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MAX BRENKE
Johann Nicolas Tetens'
Erkenntnistheorie

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"Wenn ich mich also des simplen Ausdrucks: ist nur bediene und sage: das Papier ist weiß, so gebe ich schon so viel an, daß die gegenwärtige  Beziehung  der Idee von der weißen Farbe auf die Idee vom Papier dieselbige ist, welche allenthalben vorkommt, wo wir sagen: Ein Ding ist dies oder jenes, sie ist die Beziehung einer Beschaffenheit auf eine Sache."

"Die Empfänglichkeit der Sinne liefert, wie wir wissen, nur absolute oder  unbezogene  Empfindungen, die nur eine Reihe von einfachen Beschaffenheiten zeigen und selbst jedes Grundes zu einer Verbindung in der Vorstellung entbehren. Erst der  Verhältnisbegriff  ist des,  mittels  dessen die wahrgenommenen Eindrücke  bezogen werden,  und der Grund zu ihrer Vereinigung gedacht wird."

"Was soll denn nach  Tetens  erkannt werden? Die  Vorstellungen  von Dingen und nichts anderes.  Dinge ansich  können nicht selbst in unsere Erkenntnis hinüberwandern. Es bedarf dazu eines Mittels, das sind die Erscheinungen und Vorstellungen, wie wir wissen, die man als ein und dieselben von zwei Seiten betrachten kann, von der Seite des Dings und der des Bewußtseins. Die Erkenntnislehre befaßt sich mit der letzteren. Zur Erkenntnis und Begreiflichkeit der Erscheinungen für das Bewußtsein aber ist der Verhältnisbegriff unerläßlich."


II.
Idee (Gegenstand der Erkenntnis)
und Denken

Der naive Realismus, der im Wahrnehmen und Erkennen der Dinge, die dem Bewußtsein als ein Fremdes und mit ihm Unvergleichliches gegenüberstehen, überhaupt kein Problem sieht, ist das unausrottbare Vorurteil des gewöhnlichen, vom philosophischen Nachdenken unberührten Menschenverstandes. Der realistische Standpunkt an und für sich waltet zwar in gewissem Sinne auch bei TETENS vor, insofern der Dinge-ansich, die unabhängig vom Bewußtsein existieren und durch die Empfindung garantiert werden, annimmt. Zwischen den Dingen, wie sie  ansich  sind, und dem Bewußtsein besteht also auch für unseren Denker eine Kluft, die sich nicht überbrücken läßt. Eine Erkenntnislehre vermag jedoch bei diesem Gegensatz nicht stillzustehen und sich mit der bloßen Gewißheit von der Existenz der Dinge zu begnügen. Es handelt sich in ihr um die Möglichkeit der  Erkenntnis  von Gegenständen; - wenn wir also weiterhin von "Objekt" oder "Gegenstand" sprechen, so meinen wir natürlich den "Gegenstand der Erkenntnis" oder das Wahrnehmungsobjekt. Den Gegensatz aber zwischen diesem Wahrnehmungsobjekt und dem Bewußtsein zu beseitigen wird eine Erkenntnistheorie stets bemüht sein, wenn sie richtig verfährt.

Die Aufhebung dieses Gegensatzes zwischen Objekt und Bewußtsein halten wir in der Erkenntnistheorie nur dann für möglich, wenn jede empirisch-psychologische Betrachtungsweise aus ihr eleminiert wird; weil bei einer psychologischen Betrachtung unserer Erkenntnisvermögen - die auf empirischer Selbstwahrnehmung beruth - der Gegenstand unserer Erkenntnis von vornherein abgesondert gestellt, und jener Gegensatz zwischen Objekt und Bewußtsein schon in der Voraussetzung ausgesprochen wird. Und die Frage lautet nicht: Wie können wir zwischen Gegenstand und Bewußtsein eine Verbindung herstellen? - Das wäre eine  petitio principii  [Unbewiesenes dient als Beweisgrund - wp], da wir ja den Gegenstand noch nicht haben, er vielmehr die Aufgabe ausdrückt, die gelöst werden soll - sondern sie lautet: Wie und unter welchen Bedingungen kommt unser Bewußtsein zur gegenständlichen Erkenntnis, oder, was dasselbe besagt, wie können unsere Vorstellungen (deren zunächst ausschließliche Subjektivität wir auch bei TETENS kennen gelernt haben) objektivische Gültigkeit erhalten? Wir wir wissen, wird der Gegenstand bei TETENS seiner Existenz nach nicht durch das Bewußtsein erzeugt. Vielmehr, soweit die Gegenstände ihrer Existenz nach gegeben sind, äußert sich ihr Verhältnis zu unserem Bewußtsein nur insofern, als sie ihm das Inhaltliche und Stoffliche der Erfahrung liefern: Dieser Inhalt entbehrt jedoch gänzlich noch selbst des gegenständlichen Charakters, d. h. der Gegenstand der Erkenntnis ist es, der einer Begründung durch das Bewußtsein bedarf. Unsere Darstellung soll implizit den Nachweis dafür liefern, daß das Problem in TETENS' wahrer Erkenntnistheorie nicht auf die Existenz der Dinge geht, sondern auf ihre Erkenntnis.

Wir waren am Ende des vorigen Abschnitts bei den subjektiven, eine ursprüngliche Erfahrungstatsache unseres unmittelbaren Bewußtseins bildenden "Empfindungsvorstellungen" stehen geblieben. Gelingt es nun TETENS und wie gelingt es ihm, diese Subjektivität zu überwinden? Wir kommen somit zur eigentlich erkenntnistheoretischen Frage, deren Beantwortung endgültig freilich, soweit sie TETENS meines Erachtens liefert, erst im letzten Abschnitt dieser Arbeit gegeben werden kann.

Das "Objektivische" unserer Vorstellungen ist ein Problem, um dessen Lösung sich unser Denker im Verlauf der ersten 9 "Versuche" seines Werkes immer wieder bemüht. Die Erörterungen über dieses Problem treten scharf aus den mannigfachen und umfangreichen psychologischen Betrachtungen hervor. Schon RIEHL (53) erwähnt in seiner kurzen Besprechung von TETENS' Werk dessen auffallend Hervorhebung eines "Beziehungsbegriffs, der der einfachste und ursprünglichste von allen ist und in dem Satz ausgedrückt wird: Das Ding ist, d. h. die Hervorhebung der Beziehung unserer Vorstellungen auf ein Objekt überhaupt." In der Tat könnten wir diesen Satz zum leitenden Gesichtspunkt unserer weiteren Ausführungen machen.

Die Forderung nach Gegenständlichkeit unserer Vorstellungen drückt TETENS zunächst allgemein mit dem Satz aus: "Die Vorstellung muß zur Idee gemacht werden können", (54) mit diesem Ausdruck einen Begriff aus der englischen Philosophie - LOCKE, HUME, BERKELEY - entlehnend, der bei ihm freilich eine besondere Bedeutung gewinnt. Wir geben die Erläuterung zu diesem Satz. Wie wir wissen, sind unsere Vorstellungen aus ihrem Inhalt nach zwar gegeben - sie bestehen in Einwirkungen von Dingen außerhalb des Bewußtseins auf unsere Sinne - ihnen selbst aber fehlt das Merkmal der Objektivität.
    "Insofern sie nicht wahrgenommen werden können und also nicht genug zu dieser Absicht von anderen abgesondert und ausgezeichnet sind, insofern sind sie für uns bloße Modifikationen in der Seele, denen die Analogie mit ihren Objekten fehlt, durch welche allein sie nur Vorstellungen von Sachen sein können." (55)
Es fehlt den Vorstellungen (Empfindungen) als solchen kurzgesagt  die Form  - ihnen fehlt somit als Wirkungen der Dinge jede Bestimmtheiit, und würde es bei den sinnlichen Vorstellungen bleiben, so bestände unsere Erfahrung in einem Chaos von Eindrücken, d. h. es käme überhaupt zu keiner Erkenntnis. Die Form aber, die ihnen zuteil wird, ist ein Werk des Denkens, (56) sowie es alle Erkenntnis, insbesondere die Gegenständliche ist, in deren Besitz wir sind. (57) "Nicht das Gefühl, nicht das Vorstellen kann unterscheiden und wahrnehmen", das tut vielmehr das Denken. (58) Die bloße Perzeption beschränkt sich auf das Empfinden von gegenwärtigen Wirkungen, sie ist etwas Passives, das rein innerlich bleibt und über die Subjektivität seiner Zuständlichkeit nicht hinauszureichen vermag. Demnach muß zur Perzeption die Apperzeption, eine ursprüngliche Tätigkeit des Denkens hinzutreten und die bloßen Vorstellungen, die nichts als "seelenartige Zeichen und Abrisse" von den Dingen sind, zu "Ideen" machen. (59) Zur Empfänglichkeit der Sinne mußt das Bewußtsein treten, ihm fällt es zu, die Scheidung und Besonderung und damit die Objektivierung unserer Vorstellungen zu vollziehen. Eine "Idee" ist die zum Bewußtsein erhobene Vorstellung; (60) um z. B. die in der Vorstellung vom Mond enthaltene Materie zu vergegenständlichen, müssen wir die "Idee" vom Mond haben. Der Materie als solcher
    "fehlt zunächst noch die Form: die Idee enthält außer der Vorstellung ein Bewußtsein, ein Wahrnehmen und Unterscheiden, und setzt Vergleichen voraus und Urteilen, sobald wir sie als eine Idee von einem gewissen Gegenstand ansehen." (61)
Es ergibt sich leicht, worin dieser reflektorische Akt des Bewußtseins zunächst im Allgemeinen bestehen wird. Fragen wir, was das Charakteristische der zum Bewußtsein gebrachten Vorstellungen ist, so antwortet TETENS, daß es Ideen sind von Gegenständen, die etwas Objektivisches vorstellen. (62) Als Ideen von Objekten haben sie eine besondere Beschaffenheit an sich: Es ist mit ihnen allen nämlich der Gedanke verbunden, daß sie etwas Objektivisches und Reelles vorstellen, was der vornehmste Zusatz des Denkens ist. (63) In dieser Objektbeziehung ist das eigentliche Wesen der Idee im Gegensatz zur Empfindungsvorstellung ausgesprochen.
    "Wenn ich meine Idee von der Sonne als ihr Objekt" ... "wenn ich meine Idee in mir gegenwärtig habe, so ist dasjenige da, was ich die Beziehung der Vorstellung auf ihr Objekt genannt habe, obgleicht ich diese Beziehung selbst nicht wahrnehme. Die wahrgenommene Vorstellung in der Beziehung auf ein Objekt macht eigentlich erst die  Idee  von einer Sache aus." (64)
Diese Objektbeziehung kann auf keiner Vergleichung beruhen, die zwischen der Vorstellung und dem Ding vollzogen wird, (65) ist doch offenbar das Objekt als solches nur selbst in der Idee vorhanden, oder besser, das Gegenständliche macht das Charakteristikum der Idee selbst aus. Doch worauf diese Beziehung auf den Gegenstand als ein Akt des Bewußtseins im letzten Grund beruth, und inwiefern sie berechtigt ist, das bin ich erst, soweit ich es mit TETENS angeben kann, im letzten Abschnitt imstande auszuführen. (66)

Wenn also die Apperzeption, d. h. das Bewußtsein, das Wesen einer Idee ausmacht, und durch die Idee erst die Bestimmung der "Sache" (des Gegenstandes) sich ergibt, (67) so ist es klar, was der Satz "die Vorstellung muß zur Idee gemacht werden können" (68) bedeutet: Bewußtsein überhaupt ist die erste Bedingung, um zu einer Erkenntnis von Gegenständen zu gelangen - es ist das Urfaktum, das unsere objektive Sinnenwelt in der Gesamtheit umfaßt. Die Gegenständlichkeit unserer Vorstellungen steht zum Bewußtsein (oder der Apperzeption) in einem begrifflich-logischen Verhältnis, insofern mit ihr immer auch ein Bewußtsein gesetzt ist, und ohne dasselbe kann sie nicht zustande kommen. So erwähnt TETENS auch - wenn wir diese psychologische Bemerkung einflechten dürfen - daß in der Erinnerung keine Vorstellungen ihrem absoluten Inhalt nach wieder aktualisiert werden können, wenn sie nicht einmal "apperzipiert" worden sind, d. h. die Bedingung des Bewußtseins zu ihrer  Vergegenständlichung  einmal in Kraft getreten war (69). Bewußtsein oder "Apperzeptibilität" muß an jeder Vorstellung gefunden werden können, ist die Bedingung, damit diese - als eine objektive - wahrgenommen werden kann.

Wie schon gesagt (70), nimmt TETENS für die gegenständliche Vorstellung oder das Wahrnehmen nicht nur das Bewußtsein im allgemeinen - das die  Conditio sine qua non  [Grundvoraussetzung - wp] für die Objektivität unserer Erkenntnis überhaupt ist - sondern auch im engeren Sinne das Denken in Anspruch. Das Denken nennt er im Hinblick auf den Prozeß des objektiven Wahrnehmens eine Beziehungsvermögen, (71) ja er geht so weit zu sagen: Das Wesen des Denkens besteht im Beziehen und im Wahrnehmen. (72) Den Vorgang des Wahrnehmens von einem besonderen und unterschiedenen (d. h. bestimmten) Gegenstand drückt ihm das Denken dadurch aus, daß es gleichsam ein Siehe! zu sich spricht (73). "Das Wort  Siehe!  drückt zumindest so viel aus: Das Objekt, das ich wahrnehme, ist eine besondere Sache für sich" (74) oder auch schlechthin ein Urteil, (75) das sich in der Bestimmung des Gegenstandes äußert. Mithin ist der Gegenstand als solcher in der Empfindung oder Vorstellung nicht gegeben, was nach allem bisher Gesagten selbstverständlich ist, ja er wird - seiner ideellen Form nach! - im Grunde überhaupt nicht vorgestellt, sondern er wird gedacht! Wenn zur Bildung des einzelnen Wahrnehmungsobjekts eine Beziehung des Bewußtseins erforderlich war, und diese als ein Denkakt oder Urteil gefaßt wurde, so ist eben der Gegenstand, der aus dem durch die Sinne gelieferten Inhalt gebildet oder geformt wird, ein Produkt des Denkens, so paradox es klingen mag. (76) So dürfte sich die immerhin eigentümliche Tatsache erklären, daß die Objekte unserer Wahrnehmung von TETENS "Ideen" genannt werden. Diese "Ideen" bezeichnet er an einer anderen Stelle ebenso wie die durch Selbstwahrnehmung gewonnenen inneren Vorstellungen, also auch die der "Seele", als "Schein" oder "Erscheinungen", und zwar ist es "die subjektivische Natur unserer Ideen, die sie für uns zu Phänomenen macht" (77) Insofern der Inhalt in ihnen aus der Empfindung stammt, von der Beschaffenheit der Sinne und anderen "Empfindungserfordernissen" abhängt, d. h. insofern sie der Materie nach auf "einfachste Empfindungsvorstellungen" zurückgehen, die "verwirrte Vorstellungen sind und vieles und etwas Mannigfaltiges auf einmal ineinander zusammenlaufend darstellen", (78) das will heißen, ihrem Charakter nach noch unbestimmt sind, sind sie Erscheinungen. Das Phänomenale der Ideen geht mithin auf ihre "subjektivische Natur", gemäß der sie ihrem Inhalt nach als "Empfindungsvorstellungen" von der Empfänglichkeit unserer Sinne zunächst perzipiert werden, nicht eigentlich aber auf den objektiven Charakter, der ihnen durch das Denken zuteil wird. (79)


Mit dieser Objektbeziehung in den "Ideen", die in "einer allgemeinen Vorstellung von einem Ding besteht", wie sich unser Denker auch ausdrückt, und die er ein Urteil nannte, ist zugleich eine "allgemeine Vorstellung" von unserem Selbst, von unserem Ich gesetzt (80). "Sich einer Sache bewußt zu sein, heißt die Vorstellung eines Gegenstandes fühlen und sich selbst dazu." (81) Bei jeder Vorstellung wird diese selbst vom Subjekt geschieden, bzw. zu ihm in Beziehung gesetzt (82), und bei allen Veränderungen unseres Bewußtseins bleibt in ihm die "Vorstellung von unserem Ich" als eine mit sich identische. (83) Wir möchten es eine empirische Feststellung der Tatsache nennen, daß unsere Erfahrung in der Korrelation von Objekt-Subjekt ihren Gesamtausdruck findet, in ihr der Gegenstand und das Ich zueinander in konstanter Beziehung stehen. Es ist also das Bewußtsein  vom Selbst,  das zu einer objektiven Vorstellung das Korrelat abgibt, und die Trennung zwischen Objekt und Subjekt findet selbst wieder innerhalb des Bewußtseins statt: Das will sagen, das Subjekt steht - nach der Ansicht von TETENS! - nicht selbständig dem Objekt als substantieller Träger von Erkenntnisfaktoren gegenüber, sondern ist nur in einer steten Beziehung zum erkannten Objekt für ein Bewußtsein überhaupt zu finden.

Wir haben bisher nur die einfachste, ursprünglichste Leistung des Bewußtseins zur Umbildung der einzelnen Vorstellung in den Gegenstand der Erkenntnis betrachtet. Dazu war bereits eine Funktion des Denkens erforderlich, ein Urteil, das sich - gleichviel zunächst, worauf es sich gründet - mit allen Vorstellungen verbindet, wenn wir die Erklärung des Zustandekommens der Idee - des "Ideenmachens" im Sinne TETENS' -, als die Aufgabe im Auge behalten, die uns gestellt ist. Das heißt, wir haben damit einen bestimmten Standpunkt gewonnen, den unsere Untersuchung einzunehmen hat, den Standpunkt im Begriff des "Objektivischen" überhaupt. Die mannigfachen Beziehungen, die wir nun in der Gesamtheit des "Objektivischen" als integrierende Bestandteile vorfinden, sind es demnach, die einer weiteren Erläuterung bedürfen. Wie wir wissen, ist es aber das Denken, das allen unseren Erkenntnissen die Form gibt, und wir müssen sehen, wie sich diese Aufgabe der Denktätigkeit zu den Verhältnissen oder "relativen Beziehungen, in denen die Gegenstände unserer Erkenntnis stehen, verhält.

"Die Denkkraft, das Vermögen, Verhältnisse und Beziehungen zu erkennen", nennt TETENS schlechtweg Verstand oder Vernunft. (84) Es kommt auf den Namen auch nicht an, da wir hier keine Psychologie treiben.  Vernunft  nennt TETENS an einer Stelle "das Vermögen" aus Einsicht des Zusammenhangs allgemeiner Begriffe über die Dinge zu urteilen" (85). Es wird nun darauf ankommen, klar und deutlich herauszustellen, was diese Fähigkeit des Verstandes oder der Vernunft, die "Verhältnisse" der Dinge zu erkennen, mit den Dingen selbst zu tun hat, ob es sich hier nur um ein empiristisches Verhältnis des Verstandes zu den Gegenständen handelt, oder eine grundlegende Handlung des Denkens für die Objekte der Wahrnehmung selbst damit bezeichnet werden soll. Unser Denker glaubt insofern "die Verhältnisse der Objekte unter sich, die man in den Dingen außerhalb des Verstandes denkt", feststellen zu können, "als die Gedenkbarkeit der Dinge nur eine Beziehung auf den Verstand eines erkennenden Wesens ist". (86) Und TETENS fügt hinzu:
    "Ich bemerke hierbei gelegentlich, daß diese Aufsuchung aller von uns denkbaren Verhältnisse und Beziehungen der  Dinge  den Umfang und die Grenzen des menschlichen Verstandes aus einem neuen Gesichtspunkt darstellt." (87)
Wir interpretieren, was TETENS mit diesen Sätzen uns auszusprechen scheint. Durch die Sinne werden nur "absolute" Eigenschaften der Dinge, d. h. absolut einfache Empfindungen dem Bewußtsein zugeführt. Das hatten wir in unserem ersten Abschnitt festgestellt. Wie kommen wir jedoch zur Erkenntnis der Beziehungen oder Verhältnisse der Dinge, die sie uns doch tatsächlich aufweissen? Wir erkennen diese Verhältnisse deshalb, sagt TETENS, weil die Dinge selbst nur in der Beziehung auf ein Bewußtsein "denkbar sind", weil sie ihrer Form nach nur durch "den Verstand eines erkennenden Wesens" geschaffen werden. Wie wir gehört haben, ist ja gerade die Beziehung des Bewußtseins auf ein Objekt dasjenige, was das Wesen einer "Idee",  das heißt,  einer gegenständlichen Vorstellung ausmacht. Zugleich aber soll die Aufsuchung sämtlicher Beziehungen in den Dingen den menschlichen Verstand in seiner Tätigkeit begrenzen, der Umfang aller Verhältnisarten der  Gegenstände seinen  Umfang erschöpfen. Damit dünkt uns ausgedrückt zu sein, daß diese Verhältnisse nicht den Dingen selbst - unabhängig vom Verstand - zukommen und nur (auf empirischem Weg) durch den Verstand erkannt und anerkannt werden, sondern vom Bewußtsein selbstschöpferisch in die Dinge gelegt werden. Wie käme TETENS sonst zu der Behauptung, daß die Beziehungsarten der Gegenstände in ihrer Gesamtheit auch die Grenzen des Verstandes ziehen, die Tätigkeit des Denkens in ihrem Umfang ausschöpfen? Die Verhältnisse der Dinge können nur dann das Denken in seinen Leistungen vollständig darstellen, wenn diese Verhältnisse eben nur auf Operationen des Denkens selbst beruhen. (88)

Die ursprünglichen Aktionen des Denkens, die eine Mehrheit von sinnlichen Eindrücken und Empfindungen zu einer Mehrheit von gegenständlichen (wahrgenommenen) Vorstellungen umbilden, nennt unser Philosoph die "allgemeinen Verhältnisbegriffe". (89) Zunächst werden sie in ihren Leistungen mit dem "Gedanken von einer Relation" verglichen, der beim Wahrnehmen eines besonderen Gegenstandes entsteht, d. h. der Beziehung des Bewußtseins auf ein Objekt überhaupt (90). Wie in dieser "Relation", durch die alle Vorstellungen überhaupt gegenständliche Bedeutung erlangen, so ist auch in den "Verhältnisbegriffen" das Denken auf ursprüngliche, nicht weiter ableitbare Weise tätig. Beides sind Äußerungen oder "Aktus" eines einigen "Beziehungsvermögens", als das sich das Denken kundgibt. "So wie es sich beim Wahrnehmen verhält" (eines besonderen Gegenstandes nämlich), "so verhält es sich auch bei den übrigen Verhältnisgedanken. Wenn wir zwei Dinge für einerlei halten, wenn wir sie in ursächlicher Verbindung denken wenn wir uns eins im andern als Beschaffenheit in einem Subjekt oder beide zugleich als nebeneinander oder in der Folge aufeinander, so gibt es einen gewissen Aktus des  Denkens.  Diese Aktus des Denkens sind die ersten, ursprünglichen Verhältnisgedanken" ... "Das Vermögen, sie hervorzubringen, wird als ein Grundvermögen angenommen". (91) Die Bedeutung dieser Verhältnisbegrife für unsere gegenständliche Erkenntnis scheint zunächst dadurch erklärt zu sein, daß sie auf das Denken oder "Beziehungsvermögen" gegründet sind, dessen funktionelle Tätigkeit zur Objektivierung unserer Empfindungen sich im  Urteilen  ausspricht. Das sei zunächst noch einmal festgestellt. So wirft TETENS bereits im III. Versuch "Über das Gewahrwerden und Bewußtsein" die Frage auf, worauf Wahrheit oder Irrtum unserer Erkenntnisse zurückzuführen sind, und sagt:
    "Das Wahrnehmen ist ein Urteilen, das ist ein Gedanke eines Verhältnisses, und es hat das Wesentliche eines Urteilens an sich. Alsdann sind alle Fehler der Denkkraft auch Fehler in den Urteilen. Diese abgerechnet, so bleibt in unserer Erkenntnis nichts mehr als die bloßen Vorstellungen zurück, bloße Bilder, die ebenfalls unnatürlich, ihren Gegenständen unangemessen und fehlerhaft sein können, und dadurch falsche Gedanken und Urteile veranlassen, aber doch selbst  keinen Irrtum  als einen unrichtigen Gedanken enthalten können, weil noch gar keine Denktätigkeit in ihnen vorhanden ist." (92)
Urteile sind auf Denkfunktionen gegründet; sie drücken eine Tätigkeit aus, und zwar eine Tätigkeit, die aus der Gesetzmäßigkeit des Bewußtseins entspringt. Sie liefern das methodische Mittel, unsere Erkenntnis zu einer wahren, d. h. objektivischen zu machen. An einer späteren Stelle drückt TETENS seinen erkenntnistheoretischen Standpunkt sehr konsequent und präzise mit den Worten aus: "Evidenz der Sinne gegen Evidenz der Vernunft hieße Evidenz der Denkkraft gegen sich selbst." (93) Das will sagen, in all unseren Erkenntnissen ist nur so viel Wahrheit, als in ihnen Denken oder Urteilen vorhanden ist. Denn "Evidenz" kann den Sinnen eben nicht zukommen ohne das Denken.

Es fragt sich nun, auf welche Weise unser Philosoph zu seinen "Verhältnisbegriffen" überhaupt gelangt. Stellt er ein Prinzip zu ihrer Ableitung auf, mit Rücksicht darauf, daß sie von Bedeutung für die Bildung des objektivischen Zusammenhangs der Dinge sind? Es ist ohne weiteres klar, daß die Auffindung von prinzipiellen Faktoren des Bewußtseins, die alle objektive Erfahrung bedingen, nicht auf der Hand liegt, und ein gesetzloses "Zusammenraffen" derselben, wie es KANT später an der aristotelischen Kategorientafel getadelt hat, jedes wissenschaftlichen Grundes entbehren muß. Wir wollen hier nicht an die Entstehung, an die Bildung der "Verhältnisbegriffe" als subjektiver Bestandteile des Bewußtseins selbst oder des Bewußtseinsinhaltes denken. Darüber äußert sich TETENS gemäßt seiner psychologischen Richtung des öfteren; aber in einer Erkenntnistheorie, in der es sich hauptsächlich um die objektive Bedeutung der Begriffe handelt, glauben wir davon absehen zu können. (94)

Daß TETENS bei der Herleitung der Verhältnisbegriffe als "ursprünglicher Aktus des Denkens" nach einem Prinzip verfährt, ist zunächst zu verneinen. Das methodische Bedürnis scheint ihm zu fehlen, das tatsächliche (psychologische) Vorhandensein dieser Denkbegriffe näher zu begründen. Immerhin führt uns die Art, wie TETENS die Begriffe an verschiedenen Stellen seines Werkes charakterisiert, zu der Erkenntnis, daß er uns zumindest die Möglichkeit gegeben hat, uns ihre Herkunft zu erklären.

Schon im II. Versuch antwortet unser Philosoph auf die Frage, wie wir zu den "Verhältnisbegriffen" kommen, kurz: "Sie werden gedacht." (95) Drücken wir es trivial aus: Begriffe sind nicht unter Dach und Fach zu bringen. Ihr Dasein besteht im Gedachtwerden. Diese Begriffe oder "einfachen Verhältnisse" sind "einfache  Denkarten",  sind "Wirkungen des Denkens". (96) "Die Tätigkeit der Denkkraft" oder "das tätige Hervorbringen" des Verstandes umschließt ihr Wesen. (97) Der Ausdruck "Begriff", der zu ihrer Bezeichnung dient, repräsentiert nicht etwas Fertiges, ein gleichsam im Bewußtsein erstarrtes Element, und TETENS spricht viel häufiger vom "Verhältnisdenken" und von "Verhältnisgedanken" als von "Begriffen". Das Dinghafte, das dem Ausdruck "Begriff" auch heutzutage vielfach in der Philosophie anhaftet, ist ihm durchaus fremd, abgesehen davon,, daß es schon den Grundprinzipien seiner psychologischen Lehre widerspräche, auf die wir uns freilich hier nicht berufen wollen. Damit soll natürlich nur das Wesen des "Begriffs" bei TETENS charakterisiert sein, er selbst gerade bei seiner eigentümlichen Stellung in TETENS' Erkenntnistheorie als ein selbständiges Element des ursprünglichen Bewußtseins nicht beanstandet werden. Wir betonen seinen funktionellen Charakter, seinen Charakter als "Denktätigkeit", den er bei TETENS ausgesprochenermaßen hat. Diesem Charakter angemessen ist sein Zusammenhang mit dem Urteil, der sich  in ihm,  wie wir im Folgenden mit unserem Denker nachweisen wollen, darstellt. Der Zusammenhang zwischen "Verhältnisbegriffen" und Urteilen wird von unserem Philosophen, wie auch aus unserer Darstellung, schon hervorging, an vielen Stellen, für die Belege unnötig sind, ausgesprochen. Aber auch in der eigentlichen Darstellung und Klassifizierung der Verhältnisbegriffe wird dieser Zusammenhang ausdrücklich betont:
    "Das logische Urteil setzt schon Ideen voraus und ist eine Art von Gedanken, nämlich ein Gedanke vom  Verhältnis  oder der Beziehung der Ideen, das ist eine Gewahrnehmung einer Beziehung der Ideen. Wenn jede Beziehung oder jede Gewahrnehmung ein Urteil genannt wird, so wird Urteilen und Denken einerlei sein ... Es muß Urteile von verschiedenen Formen geben, und es gibt auch dergleichen, davon folgen die allgemeinsten und einfachsten sind" ... (98)
Darauf folgt eine Aufzählung von Urteilsformen mit Rücksicht auf die schon früher angeführten Verhältnisbegriffe, die nun freilich an dieser Stelle nichts mit der rein logischen Einteilung der Urteile zu tun hat, sondern nur die Begriffe selbst in der Form von Urteilen (Aussagen) wiedergibt. Darüber sogleich weiter unten! Ich wollte mit dem Gesagten nur erklären: Frägt man vom erkenntnistheoretischen Gesichtspunkt nach der "Entstehung" dieser Verhältnisbegriffe, so meinen wir damit unserer Auffassung gemäß eine methodische Ableitung derselben und verweisen auf ihre wiederholte Zusammenstellung mit den Urteilen. TETENS' Meinung aber ist: In allen Urteilen von objektivischem Charakter sind diese "Verhältnisgedanken" als Funktionen tätig, die in einem Urteil selbst das verbindende Element, den "Beziehungs"-Faktor darstellen. Das drückt er in den verschiedensten Formen aus, und darauf allein legen wir von unserem Standpunkt aus Gewicht (99). Ich weise ferner hier noch einmal kurz darauf hin, daß auch die Bildung der einzelnen Vorstellung zur objektiven Idee, der Charakter ihrer Gegenständlichkeit überhaupt bereits einem Urteil einer "Beziehung"  derselben  Art entsprang! Daher dürfte schon jetzt die Leistung oder die Aufgabe der "Verhältnisbegriffe" im menschlichen Verstand, die Verhältnisse in den Dingen so schaffen, nicht mehr so wunderlich erscheinen.

Gehen wir nun auf die Feststellung und Erläuterung der "Verhältnisbegriffe" ein, wobei wir unsere Absicht, sie unter dem Gesichtspunkt der Vergleichung mit dem Verfahren des Kritizismus zu behandeln, nicht aus den Augen verlieren wollen! Sie werden an verschiedenen Stellen von TETENS' Werk klassifiziert (100) und sind ihrem Inhalt nach auch von mir bereits erwähnt worden. Es sind erstens die "Vergleichungsverhältnisse" von Identität und Diversität (Verschiedenheit), zweitens das Verhältnis von Substanz und Inhärenz und die sogenannten "unwirksamen Beziehungen" oder "Mitwirklichkeitsverhältnisse" von Raum und Zeit, und drittens das Verhältnis von Ursache und Wirkung. Das Substanzverhältnis wird zu den Beziehungen der "Mitwirklichkeit" als besondere Art gerechnet.
    "Zu diesen drei Gattungen von einfachen objektivischen Verhältnissen als so vielen unterschiedenen Tätigkeitsarten unserer Denkkraft lassen sich die einfachen Verhältnisse in der Grundwissenschaft bringen." (101)
Vielleicht dürfen wir hier den Begriff einer "Grundwissenschaft" - ein Ausdruck, den TETENS meines Wissens nur an dieser Stelle gebraucht - der Hauptsache nach wenigstens mit dem Begriff seiner Erkenntnistheorie gleichsetzen, insofern diese "Grundwissenschaft" zur Auffindung aller "einfachen objektivischen Verhältnisse" dient. Denn wir hatten zu Beginn unserer Arbeit die Aufgabe einer Erkenntnistheorie in der Lösung des Problems gesehen, wie das Objektive unserer Vorstellungen zustande kommt. Nach dieser Erklärung würde sich als die Aufgabe von TETENS' Erkenntnistheorie ergeben: Feststellung und Begründung "der einfachen, objektivischen Verhältnisse" (der Dinge)  "als so vieler  unterschiedener Tätigkeitsarten unserer Denkkraft". TETENS nennt diese, wie gesagt, auch selbst Urteile; (102) wir würden sagen, Funktionen zu Urteilen, insofern sie auf die Erkenntnis von Gegenständen gerichtet sind.

Was das Prinzip der Identität (und Verschiedenheit) angeht, so haben wir darüber nichts weiter auszuführen, was unsere erkenntnistheoretische Untersuchung näher interessierte. Es scheint fraglos, daß dieses oberste, zunächst logische Grundgesetz des Denkens, das in der vorkantischen Philosophie - freilich nicht in erkenntnistheoretischer, sondern ontologischer Form - eine so große Rolle spielte, für die Erfahrung überhaupt wie für die wissenschaftliche Erkenntnis eine unentbehrliche Voraussetzung darstellen muß, mithin auch von empirisch-realer Bedeutung sein wird.

Das Urteil oder das "Verhältnis" der Substanz nennt TETENS das Verhältnis vom "Ineinandersein oder die Beziehung, die eins auf das andere hat, als eine Beschaffenheit oder ein Prädikat auf das Subjekt,  worin  es sich befindet. (103) In einer objektiven Wahrnehmung oder einem objektiven Urteil, wie "die Sonne leuchtet", ist eine unbestimmte Mannigfaltigkeit von Empfindungsinhalten umschlossen, die von der Empfänglichkeit der Sinne rezipiert wurde, ohne durch sie allein zu einer Bestimmtheit gelangen zu können. Eine Beziehung der empfangenen Eindrücke auf einen einheitlichen Grund mußte dazutreten, "um zu dem Gedanken zu kommen, daß Leuchten eine Beschaffenheit der Sonne, das heißt, etwas  im Subjekt  ist." (104)
    "Wenn ich mich also des simplen Ausdrucks: ist nur bediene und sage: das Papier ist weiß, so gebe ich schon so viel an, daß die gegenwärtige Beziehung der Idee von der weißen Farbe auf die Idee vom Papier dieselbige ist, welche allenthalben vorkommt, wo wir sagen: Ein Ding ist dies oder jenes, sie ist die Beziehung einer Beschaffenheit auf eine Sache..." (105)
Die Empfänglichkeit der Sinne liefert, wie wir wissen, nur absolute oder "unbezogene" Empfindungen, die nur eine Reihe von einfachen Beschaffenheiten zeigen und selbst jedes Grundes zu einer Verbindung in der Vorstellung entbehren. Erst der Verhältnisbegriff ist des,  mittels  dessen die wahrgenommenen Eindrücke "bezogen werden", und der Grund zu ihrer Vereinigung gedacht wird. Auf beachtenswerte Weise drückt es TETENS auch an einer Stelle des V. Versuches aus, wo er sich sonst im allgemeinen nur auf das Empirisch-Psychologische, wie schon erwähnt, einläßt. Auch hier spricht er über die Art, wie "der Gemeinbegriff eines Dings als eines Subjekts und einer Beschaffenheit als eines Prädikats, das diesem Subjekt zukommt und in ihm ist", (106) zustande kommt, und sagt darüber: Die Gefühle (Empfindungen) mögen von großer Mannigfaltigkeit, die nicht weiter unterschieden wird, sein, "so ist es doch  ein und derselbe Aktus des Bewußtseins"  (auch bei TETENS gesperrt gedruckt!), "womit ich diese Summe von Gefühlen zusammennehme ... (107) Aus dieser "durch ein und denselbigen Aktus des Bewußtseins" vollzogenen "Apperzeption" einer Mannigfaltigkeit von Empfindungen "macht die Denkkraft die Idee von einem Ding", das einer Beschaffenheit als Träger zugrunde gelegt wird.

Was die Verhältnisse von Raum und Zeit betrifft (108), so gehen wir auf eine nähere Erörterung derselben nicht ein. Das Fehlerhafte von TETENS' Lehre über diesen Punkt liegt zu sehr auf der Hand. Aus der Reihe von empfangenen Eindrücken, die wir im Fortgang der Empfindung haben, wird durch eine beziehende Aktion des Denkens der Raum selbst als "das vereinigte Ganze der Empfindungen" gewonnen. Der Raum ist also Begriff, vermöge der Beziehungstätigkeit des Bewußtseins gewonnen, freilich durch die Empfindungen veranlaßt, aber ein ursprünglicher Denkakt. Auf die Unabhängigkeit der Dinge von der Beschaffenheit des Raums, bzw. der Unabhängigkeit des Raums von der Veränderung und dem Wechsel der Dinge in ihm macht übrigen auch TETENS aufmerksam (109). Er ist nach im eine synthetische Leistung des Bewußtseins. Ebenso verhält es sich mit der Zeit, die im Fortschritt "von einzelnen Gefühlsaktus" zum aktuellen Begriff wird durch die Reflexion des Bewußtseins "zusammengezogen wird" (nicht aus den Empfindungen abstrahhiert wird!). Auf diese Reihe von fortlaufenden Gefühlsbestandteilen rekurriert TETENS des öfteren, um in ihnen "die Materie" von der Zeitidee zu finden - wenn auch ihre Form durchaus ein Akt des Denkens sein soll. (110) Nachdem so das Zustandekommen von Raum und Zeit erklärt worden ist, fährt TETENS fort:
    "Dies ist noch nicht alles, was zum Ursprung von Raum und Zeit gehört, die den Metaphysikern so viel Kreuz verursacht haben. Aus den Ideen von einzelnen Räumen und Zeiten entstehen die Gemeinbegriffe von Raum und Zeit; und dann die Gemeinbegriffe von  einem  ganzen, alles umfassenden, unendlichen Raum und von  einer  unendlichen Zeit. Dies sind ohne Zweifel Grundbegriffe im menschlichen Verstand." (111)
Warum Raum und Zeit "Grundbegriffe" des Verstandes und mit der Eigenschaft der Unendlichkeit behaftet sind, sagt TETENS freilich nicht. Der Charakter des Unendlichen, den KANT gerade zu einem Merkmal von Raum und Zeit als Anschauungsformen macht, ist durch die Anknüpfung jenes  "und dann"  natürlich nicht begründet. (112) Nur vorübergehende bezeichnet TETENS an einer späteren Stelle richtig Raum und Zeit, die Vorstellungen von der Art der "Mitwirklichkeit" als "gewisse Bedingungen zu den Ideen von den Gegenständen". (113)

Wir kommen zum Verhältnis von Ursache und Wirkung. Der Begrif der Kausalität interessiert TETENS wie KANT am stärksten, und er läßt sich auf seine Erörterung des Näheren ein, hauptsächlich aus polemischen Absichten gegen HUME dazu veranlaßt. (114)

TETENS bemerkt, daß wir in unserem Urteil über die Dependenz [Abhängigkeit - wp] (115) noch etwas Mehreres unter der ursächlichen Verknüpfung vorstellen als die Assoziation in den Ideen und die bloße Mitwirklichkeit in den Objekten (116). Der Begriff kann nicht aus der Erfahrung gewonnen sein, nicht von den Empfindungen, bzw. Ideen abstrahiert werden (117).
    "Solche allgemeine Gedanken (wie dieser Begriff) sind wahre Gedanken vor aller Erfahrung. Wir erlernen sie aus dieser nicht durch die Abstraktion, und es hängt also auch nicht von einer mehrmals wiederholten Übung ab, daß sich solche Ideenverknüpfungen festsetzen." (118)
Von den Empfindungen oder Ideen kann er nicht hergenommen sein, weil es sich ja um die Verknüpfung dieser Ideen selbst handelt. Die beständige Aufeinanderfolge von Erscheinungen, z. B. der Wärme und der Ausdehnung der Körper mag gegeben sein, mag sich in der Vorstellung dauernd wiederholen, (119) "so setzen wir dennoch in uns selbst voraus, daß noch eine andere reelle Verknüpfung zwischen den Objekten vorhanden ist". (120) Das will sagen: das Problem der Verknüpfung ist ein gegenständliches, wenn wir uns so ausdrücken dürfen- denn es handelt sich um "die reelle Verknüpfung zwischen den Objekten". Was das aber heißt, erklärt TETENS sofort, wenn er an derselben Stelle fortfährt:
    "Wir sehen nämlich die  Ideen  in uns in einer  notwendigen  Folge. Woher diese Verknüpfung auch immer so notwendig geworden sein mag, so ziehen wir sie doch in Betracht und nehmen an, daß ein ihnen entsprechender notwendiger Zusammenhang in den  Gegenständen  vorhanden ist. Die notwendige Verknüpfung der Ideen in ihrer Folge in uns ist eigentlich unsere Vorstellung von der verursachenden Verbindung", (121)
das heißt, macht das Wesen des Kausalbegriffs aus. Es ist hier um die Verknüpfung von "Ideen", d. h. gegenständlichen Vorstellungen zu tun. Weil es sich aber um einen objektiven Charakter handelt, der dieser Verknüpfungstätigkeit des Begriffs anhaftet,  darum  tritt hier das Merkmal der Notwendigkeit ein. TETENS gründet nicht an dieser Stelle die objektive Gültigkeit des Begriffs auf die Notwendigkeit, sondern umgekehrt, dieser Begriff der Notwendigkeit tritt ins Spiel,  weil  er auf das Objektive geht. Der Begriff des Objektiven ist das Merkmal für den Charakter der Notwendigkeit im Kausalbegriff. Dafür sogleich nachher noch einige weitere Stellen!

TETENS sieht zunächst also, daß der Charakter des notwendigen Zusammenhangs das Problem des Kausalbegriffs kennzeichnet, ein Problem, das uns somit - und zwar zunächst in dieser bestimmten Gestalt - in unserer Darstellung zum erstenmal begegnet (122). Der Begriff der "Notwendigkeit" wird von TETENS  auch  im VII. Versuch behandelt. Hier spricht er über die "subjektivischen Notwendigkeiten" und kommt auf den Kausalbegriff, den er vom Standpunkt der inneren Erfahrung erörtern will. Es ist
    "ein subjektivisch notwendiger Gedanke, daß wir die Bewegung des Arms nach dem Willen der Seele für eine Wirkung unseres Wollens und das Licht des Tages für eine Wirkung von der Sonne halten. Der Harmonist und der Idealist urteilt am Anfang ebenso wie andere Menschen und muß so urteilen, solange nicht der neue Gedanke in ihm hinzugekommen ist, daß die Bewegung im Körper nach dem Willen der Seele wohl anderswoher, nämlich aus den Kräften des Körpers entstanden sein kann." (123)
Jedoch "Spekulation" oder "Instruktion" können das Urteil über eine solche Kausalverbindung für nichtigt erklären.
    "Das Urteil über diese oder jene besondere ursächliche Verbindung der Dinge mag so instinktartig bei gewissen Empfindungen erfolgen wie es will, so ist es doch nicht schlechthin notwendig mit ihnen verbunden, daß es nicht auch von denselbigen Empfindungen ... getrennt werden könnte." (124)
Subjektiv  genommen hat dieser Begriff durchaus nicht den Charakter des unbedingt Notwendigen. (125) Schon die Tatsache, daß der "Einfältie" und "Mann von schwachem Mutterwitz" (126) sich desselben durchaus nicht bewußt ist, ja nicht einmal nach seiner Tendenz verfährt und handelt, beweist es zur Genüge. Aber weit mehr! Es gibt das "sonderbare Phänomen in der Geisterwelt", daß eine Philosophie existiert, "welche alle ursächlichen Verbindungen zwischen den Dingen in der Welt aufhebt", wie die HUMEs (127). So scheint diese "subjektive Notwendigkeit" des Verhältnisbegriffs von Ursache und Wirkung zu keinem befriedigenden Ergebnis zu führen, und eine Betrachtung desselben, die sich nur auf die Tatsachen der inneren Erfahrung stützt, nicht den Nerv des Kausalproblems zu treffen. Eine solche Betrachtung gemäß der inneren Erfahrung leitet zu psychologischen Untersuchungen hin, die sich auf die Erörterung individueller Verschiedenheiten in den einzelnen Subjekten einlassen und zu keiner bestimmten Einigung führen.

Von diesem psychologischen Standpunkt der "subjektiven Notwendigkeit" abstrahiert TETENS meines Erachtens ganz im IV. Versuch, und führt über den Kausalbegriff hinaus:
    "Da wo wir eine Folge von Veränderungen  empfinden  und die einzelnen Teile, die aufeinanderfolgen,  nicht  unterscheiden, da haben wir Veranlassungen, die  Dinge  als aufeinanderfolgende in einer gewissen Ordnung und als ursachlich verknüpft zu  denken  ..." (128)
das heißt:  Wir empfinden eine Folge von Veränderungen; aber solange sie nur empfunden werden, werden sie "nicht unterschieden". Eine Aufeinanderfolge von Empfindungen bleibt als solche in der Sphäre der Subjektivität und entbehrt der gegenständlichen Bedeutung. Empfindungen als solche können sich nicht selbst unterscheiden und daher auch nicht bestimmen. Erst das Denken, zu dem sie nur die "Veranlassungen" geben, macht aus ihnen eine "in gewisser Ordnung und ursächlich verknüpfte" Aufeinanderfolge der Dinge.
    "Denn sobald wir einsehen, daß jene Verbindung der Ideen nichts mehr ist als eine Assoziation der Einbildungskraft, und daß es eine bloße subjektivische Notwendigkeit ist, womit eine auf die andere folgt, so fällt das Urteil des Verstandes weg, wodurch die  Objekte selbst  für abhängig voneinander erklärt werden." (129)
Das heißt wohl deutlich genug, die "Notwendigkeit" des Kausalbegriffs hat nur ihre wirkliche Bedeutung in der Richtung auf das Objektive.
    "Hieraus erhellt sich soviel, daß wenngleich HUME es bewiesen hätte, daß keiner unserer Aussprüche über die ursächliche Verknüpfung der Dinge einen reelleren Grund hat als den angegebenen (130), so ist doch im Begriff von dieser Verbindung noch ein anderes Ingredienz, das aus der  Art  der Ideen verbindung  genommen und zu einem Zeichen der objektivischen, ursächlichen Beziehung der Gegenstände gemacht ist. Gesetzt nun auch, es sei dieser Zusatz etwas Imaginäres, so würde der ganze Begriff und das  Reelle  in ihm voneinander zu unterscheiden sein ..." (131)
Mag der Begriff als solcher für "imaginär" gehalten werden, der nirgends im Verstand existiert, darauf kommt es gar nicht an. Denn er hat eben eine "reelle" Bedeutung und Bestimmung, die sich nicht wegdisputieren läßt, insofern er zur Verbindung von Ideen (gegenständlichen Vorstellungen) dient. Ohne ihn käme diese Verbindung als eine objektive nicht zustande, da er die "Art" dieser Verbindung selbst ausmacht.

Vor allem aber ist es eine Eigenschaft, die den Verhältnisbegriff der Kausalität für TETENS charakterisiert:
    "Erschöpft die Vorstellung von einer beständigen Folge des Einen auf das Andere unseren ganzen Begriff von der Verursachung des Einen durch das Andere? Wir stellen es uns doch so vor, als wenn die Wirkung von der Ursache abhängt, von ihr hervorgebracht und durch sie wirklich gemacht wird. Wir sehen die Wirkung als etwas an, was aus seiner Ursache  begreiflich  ist! Ist das Begreiflichsein des Einen aus dem Andern nichts mehr als so viel, daß die Idee des Einen in uns hervorkommt, wenn die Idee des Andern gegenwärtig ist, ohne Rücksicht auf die Art und Weise, wie jene diese in uns nach sich zieht? Und ist wohl die Begreiflichkeit lediglich eine Folge von einer vorhergegangenen Assoziation der Ideen?" (132)
Die Notwendigkeit, die sich bei der Abhängigkeit der Ideen kundtut, drückt nichts anderes aus als das Postulat des "Begreiflichseins" der Ideen - der Vorstellungen von objektivem Gehalt. Den Charakter der Begreiflichkeit unserer "Ideen", der dem Kausalverhältnis, in dem sie jeweilig stehen, anhaftet, will TETENS zunächst aus dem logischen Verhältnis von Grund und Folge hernehmen. (133)
    "Die Begriffe vom Grund und von dem in ihm Gegründeten und von der Begreiflichkeit des letzteren aus jenem können vom Verstand nur aus den Tätigkeiten seines Begreifens, des Folgerns und Schließens, genommen werden." (134)
Zunächst scheint hier nur an die logische Abhängigkeit gedacht zu sein. Es handelt sich aber um eine solche von realem Charakter: Die Dinge selbst sollen ja für abhängig erklärt werden! Da sagt nun TETENS:
    "FONTENELLE hatte den Einfall, das Philosophieren würde unnütz sein, wenn der Mensch schärfere Sinne hätte und alle kleinen Übergänge von einer Veränderung zur anderen, die während ihrer Aktion ineinander im Innern der Dinge vorgehen, mit Augen beschauen könnte. Die deutliche Empfindung befördert das Begreifen; aber wir würden bei der schärfsten, eindringendsten, mikroskopischen Empfindung dennoch nichts begreifen, wenn nicht zugleich auch die vorhergehende  Vorstellung,  vom Verstand bearbeitet, die nachfolgende so aus sich erzeugen würde, wie ein Grundsatz sein Korollarium [Ableitung - wp]." (135)
Die Empfindungen bleiben, wie wir wissen, in ihrer Aufeinanderfolge ansich als unbestimmte in der Sphäre der Subjektivität, sie sind gleichsam nur ein Ereignis des Bewußtseins. Empfindungen können sich nicht selbst unterscheiden; sie geben nur die Gelegenheit zur Betätigung des Denkens, das "Ordnung und Verknüpfung" - TETENS' eigene Worte! - in sie hineinbringt und damit eine bestimmte Aufeinanderfolge von Dingen erst schafft. Und zwar besteht diese durch das Denken geschaffene Ordnung der Empfindungen darin, daß "sie ursächlich verknüpft gedacht werden". Wo aber die Vorstellungen - durch diesen Begriff der ursächlichen Verknüpfung - "vom Verstand bearbeitet werden", werden sie auch nicht begriffen. Es würden immer nur Empfindungen sein, die wir subjektiv haben, aber nicht objektive Vorstellungen von bestimmter Ordnung und fester Verbindung.
    "In solchen Fällen, wo wir aus der Vorstellung des Vorhergehenden eine nachfolgende wirklich werdende Sache  begreifen,  da nehmen wir ohne Bedenken eine wirkende Verbindung, eine physische Abhängigkeit in den Gegenständen selbst an". (136)
Hier ist der Einwand möglich (137), wie dieses Begreifen ohne weiteres als ein Prozeß des Denkens auf die Dinge als reale Abhängigkeit übertragen werden kann. Aus dem Wesen von TETENS' Erkenntnislehre heraus, wie sie bisher von uns dargestellt ist, entgegnen wir: was versteht man denn unter diesem "Übertragen auf die Dinge?" Liegt es denn im Wesen des Kausalbegriffs als eines "ursprünglichen Aktus des Denkens", irgendetwas über bestimmte, wirkende Kräfte in den Dingen - vielleicht metaphysischer Art - auszusagen? Wir dürfen hier nicht vergessen: was soll denn erkannt werden nach TETENS? Die Vorstellungen von Dingen und nichts anderes. "Dinge ansich" können nicht selbst in unsere Erkenntnis hinüberwandern. Es bedarf dazu eines Mittels, das sind die Erscheinungen und Vorstellungen, wie wir wissen, die man als ein und dieselben von zwei Seiten betrachten kann, von der Seite des Dings und der des Bewußtseins. Die Erkenntnislehre befaßt sich mit der letzteren. Zur Erkenntnis und Begreiflichkeit der Erscheinungen für das Bewußtsein aber ist der Verhältnisbegriff unerläßlich. Zur näheren Begründung dieser Auffassung, und um Mißverständnissen zu begegnen, weisen wir auf die Worte TETENS' hin:
    "Es sind ohne Zweifel Empfindungen gewesen, welche die erste Gelegenheit gegeben haben, das Gesetz zu entdecken; aber es ist ein Räsonnement hinzugekommen, eine innere Selbsttätigkeit des Verstandes, von der jene  Verknüpfung  der  Ideen  bewirkt worden ist". (138)
Kausalität ist also ein Verknüpfungsbegriff des Verstandes, der sich an den Empfindungen betätigt, oder besser, bei Gelegenheit der Empfindungen. Denn das "Gesetz", wie es TETENS hier auch nennt, stellt sich tatsächlich immer als eine "Verknüpfung der Ideen" dar, wobei wir es niemals außer Acht gelassen wissen möchten, daß "Ideen" für unseren Denker objektive Vorstellungen bedeuten. Mögen aber auch die Empfindungen die Veranlassung zu dieser gesetzmäßigen Verbindung als einem Ausdruck des Kausalbegriffs geben, so ist sie doch "ein Werk der Denkkraft, die ihrer Natur gemäß diese Beziehung zwischen den Ideen in uns zustande bringt." (139) Diese "Operation" ist der Grund von der Überzeugung, "daß unser Urteil ein wahres Urteil ist." (140) Die Bedeutung von inhaltlich wahren Urteilen ist eben von einem objektiven Wertgehalt, der den Empfindungen als solchen fehlt. Doch ist der Verhältnisbegriff, durch den unsere Vorstellungen für unser Bewußtsein erst Sinn und Bedeutung erlangen, in seinem Charakter als "Gesetz" nach TETENS nur allgemeiner Natur. Dieses "Gesetz" sagt nichts über die tatsächlichen Verbindungen nach Ursache und Wirkung aus. Diese sind durch die Empfindungen, durch das Inhaltliche unserer Erkenntnis erst gegeben. Das ist die Einschränkung des Denkbegriffs in seiner Anwendung auf die Vorstellungen. So können wir das Beispiel von den Kugeln, das TETENS liefert, nur in diesem Sinne deuten. (141) Eine in freier Ebene auf eine andere zueilende Kugel stellt uns zunächst nur eine Folge von Vorstellungen dar. Daß sie die zweite trifft und durch den Stoß ihre Stellung im Raum verändert - das sind alles Data der Vorstellung; wir müssen diese  inhaltliche  Bestimmtheit eines Kausalverhältnisses einmal erfahren haben, um darüber urteilen zu können. Freilich "begreiflich" wird dieser Vorgang um des "Raisonnements des Verstandes" willen; nur in ihm liegt die Wahrheit dieses -  materiell  durch die Empfindung bestimmte - Urteils "über die einwirkende Verbindung zwischen dem Stoß und seinem Effekt". Doch weiß der Verstand nichts apriori über die besonderen Naturgesetze.
    "Ich will nicht behaupten, daß man irgendeinen der allgemeinen Grundsätze der Naturlehre in seiner völligen Bestimmtheit a priori aus bloßen Begriffen erweisen kann. Sie sind nach meiner Meinung nach zufällige Wahrheiten." (142)
Die bestimmten - nach KANT empirischen - Gesetze der Natur sind zufällig vom erkenntnistheoretischen Gesichtspunkt. Notwendig sind nur die "Verhältnisbegriffe", die allgemeinen, ursprünglichen Begriffe des Denkens, notwendig als "Formen aller Kenntnisse" in der Beziehung auf das Objekt. So auch der Begriff von Ursache und Wirkung. Doch werden wir auf diesen Gedanken beim Begriff der "Notwendigkeit" noch zurückkommen. -

Zum Schluß seiner Untersuchung über das Kausalverhältnis im IV. Versuch sagt TETENS, "die Begreiflichkeit des Einen (Dinges) aus dem Andern sei der Charakter im Verstand von der objektivischen Dependenz der vorgestellten Sachen." (143) Die Begreiflichkeit des einen Gegenstandes aus dem Ander und objektivische Abhängigkeit wären somit Wechselbegriffe. "Ist dies nicht eine Voraussetzung? Das ist es freilich, aber sie ist ein Grundsatz und ein Postulat." (144)

Wir ziehen das Resultat aus diesen Betrachtungen: Eine Verwechslung von logischer und realer Abhängigkeit bei der Darstellung des Kausalverhältnisses scheint uns nicht ohne weiteres vorzuliegen. Denn es finden sich Äußerungen bei TETENS, die immerhin, wenn auch nicht in systematischer Weise, dieses "Postulat" des Begreiflichseins für die Ideen, d. h. die gegenständlichen Vorstellungen, verständlich machen können. Man muß nur darauf achten, wie TETENS überall die Abhängigkeit der "Dinge" - als Gegenstände unserer Vorstellungen - vom Bewußtsein betont, ja sie selbst in ihren formalen Eigenschaften durchaus als ein Produkt des Denkens faßt, alle "Verhältnisse" zwischen ihnen durch das Denken geschaffen werden läßt, wenn auch gerade in dieser Hinsicht durch seine oft unklare Ausdrucksweise eine präzise Auffassung seiner eigentlichen Meinung erschwert wird. Doch ist er meines Wissens der Einzige, der vor KANT - zumindest mit demselben Ausdruck wie dieser! - die "Beziehung des Bewußtseins" als einen Akt des Denkens in einer deutlich gefaßten, objektiven Bedeutung für seine Erkenntnislehre ständig gebraucht - ein Ausdruck, der sich in der Kr. d. r. V., speziell in der "transzendentalen Analytik" fast auf jeder Seite wiederholt.

Bei der Erörterung des Kausalbegriffs wird auch an einer Stelle, wenn auch nur vorübergehend, das "Gefühl" von TETENS eingeführt (145). Es handelt sich dabei um die Art, wie dieser Begriff subjektiv in uns entsteht. So sollen bereits die Empfindungen, die zum Akt des Denkens die Veranlassung geben und in einer gewissen Verbindung stehen, in uns von einem "Gefühl des Bestrebens" begleitet auftreten. Bei Gelegenheit dieses "Bestrebens" wird "der Aktus der Denkkraft zum Gedanken von der ursächlichen Verbindung bestimmt", der dann begrifflich "auf die äußeren Gegenstände übertragen wird." (146).

Wird aber durch ein solches "Bestreben" der Empfindungen die "Denkkraft" zur Erzeugung des Kausalbegriffs bestimmt, so ist es klar, daß auch dieser Verhältnisbegriff nicht vor aller Erfahrung fertig im Verstand seinen Sitz hat. (147) Sagt doch TETENS in Bezug auf das Kausalgesetz ausdrücklich: "Die Empfindungen haben ohne Frage die Gelegenheit dazu gegeben, das Gesetz zu entdecken." Aber auch über die Verhältnisbegriffe im allgemeinen äußert sich unser Denker in ähnlicher Weise: "Aus allen Erfahrungen sieht man, daß so ein Verhältnisgedanke der letzteren Art von der ursächlichen Verbindung und der Koexistenz und dergleichen ein Gewahrnehmen der Sachen voraussetzt, zwischen denen eine solche Beziehung erkannt werden kann. Wenn wir die Denkäußerung der letzteren Art bemerken wollen, so kann das nicht anders geschehen als dadurch, daß wir acht geben, was in uns vorgeht, wenn wir schon gewahrgenommene Gegenstände aufeinander beziehen." (148)

Denkäußerungen wie diese Begriffe werden also nur bewußt in ihrer Tätigkeit, die darin besteht, "die Gegenstände aufeinander zu beziehen". "Die Seele muß Vorstellungen machen, ehe sie denken kann, so wie sie eher empfinden muß, als sie Vorstellungen haben kann." (149)
    "Verhältnisgedanken sind überhaupt Wirkungen in uns von einer inneren Tätigkeit, die wir als den Aktus des Urteilens ansehen und der Denkkraft zuschreiben... Das Verhältnisdenken ist ein Denken, das allemal gewisse vorhergehende Empfindungen oder Vorstellungen erfordert, woran die Seele in der Zeit modifiziert ist, in der sie einen solchen Aktus hervorbringt." (150)
Wenn TETENS aber, und zwar in Bezug auf die Verhältnisbegriffe von Raum und Zeit sagt, "es kann also Verhältnisideen geben, ohne Ideen der sich aufeinander beziehenden Dinge; die Aktion des Beziehens wird klar genug wahrgenommen, aber die Objekte selbst nicht", (151) so muß man nur zusehen, was er damit meint! Sagt er doch: "Ohne Vorstellungen von Sachen ist kein Beziehen der Vorstellungen möglich, folglich auch kein Gewahrnehmen ihrer Beziehung, kein Gedanke von ihrem Verhältnis. Aber das letztere läßt sich wohl denken, ohne daß die Vorstellungen, die aufeinander bezogen werden, selbst gewahrgenommene Vorstellungen oder Ideen sind." (152) Der Verhältnisbegriff wird immer nur aktuell auf Veranlassung von Vorstellungen, die durch die Sinne gegeben sind, er ist in seinem Bestand an diese Tätigkeit gebunden. - Die Frage ist nur, ob wir hinterher im Bewußtsein von den gegenständlichen (wahrgenommenen) Vorstellungen oder "Ideen" abstrahieren und den Begriff in der Reflexion als einen bewußten denken können, ob wir beim Denken des Begriffs selbst von den Dingen absehen können. So z. B. fragt TETENS, ob wir in dunkelster Nacht räumliche Begriffe wie rechts und links denken können? Die Frage hat nichts mit der nach dem Ursprung der Verhältnisbegriffe von Raum und Zeit im Bewußtsein überhaupt zu tun, ja man kann wohl sagen, TETENS hat die Möglichkeit, diese "Denkäußerungen" als fertige Begriffe im Verstand vor der Erfahrung anzunehmen, so fern gelegen, daß er nicht einmal an dieselbe gedacht hat.

Wir kommen zum Schluß unseres Abschnittes.
    "Die ersten Grundsätze des Verstandes sind Urteile, die von keinen besonderen Beschaffenheiten der Vorstellungen abhängen, sondern von jedweder Art von Dingen, von Ideen, von Zeichen der Ideen und von Objekten gleich richtig sind. Sie bestehen aus Verhältnisgedanken, die bei der Vergleichung und Verbindung jedweder Art von Dingen, Sachen, Wörter, Buchstaben, und was es auch sein mag, das sich der Denkkraft darstellt, überall auf ein und dieselbe Art gedacht werden kann." (153)
Dieser Satz findet sich im VI. Versuch, der "Über den Unterschied der sinnlichen Erkenntnis und der vernünftigen" betitelt ist, und nach unserer bisherigen Darstellung der Sache nach nichts Neues für die Erkenntnistheorie mehr enthält, im übrigen sich hauptsächlich mit der Theorie des Sehens beschäftigt, die in die Psychologie gehört.
    "Viele scharfsinnige Untersucher des menschlichen Verstandes sehen die allgemeinen Vernunftsätze", sagt TETENS weiter in seinem  Versuch,  "für eine Art von allgemeinen Erfahrungssätzen an, deren Richtigkeit auf einer durchgängigen Übereinstimmung der Empfindung beruhen soll. Eine Meinung, die ich, denn ich muß es nur geradeheraus sagen,für einen Irrtum ansehe, so sehr ich die Männer schätze, die fähig gewesen sind, in einen solchen Irrtum zu verfallen." (154)

    So hat HUME "die allgemeinen Vernunftwahrheiten" erklären und darin "die Quelle finden wollen, woraus die Notwendigkeit fließt, die wir diesen Grundsätzen beilegen. Allein es sei mir erlaubt, hinzuzusetzen, da haben wir bei diesem scharfsinnigen Philosophen die Wirkung davon, daß sie den Gang des Menschenverstandes in den mathematischen Wissenschaften nicht mit eben der Genauigkeit und mit eben der eindringlichen Sorgfalt beobachtet, als sie es in der Naturlehre und der Moral und einigen anderen Kenntnissen getan haben, wo sich der Einfluß der allgemeinen Vernunftsätze nicht so auffallend beweist." (155)
Es ist beachtenswert, daß hier auf die Notwendigkeit der mathematischen Erkenntnis hingewiesen wird - ein Punkt, den wir noch berühren werden. Sind auch die "allgemeinen Erfahrungssätze", die auf Induktion beruhen und "von der Analogie der Erfahrungen abhängen", ein "großer Schatz in unserer menschlichen Erkenntnis", so liefern sie doch im Grunde ansich nur die Materie dazu, "die nicht verbunden, nicht in Zusammenhang und  Form  gebracht wäre, wenn nicht die notwendigen Axiome der Vernunft mit ihnen vermischt werden." (156)
    "Der Gedanke muß entfernt werden, daß die allgemeinen notwendigen Grundsätze Abstraktionen aus Erfahrungen sind. Dies sind sie nicht und können es auch nicht sein, und nur aus Mißverstand hat man sie dafür angesehen". (157)
Sie sind "Wirkungen", die nach den Gesetzen der Denkkraft hervorgebracht werden, und ihre Richtigkeit beruth "auf der Verfahrungsart der Denkkraft." (158) Diese allgemeinen Grundsätze oder Urteile sind somit  ursprüngliche  Gesetze des Denkens, und nach dem Gesagten dürfte man nicht fehlgehen, sie - im Sinne der kantischen Kategorien - als a priori auch im Sinne TETENS' zu deuten.
    "Es ist allerdings eine Beobachtung unserer eigenen Denkart, wenn wir die allgemeinen Urteile als Effekte unseres Verstandes in uns wahrnehmen. Aber das heißt nur so viel, als unsere Erkenntnis von ihnen aus Beobachtung gemacht ist. Aber die Urteile selbst sind nicht Beobachtungen, noch Abstrakta aus Beobachtungen, sondern Wirkungen, die von der Natur der Denkkraft abhängen." (159)
Ich habe zum Schluß des Abschnittes diese Sätze des Textes nicht ohne Absicht zitiert. Man hat derartige bedeutungsvolle Bemerkungen mit Sorglosigkeit übersehen und demnach TETENS Anschauungen unrichtig dargestellt. Der Begriff der  Notwendigkeit  ist es, auf den TETENS hier und so auch unsere ganze Darstellung über hinzielt. Warum und inwiefern "die allgemeinen Grundsätze und Axiome der Vernunft", die mit den Erfahrungsdaten "vermischt werden müssen, um notwendige Erkenntnisse zu geben", selbst so notwendig für die Erkenntnis sind, das haben wir nunmehr auseinanderzusetzen. Damit hängt eng das Postulat der "Begreiflichkeit" für unsere objektive Erkenntnis zusammen und im gleichen Sinne schließlich die  Berechtigung  der Bewußtseinsbeziehung aller unserer Vorstellungen, insbesondere der "ursprünglichen" Begriffe auf ein Objekt überhaupt. Im kantischen Sinne würde diese Frage in eigentlichster Bedeutung die "transzendentale" zu nennen sein, ohne daß wir damit mehr als eine Art von Vergleich gezogen haben wollen.
LITERATUR: Max Brenke, Johann Nicolas Tetens' Erkenntnistheorie vom Standpunkt des Kritizismus, Rostock 1901
    Anmerkungen
    53) RIEHL, Kritizismus I, Seite 196
    54) Philos. Vers., Seite 97f
    55) Philos. Vers., Seite 98. TETENS gebraucht den Ausdruck "Objekt" promiscue für "Dinge ansich" und die Gegenstände der Erkenntnis oft so dicht nebeneinander, daß leicht Verwirrungen entstehen können. Meine Abhandlung hat den Zweck, in diesem Punkt Klarheit zu schaffen.
    56) Philos. Vers., Seite 336
    57) Philos. Vers., Seite 427
    58) Philos. Vers., Seite 429
    59) Philos. Vers., Seite 299, 167
    60) Philos. Vers., Seite 96
    61) Philos. Vers., Seite 26 - Ich bemerke hier gleich für spätere Fälle, daß der Ausdruck "gewiß" in Sinne von "bestimmt" gebraucht wird.
    62) Philos. Vers., Seite 341
    63) Philos. Vers., Seite 342, 344
    64) Philos. Vers., Seite 364
    65) Philos. Vers., Seite 364
    66) OTTO ZIEGLER, (J. N. Tetens' Erkenntnistheorie im Verhältnis zu Kant) konfundiert diese in der "Idee" durch das Bewußtsein zu leistende Objektbeziehung, die ein begrifflicher Denkakt ist und den Gegenstand der Erkenntnis liefert, mit dem Verhältnis der sinnlichen Vorstellung zum "Ding ansich", das eine Voraussetzung jener bildet und nur Existenz ausspricht. Vielmehr liefert erst die scharfe Unterscheidung zwischen "Ding-ansich" und Objekt der Erkenntnis die richtige Interpretation. - Ich füge noch hinzu, daß ZIEGLERs Abhandlung mir durchaus nicht das eigentlich Kritische bei TETENS zu treffen scheint, sondern um die Parallele mit KANT äußerlich festzuhalten, sich allzusehr auf nebensächliche Punkte einläßt.
    67) Philos. Vers., Seite 167, 262, 328.
    68) Der Satz erinnert, nicht nur in seiner Form, meines Erachtens auf überraschende Weise an den kantischen: "Das  Ich denke  muß alle meine Vorstellungen begleiten können", was KANT die reine oder ursprüngliche Apperzeption nennt. (Kr. d. r. V., Ausgabe KEHRBACH, Suppl. III, Seite 659.
    69) Philos. Vers., Seite 265f
    70) vgl. dieses Abhandlung weiter oben
    71) Philos. Vers., Seite 300
    72) Philos. Vers., Seite 356
    73) Philos. Vers., Seite 262, 289, 349
    74) Philos. Vers., Seite 273
    75) Philos. Vers., Seite 344 unten
    76) Man vergleiche mit diesen letzten Sätzen meiner Ausführungen die Definition, die KANT einmal vom Denken gibt! "Das Denken ist die Handlung, gegebene Anschauung auf einen Gegenstand zu beziehen." (Kr. d. r. V. Ausgabe KEHRBACH, Seite 229.
    77) Philos. Vers. II, Seite 152f
    78) Philos. Vers. II, Seite 153 und 152
    79) Immerhin spielt der Begriff der "Erscheinung" bei TETENS in seiner prägnant gefaßten Bedeutung keine wesentliche Rolle, wenn er sich auch sachlich durchaus aus seiner Lehre von den Vorstellungen ergibt. Es ist nur von Belang, daß er an der zitierten Stelle denselben Ausdruck wie KANT für die äußeren und inneren Vorstellungen gebraucht, ohne daß er ihn gerade absichtlich für seine ganze Erkenntnislehre verwerten will. Darum können wir auch kein solches Gewicht auf den Begriff der "Erscheinung" in unserer erkenntnistheoretischen Untersuchung legen, wie es z. B. ZIEGLER in seiner Abhandlung in ausdrücklicher Form getan hat.
    80) Philos. Vers., Seite 344 unten
    81) Philos. Vers., Seite 263
    82) Philos. Vers., Seite 299
    83) Philos. Vers., Seite 394
    84) Philos. Vers., Seite 296
    85) Philos. Vers., Seite 572
    86) Philos. Vers., Seite 334
    87) Philos. Vers., Seite 335
    88) Man vergleiche mit dieser Ansicht TETENS' die Art, wie KANT den Zweck seines "transzendentalen" Verfahrens bezeichnet, nämlich als denjenigen, "den Umfang und die Grenzen des menschlichen Verstandes zu bestimmen." - Kr. d. r. V., Ausgabe KEHRBACH, Seite 153
    89) Ihre Darstellung findet sich hauptsächlich im IV. Versuch: "Über die Denkkraft und das Denken."
    90) Philos. Vers., Seite 303
    91) Philos. Vers., Seite 303
    92) Philos. Vers., Seite 274
    93) Philos. Vers., Seite 583
    94) Der Erörterung des rein psychologischen Ursprungs der "Verhältnisbegriffe" wird in SCHLEGDENTALs Arbeit für die  Erkenntnistheorie  Bedeutung beigelegt, eine Ansicht, der wir nicht beistimmen können. Auch ZIEGLER läßt sich durch diese psychologischen Erörterungen TETENS' beirren, wenn er fragt: "Was heißt es, wenn TETENS sagt, die Verhältnisbegriffe müssen gefühlt und empfunden werden?" (Philos. Vers. I, Seite 339). Allerdings steht der Satz, in Bezug auf die "Verhältnisbegriffe", bei TETENS. Ich meine aber, daß diese Frage, ob die Begriffe von einem Gefühls- oder Empfindungsmoment begleitet werden oder nicht, psychologisch ist und nicht zur Klärung von TETENS' "Erkenntnislehre" beiträgt. - Abgesehen davon finde ich, daß TETENS ebenso von einem "Gefühl" des Denkens als einem "Gefühl" der Vorstellung und Empfindung sprechen kann gemäß seiner Analyse des Bewußtseins. Das Gefühl ist für unseren Denker als Psychologen gleichsam der Untergrund des Gesamtbewußtseins, in den alle Vorgänge desselben einmünden. Oder anders ausgedrückt! Gefühl ist das Akzidenz [Beigabe - wp], von dem alle subjektiven Bewußtseinszustände, gleichviel auf welcher Stufe -  als  subjektive eben - begleitet werden, daher auch die "Verhältnisbegriffe". -
    95) Philos. Vers., Seite 192
    96) Philos. Vers., Seite 333
    97) Philos. Vers., Seite 334
    98) Philos. Vers., Seite 365 (IV. Versuch "Über die Denkkraft und das Denken")
    99) vgl. z. B. Seite 368 unten: "Beziehung der Ideen und eine Wahrnehmung der ihr entsprechenden objektivischen Verhältnisse machen die Form oder das Wesen des Urteils aus".
    100) Philos. Vers., Seite 333f, siehe auch 275
    101) Philos. Vers., Seite 334, 2. Absatz
    102) Philos. Vers., Seite 365f
    103) Philos. Vers., Seite 333
    104) Philos. Vers. Seite 366f
    105) Philos. Vers. 368. - vgl. auch die bezüglichen Stellen im III., V., VI., VII. Versuch, auf die weiter einzugehen nicht mehr nötig erscheint.
    106) Philos. Vers. Seite 391
    107) Philos. Vers., Seite 389
    108) Philos. Vers., Seite 277, 359, 398
    109) Philos. Vers., Seite 279
    110) Hier erhebt sich gewiß der Einwand, was denn die Sukzession von einem "fortgehenden Aktus des Gefühls" bei einer Handlung, z. B. "wenn wir mit dem Finger über einen Körper hinfahren" (TETENS Seite 398), für einen Sinn haben sollte, wäre in ihr nicht bereits die Zeitvorstellung enthalten.
    111) Philos. Vers., Seite 360 unten
    112) Ich verweise an diesem Punkt auf ZIEGLERs Dissertation (Seite 47 - 57, der hier die Beeinflussung TETENS' von Seiten der "Inaugural-Dissertation" KANTs (1770) feststellt.
    113) Philos. Vers., Seite 566 unten
    114) IV. Versuch, Seite 312-327. VII. Versuch, Seite 497-507. Abgesehen von vielen kürzeren, verstreuten Stellen. - Man muß mir auch hier bei der Darstellung des Kausalbegriffs die Freiheit gestatten, daß ich hauptsächlich die Stellen des Textes berücksichtige, die mir eine gewisse Übereinstimmung mit dem erkenntnistheoretischen Verfahren des Kritizismus auszusprechen scheinen. Ich weiß sehr wohl, daß bei einer erschöpfenden Darstellung noch auf manche Punkte eingegangen werden müßte, die ich von meinem Standpunkt aus unerörtert lasse.
    115) Eines Dings von einem anderen Ding nämlich.
    116) Philos. Vers., Seite 316, 317
    117) Philos. Vers., Seite 503, 504
    118) Philos. Vers., Seite 320, 321
    119) Philos. Vers., Seite 317
    120) Philos. Vers., Seite 317
    121) Philos. Vers., Seite 317
    122) Den Begriff der  Notwendigkeit  werden wir als den wichtigsten in TETENS' Erkenntnistheorie im letzten Abschnitt noch einem allgemeineren Sinn, als es hier geschieht, erörtern.
    123) Philos. Vers., Seite 495
    124) Philos. Vers., Seite 496
    125) Philos. Vers., Seite 502
    126) Philos. Vers., Seite 502
    127) Philos. Vers., Seite 500
    128) Philos. Vers., Seite 307
    129) Philos. Vers., Seite 317
    130) "HUME glaubte gefunden zu haben, der Begriff von der Abhängigkeit der Wirkung von ihrer Ursache oder von der ursächlichen Verbindung, von der Verursachung usw., wei man ihn benennen will, sei am Ende nichts als eine Wirkung der Einbildungskraft und seine ganze Entstehungsart läßt sich aus dem Gesetz der Assoziationen der Ideen erklären". (TETENS, Seite 313)
    131) Philos. Vers., Seite 317, 318
    132) Philos. Vers., Seite 316
    133) Philos. Vers., Seite 322, 325, 326
    134) Philos. Vers., Seite 325
    135) Philos. Vers., Seite 326
    136) Philos. Vers., Seite 326
    137) ZIEGLERs Abhandlung, Seite 32-41.
    138) Philos. Vers., Seite 320
    139) Philos. Vers., Seite 320
    140) Philos. Vers., Seite 320
    141) Philos. Vers., Seite 318,319
    142) Philos. Vers., Seite 320
    143) Philos. Vers., Seite 327. Man wird uns nicht mißverstehen. Daß wir nun  tatsächlich  oft, wo wir in der Vorstellung etwas als die Ursache einer Wirkung ansehen,  nicht  sagen können: Wir begreifen dieses reale Verhältnis, (was auch TETENS erwähnt, Seite 326!) wird damit nicht bestritten. Die "Begreiflichkeit" der "Ideen" ist eben nur ein "Postulat" für die objektive Erkenntnis - wenn man "Erkenntnis" hier in einem weiteren, wissenschaftlichen Sinn faßt. -
    144) Philos. Vers., Seite 327
    145) Philos. Vers., Seite 323, 324
    146) Philos. Vers., Seite 324
    147) ZIEGLER befand sich in seiner Abhandlung, und zwar in Bezug auf die Verhältnisbegriffe überhaupt, darüber im Zweifel.
    148) Philos. Vers., Seite 305
    149) Philos. Vers., Seite 616
    150) Philos. Vers., Seite 572, letzter Abschnitt
    151) Philos. Vers., Seite 359
    152) Philos. Vers., Seite 357 unten
    153) Philos. Vers., Seite 462
    154) Philos. Vers., Seite 463
    155) Philos. Vers., Seite 464
    156) Philos. Vers., Seite 465
    157) Philos. Vers., Seite 466
    158) Philos. Vers., Seite 469
    159) Philos. Vers., Seite 469