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(1819 - 1897) Philosophische Grammatik - I I - Das Verhältnis von Etymologie, Syntax und Logik Der zweite Hauptteil der philosophischen Grammatik ist die Syntax. Derselbe unterscheidet sich von dem ihm vorangegangenen ersten, der Etymologie, dadurch daß er in sich selbst bereits von philosophischer Natur ist, während in Bezug auf jenen das Recht der Philosophie erst geltend gemacht werden mußte. Wie eine jede andere Grammatik so zerfällt auch die allgemeine oder philosophische Grammatik in die beiden Hauptabteilungen der Etymologie und Syntax; das Philosophische bei der Etymologie aber lag nur in der Art ihrer Behandlung während bei der Syntax auch der Inhalt an und für sich selbst schon ein philosophischer oder dem Gedanken aus sich gleichartiger ist. Bloß als Satzbildung ist die Sprache der Ausdruck des Denkens; erst mit der Syntax daher nimmt jener allgemeine Parallelismus oder sich wechselseitig bedingende Entwicklungszusammenhang zwischen Logik und Grammatik der philosophischen oder philologischen Formaldisziplin seinen Anfang; das ganze Prinzip der Wortbildung dagegen ist nur ein sinnliches, anschaulich Empfindungsmäßiges, allem Logischen fremdartiges und daher erst mittelbar durch den Gedanken für uns zu erfassendes. Die Etymologie an und für sich selbst ist eine empirische, die Syntax dagegen eine philosophische Wissenschaft; die letztere ist ihrer Natur nach von der Logik untrennbar und es begreift sich in ihr wesentlich bloß das Denken selbst, inwiefern es in der Sprache seine eigene untrennbare Form und Wirklichkeit hat. Die Gesetze der Wortbildung aber können wesentlich nur auf dem Weg der Beobachtung, diejenigen der Satzbildung müssen auf dem des Gedankens, insofern sie durch die der Logik als ihren notwendigen Inhalt bedingt gewonnen und dargestellt werden. Jene sind ferner für die einzelnen Sprachen in höherem Grade verschiedene, diese aber gemeinsame. Unter einer philosophischen Etymologie konnte daher bloß verstanden werden die Begründung des allgemeinen Prinzips durch welches die Gestaltung des wortbildenden Verfahrens in den einzelnen Sprachen mit Notwendigkeit bedingt wurde; die Aufzählung des speziellen Formenapparates und die Feststellung der besonderen Gesetze über die Gestaltung des sprachlichen Materials ist in der Grammatik einer jeden einzelnen Sprache wiederum eine in gewisser Weise eigentümliche. Das Syntaktische hingegen ist an und für sich ein solches, welches sich in allen Sprachen mit gleicher Notwendigkeit vorfinden muß. Daher war bei jener nur das Prinzip, bei dieser aber ist auch der Inhalt ein philosophischer; die Substanz aller Sprache ist das Denken und der Ausdruck des Gesetzes von dieser ist die Logik; das Etymologische ist der Körper, das Syntaktische ist der Geist in der Sprache; die Sprache als solche aber ist nur in der Satzbildung begründet; diese ist der Zweck, die Wortbildung aber das Mittel. Die ganze neuere systematische Sprachforschung hat sich vorzugsweise nach der Seite der Wortbildung hingewendet, die Satzbildung als etwas Einfacheres und leichter aus sich selbst Verständliches ansehend, gerade so als auch sonst die Erklärungsweise aller Dinge eine vorherrschend physiologische oder sinnlich materialistische geworden ist. Die Etymologie war für uns in gewisser Weise etwas Mittleres zwischen Metaphysik und Psychologie, insofern den einzelnen Lauten des Alphabets immer eine Hindeutung nach diesen beiden entgegengesetzten Hälften alles Daseins, der Welt und der Seele, zu Grunde lag. Die Sprache überhaupt ist ein Mittleres zwischen uns und der Außenwelt und sie trägt in dieser Stellung zugleich die Eigenschaft einer Grenze und die einer Brücke an sich; die Etymologie aber bezieht sich auf das Urgeschichtliche ihres Baues, die Syntax auf das gegenwärtig Lebendige ihrer Dienste für uns. Daher zeigt uns diese die Sprache in dem was sie der Wirklichkeit nach ist während jene wesentlich nur die geschichtliche Wissenschaft von derselben ist. Der menschliche Geist ohne die Sprache war Eins mit der Welt; wie ein Keil hat sich jene hineingetrieben zwischen ihn selbst und diese letztere; alle innere Vertiefung und aller abgesonderte Inhalt des menschlichen Geistes beruht nur auf der Sprache; das Etymologische von dieser aber ist dasjenige, welches zunächst nur die Grenze des geistigen Selbstbewußtseins gegenüber der sinnlichen Natur der Dinge festgestellt hat; durch das Syntaktische aber kehrt der Geist in bewußter Vermittlung dann wieder zur Erkenntnis von dieser zurück. Die Lehre von der Sprache als der Brücke des Denkens zur Wirklichkeit ist die Syntax: daher ist das in ihr Enthaltene zuerst ein rein geistiges, spezifisch inneres und subjektiv selbstbewußtes. Die Wortbildung ist die Prägstätte für die Münze des Denkens, durch die dieses den Inhalt der Welt erkauft. Das Gold ist zuerst das Mark der Erde, das dann durch den Verkehr dem ganzen Inhalt von dieser gleich gesetzt wird; ebenso verarbeitet zuerst die Wortbildung in den Lauten das Mark der Dinge und des menschlichen Geistes, durch welches sodann die ganze Anwendung des Denkens bedingt und erhalten wird. Überhaupt daher ist die Syntax der für die Sprache im Allgemeinen wichtigere und bedeutungsvollere Teil als die Etymologie oder es ist nur jene die wirkliche und eigentliche Grammatik selbst, diese dagegen eine bloße vorbereitende körperlich physiologische Einleitung zu derselben. Bloß für den Standpunkt des empirischen Anfängers aber mag immer der etymologische Teil der Grammatik als der wichtigere erscheinen als der syntaktische, weil eben für diesen das Zurechtfinden in den äußerlich verschiedenen Formen einer fremden Sprache das näher Liegende und praktisch Bedeutsamere seines Interesses ist als das dasjenige an der Gliederung des Satzbaues selbst, für dessen Verständnis die Analogie der eigenen Sprache zu jeder Zeit einen festeren und bestimmteren Anhalt bildet. In der Syntax daher wird das Gebiet der eigentlichen oder wirklichen philosophischen Grammatik beschritten. Die beiden Wissenschaften der Logik und der Syntax erscheinen zunächst als miteinander gleichbedeutend indem eine jede charakteristische Verschiedenheit des Denkens notwendig eine solche des Satzbaue zu ihrer Form und Begleitung hat, eine jede der letzteren aber überall nichts ist als der notwendige Ausdruck einer der ersteren. Alles Logische ist immer zugleich ein Syntaktisches; die Arten des Denkens können nur ebenso viele sein als die Arten seiner Beziehung durch den Satzbau der Sprache. Der ganze gegebene Organismus der Logik aber ist ein einfacherer als der der Syntax, weil jene sich nur auf das an und für sich Allgemeine oder das abstrakte und notwendige Grundprinzip alles geordneten Denkens, diese dagegen sich auf die konkrete Wirklichkeit oder den ganzen Umfang der besonderen Erscheinungen des Gedankens in der Sprache bezieht. Auch die Syntax ist eine empirische Wissenschaft insofern sie die Erkenntnis alles Besonderen oder Gegebenen ihres Gebietes in sich einschließt, die Logik dagegen eine kritische oder gesetzgebend idealistische Disziplin, indem sie sich nur auf die Feststellung der einfachen Grundidee desselben beschränkt und diese zur beherrschenden Norm und abschließenden Grenze für die Unterscheidung des Wahren und Falschen alles zu ihm gehörenden Inhalts erhebt. Die Logik stellt das Denken nur hin so wie dieses an und für sich oder seinem reinen und einfachen Wesen nach ist; das wirkliche Denken ist vielfach ohne ein mit dem Gesetze der Logik widersprechendes zu sein, doch ein mannigfaltigeres, abgewandelteres und zusammengesetzteres als das jener ursprünglichen Grundform selbst; daher ist die Logik überhaupt unzureichend als volle und erschöpfende Wissenschaft von den Formen des Denkens angesehen zu werden und es ist eben unter diesem Gesichtspunkt daß sie durch die Syntax der Ergänzung bedarf. Die Logik ist an und für sich selbst die Wissenschaft vom Denken als solchem oder außerhalb seines notwendigen und untrennbaren Zusammenhangs mit der Sprache, welcher letztere von ihr als etwas bloß Gelegentliches und außerwesentlich Selbstverständliches angesehen wird; alle Versuche aber vom Standpunkt der Logik selbst aus den ganzen Umfang der möglichen und berechtigten Modifikationen des wirklichen Denkens zu erschöpfen oder unter Anschluß an jene seine reine Idee ein umfassendes System derselben aufzustellen, sind vergeblich; nur das Gegebene oder Konkrete dieser Modifikationen wie es die Sprache in sich darbietet ist es das zum Anhalt hierfür genommen werden kann. Daher ergänzt die Syntax auf der einen Seite die Logik, während sie auf der anderen an dem einfacheren Gange von dieser den Führer ihrer eigenen zusammengesetzteren Bewegung findet. Die Wissenschaft der Logik zerfällt in sich selbst in drei Teile, in die Lehre von den Begriffen und deren allgemeinen Beziehungen, in die von den einfachen und unmittelbaren Urteilsverbindungen und in die von den mittelbaren Urteilen oder Schlüssen. Das gegebene Element alles Denkens ist der Begriff; nur da wo Begriffe sind ist überhaupt ein Denken möglich; daher hat alles wirkliche Denken den Begriff selbst zu seinem spezifischen Kennzeichen und seiner ersten Voraussetzung. Auf der anderen Seite aber besteht alles Denken wiederum in nichts Anderem als in der Erkenntnis der Begriffe oder der Ermittlung der zwischen diesen selbst stattfindenden notwendigen und wesenhaften Beziehungen; ein Begriff wird in dem was er ist von uns bestimmt oder erkannt nur durch die Beziehungen oder Verhältnisse in welchen er sich zu anderen Begriffen befindet; daher ist der Begriff nicht bloß die Voraussetzung und das wurzelhafte Element, sondern auch der alleinige Inhalt oder Gegenstand der Bewegung des Denkens, und es ist deswegen an und für sich durchaus unrichtig zu sagen, daß sich unser Denken auf die äußeren Sachen als solche richte da es vielmehr zunächst bloß die inneren diesen entsprechenden Begriffe sind auf die sich dasselbe bezieht. Die Sphäre der Begriffe ist eine ebenso bei sich selbst abgeschlossene und in ihrer inneren Einrichtung von ihren eigenen Gesetzen beherrschte als die der Zahlen, und es sind das strenge oder begriffsmäßige Denken ebenso wie das Rechnen oder systematische Verknüpfen und Umgehen mit Zahlen an und für sich selbst genommen rein ideale oder nur dem Inneren unseres Lebens selbst angehörende Funktionen des Geistes, die überall nur mittelbar und indirekt in einem Zusammenhang mit den äußeren Dingen stehen. Der Zweck alles rein und systematischen Denkens aber ist die Erkenntnis der Begriffe, die in der Ermittlung ihrer mannigfachen Beziehungen unter einander besteht, und es hat zuletzt alles Rechnen ebenso nur an dem Erkennen der Zahlen aus ihren möglichen und notwendigen Beziehungen seinen Inhalt. Der logische Ausdruck aber des in den Begriffen durch uns Erkannten oder die gedankenmäßige Form einer zwischen ihnen selbst stattfindenden Beziehung ist das Urteil. Begriffe können im Urteil rechtmäßig nur dann in der Weise miteinander in Verbindung gebracht werden als inwiefern sie unter einander selbst sich in Verhältnissen befinden und es ist daher die ganze Lehre oder Theorie von den Urteilen nur eine notwendige Folge und selbstverständliche Konsequenz aus der von den Begriffen. Die Geltung aller einzelnen Urteile aber ist teils eine unmittelbare, teils eine mittelbare oder eine solche, welche auf der vorausgesetzten Gültigkeit gewisser fernerer Urteile, der Prämissen, beruht; eine derartige mittelbare Urteilsfolgerung aber ist ein Schluß und es ist ebenso die ganze Lehre von den Schlüssen nicht als eine notwendige Folge aus der von den einfachen Urteilen. Die begrifflichen Beziehungen bilden die Voraussetzung oder Grenze, innerhalb deren überhaupt ein geordnetes Denken möglich ist: alles wirkliche Denken als solches aber ist ein Urteil; das Prinzip endlich nach welchem aus gewissen schon gegebenen Urteilen andere solche mit innerer Notwendigkeit abgeleitet werden können, ist der Schluß. Überhaupt daher hat der erste Teil der Logik, der Lehre von den Begriffen, an der Möglichkeit oder den bloßen Vorbedingungen, der zweite, die von den Urteilen, an der Wirklichkeit oder spezifischen Form, endlich der dritte, von den Schlüssen, an der Notwendigkeit oder dem geforderten Gesetz alles geordneten Denkens seinen Inhalt. Die Lehre von der Anwendung des hermeneutischen Prinzips Das letzte oder zunächst gegebene Einzelne mit welchem es die sprachwissenschaftliche Erkenntnis in Rücksicht der geistigen Seite oder Klasse ihrer Erscheinungen zu tun hat, ist zuerst immer das Wort als solches in dem durch dasselbe angezeigten oder in ihm vertretetenen geistig logischen Bedeutungsinhalt. Das Wort aber ist immer der Vertreter oder erscheinende Körper eines logischen Begriffes; das wissenschaftliche Verfahren in Bezug auf den Begriff aber ist die Definition und es besteht daher die Aufgabe des Lexikons, insofern dieses die Anstalt ist für die Bestimmung der geistigen Bedeutung der Worte, immer in der Definition der in diesen enthaltenen oder durch sie angezeigten logischen Begriffe. Dieses ganze Verfahren der Definition aber entbehrt in den meisten Fällen eines genügenden empirischen Fundamentes oder es ist doch dasselbe überall erst insofern ein wahrhaftes und wissenschaftlich gerechtfertigtes als es auf die Basis eines solchen gestellt wird. Die Definition der begrifflichen Bedeutung eines solchen Wortes darf an sich niemals frei aus der Luft gegriffen oder ohne Angabe der näheren empirischen Beweismittel ihrer Richtigkeit als gültig hingestellt werden; der logische Inhalt eines jeden Wortes ist überhaupt niemals eine durchaus einfache und mit nur wenigen leicht aufzufindenden Merkmalen erschöpfte Abstraktion, sondern in jedem Falle eine durchaus konkrete in mannigfaltigen und verschiedenen Nuancen zur Erscheinung kommende geistige Individualität; dieses Individuelle des einzelnen Wortinhaltes aber kann überall nur aus einer durchaus genauen und aufmerksamen Verfolgung des ganzen wirklichen oder angewandten Gebrauches welcher von demselben in der Sprache nach seinen statthaften und nicht statthaften Verbindungsweisen mit anderen Worten gemacht wird, ermittelt und festgestellt werden. Daher muß dieses letztere immer das erste Geschäft oder die allgemeine Grundlage für die endliche und einfache Definition desselben sein. Die gewöhnliche lexikographische Wort- oder Begriffsbestimmung aber unterliegt in dieser Beziehung meistens dem Tadel eines zu vornehmen und leichtfertigen Hinweggehens über das Konkrete und unmittelbar Wirkliche des gebrauchsmäßigen Vorkommens der Worte in der Sprache, indem gerade nur aus diesem letzteren immer die wahre und scharfe Begriffsindividualität der einzelnen unter ihnen gewonnen oder abstrahiert werder kann. Überall gilt es hier zuerst zu beobachten und dann zu definieren; die logische Materie der Worte ist immer eine reichhaltigere und bestimmter in sich ausgeprägte als sie sich für die oberflächliche und äußerliche Betrachtung darzustellen pflegt. Das geforderte Verfahren dieser empirischen Beobachtung durch ein Beispiel zu belegen, so ist es für den Begriff des Wortes 'Wesen' charakteristisch, daß wir statt des Begriffes eines Frauenzimmers vielfach zu sagen gewohnt sind, ein weibiches Wesen; nach derselben Analogie aber statt des Begriffes 'Mann' zu sagen, ein männliches Wesen, würde verkehrt oder mit der Natur und der logischen Materie dieses Begriffes widersprechend sein. Hieraus geht hervor, daß in dem Begriffe des Wesens etwas enthalten ist, welches der Natur des Weiblichen spezifisch verwandt, der des Männlichen dagegen spezifisch fremd oder von ihr unterschieden ist, obgleich an sich oder der strengen und einfachen Nominaldefinition dieses Begriffes nach das Männliche ebensosehr an dem allgemeinen Charakter eines Wesens Anteil hat als das Weibliche. An derartigen Erscheinungen vorüberzugehen, ist gedankenlos und unrecht; man sammle deren mehrere und es wird sich hier überall ebenso Gesetz und Ordnung zeigen als in allen anderen wirklichen Dingen sonst. Der Begriff eines jeden Wortes ist eine ebenso konkrete Natur als in der Wirklichkeit irgend ein Tier oder eine Pflanze, und muß durchaus nach der Analogie von diesen in allem Einzelnen seines Inhaltes und seiner Lebenserscheinungen erkannt und beschrieben werden. Die Wissenschaft von den Begriffen der Worte ist ebenso eine Naturwissenschaft als die von den sinnlichen Erscheinungen an denselben; so wie man sich hat gewöhnen müssen in diesen letzteren das Stattfinden allgemeiner Gesetze und organischer Regeln anzuerkennen, ebenso ist auch der begriffliche Gebrauch der Worte nicht etwas Willkürliches in unserer Hand. Die Feststellung aller charakteristischen Tatsachen in Bezug auf einen bestimmten Begriff bildet daher immer das empirische Material, auf welchem die wirkliche Definition desselben zu fußen hat. Das erste Geschäft ist dieses, solche Erscheinungen zu konstatieren, das zweite sie zu erklären. Die vornehme Verachtung des gewöhnlichen Sprachgebrauches aber als eines Unzammenhängenden, Widersprechenden und Wertlosen ist durchaus unwissenschaftlich und falsch. Die Sprache ist auch hierin so wie alles Natürliche wahr und vernünftig, und zwar beides in weit höherem Grade als irgend ein sich klug dünkender Einzelner unter uns. So wie alle natürliche Gestalten und Dinge immer besser, schöner und vollkommener sind als sie sich der Mensch mit seiner einseitigen Verstandesberechnung würde erklügeln können, ebenso sind auch die in der Sprache gegebenen Charaktere und Individuen der Begriffe immer bessere und richtigere als die von dem Einzelnen willkürlich aufgestellten oder erfundenen. Es bildet ferner die ganze Menge der Worte oder Begriffsindividualitäten einer jeden Sprache ein geordnetes und in allen seinen Einzelheiten genau zu einander passendes System, unter denen daher keine von den übrigen getrennt oder aus ihrem Zusammenhang mit denselben herausgerissen werden kann. Wie ein jedes einzelne Wort, so ist auch eine jede Sprache überhaupt in der Gesamtheit der logischen Bedeutungsmomente ihres Wortmaterials eine konkrete und eigentümlich gestaltete Individualität; daher ist die Vergleichung dieses individuellen Gesamtcharakters der einen Sprache gegenüber dem der anderen in der Gestaltung aller ihrer einzelnen logischen Wortindividuen ein ferneres wichtiges und beziehungsreiches Geschäft. Auch die Gesetze der Wortstellung und alle sonstigen organischen Einrichtungen jeder einzelnen Sprache sind an diejenigen der anderen heranzuhalten und in ihren organischen Verhältnissen diesen gegenüber zu bestimmen. Die Materie oder der Stoff aller Begriffe und sonstigen Formen des Denkens ist zuletzt und dem Wesen nach allen Sprachen mit einander gemein; wie dieser Stoff in einer jeden von ihnen sich in einer durchaus eigentümlichen un mit sich konsequenten Weise gestaltet oder verschoben habe, mag nach dem Vorbild der auf der sinnlichen Seite der Sprache bloßgelegten Gesetze der Lautverschiebungen usw. festzustellen versucht werden. Diese ganze Aufgabe ist eine quantitativ umfangreiche und qualitativ schwierige; sie ist aber mehr als eine andere belehrend und folgenreich, weil sie das Gebiet unserer eigenen in der Sprache verkörperten geistigen Unmittelbarkeit, das Denken, dem Gesetze der strengen oder exakten naturwissenschaftlichen Erkenntnis unterwirft. Die Hermeneutik als angewandte Kunsttätigkeit aber geht in diesem Sinne selbst in die Gestalt einer eigentlichen oder umfangreich systematischen Wissenschaft über. |