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WILHELM VOSSENKUHL
Wilhelm von Ockham
Zeichen und Bilder

Eine biographische Annäherung
Logik und Sprachphilosophie
"Philosophische Irrtümer entstehen häufig dadurch, daß abstrakte Begriffe so verwendet werden, als würden sie etwas Reales bezeichnen."

Fassen wir zusammen: Der Terminus  Mensch  im Satz  Mensch ist eine Art  steht - in einfacher Supposition - für einen geistigen Begriff, eine Intention der Seele. Diese Intention ist aber selbst ein Zeichen für etwas anderes; d.h.  Mensch  steht für den Begriff Mensch und dieser ist Zeichen für etwas anderes, und zwar Zeichen für die Bedeutung des Begriffs. Diese Bedeutung ist der Inhalt des geistigen Aktes, in dem der Satz  Mensch ist eine Art  erkannt bzw. verstanden wird.

Dieser zeichentheoretische Zusammenhang von Termini, Intentionen der Seele und Erkenntnisakten gilt nicht nur für die einfache Supposition, die wir oben behandelten. Er läßt sich auf alle Weisen des Erkennens anwenden. Es ist ein Rahmen von Zeichen, die jeweils verschiedene Funktionen haben.

Geistige Termini sind Zeichen für Intentionen der Seele; gleichzeitig sind sie Zeichen für Erkenntnisakte. Intuitiv erkannte Termini sind in der personalen Supposition unmittelbare Zeichen für Einzeldinge. Der Terminus  Mensch  steht in diesem Sinn als absoluter Name für einen bestimmten Menschen. Der Terminus  Mensch  ist kein Abbild, keine sprachliche Kopie eines Menschen, sondern ein Zeichen, das für ihn unmittelbar steht.

Zeichen sind für OCKHAM keine Abbilder der Wirklichkeit, wenn sie personal supponieren, d.h. unmittelbar für das stehen, was sie bedeuten. Dies ist aus zwei Gründen bemerkenswert. Zum einen hat OCKHAM die Grundlagen einer Zeichentheorie ausgearbeitet. Er nahm damit eine Entwicklung vorweg, die im 19.Jahrhundert von C.S. PEIRCE, einem der bedeutendsten amerikanischen Philosophen des sog. Pragmatismus, als Semiotik wieder begründet und in den vergangenen Jahrzehnten in Theorien der Kunst, der Literatur und Kommunikation u.a. durch UMBERTO ECO angewandt wurde.

Zum anderen überwindet OCKHAM mit Hilfe seiner Auffassung von Termini als Zeichen die sog. Abbildtheorie des Erkennens. Diese Theorie geht auf die Antike und war im Mittelalter allgemein anerkannt. Sie besagt, daß die Dinge im Bewußtsein in Form von Abbildungen auftreten. Die Abbilder enthalten entweder alle Eigenschaften der Dinge (Widerspiegelung) oder nur deren strukturelle Eigenschaften (Isomorphie). Auf die Abbilder im Bewußtsein beziehen sich die Zeichen der Sprache.

Wir haben bereits anhand des Vergleichs zwischen OCKHAM und der Tradition von Aristoteles, Augustinus und Boethius gesehen, daß OCKHAM die Termini nicht auf mentale Abbilder, sonder direkt auf die Dinge bezieht. Die Kritik an der Abbildtheorie des Erkennens ist eine Leistung, deren Bedeutsamkeit erst in unserer Zeit richtig gewürdigt werden kann, in der es etwa unter den logischen Positivisten (der frühe Wittgenstein, Schlick, Carnap) noch Vertreter der Abbildtheorie gab. Die Befreiung von der Abbildtheorie erlaubt es, das Erkennen weder als bloße Reproduktion der äußeren Wirklichkeit, noch als Wiedererkennen von Urbildern (Ideen) anhand von Gegenständen zu begreifen.

Wenn die Grundelemente des Erkennens nicht aus abstrakten oder ideellen Bildern der wirklichen Dinge bestehen, ist es möglich, diese Elemente und ihren Zusammenhang logisch zu verstehen. Sobald die Elemente des Erkennens aber logisch aufgefaßt werden, kann dem Erkennen eine nur ihm eigene und gemäße Struktur gegeben werden, und zwar eine logische Struktur.

Der Vorteil dabei ist, daß über die Wahrheit oder Falschheit des Erkennens anhand des logischen Aufbaus von Sätzen entschieden werden kann. Nicht der psychologische Prozeß der Wahrnehmung ist entscheidend für die Wahrheit dessen, was wir erkennen, sondern die Funktion der Termini in Sätzen. Dieser Vorteil ist dem normalen Menschenverstand vielleicht deshalb suspekt, weil er eine gewisse Neigung zur Abbildtheorie hat, wie der amerikanische Philosoph W.V.O. QUINE feststellt. Dennoch ist es ein nicht zu unterschätzender Vorteil auf dem Weg zu einer genauen Untersuchung der Bedeutung von Aussagen.

Analyse der Bedeutung
OCKHAM hat auf seine Weise mit dem aufgeräumt, was Quine den "Mythos vom Museum" nannte. Dieser Mythos besagt, daß die Bedeutungen von Termini Ausstellungsstücke und die Termini selbst die Namensschilder daran sind. OCKHAM würde wie QUINE an diesem Mythos kritisieren, daß er die Bedeutung von Termini wie platonische Ideen versteht, die im Geiste existieren und Bilder der Gegenstände in der Welt sind. Vor einem solchen Mythos, der Unklarheit in unser Erkennen und in die Philosophie trägt, schützt die Deutung der Termini als Zeichen, die unmittelbar für das stehen, was sie bedeuten (personale Supposition). Zeichen sind - nach diesem Verständnis - keine Bilder.

In einem nicht-mentalen, sondern gegenständlichen Sinn versteht OCKHAM Zeichen durchaus bildhaft, nämlich als Ursache für die Erkenntnis von etwas, was nicht die natürliche Bedeutung eines Terminus ist. Zeichen ermöglichen in diesem Sinn mittelbar die Erkenntnis von Dingen, wie ein Faßreif vor einem Wirtshaus anzeigt, daß es dort Wein zu trinken gibt (ein Beispiel OCKHAMss).

In dem schon beschriebenen Sinn versteht er Zeichen nicht als Repräsentation von bezeichneten Dingen, sondern als unmittelbare Verweise darauf. Nur in diesem Sinn verursachen Zeichen unmittelbare Erkenntnis. Alle Termini, mit denen wir unmittelbar erkennen können, z.B. absolute Namen  (Mensch, Apfel, Hase, Tisch),  sind Zeichen dieser Art. Wir erkennen nicht etwas anderes, sondern genau das, wofür der Terminus steht. Auch Begriffe, d.h. in OCKHAMs Terminologie  Intentionen der Seele,  sind Zeichen dieser Art; denn sie stehen unmittelbar für Erkenntnisakte.

Eben diese Auffassung von Begriffen unterscheidet seine Suppositionslehre von allen Vorläufern. Nicht nur sprachliche Ausdrücke, sondern auch Begriffe stehen als Zeichen für etwas. Diese originäre Überzeugung OCKHAMs rechtfertigt es auch, daß wir seine Auffassung von Erkenntnis im modernen Sinn als sprachanalytisch bezeichnen. Er deutet den Erkenntnisakt nämlich so, wie er die Verwendung der sprachlichen Termini deutet. Erkennen ist immer ein Erkennen der Bedeutung von Sätzen, d.h. wir erkennen immer das, was Sätze bedeuten, die aus Termini zusammengesetzt sind. Und die Bedeutung der Termini ist das, wofür sie im Satz stehen.

Dies gilt für die personale Supposition, die grundlegende Art von Supposition. OCKHAM erklärt diese Supposition an dem Beispiel  jeder Mensch ist ein Lebewesen.   Mensch  supponiert, d.h. steht für das, was der Terminus bedeutet. Es ist das besondere Kennzeichen der personalen Supposition, daß bei ihr die Bedeutung des Terminus und seine Zeichenfunktion zusammenfallen. Das Bedeutete und das Bezeichnete sind dasselbe.

Analog zur modernen sprachanalytischen Terminologie können wir OCKHAMs personale Supposition so erläutern: Sprachliche Ausdrücke haben nur dann die gleiche Bedeutung, wenn sie für ein und denselben Gegenstand oder eine bestimmte Klasse von Gegenständen stehen. Wir könne dann einen Ausdruck durch einen anderen ersetzen, ohne daß sich die Bedeutung verändert. OCKHAM versteht Sätze wie  dieser ist weiß  und  dieser ist ein Mensch  als bedeutungsgleich, wenn  weiß und  Mensch  jeweils für SOKRATES supponieren. Die Ausdrücke  weiß  und  Mensch  haben - in der Terminologie der Sprachanalyse - die gleiche Extension, d.h. den gleichen Begriffsumfang.

Natürlich gilt dies nur unter der Voraussetzung, daß beide Ausdrücke für ein und dasselbe stehen. Aber dies würde die moderne Bedeutungstheorie für  weiß  und  Mensch  nicht gelten lassen. Sie kennt keine personale Supposition und akzeptiert die Bedeutungsgleichheit z.B. von  Abendstern  und  Morgenstern  - ein Beispiel von GOTTLOB FREGE - nur, wenn sich die Ausdrücke auf denselben Gegenstand beziehen; dabei muß die Selbigkeit des Gegenstandes, z.B. Venus, wissenschaftlich nachweisbar oder aufgrund des Sinnes der Ausdrücke eine jedermann bekannte Tatsache sein.

Der Sinn von  weiß  oder von  Mensch  wird von uns aber nicht so verstanden, daß wir ihn ohne weiteres auf einen bestimmten Menschen, etwa Sokrates, beziehen. Trotz dieses Unterschieds zwischen der modernen, von Frege begründeten Bedeutungstheorie und OCKHAMs Suppositionslehre ist beiden gemeinsam, daß die Gleichheit der Bedeutung von der Gleichheit des Umfangs der Begriffe bzw. Termini abhängig ist.

Bewegung, Veränderung und philosophische Scheinprobleme
Eines der wichtigsten Probleme für die Naturphilosophie im frühen 14. Jahrhundert bildete die Bewegung bzw. der Prozeß der qualitativen und quantitativen Veränderungen, des Entstehens und Vergehens und der Ortsveränderung eines Gegenstandes. Aristoteles bestimmte diesen Prozeß in seiner  Physikvorlesung:  "Prozeß heißt die Verwirklichung des Möglichkeitsmoments an einen Gegenstand." Bewegung in all ihren Variationen soll als Verwirklichung von etwas verstanden werden, was seiner Möglichkeit nach existiert. Aristoteles erläutert: "Wenn sich die Möglichkeit eines Gegenstandes, gebaut zu werden, im Zuge der Verwirklichung befindet, so wird er gebaut; und der Prozeß selbst heißt Bauen. Lernen, heilen, springen, reifen, altern sind Phänomene, die als Bewegung der Verwirklichung von Möglichem verstanden werden sollen.

OCKHAM konnte den Terminus  Bewegung  nur nach Art der einfachen Supposition verstehen.  Bewegung  ist danach nicht mehr als eine Intention der Seele, als ein Begriff. Mit diesem Begriff wird ein Ding, das bewegt wird, als etwas charakterisiert, was seine Form noch nicht erreicht hat. Da jedes Ding  in Bewegung  nicht schon das ist, was es am Ende der Bewegung sein wird, enthält der Begriff Bewegung eine Verneinung. Verneinung, Negation ist aber ein konnotativer Begriff. Bewegung ist nichts Reales jenseits des bewegten Dinges.

Im  Sentenzenkommentar  erläutert OCKHAM, des ARISTOTELES Begriff der Bewegung enthalte einen positiven und einen negativen Bestandteil. Der positive sei die Erfüllung dessen, was existiere, der negative sei das Mögliche, insofern es potentiell existiere. Ein derart zusammengesetzter geistiger Begriff könne nicht außerhalb des Geistes, getrennt von einem wirklichen Ding existieren.

 Bewegung  und andere abstrakte Namen wie  Veränderung, Handlung, Erleiden  würden von Verben, Adverbien, Konjunktionen, Präpositionen und synkategorematischen Termini abgeleitet. Viele Irrtümer in der Philosophie entstünden dadurch, daß solche abstrakte Namen als eigenständige Realitäten aufgefaßt würden, dabei seien es lediglich Fiktionen, die nur eine Art des Redens, aber nichts Reales darstellen.

Diese Diagnose, daß philosophische Irrtümer häufig dadurch entstehen, daß abstrakte Begriffe so verwendet werden, als würden sie etwas Reales bezeichnen, finden wir bei OCKHAM häufig. Sie zeigt deutlich den sprachkritischen Charakter seines Denkens. Diese Art zu denken ist modern, sie ist bis heute aktuell geblieben.

WITTGENSTEIN schreibt etwa in seinem  Tractatus , Philosophie sei Sprachkritik (Kap.4.0031); die meisten Fragen der Philosophie seien unsinnig; deshalb könnten wir sie nicht beantworten. Sie beruhen darauf, "daß wir unsere Sprachlogik nicht verstehen" (Kap.4.003). In ähnlicher Weise kritisiert RUDOLF CARNAP Scheinprobleme in der Philosophie; sie entstehen, wie er sagt, dadurch, daß "begleitende Gegenstandsvorstellungen" mit tatsächlichen Sachverhalten verwechselt werden. Aus magischen, mythischen oder metaphysischen Fiktionen entstünden Scheinaussagen.

OCKHAM sah, wie seine späten sprachanalytischen Nachfahren, eine wesentliche Quelle philosophischer Irrtümer in unserer Sprache, genauer gesagt in unserem Gebrauch der Sprache. Wir neigen dazu, metaphorische und abgekürzte Redeweisen wörtlich zu nehmen. Wer wäre nicht geneigt, von Bewegung als einer Realität zu sprechen, die es ebenso gibt wie Autos?

OCKHAM will keineswegs die Realität von Bewegungsprozessen in der Natur leugnen. Seine These, Bewegung sei nichts Reales, richtet sich primär gegen das neuplatonische Denken, das jeder Erscheinung eine eigene Wesenheit, eine real existierende Form zuordnet. Für OCKHAM gibt es keine Wesenheit  Bewegung . Deshalb dürfen wir auch nicht so sprechen, als hätte Bewegung ein eigenständiges Wesen und als würde Bewegung für sich existieren. Real sind nur die Dinge und die Orte, an denen sie existieren. Wenn wir aus einer unklaren Art, Begriffe zu verwenden, selbst wieder Folgerungen ziehen, beginnt eine Kette von Irrtümern.

Das rationale Rasiermesser
OCKHAMs Naturphilosophie enthält gemessen an seiner Logik und Erkenntnislehre keine neuen Prinzipien. Er wendet das Ökonomie-Prinzip und seine Argumente gegen die Universalienlehre lediglich konsequent auf die Themen und Problembereiche der Naturphilosophie des ARISTOTELES an. Gerade deshalb sind die  Summulae  bedeutsam für die weitere Entwicklung der Naturphilosophie.

OCKHAM hat die Naturphilosophie des ARISTOTELES neu pointiert und rationalistisch - mit Hilfe des Ökonomieprinzips - interpretiert. Für OCKHAMs haben die Welt der Gegenstände, die äußere Natur und der erkennende Geist des Menschen eine rationale Struktur. Das Ökonomieprinzip spielt die Rolle eines Kriteriums der Rationalität. Der englische Empirist JOHN LOCKE griff dieses Prinzip ebenso auf wie die französischen Materialisten des 18.Jahrhunderts. Auch die Wissenschaftstheoretiker des Wiener Kreises in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts nahmen das Ökonomieprinzip in einem inhaltlich analogen Sinn in Anspruch. Sie orientierten sich dabei allerdings nicht historische an OCKHAM.

Was bedeutet, daß das Ökonomieprinzip für OCKHAM als Kriterium der Rationalität dient? Es dient einmal, in der Terminologie von JÜRGEN MITTELSTRASS, der "Rettung der Phänomene". Jedes Sinnesdatum, das in intuitiver Erkenntnis unmittelbar erfaßt wird, soll eine ihm angemessene Erklärung erhalten. Zum anderen soll diese Erklärung im Rahmen einer rationalen, zusammenhängenden Theorie erfolgen. Für beide Aufgaben dient das Ökonomieprinzip als Grundlage. Sinnlich-Gegebenes soll als solches theoretisch gesichert werden, indem alles Nichtgegebene, z.B. Universalien, abgewiesen wird.

Das Sinnlich-Gegebene wird nicht als Teil einer vorgegebenen vernünftigen Struktur der Wirklichkeit, sondern in seiner individuellen und konkreten Eigenart betrachtet. Jeder Erkenntnis muß etwas entsprechen, was es wirklich gibt. OCKHAM ist in dem Sinne ein Empiriker, als er fordert, daß jede Erkenntnis am wirklich Gegebenen überprüfbar sein muß. Die Bedingungen, unter denen diese Überprüfung zuverlässig erfolgen kann, sind für ihn die natürliche Vernunft und die göttliche Offenbarunf. Ohne die Überprüfbarkeit der Erkenntnis und ohne die Anwendung des Ökonomieprinzips wäre abstrusen Konstruktionen Tür und Tor geöffnet. Die menschliche Phantasie könnte sich beliebige Gedankengebäude zusammenreimen.

OCKHAMs Überlegungen in seiner Erkenntnislehre, in der Logik und Naturphilosophie beruhen auf drei Grundpfeilern: Auf der Erfahrung (experentia), der natürlichen Vernunft (ratio) und der Autorität (auctoritas) der geoffenbarten Glaubenswahrheiten. Gott kann in seiner Offenbarung die Wege wählen, zu denen er sich in seiner absoluten Freiheit entscheidet. Er kann auch umständliche Wege gehen, unterliegt also nicht dem Ökonomieprinzip. Was er tut, ist nich unnütz oder vergeblich, wie umständlich es auch erscheinen mag. Da Gottes Handeln nicht dem Ökonomieprinzip unterliegt, kann dieses Prinzip auch nicht als metaphysisches Grundgesetz der Wirklichkeit verstanden werden. Ein Gesetz dieser Art kann es, wie wir schon sahen, für OCKHAMs ohnehin nicht geben.

Das Ökonomieprinzip ist nur eine Regel der Forschung, ein heuristisches Prinzip, ein kritisches Hilfsmittel für den Pilger, das wirklich Existierende von bloßen Vorstellungen und abstrakten Begriffen zu unterscheiden. Allerdings prägt dieses Prinzip den Charakter der theoretischen Erfassung des Wirklichen, indem es alles Gegebene überschaubar, verständlich und möglichst einfach macht. AAVERROES hatten noch zwischen der Materie der Himmelskörper und der Materie der sublunaren Welt unterschieden. OCKHAM gibt diesen Unterschied auf, da alles, was mit der Unterscheidung zwischen zwei Materien erklärt werden kann, ebensogut, ja sogar besser mit einem einzige Materieprinzip erklärt werden kann.

Wir würden das Ökonomieprinzip falsch verstehen, würden wir es als bloßes Prinzip der Vereinfachung interpretieren. Die Rettung der Phänomene kommt einer Simplifizierung gleich. Vielmehr sollen die Phänomene in ihrer Vielgestaltigkeit und Mehrdeutigkeit erklärt werden. Es geht OCKHAM mdarum, die Unterschiede zwischen den Erscheinungen klarzumachen und nicht mit Allgemeinbegriffen zu verwischen. Die theoretische Erfassung des Wirklichen soll an den Erscheinungen verifizierbar sein.
LITERATUR - Aicher/Greindl/Vossenkuhl, Wilhelm von Ockham - Das Risiko modern zu denken, Müchen o.J.