ganz in eine Forderung an das betreffende Objekt umgedacht, wie man der Zählgeld-Funktion gegenüber von einer "Rechengeldeigenschaft" des Objektes reden kann; oder auch in der Folge gegenüber der noch zu erörternden "Trag- und Tilggeld-Funkton" von einer "Starrgeldeigenschaft" des Objekts. Augenblicklich handelt es sich um die Forderung, die  jedermann willkommene Gegengabe  zu sein.

Das als Zahlgeld auftretende Objekt soll sich unter allen Objekten, die dem Tausch verflochten sind, als das vertauschbarste, als das  tauschflüssigste  bewähren, so, daß der Empfang dieses Objektes den Tauschenden als solchen in die günstigste Lage versetzt. Unverkennbar fällt dies mit dem Vorteil zusammen, den wir hinter dem  baren  Geld suchen. Zur Bargeldeigenschaft des Objektes steuern einmal schon manche seiner Besonderheiten bei. So z. B. seine gute Teilbarkeit, namentlich, wenn die Teilung auch jederzeit wieder aufhebbar ist; oder seine stoffliche Dauerhaftigkeit; oder seine allgemeine Verwendbarkeit. Besonders auch der Umstand, daß es dem Gewich und dem Raum nach in vergleichsweise geringen Mengen innerhalb der tauschgepaarten Mengen auftritt, also von einer  spezifisch hohen  Geltung ist. Den Vorsprung in allen diesen, der Bargeldeigenschaft förderlichen Eigenheiten muß man z. B. ohne weiteres den  Edelmetallen  zubilligen. Es entscheidet aber dieser Vorsprung einsehbar darüber,  welches  Objekt sich in die Rolle des Zahlgeldes eindrängt, auf die Dauer darin auch behauptet. Darum, gleichwie das Werkzeug aus Metall, schließlich das Werkzeug aus Holz, Bein oder Stein aus dem Feld schlug, tritt früher oder später Edelmetall auch als Geld voll in Kraft; unmittelbar oder auf dem Umweg der Stellvertretung. Aber das ist offenbar ein rein tatsächlicher Hergang; nicht von jener grundsätzlichen Artung, um "Geld" sozusagen nur als einen Druckfehler von "Gold" auffassen zu dürfen.

Vom Verein der Eigenheiten des Objekts, die zusammen seine Bargeldeigenschaft begründen, hängt nun zwar sein Geschick für die Rolle als Zahlgeld ab, keineswegs aber die Rolle des Zahlgeldes als solche. Dem Geldgebracuh, auch beim Tausch, unterliegt zutiefst immer noch die Geldrechnung! Was sich mit dem handgreiflichen Zählen von Geldeinheiten, in Gestalt des Zahlens also, sozusagen in die Tat umsetzt, ist als Zählen und Rechnen mit Geldeinheiten immer schon eine Sache des Denkens, tief begründet in der Notwendigkeit, über den Tausch und sein Größenspiel geistig Herr zu werden. Immer steht also die Tatsache voran, daß sich mit dem gezahlten Geld, als der Gegengabe beim Tausch, ausdrücklich das einstellt, was das Vertauschte schlechthin "gilt", so daß sich darin förmlich sein "Wert" verkörpert,  seine wirtschaftliche Dimension darin unmittelbar sinnfällig wird.  Das ist eigentlich auch der tiefste Sinn des "baren Geldes", als das  schlechthin und bloß "Geltende".  Weil dem so ist, steht es immer nur bei gewissen Bedingungen und das Zahlgeld kann auch als bloßes Sinnbild seiner selbst, buchstäblich als bloßes  Zeichen  auftreten. Denn schon daraufhin ist der entscheidende Schritt getan, schon damit setzt sich das Gedachte des Zählgeldes in die Tat des Zahlgeldes um. Hier ist das nicht weiter zu verfolgen. Jedenfalls reicht der zureichende Grund für den Geldgebrauch, gerade auch beim Tausch, bis zum  Zählgeld  zurück, als der  grundlegenden  "Geldfunktion". Das Beste also zur Bargeldeigenschaft eines Objekts, zu seiner Eigenschaft als jedermann willkommene Gegengabe, steuert der Umstand bei, daß es überhaupt in der Rolle des Zahlgeldes auftritt, Zählgeld sich in ihm durchsetzt. Darauf erst baut sich auf, was das Objekt von sich aus zur "Beliebtheit" beisteuert, durch seine allgemeine Verwendbarkeit, Teilbarkeit, und so fort. Aber das ist immer noch nicht alles: denn zur jedermann willkommenen Gegengabe wird das Objekt besonders noch dadurch, daß es nicht bloß als Zahlgeld in Kraft steht, sondern auch noch in anderen Rollen auftritt, die in der Folge zur Sprache kommen - als "Tilg- und Traggeld". Der Bargeldeigenschaft eines Objekts, seiner Fähigkeit, als Geld beim Tausch gebraucht zu werden, unterliegt also grundwesentlich seine Rechengeldeigenschaft, aber auch seine später zu erörternde "Starrgeldeigenschaft".  Dann  erst fällt dafür die allgemeine Verwendbarkeit, Teilbarkeit, usw. des Objekts ins Gewicht. Man sieht, der "Tauschmitteldienst", bei dem hauptsächlich an jene Eigenschaften des Objekts gedacht wird, besonders wenn er im Geiste jener Ausmalung nur als der Vermittlerdienst beim "indirekten" Tausch gemeint ist, steht für das Geldsein eines Objektes durchaus in zweiter Linie. So führen alle Schlüsse darauf zurück:  Nicht  als "Tauschmittel" jenes Sinnes wird etwas zum Geld, sondern als Geld wird es unausweichlich zum "Tauschmittel". 
LITERATUR Friedrich Gottl-Ottlilienfeld, Die wirtschaftliche Dimension - eine Abrechnung mit der sterbenden Wertlehre, Jena 1923