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THOMAS REID
Untersuchung über
den menschlichen Geist

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"Das System der Ideen lehrt uns, daß die  erste Wirkung  unseres Geistes in Anbetracht seiner Ideen  eine bloße einfache Vorstellung  oder Wahrnehmung ist; das heißt: ein bloßer Begriff oder Gedanke von einem Ding ohne weiteren Glauben daran; und daß, wenn wir einfache Vorstellungen erlangt haben, wir, durch einen  Vergleich  derselben, eine Übereinstimmung oder Ungleichheit zwischen ihnen bemerken, und daß in dieser Wahrnehmung von Übereinstimmung und Nichtübereinstimmung von Ideen all das besteht, was wir Glauben, Urteil und Erkenntnis nennen."

"Es ist gewiß, daß kein Mensch sich vorstellen, oder begreifen kann, daß der Geruch an und für sich außerhalb einem Geist oder einem Menschen existieren kann, welcher das Vermögen hat zu riechen und von welchem der Geruch eine Sensation, eine Wirkung oder ein Gefühl genannt wird."

"Wir sind immer geneigt gewesen, uns einzubilden, daß Gedanken einen Denker und Liebe einen Liebhaber und Verrat einen Verräter voraussetzen; doch all das war, wie es scheint, bloßer Irrtum und man hat nun entdeckt, daß es Verrat ohne einen Verräter, Liebe ohne einen Liebhaber, Gesetze ohne einen Gesetzgeber, Strafe ohne einen Leidenden, Zeitfolge ohne Zeit, Bewegung ohne ein Ding, das sich bewegt oder ohne Raum, in welchem sie vorgeht, geben kann."


Zweites Hauptstück
Vom Geruch

Erster Abschnitt
Art des Verfahrens.
Vom Medium, und dem Sinn des Geruchs.

Es ist so schwer, die Wirkungen des menschlichen Verstandes auseinander zu wickeln, und sie auf ihre ersten Wirkungen zurückzubringen, daß wir auf keinen Fortgang in diesem Unternehmen hoffen dürfen, als wenn wir beim einfachsten anfangen, und mit eher vorsichtigen Schritten zum zusammengesetzteren fortschreiten. Die fünf äußeren Sinne können, aus diesem Grund, Anspruch darauf machen, in einer Analyse der Vermögen des Menschen, zuerst in Erwägung gezogen zu werden. Und eben dieser Grund muß uns dann auch bestimmen, sogar unter den Sinnen eine Wahl zu treffen, und nicht dem edelsten, oder dem nützlichsten, sondern dem einfachsten, und dem, dessen Gegenstände am mindesten in der Gefahr sind, für andere Dinge gehalten zu werden, den Vorrang geben.

In dieser Absicht kann eine Analyse unserer Sensationen vielleicht am leichtesten und deutlichsten ausgeführt werden, wenn man diese in folgender Ordnung nimmt:  Riechen, Schmecken, Hören, Fühlen  und ganz zuletzt  Sehen

Die Naturkunde lehrt uns, daß alle tierischen und vegetabilischen und wahrscheinlicherweise alle, oder doch die meisten Körper, solange sie der Luft ausgesetzt sind, unaufhörlich, nicht allein im Zustand des Lebens und des Wachstums, sondern auch im Zustand der Gärung und der Fäulnis, sehr feine Ausdünstungen von sich geben. Diese volatilen [flüchtigen - wp] Partikel stoßen sich, wahrscheinlicherweise, einander zurück, und zerstreuen sich auf diese Art in der Luft, bis sie auf andere Körper treffen, mit welchen sie irgendeine chemische Ähnlichkeit haben, und dann sich vereinen, und neue Zusammensetzungen bilden. All der Geruch der Pflanzen und anderer Körper wird durch diese volatilen Partikel verursacht und wahrgenommen, wo sie in der Luft zerstreut sind. Und die Schärfe des Geruchs einiger Tiere zeigt uns, daß diese Ausdünstungen sich sehr weit verbreiten, und unbegreiflich fein sein müssen.

Ob, wie einige Chemiker sich vorstellen, jede Gattung von Körpern einen  spiritus rector,  das heißt: eine Art Seele hat, welche den Geruch, und alle spezifischen Eigenschaften dieser Körper verursacht und die, weil sie außerordentlich volatil ist, in der Luft umherfliegt, um ein schickliches Verhältnis zu finden, will ich hier nicht untersuchen. Diese Meinung ist, wie die meisten anderen Theorien, vielleicht mehr das Produkt der Einbildungskraft, als einer richtigen Induktion. Aber, daß alle Körper, mittels der Ausdünstungen, welche si von sich geben, und welche mit der Luft zugleich in die Nasenlöcher eingezogen werden, riechbar sind, daran ist kein Grund zu zweifeln; so daß es ein offenbares Ansehen von Absicht hat, daß die Organe des Geruches an die innere Seite des Kanals, durch welchen die Luft unaufhörlich beim Ein- und Ausatmen geht, hingelegt worden sind.

Die Anatomie lehrt uns, daß die  membrana pituitaria  und die Geruchsnerven, die längs diesem Häutchen verteilt liegen, die von der Weisheit der Natur, für diesen Sinn bestimmten Organe sind, so daß, wenn ein Körper keine Ausdünstungen von sich gibt oder diese nicht zur Nase gelangen oder das Schleimhäutchen und die Geruchsnerven unfähig sind, ihre Dienste zu verrichten, er nicht gerochen werden kann.

Aber dem ungeachtet ist es evident, daß weder die Organe des Geruchs, noch das Medium, noch irgendeine Art von Bewegung, die wir uns im vorerwähnten Häutchen, oder in den Geruchsnerven, oder in den Lebensgeistern, als erregt vorstellen mögen, im mindesten der Sensation des Riechens ähnlich sind, noch daß die Sensation ansich uns jemals hätte dahin bringen können, an Nerven, Lebensgeister oder Ausdünstungen zu denken.


Zweiter Abschnitt
Die Sensation in abstractu betrachtet

Nachdem wir dies, in Anbetracht des Mediums und der Werkzeuge dieses Sinnes vorangeschickt haben, wollen wir aufmerksam auf das Acht haben, was sich der Geist bewußt ist, wenn wir eine Rose, oder eine Lilie riechen; und, weil die Sprache uns keinen anderen Namen für diese Sensation verschafft: so wollen wir sie einen  Geruch  nennen, und sorgfältig von der Bedeutung dieses Wortes jedes Ding, als die Sensation selbst, zumindest so lange ausschließen, bis wir es untersucht haben.

Wir wollen eine Person annehmen, die diesen Sinn niemals gehabt hätte und nun auf einmal damit begabt würde, und eine Rose röche; - kann eine solche Person irgendeine Gleichheit oder Ähnlichkeit zwischen dem Geruch und der Rose wahrnehmen? Oder in der Tat zwischen ihm und irgendeinem anderen Gegenstand? Gewiß, sie kann es nicht. Sie findet sich selbst, auf eine neue Art, gerührt, sie weiß nicht warum, oder aus welcher Ursache. Gleich einem Menschen, der irgendein, ihm vorher unbekanntes Vergnügen oder Schmerz empfindet, ist sie sich bewußt, daß nicht sie selbst die Ursache davon ist; kann aber auch, aus der Natur des Dings nicht bestimmen, ob die Empfindung durch Körper oder Geist, durch etwas Nahes oder etwas Entferntes verursacht wird. Diese Empfindung hat keine Ähnlichkeit mit irgendetwas sonst, sodaß eine Vergleichung stattfinden könnte und folglich kann die Person daraus nichts folgern, wenn nicht vielleicht dies, daß es irgendeine unbekannte Ursache davon geben muß.

Es ist offenbar lächerlich, dieser Empfindung des Geruchs Figur, Farbe, Ausdehnung oder irgendeine andere Eigenschaft der Körper zuzuschreiben. Die, davon gerührte Person kann ihr so wenig eine Stelle anweisen, wie etwa Schwermut oder Freude, noch weniger kann sie die Existenz derselben begreifen, als nur dann, wenn sie gerochen wird; so daß diese Empfindung ein einfaches und ursprüngliches, gänzlich unerklärliches Gefühl in der Seele zu sein scheint. Es ist in der Tat unmöglich, daß sie in irgendeinem Körper sein könnte; es ist eine Sensatzin und eine Sensation kann nur in einem empfindenden Wesen stattfinden.

Die verschiedenen Gerüche haben, jeder ihren verschiedenen Grad von Stärke oder Schwäche; die meisten von ihnen sind angenehm oder unangenehm; und öfters werden diejenigen, die angenehm sind solange sie schwach sind, unangenehm, wenn sie stärker werden. Wenn wir verschiedene Gerüche miteinander vergleichen: so können wir sehr wenig Ähnlichkeiten oder gänzliche Unähnlichkeiten oder wirkliche Verhältnisse irgendeiner Art zwischen ihnen wahrnehmen. Sie sind alle, an und für sich so einfach und so verschieden voneinander, daß es kaum möglich ist, sie in  Geschlechter  und  Arten  abzuteilen. Die meisten Namen, die wir ihnen geben, sind partikular; wir sagen, der Geruch einer  Rose,  der Geruch von  Jasmin  und dgl. mehr. Indessen gibt es doch einige allgemeine Namen wie  süß, stinkend, dumpf, faul, würzig  us. Einige derselben scheinen den Geist zu ermuntern und zu beleben, einige einzuschläfern und niederzudrücken.


Dritter Abschnitt
Sensation und Erinnerung -
die natürlichen Prinzipien des Glaubens

Bis jetzt haben wir diese Sensation  in abstractu  betrachtet. Nun wollen wir sie mit anderen Dingen vergleichen, mit welchen sie in einigem Verhältnis steht; zuerst mit der Erinnerung daran vermöge des Gedächtnisses und vermöge der Einbildungskraft.

Ich kann an den Geruch einer Rose denken, wenn ich sie nicht rieche; und es ist möglich, daß, wenn ich daran denke, weder Rose noch Geruch irgendwo existieren. Aber, wenn ich diesen Geruch habe: so bin ich, notwendigerweise gezwungen, zu glauben, daß die Sensation wirklich existiert. Dies ist allen Sensationen gemein, daß, so wie sie nicht anders als in der Wahrnehmung existieren können, so können sie auch nicht wahrgenommen werden, ohne zu existieren. Ich könnte ebenso leicht an meiner eigenen Existenz, wie an der Existenz meiner Sensationen zweifeln. Sogar diejenigen tiefsinnigen Philosophen, die sich bestrebt haben, ihre eigene Existenz wegzudemonstrieren, haben ehe ihre Sensationen auf ihrem eigenen Grund und Boden, des Subjekts beraubt, stehen lassen, als daß sie die Wirklichkeit der Existenz derselben hätten in Zweifel ziehen wollen.

Auf diese Art kann dann eine Sensation, ein Geruch, zum Beispiel, auf dreifache Art der Seele dargestellt werden; - er kann wirklich gerochen werden; - man kann sich dessen erinnern; - man kann sich ihn vorstellen oder daran denken. Im ersten Fall ist die Sensation notwendigerweise vom Glauben an ihre gegenwärtige Existenz begleitet; im zweiten, ebenso notwendig, vom Glauben an ihre vergangene Existenz; und im letzten ist sie von gar keinem Glauben begleitet, sondern ist das, was die Logiker eine bloße einfache Vorstellung nennen.

Warum eine Sensation uns zum Glauben an die gegenwärtige Existenz des Dings; das Gedächtnis zum Glauben an die vergangene Existenz desselben und die Einbildungskraft zu gar keinem Glauben an eine Existenz nötigen können, davon glaube ich, kann kein Philosoph einen Schatten von Grund, als daß dies eben die Natur dieser Wirkungen ist, anführen. Sie sind alle einfach und originell und folglich unerklärliche Wirkungen der Seele.

Laßt uns annehmen, daß ich einmal, und nur einmal, in einer gewissen Stube, eine Tuberose in einem Blumentopf gerochen und daß sie einen angenehmen Geruch gegeben hat. Am folgenden Tag erzähle ich, was ich gesehen und gerochen habe. Wenn ich, so sorgfältig als mir möglich ist auf das Acht habe, was in diesem Fall in meiner Seele vorgeht, so erhellt es sich augenscheinlich, daß das Ding, das ich gestern sah und die Wohlgerüche, die ich einsog, jetzt, daß ich mich deren erinnere, die unmittelbaren Gegenstände meines Geistes sind. Ferner kann ich mir einbilden, daß dieser Blumentopf und die Blume in das Zimmer, worin ich jetzt sitze, gebracht werden und daß sie eben denselben Duft von sich geben. Hier erhellt es sich gleichfalls, daß das individuelle Ding, welches ich sah und roch, der Gegenstand meiner Einbildungskraft ist.

Die Philosophen sagen uns zwar, daß, in diesem Fall, der unmittelbare Gegenstand meines Gedächtnisse und meiner Einbildungskraft, nicht die vergangene Sensation, sondern eine Idee davon, ein Abbild oder Gestalt von dem Duft, den ich roch, ist; daß diese Idee nun in meiner Seele oder in meinem Sensorium existiert und daß die Seele, indem sie diese gegenwärtige Idee betrachtet, solche nun eine Darstellung von dem vergangenen oder von dem, was existieren kann, zu sein finde und sie, diesem gemäß, nun Gedächtnis oder Einbildungskraft nenne. So lehrt die Philosophie der Iden; wir wollen dies jetzt nicht weiter untersuchen, um nicht den Faden unserer gegenwärtigen Nachforschung zu zerreißen. Bei der allergenauesten Aufmerksamkeit scheint das Gedächtnis mir nur vergangene Dinge und nicht gegenwärtige Ideen zu seinem Gegenstand zu haben. Wir werden nachher dieses System von Ideen untersuchen, und uns bemühen, es sichtlich zu machen, daß man nie gründliche Beweise von der Existenz der Ideen geführt hat; daß sie eine bloße Erdichtung und Hypothese sind, die man ersonnen hat, um die Phänomene des menschlichen Verstandes zu erklären; daß sie diesem Endzweck nicht im mindesten entsprechen und daß diese Hypothese von Ideen oder Bildern der Dinge in der Seele oder in dem Sensorium, die Mutter von so vielen, dem Menschenverstand anstößigen Paradoxen und eines Skeptizismus ist, die unsere Philosophie vom menschlichen Geist so sehr schaden und ihr die Verspottung und die Verachtung vernünftiger Menschen zugezogen haben. Zur gleichen Zeit erbitte ich mir die Erlaubnis, mit dem großen Haufen denken zu dürfen, daß, wenn ich mich des Geruchs der Tuberose erinnere, eben diese Sensation, die ich gestern hatte, und die jetzt gar keine Existenz mehr hat, der unmittelbare Gegenstand meines Gedächtnisses ist; und daß, wenn ich mir diesen Geruch vergegenwärtige, oder vermöge der Einbildungskraft darstelle, die Sensation selbst, und nicht eine Idee davon, der Gegenstand meiner Einbildungskraft ist. Aber obgleich in diesem Fall der Gegenstand meiner Sensation, meines Gedächtnisses und meiner Einbildungskraft ein und derselbe ist: so sind dennoch diese Wirkungen oder Operationen der Seele so sehr voneinander verschieden, und so leicht voneinander zu unterscheiden, wie Geruch, Geschmack und Schall. Ich bin mir eines Unterschiedes, der Art nach, zwischen Sensation und Gedächtnis und zwischen beiden und der Einbildungskraft bewußt. Ich finde ferner, daß die Sensation mich zum Glauben an die gegenwärtige Existenz des Geruchs und das Gedächtnis zum Glauben an die vergangene Existenz desselben nötigt. "Es  ist  ein Geruch da," ist das unmittelbare Zeugnis des Sinnes; "es  war  ein Geruch da," ist das unmittelbare Zeugnis des Gedächtnisses. Wenn man mich frägt, warum ich glaube, daß der Geruch existiert? so kann ich keinen anderen Grund dafür angeben, werde auch nie imstande sein, einen anderen dafür anzuführen, als daß ich ihn rieche. Wenn man mich frägt, warum ich glaube, daß er gestern existierte? so weiß ich keine andere Ursache, als daß ich mich dessen erinnere.

Sensation und Gedächtnis sind also einfache, ursprüngliche und vollkommen gut voneinander unterschiedene Operationen der Seele, und beide sind ursprüngliche Prinzipien des Glaubens an ein Ding. Die Einbildungskraft ist von beiden unterschieden, ist aber kein Prinzip, das uns von der Existenz der Dinge überführen könnte. Eine Sensation begreift die gegenwärtige Existenz ihres Gegenstandes in sich, das Gedächtnis die vergangene Existenz; aber die Einbildungskraft betrachtet den Gegenstand ansich und nackt und bloß und ohne allen Glauben an seine Existenz und Nichtexistenz, und ist daher das, was die Schule eine bloße, einfache Vorstellung nennt.


Vierter Abschnitt
Urteil und Glaube (belief) gehen in einigen
Fällen der einfachen Vorstellung vorher.

Aber hier stoßen wir wieder auf das System der Ideen. Es lehrt uns, daß die erste Wirkung unseres Geistes in Anbetracht seiner Ideen eine bloße einfache Vorstellung oder Wahrnehmung ist; das heißt: ein bloßer Begriff oder Gedanke von einem Ding ohne weiteren Glauben daran; und daß, wenn wir einfache Vorstellungen erlangt haben, wir, durch einen Vergleich derselben, eine Übereinstimmung oder Ungleichheit zwischen ihnen bemerken, und daß in dieser Wahrnehmung von Übereinstimmung und Nichtübereinstimmung von Ideen all das besteht, was wir Glauben, Urteil und Erkenntnis nennen. Und mir scheint nun dies alles Erdichtung und ohne allen Grund in der Natur zu sein; denn, es ist allgemein eingestanden, daß Sensation dem Gedächnis und der Einbildung vorgegeben sein müssen, und hieraus folgt es, notwendigerweise, daß Wahrnehumg, begleitet von Glauben und Erkenntnis der simplen Wahrnehmung vorgehen müssen, zumindest in den Dingen, wovon hier die Rede ist; dergestalt, daß wir anstatt zu sagen, daß Glaube oder Erkenntnis erlangt werden, indem wir einfache Wahrnehmungen zusammensetzen und miteinander vergleichen, sagen sollten, daß die einfache Wahrnehmung dadurch verrichtet wird, daß wir ein natürliches und ursprüngliches Urteil auflösen und analysieren. Es verhält sich, in diesem Fall, mit den Wirkungen des Geistes, wie mit natürlichen Körpern, die in der Tat aus einfachen Prinzipien oder Elementen zusammengesetzt sind. Die Natur zeigt uns diese Elemente nicht einzeln dar, daß wir sie zusammensetzen sollen; sie zeigt sie uns, vermischt und zusammengesetzt in konkreten Körpern, und nur durch Kunst und chemische Prozesse können sie voneinander abgesondert werden.


Fünfter Abschnitt
Zwei Theorien von der Natur des Glaubens widerlegt.
Folgerungen aus dem, was gesagt worden ist.

Aber was ist denn dieser Glaube oder Erkenntnis, welche die Sensation und das Gedächtnis begleiten? Jedermann weiß, was es ist; aber kein Mensch kann eine Erklärung davon geben. Läßt es sich jemand einfallen, Sensation oder Bewußtsein erklären zu wollen? Und wohl uns, daß es sich keiner einfallen läßt! Und wenn kein Philosoph sich die Mühe gegeben hätte, was Glaube ist zu erklären: so würden einige Paradoxa in der Philosophie, die unglaublicher sind als alles was jemals vom verworfensten Aberglauben oder der rasendsten Schwärmerei hervorgebracht wurde, nie ans Tageslicht gekommen sein. Von dieser Art ist in der Tat die neuere Entdeckung, welche die Philosophie der Ideen gemacht hat, daß nämlich Sensation, Gedächtnis, Glaube und Einbildungskraft, wenn sie ein und denselben Gegenstand haben, nur verschiedene Grade von Stärke und Lebhaftigkeit in der Idee sind. Wir wollen die Idee vom künftigen Zustand nach dem Tod annehmen. Ein Mensch glaubt fest daran - das heißt nicht mehr, als daß er eine starke und lebhafte Idee davon hat. Ein anderer glaubt es nicht und leugnet es nicht, das ist, er hat eine schwache Idee davon. Nun laßt uns eine dritte Person annehmen, welche fest glaubt, daß es keinen solchen Zustand gibt, - und hier weiß ich nicht, ob seine Idee schwach oder lebhaft ist. Ist sie schwach: so kann es keinen festen Glauben bei einer schwachen Idee geben; ist die Idee lebhaft: so muß der Glaube an einen künftigen Zustand, und der Glaube an keinen künftigen Zustand ein und dasselbe Ding sein. Eben dieselben Argumente, welche gebraucht werden, um zu beweisen, daß der Glaube bloß eine stärkere Idee vom Gegenstand als die einfache Vorstellung voraussetzt, können ebensogut auch zum Beweis gebraucht werden, daß die Liebe bloß eine stärkere Idee vom Gegenstand in sich begreift, als die Gleichgültigkeit. Und was sollen wir den nun vom Haß sagen, der, nach dieser Hypothese entweder ein Grad von Liebe oder von Gleichgültigkeit sein muß? Wollte man sagen, daß sich in der Liebe etwas mehr findet, als eine Idee, nämlich eine Zuneigung des Geistes, - kann man da nicht, mit dem gleichen Grund anführen, daß beim Glauben etwas mehr ist, als eine Idee, nämlich eine Beipflichtung, eine Überzeugung des Geistes?

Doch vielleicht kann man es für ebenso lächerlich halten, gegen diesen sonderbaren Begriff zu streiten, als ihn zu behaupten? Ich glaube in der Tat, daß, wenn ein Mensch behauptete, ein Zirkel, ein Viereck und ein Triangel, wären nur in Größe, nicht in Figur verschieden, ihm entweder zu glauben oder zu widersprechen, und dennoch halte ich es für den gemeinen Menschenverstand nicht minder anstößig, zu behaupten, daß Sensation, Gedächtnis und Einbildungskraft nur dem Grad und nicht der Art nach verschieden sind. Ich weiß, daß man gesagt hat, menschen wären in der Raserei oder im Traum fähig, das eine für das andere zu nehmen. Aber folgt denn hieraus, daß Menschen, die weder träumen noch rasen, sie nicht voneinander unterschieden können? - Vielleicht weiß aber ein Mensch nicht, ob er in Raserei ist, oder nicht? das kann sein. Auch weiß ich nicht zu sagen, wie ein Mensch weiß, daß er existiert; aber wenn irgendein Mensch im Ernst zweifelt, ob er sich in Raserei befindet: so halte ich es für höchst wahrscheinlich, daß er wirklich darin, und daß es die höchste Zeit ist, sich nach einem Mittel umzusehen, welches er aber im ganzen System der Logik zu finden sicherlich nicht hoffen darf.

Ich erwähnte vorher LOCKEs Begriff von  Glaube  oder  Erkenntnis;  er hält dafür, daß diese in einer Wahrnehmung der Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung von Ideen besteht und hierauf tut er sich, als auf eine wichtige Entdeckung, sehr viel zugute.

Wir werden, in der Folge, Gelegenheit haben, dieses große Prinzipium von LOCKEs Philosophie genauer zu untersuchen und zu zeigen, daß es einer von den Hauptpfeilern des modernen Skeptizismus ist, obgleich LOCKE nicht den Vorsatz hatte, diesen Gebrauch von ihm zu machen. Jetzt wollen wir nur erwägen, wie dieses Prinzip mit den Beispielen vom Glaubem, welche wir jetzt betrachtet haben, übereinstimmt und ob es einiges Licht über dieselben verbreitet. Ich glaube, daß die Sensation, welche ich habe, existiert; und daß die Sensation, deren ich mich erinnere, jetzt nicht mehr existiert, sondern gestern existiert hat. Hier vergleiche ich, LOCKEs System zufolge die Idee von einer Sensation mit den Ideen von vergangener und gegenwärtiger Existenz. Einmal nehme ich wahr, daß diese Idee mit der Idee von gegenwärtiger Existenz übereinstimmt; aber nicht mit der Idee von vergangener Existenz; ein anderes Mal stimmt sie mit der Idee von vergangener, aber nicht mit der Idee von gegenwärtiger Existenz überein. Wahrlich diese Ideen scheinen sehr eigensinnig in ihren Übereinstimmungen und Nichtübereinstimmungen zu sein! Außerdem kann ich, mit dem besten Willen, nicht begreifen, was diese Übereinstimmung und Nichtübereinstimmung bedeuten sollen. Ich sage, eine Sensation existiert und ich glaube ganz deutlich zu verstehen, was ich meine. Aber LOCKE möchte das Ding gern deutlicher machen, und erzählt mir zu dem Zweck, daß es eine Übereinstimmung zwischen der IDee von dieser Sensation und der Idee von der Existenz gibt. Die Wahrheit zu bekennen, so erhalte ich hierdurch kein Licht, sondern Finsternis; ich kann mir nichts andere dabei denken, als eine verkehrte und dunkle Umschreibung. Ich schließe daraus, daß die Überzeugung, welche Sensation und Gedächtnis begleitet, ein simpler Aktus der Seele ist, welcher nicht erklärt werden kann. Sie ist, in diesem Stück, was Sehen und Hören sind, die niemals so erklärt werden können, daß sie von denjenigen verstanden werden, welche diese Fähigkeit nicht haben. Und denjenigen, welche diese Sinne besitzen, kann keine Definition diese Wirkung deutlicher machen, als sie es ihnen schon sind. Auf gleiche Art weiß ein jeder, der irgendetwas glaubt - und es müßte eine Seltenheit sein, wenn es einen Menschen gäbe, der gar nichts glaubt - sehr gut, was Glaube ist, kann ihn aber nie erklären, oder definieren. Folglich schließe ich, daß Sensation, Gedächtnis und Einbildungskraft, auch wo sie ein und denselben Gegenstand haben, Wirkungen von ganz verschiedener Natur und von denen, welche gefunden und nüchternen Verstandes sind, sehr gut voneinander unterschieden werden können. Ein Mann, der in Gefahr ist, sie miteinander zu verwechseln, verdient in der Tat Mitleid; aber was für eine Erleichterung er auch von irgendeinem anderen Himmelsstrich erwarten darf, von Logik und Metaphysik kann er keinen erhalten. Ich schließe ferner, daß es nicht weniger ein Teil der menschlichen Beschaffenheit ist, an die gegenwärtige Existenz unserer Sensationen und an die vergangene Existenz dessen, woran wir uns erinnern, als zu glauben, daß zweimal zwei vier sind. Die Evidenz der Sinne, die Evidenz des Gedächtnisses, und die Evidenz der notwendigen Verhältnisse der Dinge sind alle deutliche und ursprüngliche Arten von Evidenz, die alle gleichermaßen in unserer Beschaffenheit gegründet sind. Keine derselben hängt von der anderen ab und kann in die andere aufgelöst werden. Gegen diese Arten von Evidenz mit Vernunftgründen zu streiten, ist ungereimt; sogar für sie zu streiten, ist es. Es sind erste Prinzipien, und diese gehören nicht in das Gebiet der Vernunft, sondern des gemeinen Menschenverstandes.


Sechster Abschnitt
Schutzschrift für metaphysische Ungereimtheiten.
Empfindung ohne einen Empfindenden, eine Folge von
Theorien der Ideen. Folgen dieser sonderbaren Meinung.

Nachdem wir das Verhältnis in Erwägung gezogen haben, welches die Sensation des Geruchs zur Wiedererinnerung und der Vorstellung davon durch die Einbildungskraft hat: schreite ich zur Erwägung des Verhältnisses, zwischen dieser Sensation und einem Geist, oder empfindenden Wesen. Es ist gewiß, daß kein Mensch sich vorstellen, oder begreifen kann, daß der Geruch an und für sich außerhalb einem Geist oder einem Menschen existieren kann, welcher das Vermögen hat zu riechen und von welchem der Geruch eine Sensation, eine Wirkung oder ein Gefühl genannt wird. Und dennoch bekenne ich, daß, wenn jemand einen Beweis fordern wollte, daß die Sensation nicht außerhalb eines Geistes oder empfindenden Wesen stattfinden kann, ich keinen zu geben weiß und daß die Behauptung dies zu erweisen, mir beinahe so ungereimt scheint, als wenn man die Sache leugnen wollte.

Ehe die  "Abhandlung von der menschlichen Natur in der Welt erschien, hätte man dies ohne weitere Entschuldigung sagen können. Denn bis zu dieser Zeit hat, soviel ich weiß, kein Mensch jemals daran gedacht, entweder diesen Grundsatz in Zweifel zu ziehen oder einen Grund, warum man ihn glauben müsse, angeführt. Ob die denkenden Wesen von ätherischer oder feuriger Natur, ob sie materiell oder immateriell waren, darüber wurde auf mannigfaltige Art gestritten; aber daß das Vermögen zu denken irgendeiner Art von Wesen zukam, wurde immer als ausgemacht und als ein Grundsatz angesehen, der gar nicht in Zweifel gezogen werden konnte.

Indessen, weil der vorerwähnte Schriftsteller, der zweifelsohne einer von den scharfsinnigen Metaphysikern ist, die dieses oder irgendein anderes Zeitalter hervorgebracht hat, dies als ein gemeines Vorurteil behandelt und behauptet hat, daß die Seele nichts als eine Folge von Ideen und Eindrücken ohne irgendein Subjekt ist: so verdient seine Meinung, sosehr sie auch den gewöhnlichen Vorstellungen der Menschheit entgegengesetzt ist, Achtung. Ich bitte also ein für allemal, daß man es nicht übel nimmt, wenn ich diese, oder andere metaphysische Begriffe der Ungereimtheit bezichtige oder behaupte, daß sie dem gemeinen Menschenverstand zuwider sind. Ich meine dadurch gar nicht, den Verstand der Urheber oder die Behaupter solcher Meinungen zu verkleinern. Diese entspringen in der Tat nie aus einem Mangel an Verstand, sondern aus übertriebener Spitzfindigkeit; die Schlüsse, wodurch man zu solchen Meinungen gelangt, verbreiten oft neues Licht über den Gegenstand und zeugen von wirklichem Genie und durchdringendem Scharfsinn; und die Vordersätze gewähren mehr als Entschädigung für den Schluß.

Wenn es gewisse Grundsätze gibt - wie ich glaube, daß es deren wirklich gibt - welche zu glauben wir durch die Beschaffenheit unserer Natur geneigt gemacht werden und welche wir in den gewöhnlichen Angelegenheiten des Lebens als entschieden anzunehmen genötigt sind, ohne daß wir fähig wären, einen Grund davon anzugeben: so sind dies diejenigen, welche wir die Prinzipien des gemeinen Menschenverstandes und was diesen offenbar entgegen läuft ist, was wir ungereimt nennen.

In der Tat: wenn es wahr ist, und als ein Grundsatz in der Philosophie angenommen werden muß, daß Sensation und Vorstellung ohne ein denkendes Wesen statthaben können: so muß man eingestehen, daß dies die wundervollste Entdeckung ist, die in diesem, oder irgendeinem anderen Zeitalter gemacht worden ist. Die angenommene Lehre von den Ideen ist die Quelle, aus welcher dieser Grundsatz hergeleitet worden ist und er scheint in der Tat eine richtige und natürliche Folgerung davon zu sein. - Auch ist es wahrscheinlich, daß diese Entdeckung nicht so spät gemacht worden sein würde, wenn sie nicht den gewöhnlichen Vorstellungen des menschlichen Geschlechtes so äußerst anstößig und zuwider wäre, daß es einen ungewöhnlichen Grad von philosophischer Kühnheit erforderte, um sie unter die Leute zu bringen. Es ist ein Hauptgrundsatz bei einem System von Ideen, daß jeder Gegenstand unseres Denkens ein Eindruck oder eine Idee, das heißt: eine schwache Kopie von irgendeinem vorhergehenden Eindruck sein muß. Dies ist ein so allgemeiner angenommener Grundsatz, daß der vorerwähnte Schriftsteller, ungeachtet dessen sein ganzes System auf denselben aufgeführt ist, dennoch nicht den geringsten Beweis davon gibt. Auf diesem Grundsatz, als einem ausgemachten Punkt, errichtet er seine metaphysischen Maschinen, um Himmel und Erde, Geister- und Körperwelt umzustürzen. Und nach meiner Meinung ist er auch in der Tat gänzlich hinreichend für diesen Zweck. Denn wenn Eindrücke und Ideen die einzigen Gegenstände der Gedanken sind: so müssen Himmel und Erde, Geist und Körper und alles was uns beliebt, nichts anderes als Eindrücke oder Ideen bedeuten, oder es müssen Worte ohne allen Sinn sein. Es scheint folglich, als ob dieser Begriff, so sonderbar er auch sein mag, genau mit der angenommenen Lehre von Ideen verknüpft ist und daß wir entweder die Schlußfolge zulassen oder von den Vordersätzen Rechenschaft fordern müssen.

Die Ideen scheinen in ihrer Natur etwas der Existenz anderer Dinge Widerwärtiges zu haben. Sie wurden ursprünglich unter dem demütigen Charakter von Bildern oder von Repräsentanten der Dinge in die Philosophie eingeführt; und in diesem Charakter schienen sie nicht allein ganz harmlos, sondern auch vortrefflich gut sich zur Erklärung der Wirkungen des menschlichen Verstandes zu schicken. Aber, seit der Zeit, daß die Menschen anfingen klar und deutlich über sie zu räsonnieren, haben sie allmählich ihre Prinzipale [Erfinder - wp] übervorteilt und die Existenz aller anderen Dinge, ihre eigene ausgenommen, untergraben. Erst räumten sie alle zweiten Eigenschaften aus dem Weg und es wurde mittels ihrer ausfindig gemacht, daß das Feuer nicht heiß, der Schnee nicht kalt, der Honig nicht süß ist, mit einem Wort, daß Hitze und Kälte, Ton und Farbe, Geschmack und Geruch nichts weiter sind als Ideen oder Eindrücke. Bischof BERKELEY beförderte sie einen Schritt höher und entdeckte durch richtiges Räsonnement nach eben denselben Grundsätzen, daß Ausdehnung, Dichte, Raum, Figur und Körper Ideen sind und daß es nichts in der Natur als Ideen und Geister gibt. Aber durch die  "Abhandlung von der menschlichen Natur"  wurde der Sieg derselben vollständig gemacht; denn diese räumte auch die Geister aus dem Weg und läßt Ideen und Eindrücke als die einzigen Existenzen im Universum übrig. Und wie wäre es nun, wenn sie zuletzt, da sie nichts mehr zu bestreiten haben, unter sich selbst und übereinander herfallen und in der ganzen Natur gar keine Existenz mehr übrig lassen? Wahrlich, dadurch würde die Philosophie in gar große Gefahr geraten; denn was bliebe uns dann übrig, worüber wir schwatzen oder worüber wir streiten könnten?

Bis jetzt jedoch gestehen diese Philosophen die Existenz der Ideen und Eindrücke ein; sie räumen gewisse Gesetze der Attraktion oder Vorzugsregeln ein, welchen zufolge Ideen und Eindrücke sich selbst in verschiedene Formen ordnen und aufeinander folgen. Aber, daß sie einem Geist, als sein eigenes Hab und Gut zugehören sollten, das haben sie einen Irrtum des großen Haufens zu sein entdeckt. Diese Ideen sind so frei und unabhängig, wie die Vögel in der Luft oder wie die Atome EPIKURs, wenn sie ihre Reise durch den unbegrenzten leeren Raum machen. Sollen wir sie uns als die Häutchen der Dinge im System des Epikur vorstellen? Oder sind sie den intelligiblen Abbildungen des ARISTOTELES, nachdem sie sich vom Objekt losgerissen und ehe sie noch auf den leidenden Verstand getroffen haben, ähnlich? - Doch warum bemühen wir uns, sie mit irgendeinem Ding zu vergleichen, da nichts in der Natur ist, als sie selbst? Sie machen die ganze Ausstaffierung des Universums aus; sie erscheinen und verschwinden ohne alle wirkende Ursache, vereinigen sich in Bündel, welche der Pöbel  Geister  nennt; und folgen, nach gewissen Gesetzen ohne Zeit oder Raum oder Urheber dieser Gesetze aufeinander.

Aber diese selbstexistierenden und unabhängigen Ideen haben bei all dem dann doch ein jämmerlich nacktes und dürftiges Ansehen, wenn sie so ganz verlassen im Universum bleiben; und scheinen sich im Ganzen in einem übleren Zustand zu befinden, als vorher. CARTESIUS, MALEBRANCHE und LOCKE behandelten sie beim Gebrauch, den sie von ihnen machten, doch noch ganz artig und sorgten auf anständige Art für sie; gaben ihnen entweder in der  glandula pinealis  [Zirbeldrüse - wp] oder im reinen Verstand oder sogar im göttlichen Geist ein Unterkommen. Außer diesem beehrten sie solche mit einem Auftrag und machen sie zu Repräsentanten von den Dingen, wodurch sie ein wenig Würde und einen gewissen Charakter erhielten. Aber die  "Abhandlung von der menschlichen Natur",  obgleich sie ebenso viele Verbindlichkeiten hat, scheint sich durch diese ihnen verliehene unabhängige Existenz als sehr undankbar erwiesen zu haben; denn dadurch sind sie von Land und Leuten verjagt und in die weite Welt ohne Freund und Verwandten und ohne einen Hader ihre Blöße zu decken, hineingetrieben worden; und wer weiß, ob nicht noch das ganze System der Ideen durch den unbesonnenen Eifer seiner Freunde es zu erheben gänzlich umkommen wird?

Diesem sei jedoch wie ihm wolle: es ist gewiß eine erstaunenswerte Entdeckung, daß Gedanken und Ideen existieren können, ohne daß es irgendein denkendes Wesen gibt. Es ist eine mit so vielen Folgen schwangere Entdeckung, daß die betrogenen Sterblichen, welche auf gemeine Art denken und räsonnieren, nicht so leicht sie alle ausfindig machen können. Wir sind immer geneigt gewesen, uns einzubilden, daß Gedanken einen Denker und Liebe einen Liebhaber und Verrat einen Verräter voraussetzen; doch all das war, wie es scheint, bloßer Irrtum und man hat nun entdeckt, daß es Verrat ohne einen Verräter, Liebe ohne einen Liebhaber, Gesetze ohne einen Gesetzgeber, Strafe ohne einen Leidenden, Zeitfolge ohne Zeit, Bewegung ohne ein Ding, das sich bewegt oder ohne Raum, in welchem sie vorgeht, geben kann. - Aber, wenn in diesen Fällen, die Ideen auch der Liebhaber, der Leidende, der Verräter sind: so wäre es zu wünschen, daß der Urheber dieser Entdeckung sich noch herabgelassen hätte, uns zu lehren, ob Ideen miteinander Umgang haben können und ob sie gegeneinander zu Pflicht und Dankbarkeit verbunden sind; ob sie Zusagen machen und Bündnisse eingehen, ob sie solche halten oder brechen und für den Bruch gestraft werden können? Wenn eine Partei von Ideen einen Vertrag eingehen, eine andere diesen brechen und eine dritte dafür gestraft werden kann: so möchte man beinahe glauben, daß Gerechtigkeit keine natürliche Tugend dieses Systems ist.

Man sollte natürlicherweise meinen, daß die  "Abhandlung von der menschlichen Natur"  einen Urheber und noch einen recht scharfsinnigen obendrei erfordert; aber jetzt lernen wir, daß sie nichts al seine Reihe von Ideen ist, die vermöge gewisser Assoziationen und Attraktionen sich von selbst zusammenfanden und in Ordnung brachten.

Bei all dem scheint dieses merkwürdige System dem gegenwärtigen Zustand der menschlichen Natur nicht angepaßt zu sein. Inwiefern es gewissen auserlesenen Geistern, die von den Hefen des gemeinen Menschenverstandes gereinigt sind, angemessen ist, kann ich nicht sagen. Es ist, denke ich, zugestanden, daß sogar diese in den Stunden der höchsten Betrachtung nur, wenn sie sich auf der Jagd nach diesen durch sich selbst existierenden Ideen so hoch versteigen, daß sie alle übrigen Dinge aus dem Gesicht verlieren, sich in dieses System fügen können. Aber sobald sie sich wieder unter das Menschengeschlecht und zur Unterhaltung mit einem Freund, einem Gesellschafter, einem Mitbürger herablassen: verschwindet das idealistische System; der gemeine Menschenverstand reißt sie, gleich einem unwiderstehlichen Strom mit sich fort und sie glauben, trotz aller Vernünftelei und Philosophie wieder an ihre eigene Existenz und die Existenz anderer Dinge.

Und es ist in der Tat gut, daß sie es so machen; denn wenn sie ihren Kabinettsglauben mit unter die Leute nehmen wollten, so würde der übrige Teil der Menschheit sie für Kranke ansehen und nach irgendeinem Siechhaus schicken. Und ich glaube deshalb, daß, so wie PLATO von denjenigen, welche seine Schüler werden wollten, gewisse vorläufige Eigenschaften forderte, es für die Lehrer dieser idealistischen Philosophie klug sein würde, eben das zu tun, und einem jeden den Zutritt zu versagen, der schwach genug ist, sich einzubilden, daß er in der Einsamkeit eben das glauben muß, was er unter Menschen glaubt, und daß seine Prinzipien irgendeinen Einfluß auf seine Handlungen haben müssen. Denn es verhält sich mit dieser Philosophie wie mit einem Schaukelpferd, das ein Mann bei schlechter Gesundheit ohne seiner Ehre zu schaden in seinem Zimmer reiten kann; aber sollte er es außerhalb mit sich, in die Kirche oder auf die Börse oder ins Schauspielhaus nehmen wollen, so würde sein Erbe ihn gleich vor Gericht bringen und seines Vermögens sich bemächtigen.


Siebter Abschnitt
Wir werden durch die Beschaffenheit unserer Natur
auf die Vorstellung oder den Glauben an ein empfindendes
Wesen oder an einen Geist geführt. Der Begriff vom Verhältnis
wird nicht immer durch Vergleichung von Ideen, die in einem
Verhältnis zueinander stehen, erlangt.

Wenn wir also auch diese Philosophie denjenigen überlassen, die ihrer bedürfen, und die sie vorsichtig zu ihrem Privatgebrauch anwenden: so bleibt uns dennoch die Untersuchung übrig, wie der übrige Teil des Menschengeschlechts und sogar die Adepten selbst, in gewissen einsamen Augenblicken ausgenommen, zu einem so starken und so unwiderstehlichen Glauben gelangt sind, daß der Gedanke ein Subjekt haben und ein Aktus irgendeines denkenden Wesens sein muß; wie jedermann es sich einbilden kann, daß er etwas von seinen Ideen und Eindrücken verschiedenes ist; etwas, das fortfährt ein und dasselbe Selbst zu sein, wenngleich alle seine Ideen und Eindrücke verändert werden? Es ist unmöglich, den Ursprung dieser Meinung in der Geschichte aufzuspüren; denn diese Meinung ist in der ursprünglichen Zusammensetzung aller Sprachen eingewebt; alle Völker haben sie von jeher gehegt; sowohl die Abfassung und Einrichtung aller Gesetze und aller Regierungsformen, als auch die gewöhnlichen Verhandlungen des Lebens, setzen sie voraus.

Nicht minder unmöglich ist es, daß irgendein Mensch sich besinnen könnte, wie er zu diesem Begriff gelangt ist; denn soweit wir zurückdenken können finden wir uns schon im Besitz derselben und von unserer eigenen und der Existenz anderer Dinge ebenso völlig überzeugt, wie daß zwei mal zwei vier ist. Es hat folglich das Ansehen, als ob diese Meinung allem Räsonnement, aller Erfahrung, und allem Unterricht vorhergegangen ist und dies ist umso wahrscheinlicher, weil wir durch keines dieser Mittel zu derselben hätten gelangen können. Und folglich scheint es dann eine unleugbare Tatsache zu sein, daß das ganze Menschengeschlecht, beständig und unveränderlich seit der ersten Dämmerung vom Nachdenken, von Gedanken oder Sensationen auf ein Vermögen oder eine Fähigkeit zu denken und auf ein dauerndes Wesen oder auf einen Geist geschlossen hat, welchem dieses Vermögen zukommt; und daß wir, ebenso unveränderlich, all die verschiedenen Arten von Sensationen oder Gedanken, deren wir uns bewußt sind, einem individuellen Geist oder Selbst zuschreiben.

Aber es ist unmöglich, die Regeln der Logik zu zeigen, vermöge welcher wir diese Folgerungen ziehen; ja, es ist sogar unmöglich, zu zeigen, wie unsere Sensationen und Gedanken uns nur den Begriff und die Vorstellung, entweder von einem Geist oder von einer Fähigkeit verschaffen können. Das Vermögen zu riechen ist etwas sehr verschiedenes von der wirklichen Sensation des Geruchs; denn das Vermögen zu riechen kann uns bleiben, wenn wir keine Sensation haben. Und der Geist ist nicht minder von diesem Vermögen verschieden; denn er bleibt ein und dasselbe individuelle Wesen, wenn diese Fähigkeit gleich verloren ist. Und dennoch führt uns diese Sensation sowohl auf ein Vermögen, als auf einen Geist; und erzeugt nicht allein den Begriff von ihnen, sondern auch den Glauben an ihre Existenz, - obgleich es unmöglich ist, durch die Vernunft, irgendein Band oder eine Verbindung zwischen dem einen und dem andern zu entdecken.

Was können wir also hierbei tun? Entweder sind diese Folgerungen, welche wir aus unseren Sensationen ziehen, nämlich, die Existenz eines Geistes und die Existenz von gewissen, ihm zukommenden Vermögen oder Fähigkeiten, Vorurteile der Philosophie und der Erziehung, bloße Erdichtungen unseres Geistes, welche ein vernünftiger Mensch ablegen sollte, wie er den Glauben an Hexen und Feen ablegt; oder es sind Aussprüche der Natur, Aussprüche, die nicht durch eine Vergleichung von Ideen und durch eine Wahrnehmung von Ähnlichkeit und Unähnlichkeit erzeugt, sondern die uns unmittelbar durch die Einrichtung unserer Natur ausgegeben werden.

Ist das letztere der Fall - und ich fürchte, daß er es ist: - so wird es unmöglich sein, sich von diesen Meinungen loszumachen und wir werden ihnen schließlich nachgeben müssen, wenn wir uns auch noch so sehr sträuben, sie uns vom Hals zu schaffen. Und könnten wir auch, mittels entschlossener Hartnäckigkeit die Grundsätze unserer Natur ablegen: so hieße dies nicht den Philosophen, sondern den Rasenden spielen. Denjenigen, die da glauben, daß dies nicht natürliche Prinzipien sind, obliegt es, uns zu zeigen,  erstens,  wie wir auf andere Art zum Begriff eines Geistes und der Vermögen desselben gelangen und  zweitens,  wie wir uns selbst die Meinung aufbürden können, daß keine Sensation ohne ein empfindendes Wesen stattfindet.

Es ist eine von den Philosophen angenommene Lehre, daß unsere Begriffe von Verhältnissen nur durch eine Vergleichung verwandter Ideen erlangt werden können; aber im gegenwärtigen Fall scheint ein Beispiel vom Gegenteil zu sein. Nicht dadurch, daß wir zuerst den Begriff von Geist und Sensation haben und daß wir diese alsdasnn miteinander vergleichen, gelangen wir zu der Wahrnehmung, daß er eine das Verhältnis eines Subjekts oder Substratums und der andere das Verhältnis eines Aktus oder einer Wirkung hat; im Gegenteil gibt uns das eine dieser zwei im Verhältnis miteinander stehenden Dinge, die Sensation nämlich, sowohl das Korrelat, als auch das Verhältnis ein.

Ich bitte um Erlaubnis das Wort  Eingebung  (suggestion) gebrauchen zu dürfen, weil ich kein schicklicheres kenne, um ein Vermögen der Seele auszudrücken, welches der Beachtung der Philosophen gänzlich entgangen zu sein scheint, und welchem wir sowohl verschiedene unserer einfachen Begriffe, welche weder Eindrücke noch Ideen sind, als auch verschiedene ursprüngliche Prinzipien des Glaubens zu verdanken haben. Ich werde mich bemühen, durch ein Beispiel anschaulich zu machen, was ich unter diesem Wort verstehen. Wir wissen alle, daß eine gewisse Art von Geräusch oder von Tönen die Seele unmittelbar auf die Vorstellung von einem, in der Straße fahrenden Wagen führt oder ihr diese Vorstellung gleichsam eingibt; und nicht allein die Vorstellung, sondern auch den Glauben, daß ein Wagen vorbei fährt, hervorbringt. Und dennoch findet hier kein Vergleich von Ideen, keine Wahrnehmung von Übereinstimmung und Nichtübereinstimmung zur Hervorbringung dieser Meinung statt; auch gibt es nicht die geringste Ähnlichkeit zwischen dem Schall, den wir hören und dem Wagen, welchen wir vorbeifahrend uns vorstellen und glauben.

Es ist wahr, daß diese  Eingebung  nicht natürlich und originell ist; sie ist das Resultat von Erfahrung und Gewohnheit. Aber ich denke, es erhellt sich aus dem, was gesagt worden ist, daß es natürliche Vorstellungen dieser Art gibt; und vorzüglich, daß eine Sensation mich auf den Begriff von gegenwärtiger Existenz und den Glauben führt, daß das, was wir wahrnehmen oder fühlen, jetzt existiert; daß das Gedächtnis eben dies in Anbetracht einer vergangenen Existenz tut und uns zu dem Glauben leitet, daß das, dessen wir uns erinnern, in der vergangenen Zeit existierte; und daß eben auf diese Art unsere Sensationen und Gedanken uns auf den Begriff von einem Geist und den Glauben an seine Existenz und an das Verhältnis desselben zu unseren Gedanken, leiten. Vermöge eines ähnlichen, natürlichen Prinzipiums geschieht es, daß ein Anfang von Existenz oder irgendeine Veränderung in der Natur uns auf den Begriff von einer Ursache führt und uns zum Glauben an die Existenz derselben zwingt. Und auf eben diese Art führen uns, wie hernach bei der Gelegenheit des Gefühlssinnes gezeigt werden wird, gewisse Sensationen des Gefühls, vermöge der Einrichtung unserer Natur, auf die Vorstellung von Ausdehnung, Dichte und Bewegung, die auf keine Weise Sensationen ähnlich sind obgleich sie bis jetzt damit vermischt wurden.


Achter Abschnitt
Die Körper haben eine Eigenschaft oder Kraft,
welche wir ihren Geruch nennen. Wie diese
Eigenschaft in der Einbildungskraft mit der
Sensation verknüpft wird.

Wir haben den Geruch als etwas betrachtet, das eine Sensation, ein Gefühl oder einen Eindruck auf den Geist bedeutet; und in diesem Sinne kann er sich auch einzig und allein in einem Geist oder in einem empfindenden Wesen befinden. Aber es ist augenscheinlich, daß die Menschen viel öfters den Namen  Geruch  gebrauchen, um dadurch etwas äußerliches und eine Eigenschaft des Körpers zu bezeichnen; sie verstehen darunter etwas, aus welchem sich nicht im mindesten auf einen Geist schließen läßt, und haben nicht die geringste Schwierigkeit, sich vorzustellen, daß die Luft in der Wüste von Arabien oder auf irgendeiner unbewohnten Insel, die nie von menschlichen Füßen betreten worden ist, mit aromatischen Düften erfüllt ist. Jeder vernünftige Tagelöhner hat ein so deutliche Vorstellung hiervon und eine so völlige Überzeugung von der Möglichkeit der Sache, wie er von seiner eigenen Existenz hat und kann so wenig an der einen, wie an der anderen zweifeln.

Wir wollen einmal annehmen, daß so ein Mann mit einem neueren Philosophen zusammenkommt und gern unterrichtet sein möchte, welchen Geruch die Pflanzen haben? Der Philosoph erzählt ihm, daß sich weder in den Pflanzen, noch in sonst irgendeinem Ding ein Geruch empfindet, sondern daß dieser in der Seele ist; daß es unmöglich anderswo als in der Seele Geruch geben kann und daß all das durch die neuere Philosophie erwiesen worden ist. Zweifelsohne wird der ehrliche Mann geneigt sein, den Philosophen für einen Scherzbold zu halten; aber wenn er findet, daß dieser in gutem Ernst spricht: so wird er weiter schließen, daß er wahnsinnig ist oder daß die Philosophie, gleich einer magischen Kunst, die Menschen in eine neue Welt versetzt und ihnen andere Fähigkeiten gibt als die gemeinen Menschen haben. Und auf diese Art liegen Philosophie und gemeiner Menschenverstand miteinander im Streit. Aber, wer ist deswegen zu tadeln? Meines Erachtens der Philosoph. Denn wenn er unter Geruch das versteht, was die übrigen Menschen gewöhnlich darunter verstehen: so ist er sicherlich wahnsinnig. Aber nimmt er, ohne es selbst gewahr zu werden oder andere davon zu benachrichtigen, das Wort in einem verschiedenen Sinn: so macht er Mißbrauch von der Sprache, und entehrt die Philosophie ohne irgendwie der Wahrheit einen Dienst zu leisten. Es wäre eben so, als wenn ein Mensch die Bedeutung der Wörter  Tochter  und  Kuh  verändern und dann sich bestreben wollte, seinem ehrlichen Nachbarn zu beweisen, daß seine Kuh seine Tochter und seine Tochter seine Kuh ist.

Ich glaube, daß in verschiedenen Paradoxen der Philosophie der Ideen nicht viel Weisheit mehr enthalten ist. Einem Menschen von geradem Verstand scheinen das handgreiflich Ungereimtheiten, was die Adepten für große Entdeckungen ausgeben. Ich, für mein Teil, bin entschlossen, den Aussprüchen des gemeinen Menschenverstandes jederzeit große Achtung zu bezeugen und mich von ihnen nie, ohne unumgängliche Notwendigkeit zu entfernen; und deswegen bin ich geneigt zu denken, daß es in der Rose oder in der Lilie wirklich etwas gibt, was der gemeine Mann  Geruch  nennt und welches fortfährt zu existieren, wenn es auch nicht gerochen wird und werde zu der Untersuchung fortschreiten, was das ist? Wie wir zu einem Begriff davon gelangen? Und welches Verhältnis diese Eigenschaft des Geruchs zu derjenigen Sensation hat, welcher wir, aus Mangel eines anderen Namens genötigt gewesen sind, eben diesen Namen zu geben.

Wir wollen also, wie vorher, einen Menschen annehmen, welcher anfängt den Sinn des Geruchs zu üben. Ein wenig Erfahrung wird ihn lehren, daß die Nase das Organ dieses Sinnes und daß die Luft oder etwas in der Luft das Medium desselben ist. Und da er nun durch weitere Erfahrung entdeckt, daß, wenn ihm eine Rose nahe ist, er eine gewisse Sensation hat und daß, wenn die Rose entfernt ist, diese Sensation verschwindet: so findet er, in der Natur eine Verknüpfung zwischen der Rose und dieser Sensation. Die Rose wird als Ursache, Veranlassung oder Vorgänger der Sensation; die Sensation als eine Wirkung oder Folge von der Gegenwart der Rose angesehen; sie sind in der Seele miteinander verbunden und werden in der Einbildungskraft beständig vereint miteinander gefunden.

Aber hier verdient es, bemerkt zu werden, daß, obgleich die Sensation genauer mit der Seele als ihrem Subjekt oder mit der Nase als ihrem Organ verknüpft zu sein scheint, dennoch keine dieser Verknüpfungen so mächtig auf die Einbildungskraft wirkt, als ihre Verknüpfung mit der Rose, ihrer Begleiterin oder ihrem Gefährten. Der Grund hiervon scheint zu sein, daß ihre Verknüpfung mit der Seele allgemeiner ist und sich keineswegs von anderen Gerüchen und sogar von schmeckbaren und hörbaren Dingen und anderen Arten von Sensationen unterscheidet. Das Verhältnis, das sie zu diesem Organ hat, ist gleicher Gestalt, allgemein und und unterscheidet sie nicht von anderen Gerüchen; aber die Verbindung, die sie mit der Rose hat, ist speziell und beständig, wodurch sie dann in der Einbildungskraft fast unzertrennlich voneinander werden, auf eben die Art wir Donner und Blitz, Frieren und Kälte es sind.


Neunter Abschnitt
Es gibt ein Prinzip in der menschlichen Natur, von
welchem der Begriff von der vorgedachten natürlichen
Eigenschaft oder Kraft sowohl, als von anderen
natürlichen Eigenschaften oder Ursachen hergleitet ist.

Um es noch mehr zu erläutern, wie wir zum Begriff von der Eigenschaft der Rose, welch wir Geruch nennen, und was dieser Geruch ist, gelangen, ist es nötig zu bemerken, daß die Seele sehr frühzeitig anfängt, ein Verlangen nach Prinzipien zu äußern, welche dem Gebrauch ihrer Vermögen eine Richtung geben können. Der Geruch einer Rose ist eine gewisse Bewegung oder ein gewisses Gefühl der Seele; und da es nicht fortdauernd ist, sondern kommt und verschwindet, so möchten wir gerne wissen, wann und wo wir es erwarten können und sind so lange unruhig, bis wir etwas entdecken, dessen Gegenwart dieses Gefühl mit sich bringt und dessen Entfernung es mit sich entfernt. Dieses, wenn wir es gefunden haben, nennen wir die Ursache desselben; nicht in einem strengen, philosophischen Sinn, so als wenn das Gefühl wirklich durch diese Ursache bewirkt oder hervorgebracht worden wäre, sondern in einem populären Sinn. Denn es ist der Seele hierzu genug, wenn sich eine beständige Verbindung zsichen diesen beiden Dingen zeigt: und Ursachen dieser Art sind in der Wirklichkeit nichts anderes als Gesetze der Natur. Wenn die Seele auf diese Art jederzeit den Geruch mit der Rose vereint gefunden hat: so ist sie ruhig und forscht nicht nach, ob diese Verbindung einer wirklich wirkenden Kraft oder nicht zuzuschreiben ist, weil dies eine philosophische Untersuchung ist, welche nichts mit den Angelegenheiten des Lebens zu tun hat. Aber, jede Entdeckung einer solchen beständigen Verbindung ist von reeller Wichtigkeit im Leben und macht einen tiefen Eindruck auf die Seele.

Wir verlangen so eifrig, jedes Ding, das unter unsere Beobachtung fällt, mit etwas anderem auf diese Art verbunden zu finden, daß wir bei den geringfügigen Gründen geneigt sind, uns dergleichen Verbindungen einzubilden; und diese Schwachheit ist bei Unwissenden, welche am wenigsten von den in der Natur festgesetzten wirklichen Verbindungen wissen, am bemerkbarsten. Wenn ein Mensch von seinem unglücklichen Vorfall an einem gewissen Tag des Jahres betroffen wird und keine andere Ursache seines Unfalles weiß: so ist er geneigt, diesen Tag im Kalender für unglücklich zu halten; und wenn er findet, daß diese Verbindung ein zweites Mal stattfindet, so wird er auf die kräftigste Art in diesem Aberglauben bestärkt. Ich erinnere mich eines vor vielen Jahren in diese Gegend gebrachten weißen Ochsens, der von so ungeheurer Größe war, daß die Leute viele Meilen weit gingen, um ihn zu sehen. Einige Monate nachher ereigneten sich bei einigen Kindbetterinnen ungewöhnliche Unglücksfälle. Zwei dieser ungewöhnlichen Begebenheiten, die aufeinander folgten, erregten den Verdacht von einer Verbindung derselben mit jenem weißen Ochsen und veranlaßten unter dem gemeinen Mann die herrschende Meinung, daß dieser weiße Ochse die Ursache die Unfälle ist.

So einfältig und lächerlich diese Meinung auch war: so entsprang sie dennoch aus eben der Quelle in der menschlichen Natur, aus welcher alle Naturkunde entspringt; nämlich aus dem eifrigen Verlangen, Verbindungen zwischen den Dingen zu entdecken und aus dem natürlichen, ursprünglichen und unerklärlichen Hang zu glauben, daß die Verbindungen welche wir in der Vergangenheit bemerkt haben, auch in der Zukunft stattfinden werden. Sowohl Ahnungen, Vorbedeutungszeichen, Wahrsagerei, Astrologie und all die verschiedenen Prophezeiungskünste und Traumdeuterei und falsche Hypothesen und Systeme, wie auch die wahren Prinzipien in der Philosophie der Natur sind alle auf eben demselben Grund in der Einrichtung der menschlichen Natur aufgeführt und unterscheiden sich einzig und allein darin, daß wir, entweder zu schnell aus einigen wenigen Beispielen oder vorsichtig aus hinlänglichen Induktionen schließen.

Da die Erfahrung allein diese Verbindungen zwischen natürlichen Ursachen und ihren Wirkungen entdeckt: so verbinden wir ohne weitere Untersuchung mit der Ursache einen unbestimmten leeren Begriff von irgendeiner Kraft oder Eigenschaft, welche die Wirkung hervorbring. Und, in vielen Fällen, machen die Zwecke des Lebens es nicht notwendig, der Ursache und der Wirkung verschiedene Namen zu geben. Hieraus entsteht es dann, daß, daß sie in der Einbildung genau miteinander verknüpft, aber sonst einander sehr unähnlich sind, eine Benennung für beide gebraucht und im alltäglichen Gespräch am gewöhnlichsten derjenigen von beiden zugeignet wird, welche am häufigsten der Gegenstand unserer Beobachtung ist. Dies verursacht in vielen Worten eine Zweideutigkeit, die, daß diese Ursachen in allen Sprachen stattfinden, allen Sprachen gemein ist und sogar von Philosophen leicht übersehen werden kann. Einige Beispiele werden sowohl zur Erläuterung, wie zur Bestätigung des Gesagten dienen können.

Magnetische Kraft  bedeutet sowohl die Tendenz des Eisens nach dem Magneten, wie auch die Kraft des Magneten diese Tendenz hervorzubringen; und wenn jemand gefragt werden sollte, ob dies eine Eigenschaft des Eisens oder des Magneten ist, so könnte er auf den ersten Blick in Verwirrung gesetzt werden. Aber, ein wenig Aufmerksamkeit wird lehren, daß wir uns in diesem Magneten eine Eigenschaft oder Kraft als die wirkende Ursache und die Bewegung im Eisen als die Wirkung vorstellen; und obgleich diese beiden Dinge einander gänzlich ungleich sind: so sind sie dennoch in der Einbildung so genau miteinander vereint, daß wir beiden gemeinschaftlich die Benennung der magnetischen Kraft geben. Eben dies kann von der Gravitation gesagt werden, welche zuweilen die Tendenz der Körper nach der Erde, zuweilen die anziehende Kraft der Erde, welche wir uns, als die Ursache dieser Tendenz denken, bedeutet: Wir können eben diese Zweideutigkeit in einigen Tagen von NEWTONs Definitionen und sogar in Wörtern von seiner eigenen Erfindung bemerken. In dreien von seinen Definitionen erklärt er sehr deutlich, was er unter  unbedingter,  unter  beschleunigter  und unter  bewegender  Quantität einer zentripedalen Kraft versteht. In der ersten dieser drei Definitionen nimmt er diese Kraft für die wirkende Ursache, unter welcher wir irgendein Vermögen oder Kraft im Mittelpunkt oder dem Zentralkörper verstehen; in den beiden letzten Definitionen bedeutet eben dieses Wort die Wirkung dieser Ursache in der Hervorbringung der Geschwindigkeit oder der Bewegung gegen die Erde.

Hitze  bedeutet eine Art von Sensation und  Kälte  die entgegengesetzte. Aber Hitze bedeutet ebenfalls auch eine Eigenschaft oder einen Zustand der Körper, wobei kein Gegenteil, sondern nur verschiedene Grade stattfinden. Wenn ein Mensch ein und dasselbe Wasser mit der einen Hand kalt und mit der anderen warm zu sein fühlt, so gibt ihm dies Gelegenheit, zwischen diesen beiden Gefühlen und der Hitze des Körpers einen Unterschied zu machen; und ungeachtet dessen, daß er weiß, daß die Sensationen einander entgegengesetzt sind, so glaubt er dennoch nicht, dß der Körper zu ein und derselben Zeit verschiedene Eigenschaften haben kann. Und wenn er in ein und demselben Körper, je nachdem ob er selbst krank oder gesund ist, einen verschiedenen Geschmack findet, so überzeugt er sich leicht, daß die Eigenschaft des Körpers, welche  Geschmack  genannt wird, eben dieselbe wie vorher ist, obgleich die Sensationen, die er durch denselben erhält, vielleicht einander entgegengesetzt sind.

Die Philosophen legen dem großen Haufen gewöhnlich die Ungereimtheit zur Last, daß er wähnt, der Geruch der Rose sei etwas der Sensation des Geruchs Ähnliches; aber ich denke, dies geschieht zu Unrecht; denn er gibt weder beiden in und dasselbe Beiwort, noch zieht er von beiden eben dieselben Schlüsse. Was ist der Geruch in der Rose? Es ist eine Eigenschaft oder Kraft der Rose oder Etwas von ihr Ausgehendes, das wir durch den Sinn des Geruchs wahrnehmen und das ist alles, was wir hiervon wissen. Aber was ist das Riechen? Es ist ein Aktus der Seele; aber es ist nie geglaubt worden, daß es eine Eigenschaft der Seele ist. Ferner hat man geglaubt, daß die Sensation des Riechens notwendigerweise einen Geist oder ein empfindendes Wesen voraussetzt; aber aus dem Geruch der Rose folgt so etwas nicht. Wir sagen: dieser Körper riecht angenehm und jener stinkt; aber wir sagen nicht, diese Seele riecht angenehm und jene stinkt. Und folglich stellt sich auch der gemeine Mann beim Geruch der Rose und der Sensation, welche dadurch verursacht wird, so gar keine Dinge von ein und derselben Art vor, obgleich sie ein und dieselbe Benennung haben.

Aus dem, was gesagt worden ist, können wir lernen, daß wir zweierlei meinen, wenn wir vom Geruch einer Rose reden;  einmal  eine Sensation, welche keine Existenz haben kann, wenn sie nicht wahrgenommen wird und die nur allein in einem empfindenden Wesen oder in einem Geist stattfindet;  zweitens  bedeutet dieser Ausdruck irgendeine Kraft, ein Vermögen, eine Eigenschaft in der Rose oder einen von ihr herkommenden Ausfluß, der eine dauernde von der Seele unabhängige Existenz hat und der mittels der Einrichtung unserer Natur diese Sensation in uns hervorbringt. Durch die ursprüngliche Einrichtung unserer Natur werden wir sowohl dahin gebracht zu glauben, daß es eine fortdauernde Ursache von der Sensation gibt, als auch angetrieben, diese aufzusuchen; und die Erfahrung bestimmt uns, sie in die Nase zu setzen. Die Benennungen aller Arten von Gerüchen und Tönen und vom Geschmack sowie von Hitze und Kälte haben in allen Sprachen eine gleiche Zweideutigkeit, aber es verdient bemerkt zu werden, daß diese Benennungen nur selten in der gewöhnlichen Sprache gebraucht werden umd die Sensationen zu bezeichnen; denn meistenteils deuten sie die äußerlichen Eigenschaften an, welche durch die Sensationen angezeigt weden. Folgendes halte ich für die Ursache dieser Erscheinung. Unsere Sensationen haben verschiedene Grade von Stärke; einige von ihnen sind so lebhaft und so stark, daß sie uns einen Grad, entweder von Vergnügen oder von Unbehaglichkeit verschaffen. Wenn dies der Fall ist: so werden wir genötigt, auf die Sensation selbst Acht zu geben und aus ihr einen Gegenstand unserer Gedanken und unseres Gesprächs zu machen; wir geben ihr eine Benennung, welche nichts bedeutet als die Sensation; und in diesem Fall gestehen wir sehr leicht ein, daß das mit dieser Benennung belegte Ding sich nur in der Seele und nicht in irgendeinem äußerlichen Ding befindet. Von dieser Art sind die verschiedenen Gattungen von Schmerz und Krankheit und die Sensationen von Hunger und anderen Begierden. Aber wenn die Sensation nicht so wichtig ist, um von uns zum Gegenstand unserer Gedanken gemacht zu werden: so führt die Einrichtung unserer Natur uns darauf, sie als ein Zeichen von etwas Äußerlichem zu betrachten, welches eine beständige Verbindung mit ihr hat; und wenn wir ausfindig gemacht haben, wodurch sie veranlaßt wird: so geben wir diesem Ding einen Namen; die Sensation wird, da sie keinen besonderen Namen hat, als eine Nebensache des, durch jene Benennung bezeichneten Dings angesehen und unter demselben Namen mit dem Ding selbst verwechselt und zwar dergestalt, daß die Benennung in der Tat zwar auf die Sensation angewandt werden kann, aber am schicklichsten und öftesten auf dasjenige Ding angewandt zu werden pflegt, welches durch die Sensation angezeigt wird. Die Sensationen von Geruch und Geschmack, von Tönen und von Farben sind, als Zeichen oder Anzeichen von unendlich größere Wichtigkeit, als sie es um ihrer selbst willen sind. Sie gleichen den Worten in einer Sprache, auf deren Klang wir nicht, sondern auf deren Sinn wir nur achten.


Zehnter Abschnitt
Ob sich die Seele bei Sensationen tätig
oder leidend verhält?

Eine Untersuchung bleibt uns noch übrig; ob nämlich beim Riechen und bei anderen Sensationen die Seele leidend oder tätig ist. Diese Frage kann vielleicht Spitzfindigkeit oder ein Wortspiel oder mindestens doch von sehr geringer Wichtigkeit scheinen; wenn sie uns jedoch zu einer genaueren Beobachtung der Wirkungen der Seele führt, als wir zu machen gewohnt sind, so ist sie eben aus diesem Grund nicht gänzlich unnütz. Ich glaube, die neueren Philosophen hegen die Meinung, daß die Seele bei Sensationen gänzlich leidend ist. Und zweifelsohne ist dies insofern wahr als wir durch bloßen Willen keine Sensation in der Seele erwecken können, so wie es auf der anderen Seite kaum möglich scheint, daß wir es vermeiden können, die Sensation zu haben, wenn der Gegenstand sich uns darstellt. Und dennoch scheint es gleichfalls wahr zu sein, daß, je nachdem die Aufmerksamkeit mehr oder weniger auf die Sensation gerichtet oder von ihr weggekehrt ist, diese Sensation mehr oder weniger wahrgenommen und im Gedächtnis behalten wird. Jedermann weiß, daß ein sehr großer Schmerz durch Überraschung oder Schrecken oder durch irgendein Ding, welches die Seele gänzlich einnimmt, aufgehoben werden kann. Wenn wir in eine sehr ernsthafte Unterhaltung verwickelt sind, so kann neben uns eine Glocke schlagen, ohne daß wir es hören; zumindest erinnern wir uns schon im folgenden Augenblick nicht mehr, daß wir es gehört haben. Der Lärm und das Geräusch in einer großen Handelsstadt werden von denen nicht gehört, die ihr ganzes Leben darin zugebracht haben; aber sie betäuben die Fremden, die sonst in friedlichen Wohnungen auf dem Land leben. Ob es also irgendein Sensation geben kann, bei welcher die Seele bloß leidend wäre, will ich nicht sagen; aber ich denke, wir sind es uns bewußt, jeder Sensation, deren wir uns erinnern, eine gewisse Aufmerksamkeit geliehen zu haben, wenn sie auch noch so vorübergehend gewesen wäre.

Zweifelsohne ist es, wenn der Anreiz stark und ungewöhnlich ist, ebenso schwer, die Aufmerksamkeit zurückzuhalten, als es ist, sich bei folternden Schmerzen oder bei einem plötzlichen Schrecken des Schreiens zu erwehren. Aber, inwiefern beides durch feste Entschlüsse und Übung erreicht werden kann, ist nicht leicht zu bestimmen, so daß, obgleich die Peripatetiker [Aristoteliker - wp] nicht sonderliche Gründe vorbrachten, einen wirkenden und einen leidenden Verstand anzunehmen, weil die Aufmerksamkeit ziemlich glücklich als eine Wirkung des Willens erklärt werden kann, es mir dennoch dünkt, als ob sie der Wahrheit näher geommen wären, indem sie dafür hielten, daß die Seele bei Sensationen zum Teil leidend und zum Teil tätig ist, als die Neueren, indem sie behaupten, daß sich die Seele bloß leidend dabei verhält. Sensation, Imagination, Gedächtnis und Urteilskraft sind, vom großen Haufen zu allen Zeiten für wirkende Kräfte oder Vermögen der Seele angesehen worden. Die Art, auf welche sie in allen Sprachen ausgedrückt werden, beweist dies. Wenn die Seele sehr mit ihnen beschäftigt ist: so sagen wir, sie sei sehr tätig; wogegen wenn die Sensationen bloße Eindrücke wären, wie uns die idealistische Philosophie gern glauben machen möchte, wir eher in solchen Fällen sagen sollten, daß die Seele sehr leidend ist; denn ich glaube, kein Mensch wird dem Papier, worauf ich schreibe, viel Tätigkeit zueignen, weil es eine große Mannigfaltigkeit von Buchstaben und Zeichen annimmt.

Das Verhältnis, welche die Sensation des Geruchs zur Erinnerung daran und der Einbildung davon und zur Seele oder dem Subjekt hat, ist allen unseren Sensationen und in der Tat allen Wirkungen der Seele - und ihr Verhältnis zum Willen hat sie mit allen Kräften des Verstandes - und ihr Verhältnis zu derjenigen Eigenschaft der Körper, welche durch sie angezeigt werden, hat sie mit den Sensationen von Geschmack, Gehör, Farbe, Hitze und Kälte gemein; so daß das, was vom Sinn des Geruchs gesagt worden ist, leicht auf verschiedene unserer Sinne und auf andere Wirkungen der Seele angewandt werden kann; und dies, hoffe ich, wird mich entschuldigen, daß ich mich solange dabei aufgehalten habe.
LITERATUR: Thomas Reid, Untersuchung über den menschlichen Geist nach den Grundsätzen des allgemeinen Menschenverstandes, Leipzig 1782