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    p-3Wertorientierte LogikKleines ABC der Wertlogik 
 


WERNER PETSCHKO
Wertorientiertes Denken
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"Schluß mit dem verblödeten Realitätsgefasel! Es gibt keine wissenschaftlich fassbare Wirklichkeit. Nichts  ist,  alles wird  gewollt  oder  soll  sein."


Kein vernünftiger Mensch glaubt heutzutage noch an eine objektive Wirklichkeit, aber Relativismus, Pragmatismus und andere Denksysteme, in denen geglaubt wird, das Wahrheitsproblem gegen Fragen der praktischen Nützlichkeit eintauschen zu können, sind genauso verfehlt, wie die verlogene Flucht in alle möglichen Irrationalismen. Der einzig mögliche Ausweg ist eine Wertlogik, also der rationale Umgang mit Fragen der Zweckmäßigkeit. Ein solcher ist nur auf moralischer Basis möglich. Kein Axiom eines Denksystems läßt sich mit logischen Methoden  beweisen.  Der Ausgangspunkt ist immer ein Werturteil und erfordert die persönliche Entscheidung.

Der Wille muß als das entscheidende Moment betrachtet werden, wenn es darum geht, eine sichere Überzeugung zu gewinnen und sie ist umso sicherer, je mehr sich dieser Wille am Ideal der Wahrheit orientiert. Wahrheit ist ein leerer Begriff und kann, schädlicher als alles andere, als Mittel für niedere Zwecke mißbraucht werden, wenn sie nicht von einem aufrichtigen Willen getragen wird. Dieser Wille zur Wahrheit wird in seinem Streben nach Vervollkommnung immer wieder auf den Willen zur Macht treffen, so daß ein Kampf der Prinzipien unausweichlich bleibt.

Wahrheit als ethische Kategorie bedeutet nicht notwendigerweise einen Relativismus und zweifelhafte Beliebigkeit, denn das Gewissen ist absolut. Um den Einwand der Immunisierung gegen äußere Kritik vorwegzunehmen, sei gesagt, daß auch in Gewissensfragen die logische Regel der Widerspruchslosigkeit nicht aufgehoben ist, allerdings kann sich eine rationale Kritik nur auf die gewählten Voraussetzungen eines Denksystems berufen, also auf intrinsische Fehler, nicht auf eine Verfehlung  ansich. 

Die logische Rangordnung der Werte ergibt sich aus ihrem Verhältnis von Mittel und Zweck. Die höchsten Werte sind solche, die ihre eigentliche Qualität verlieren, wenn sie als Mittel gebraucht werden. Das gilt im besonderen für die Wahrheit, nicht weniger für das Gute oder die Gerechtigkeit. Von der Freiheit läßt sich sagen, daß sie sowohl zum Guten, als auch zum Bösen gebraucht werden kann und deshalb auch unmöglich den höchsten Wert darstellt. Die schädlichen Auswirkungen pragmatischer Ideologien haben genau hier ihren logischen, bzw. moralischen Grund.

Im wertlogischen Denken kommt es weit mehr auf den Zusammenhang der Dinge an, als auf das einzelne Objekt. Zusammenhänge werden dabei aber nicht als objektive Gegebenheit verstanden, sondern als Resultat von Werturteilen. Die Vielfalt der Interessen hat genau in dieser Möglichkeit ganz unterschiedliche Zusammenhänge zu sehen, respektive für relevant oder bedeutsam zu halten, ihren logischen Grund. Die verschiedensten Ansichten sind möglich, weil Menschen unterschiedliche Dinge für wichtig halten und sich ihrem eigenen Willen gemäß für dieses oder jenes entscheiden. Ein vernünftiger Mensch wird aber Wert darauf legen, daß er sich in dem, was er denkt oder unternimmt nicht irrt oder täuscht, so daß die Wahrheitsidee in jedem Fall den obersten Rang einnimmt.

Im wertlogischen Ansatz wird die objektive Identifizierung der Dinge mit irgendwelchen Eigenschaften als Unfug betrachtet, der jeder logischen Grundlage entbehrt. Die Dinge sind nicht das oder das, sondern sie werden auf einen bestimmten Zweck hin als das oder jenes definiert. Der eigentliche Wert einer solchen Definition läßt sich nur aus dem Zusammenhang erklären, in den sie geordnet wird, letztlich aus der moralischen Überzeugung. Mit dem logischen Zusammenhang steht und fällt jede Art der Begriffsbildung, so daß der Wille zur Entscheidung, sowie Urteilskraft und Folgerichtigkeit nicht voneinander getrennt betrachtet werden können.

Im alten Rationalismus war man der Meinung, daß es allgemeine, also ansich gültige Maßstäbe für Denken und Handeln gibt. Wer im westlichen Kulturkreis aufgewachsen ist, wurde in dem Glauben erzogen, daß die Wirklichkeit oder Teile der Wirklichkeit ohne Wissensverlust beschrieben und erklärt werden können. In diesem Sinne glaubt der gewöhnliche Mensch immer noch, diese oder jene Farbe zu sehen, bzw. Gegenstände, die diese oder jene Farbe  haben.  Aber so einfach ist das nicht.  Rot  ist nur rot, wenn wir zum Beispiel nur die Auswahl haben, zwischen rot, blau und grün. Wenn aber zwischen einem dunklen rot und braun zu wählen ist und dabei mehrere Zwischentöne berücksichtigt werden müßten, dann wäre es schon nicht mehr so einfach zu sagen: das ist rot und das ist braun.

Der Wortrealist glaubt an die reale Existenz dessen, was durch ein Wort sozusagen repräsentiert wird und hegt keinerlei Zweifel an dieser Stellvertreterfunktion der Sprache. In einer solchen neutralen Auffassung der Dinge gibt es keinen Grund, an irgendeiner derartigen Feststellung ein ganz bestimmtes Interesse zu vermuten. Die Existenz eines Baumes steht außer Frage, so, wie man ihn vor Augen hat, aber kein Mensch sieht einen Baum. Die Kategorie des Baumes ist eine Konstruktion, die der Verstand als einmal gelernt weiterhin kritiklos übernimmt, ohne daß das ökonomische Zweckinteresse bei der Verwendung eines solchen Allgemeinbegriffs zu Bewußtsein kommt.

Jedes Ding ansich ist Unfug und je mehr man die Dinge verallgemeinert um so mehr sollen sie ansich, als unabhängig von den konkreten Zusammenhängen gelten. Wer die Dinge allgemein betrachtet, legt auf Unterschiede mehr oder weniger keinen Wert und verbindet damit dann aber auch keinen konkreten Zweck damit. Die Überzeugung eines solchen Menschen ist so wertlos, wie seine Begriffe inhaltsleer. Die Welt ansich ist bedeutungslos. Ein an Bäumen im Grunde uninteressierter Mensch käme, auch bei einem gewissen logischen Interesse, nicht über eine mehr oder weniger knappe Darstellung hinaus, wogegen ein Fanatiker sein ganzes Leben mit der Beobachtung des Baumes verbringen könnte, indem er sekündlich die Veränderungen der Blätter im Wind per Kamera und Computer aufzeichnet. Es geht also nicht ohne Kriterien ab, die uns sagen, worauf es ankommt. Und so landet manam Ende etwa bei der Baumbeschreibung eines Försters, die sich von der des Biologen unterscheidet, aber auch von der eines Indianers usw.

Betrachtet man einmal die grundsätzlich Frage, ob das Wort  Baum  etwas mit der Wirklichkeit des  Baumes  zu tun hat, so läßt sich ein solcher Zusammenhang sicher begründen, aber eben nicht nur einer, denn die möglichen Beziehungen, in die man die Dinge zueinander bringen kann, sind so vielfältig, wie die Chance im Lotto sechs Richtige zu haben. Es hat wenig Sinn, einen Baum mit einem Hund zu vergleichen, wenn sich nicht eine heillose Begriffsverwirrung breit machen soll. Entscheidend ist jedoch immer, daß die jeweiligen Zweckinteressen in einen möglichst widerspruchslosen Zusammenhang gebracht werden, wenn die Verständigung mit anderen Leuten erfolgreich sein soll. Wenn ich von einem Flugzeug aus auf eine Stadt blicke, sehe ich Häuser. Mit  Häuser  können aber sehr viele verschiedene Dinge gemeint sein. Es kommt immer nur auf den Standpunkt der Betrachtung an, ob ich einzelne Reihenhäuser miteinander identifiziere oder individuelle Unterschiede mache. Wird etwa die spezifische Lage eines solchen Reihenhauses in Zusammenhang gebracht, läßt sich auch feststellen, daß das eine bessere Lage hat, als das andere. Jedes Ding hat seine Umstände und diese Umstände sind immer anders, je nachdem von welchem Gesichtspunkt aus die Dinge betrachtet werden. Diese Zweckbezogenheit hat mir relativistischer Beliebigkeit nichts zu tun, denn unter den Zwecken und Zielen, die sich ein Mensch setzen kann, gibt es immer solche, die einen höheren Rang einnehmen und solche, die mit weniger Priorität verfolgt werden, ganz egal von welcher logischen Voraussetzungen man in seiner jeweiligen Überzeugung ausgeht.

Es gibt keine andere, als die eigene Wahrheit. Jeder hat seine persönliche Meinung und damit seine eigene Freiheit und verfügt nur insofern über ein sicheres Wissen, als sich seine Überzeugung nicht zu den eigenen Voraussetzungen im Widerspruch befindet. Es kommt immer auf die Bedeutung an, die einem bestimmten Wort beigemessen wird. Wichtig ist, was mir ein Begriff, bzw. eine Idee Wert ist und die Beurteilung dieses Wertes hat weniger mit der Empfindung desselben zu tun, als mit dem rationalen Zusammenhang, in dem ich alle meine Interessen miteinander verbinde.

Wenn es überhaupt eine Methode des Denkens gibt, dann handelt es sich dabei um die Logik der Begriffsbildung. Das ganze Denken besteht eigentlich aus nichts anderem, als aus der Unterscheidung von gleich und ungleich. Der Name des Rationalitätsprinzips heißt  Identität Der Grundfehler der Alltagslogik muß in der fehlenden Beobachtung relevanter Unterschiede gesehen werden. Der Irrtum besteht darin, die zweckbedingte Bezugnahme auch als logische Gleichsetzung zu betrachten.

Die Voraussetzung aller logischen Schlüsse ist die gleichbleibende Bedeutung der Wörter. Das ist auch einleuchtend. Schon im Rechenunterricht der Grundstufe wird einem beigebracht, daß man Äpfel und Birnen nicht zusammenzählen darf. "Alles, was Füße hat, kann gehen" - "Der Sessel hat Füße." - "Also kann der Sessel gehen" wäre ein anderes Beispiel für diesen klassischen Fehlschluß. Logische Zugehörigkeit kann sich nur zwischen Elementen der gleichen Klasse abspielen. Aus unklassifizierten  Dingen  können keine Schlüsse gezogen werden. Aus Gründen des praktischen Erfolgs tendieren die Leute aber eben gern dazu, sich die gewünschte Gleichheit durch unzulässige Verallgemeinerungen zu erschleichen und so nimmt die geistige Gewalt in der Form des sprachlichen Betrugs ihren Lauf.

Das Aufstellen von Analogien ist unerläßlich, um im Alltag überhaupt ökonomisch handeln zu können, aber die Dinge, die gewöhnlich als gleich behandelt werden, werden immer nur auf einen bestimmten Zweck hin als gleich betrachtet. Die Aufmerksamkeit auf Ähnlichkeiten und das Vernachlässigen der Unterschiede wird gemeinhin Abstraktion bezeichnet. Auf Ähnlichkeit und nicht auf Gleichheit ist alles Klassifizieren und damit die Sprache aufgebaut. Es gäbe überhaupt keine vernünftigen Formulierungen, wenn nicht ähnliche Empfindungen nicht für gleiche Wahrnehmungen gelten würden. Die Vergleichung von Ähnlichkeiten gibt aber keinen logischen Schluß. Jedes Gleichnis hinkt. Wie sagt Herr POPPER so schön: "Für jede endliche Gruppe oder Menge von Dingen, mag sie noch so regellos zusammengestellt sein, lassen sich bei einiger Geschicklichkeit Standpunkte finden, von denen aus alle zu der Menge gehörenden Dinge ähnlich (oder teilweise gleich) sind." In einem solchen Interpretationsspielraum tummeln sich die logischen Betrüger dieser Welt zuhauf und drehen sich die Dinge so zurecht, wie sie ihnen am besten passen und gebrauchen dabei Begriffe wie Realität oder Notwendigkeit und andere Symbole des scheinbar sachlichen Zwangs, um die Leute mit falscher Rationalität zu übertölpeln.

Jedes beliebige Ding oder Ereignis als  Wiederholung  jedes beliebig anderen angesehen werden kann, wenn man nur den geeigneten Standpunkt einnimmt. Die Perspektive ergibt sich immer aus einem persönlichen Wertinteresse und jedes Interesse muß gerechtfertigt werden, wenn der Gedanke einer Ordnung, sei sie nun individuell oder allgemein gültig, noch einen Sinn haben soll. Es wäre ein naiver Kinderglaube, anzunehmen, daß sich der Interessenkonflikt aus dem Zusammenleben von Menschen für alle Zeit beseitigen läßt, ganz egal welches logische oder moralische System dabei zur Anwendung kommt. Die Behandlung derartiger Differenz kann jedoch so oder so vor sich gehen, auf einer vernünftigen Basis oder als Recht des lediglich zufällig Stärkeren. Ich meine daß in diesen Fragen ein Fortschritt möglich ist, vor allem dadurch, daß viele logische Irrtümer beseitigt werden, die es in der Vergangenheit immer wieder möglich gemacht haben, daß sich individuelle Machtinteressen als Faktoren des Gemeinwohls präsentieren konnten.

Das Ideal sicheren Wissens ist mit dem Siegeszug der objektiven Wissenschaften in vieler Hinsicht für materielle Interessen mißbraucht worden und so werden weiterhin unter dem Deckmantel pragmatischer Überzeugungen Mittel durch Zwecke geheiligt, die nichts mit Wahrheit oder Gerechtigkeit zu tun haben, sondern lediglich aus privilegierter Freiheit resultieren. Man kann getrost davon ausgehen, daß überall da, wo mit  der Wirklichkeit  argumentiert wird, ein Betrüger am Werk ist, der seine eigentlichen Interessen verheimlicht und es wird höchste Zeit, daß eine größere Menge von Menschen versteht, woher diese Leute ihre scheinbaren Gründe nehmen. Es geht nicht um die Abbildung des Gegenstandes, sondern um die Stellungnahme zu einem Wert. Wer sich für ein bestimmtes Problem interessiert, wird bestimmte Ähnlichkeiten und Wiederholungen eher bemerken, als andere und deshalb wird es Zeit, daß sich die richtigen Leute für die richtigen Dinge interessieren, denn zuviele falsche Leute interessieren sich für die falschen Dinge.

Jeder Mensch hat seine eigene Welt und jede Wirklichkeit ist eine Wirklichkeit für besondere Zwecke. Die Art der Bildung von Begriffen ist immer eine Zweckmäßigkeitsfrage. Es gibt nur Gebrauchsdefinitionen. Sprache und Logik dienen höheren Zwecken und müssen als Mittel zum Zweck verstanden werden. "Der Gebrauch der Logik im Denken ist ebenso notwendig und berechtigt, wie der Gebrauch der Perspektive in der Malerei - jedoch nur als Ausdrucksmittel und nicht als Kriterium der Wirklichkeit." So der Lama Anagarika Govinda.

Jede Theorie ist nur praktisch oder es ist eine schlechte Theorie. Alle Begriffe müssen als  idealtypisch  betrachtet werdenm, d.h. es handelt sich dabei immer um Idealvorstellungen, denen in der äußeren Wirklichkeit nicht notwendigerweise entwas entsprechen muß. Wie oft wird beispielsweise über das Wesen der Energie oder die typische Hausfrau gesprochen, über den Wahnsinn oder die Politik  ansich,  über Gerechtigkeit oder Freiheit, ohne daß dabei die näheren Zusammenhänge zur Sprache kommen. Solche Reden sind sinnlos. Entscheidend ist immer nur, was einem selbst etwas bedeutet und was die eigenen Gründe in dieser oder jener Angelegenheit sind. Wer sich über die Bedeutung der Dinge Gedanken macht, so wie sie sich aus dem eigenen Nachdenken ergeben, wird jede Menge an Selbsterkenntnis erfahren.

Für den Begriffsrealisten ist das Ideal der Abstraktion bereits Wirklichkeit geworden und darum muß sich auch niemand fragen, warum sich diese Welt so schwer verändern läßt.  "Das Allgemeine ist als Abstraktes nicht zu vollbringen",  spricht Meister Hegel aus dem Schwabenland und wenn dieser Allegorowitsch Mystifizinsky auch sonst nicht viel zu bieten hat, was klares Denken angeht, so muß man ihm doch Recht geben, wo er Recht hat. Ein kluger Herrscher muß nur dafür sorgen, daß möglichst viele Allgemeinbegriffe in Umlauf sind, um seine Regierung zu sichern. Dann geht alles wie von selbst.  "Ruhig waltet das Allgemeine,"  wußte schon der Heidenphilosoph Plotin zu berichten und die Konservativen aller Zeiten haben es auch geschickt verstanden, in dieser Hinsicht keine schlafenden Hunde zu wecken.

Was die Dinge-ansich angeht, ist jedes moralische Urteil unmöglich gemacht von dieser verlogenen Art von Neutralität profitieren von jeher diejenigen, die ihre Vorteile aus den etablierten Herrschaftsverhältnissen zu ziehen wissen. Die Common-Sense-Ideologie, d.h. der Wortrealismus ist für mich der entscheidende Grund für das Nichtgreifen revolutionärer Konzepte. Eine Aufklärung über die logische Beziehung zwischen Wort und Ding würde im großen Stil jede Menge Urteilskraft in einem Großteil der westlichen Welt auslösen und damit den demokratischen Freiheitsgedanken individueller Wahlmöglichkeiten sicher auf eine harte Bewährungsprobe stellen, doch jede andere Methode als ein mehr an Wahrheit ist von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn es darum geht, mit Aussicht auf Erfolg der bloßen Macht eine ethische Begründung entgegenzustellen.

Der Staat als Wahrer des Volkswohls behauptet Recht und Gesetz im Namen der Allgemeinheit. Das allgemeine Interesse ist aber nur ein leerer Begriff und Wahn, wenn sich der Einzelne nicht mit gutem Grund damit identifizieren kann. GERHART HAUPTMANN sagt es unverblümt: "Verallgemeinerungen sind Lügen"  und deshalb sollte sich jeder, der seine Worte gebraucht, ohne sich über die tiefere Bedeutung seiner Begriffe Gedanken zu machen, auch als Lügner bezeichnet werden und nicht nur als Dummkopf. Logokratie ist die Herrschaft der abstrakten Begriffe und wer unkritisch oberflächlichen und allzu pauschalen Darstellungen folgt, unterwirft sich einem solchen System wie der Sklave vergangener Zeiten der Peitsche. Das perfide daran ist, daß diese Form von geistiger Gewalt kaum jemandem bewußt ist. Die meisten Leute lassen sich sogar einreden, daß sie zu dumm sind, um etwas zu verstehen, wenn man sie mit hohlen Phrasen bombardiert.

Die bisher kursierenden Verdrehungen und Verfälschungen sind nur möglich, weil ein so bestürzendes Vertrauen in die Abstraktionen gepflegt wird. Die Herrschaft sitzt in den Köpfen der Leute, sie ist abstrakt geworden. Sobald auf breiter Ebene ein gesundes Mißtrauen gegen diese "überindividuellen Organisationsformen" (LANDAUER) entwickelt wird, ist Schluß mit den schlimmsten Scheinproblemen und Scheintheorien, mit denen die Masse der Menschen seit Jahrhunderten verblödet wird. Die Worte werden nicht mehr die Gedanken dominieren. Es wird nicht mehr so leicht möglich sein, die Leute mit billigen Erklärungen und zweifelhaften Rechtfertigungen abzuspeisen. Für bestimmte Personen dürfte es dann sehr schwer werden, ihre privilegierten Ansprüche ohne erheblichen Widerstand durchzusetzen.
LITERATUR, Werner Petschko, Wertlogik für Anfänger, Penzberg 2008