p-4ra-3K. HaslbrunerH. KohnH. DohrnD. BraunschweigerG. Noth    
 
ERNST DÜRR
Die Lehre von der Aufmerksamkeit
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"Bekannt ist ferner, daß die Durchmusterung eines komplizierten Totaleindrucks bei verschiedenen Menschen eine ganz verschiedene Richtung erkennen läßt, je nach der Art der geläufigsten oder der überhaupt allein bestehenden Assoziationszusammenhänge. Der Bauer denkt sich nicht nur anderes bei der Betrachtung einer Landschaft als der Botaniker, der Geologe, der Maler; er sieht auch anderes. Er bemerkt vielleicht vor allem, wie viel oder wie wenig bebautes Land vorhanden ist. Dann fällt ihm auf, wie groß oder wie klein die einzelnen Felder sind. Von da aus wird seine Aufmerksamkeit weiter geführt zur Art der Bodenbehandlung, zum Stand der Saaten usw. Demgegenüber fällt etwa dem Geologen an derselben Landschaft zuerst die Farbe des Bodens auf. Im Anschluß an diese Beobachtung bemerkt er Gesteinsarten, die er bisher unbeachtet ließ."

3. Die Bedingungen der Aufmerksamkeit
[ Fortsetzung 2 ]

 b) Durch welche Eigentümlichkeiten eines Bewußtseinsinhaltes ist es bedingt, daß er eine stärkere Veranlassung zur Steigerung seines eigenen Bewußtseinsgrades bedeutet als andere Bewußtseinsinhalte?

Die Antwort auf diese Frage müßte zunächst in einer teilweisen Wiederholung von bereits Gesagtem bestehen. Denn alles, was imstande ist, die Aufmerksamkeit  festzuhalten,  die Lustwirkung, die assoziative Unterstützung, die Hemmung des psychischen Abflusses und die Perseverationstendenz, kurz alles, worin wir die Aufdringlichkeit des Aufmerksamkeits gegenstandes  begründet finden, ist auch geeignet, die Aufmerksamkeit  anzulocken,  Aufdringlichkeit des Beachtungs motivs  zu bedingen. Aber nicht alles, wodurch Motivwirksamkeit herbeigeführt werden kann, garantiert auch besonders erfolgreiche dauernde Beachtung. Ein starker Sinneseindruck, ein greller Kontrast, ein ungewohnter Anblick, ein unangenehmes Erlebnis - das sind lauter Dinge, die unsere Aufmerksamkeit intensiv anzulocken, aber nicht befriedigend zu beschäftigen imstande sind. Gerade das, was sie zu Beachtungsmotiven besonders geeignet macht, beeinträchtigt ihre Faßlichkeit. Bezüglich des Neuen, Ungewohnten und des Unlustvollen ergibt sich das ohne weiteres aus unseren früheren Betrachtungen. Wir haben ja gesehen, daß Vertrautheit und Annehmlichkeit zum Aufmerken veranlaßt, das erfahren wir im praktischen Leben auf Schritt und Tritt. Die Sucht nach Originalität, wie sie sich beispielsweise in unserem Reklamewesen kundgibt und alles, was zur Befriedigung der  Neugierde  und  Sensationslust  ersonnen wird, beweist wohl zur Genüge, welche Wirksamkeit das Ungewohnte als Beachtungsmotiv ausübt. Und die unsanften Rippenstöße, durch die manches Lebewesen sein Dasein anderen bemerkbar zu machen und eine gewisse Rücksicht oder Beachtung sich zu erzwingen sucht, wären wohl durch die Auslese des Zweckmäßigen aus unseren Lebensgewohnheiten längst beseitigt, wenn sie sich nicht manchmal als probates Mittel erweisen würden.

Daß ferner sehr intensive Empfindungen die Aufmerksamkeit zu wecken, aber nicht festzuhalten imstande sind, das weiß jeder geübte Redner, der wohl gelegentlich durch ein kräftiger gesprochenes Wort die Geister vor dem Einschlafen bewahrt, der aber nicht alles, was er zu sagen hat, mit übermäßigem Stimmaufwand vorträgt, um es verständlicher zu machen. Damit soll natürlich nicht bestritten werden, daß mittelstarke Eindrücke außer ihrer kräftigeren Motivwirksamkeit als Aufmerksamkeitsmotiv und die Erhöhung der Faßlichkeit mit der Intensitätsvermehrung in gleichem Maße zunehmen. Das ist nicht der Fall. Sinneseindrücke, deren Stärke über eine gewisse Grenze hinauswächst, gewinnen zwar noch an Fähigkeit, die Aufmerksamkeit anzulocken, aber sie verlieren an Faßlichkeit. Sie werden, wie wir auch sagen können, immer lebhafter, aber immer weniger klar und deutlich. Sie heben sich im ganzen wohl energisch von ihrer Umgebung ab, aber sie lassen keine scharfe Kontur und keine ausgeprägte innere Gliederung erkennen. Diese Divergenz in der Entwicklung der Motivwirksamkeit und der Faßlichkeit ist teilweise schon durch die wachsende Unanehmlichkeit bei der über eine gewisse Grenze hinaus fortgesetzten Intensitätssteigerung bedingt.

Was endlich die Wirksamkeit von Kontrasten anlangt, so könnte man vielleicht zweifeln, ob nicht ebenso die Faßlichkeit wie der Anreiz zur Beachtung durch den Kontrast gesteigert werde. In der Tat, wenn man nur an den Farben- und Helligkeitskontrast denk, so wird man geneigt sein, zuzugeben, daß unter Umständen der Kontrast die Faßlichkeit von Eindrücken und Gedanken zu erhöhen vermag. Aber man gelangt zu anderer Ansicht, wenn man die Frage aufwirft, welchen Tatsachen die Kontrasterlebnisse als besonders geeignete Gegenstände der Aufmerksamkeit gegenüberzustellen sind. Soll etwa ein aus lauter Komplementärfarben zusammengesetztes Mosaik leichter faßlich sein, als ein gleichfarbige Fläche? Das ist sicherlich nicht der Fall.  Mehrere  kontrastierende Eindrücke lassen sich gleichzeitig nicht besser, sondern weniger gut auffassen als eine Anzahl gleichartiger Erlebnisse. Daß der Kontrast das Bewußtsein der Verschiedenheit energischer hervortreten läßt, ist selbstverständlich, beweist aber nichts für den Einfluß speziell des Kontrastes auf die Faßlichkeit; denn ebenso gut läßt möglichste Ähnlichkeit von Eindrücken das Bewußtsein der Ähnlichkeit, möglichst vollkommene Gleichheit das Bewußtsein der Gleichheit besonders leicht entstehen. Es bleibt also nur die Tatsache, daß  ein einzelner  Eindruck für sich genommen in kontrastierender Umgebung klarer und deutlicher hervortritt, als mögliche Stütze für die Behauptung einer durch Kontrast bedingten Steigerung der Faßlichkeit übrig. Aber diese Tatsache würde doch nur dann die fragliche Ansicht rechtfertigen, wenn man allgemein konstatieren könnte, daß möglichste Verschiedenheit zweier gleichzeitig oder unmittelbar nacheinander sich abspielender Bewußtseinsvorgänge jedem einzelnen der beiden simultanen bzw. dem zweiten der sukzedierenden Erlebnisse zu besserer Faßlichkeit verhelfe. Das ist jedoch nicht der Fall. Wo die besonderen physiologischen Verhältnisse, die beim Farben- und Helligkeitskontrast eine Rolle spielen, wegfallen, da erleichtert die sukzessive oder simultane Darbietung möglichst verschiedener, heterogener Eindrücke durchaus nicht das Erfassen derselben oder auch nur eines einzigen von ihnen, sondern es zeigt sich die bekannte Verwirrung, die gerade das Gegenteil von klarer und deutlicher  Apperzeption  ist.

Dagegen wird ein Bewußtseinsinhalt als Beachtungsmotiv tatsächlich umso wirksamer, je verschiedener dasjenige von ihm ist, was vor ihm oder neben ihm im Bewußtsein abspielt. Unser Interesse wird durch Abwechslung erregt, wie jedermann weiß. In diesem Satz ist eigentlich alles enthalten, was wir über Neuheit und Kontrast als beachtungfordernde Momente gesagt haben. Denn Neuheit und Kontrast sind nur sozusagen besondere Modifikationen der Abwechslung. Aber auch noch andere Tatsachen lassen sich diesem Gedanken eines Funktionszusammenhanges zwischen Abwechslung und Interesse unterordnen. Vor allem gehört die Aufmerksamkeit erweckende Bedeutung von Veränderung und Bewegung hierher. Es ist ja bekannt, wie viel leichter ein bewegter Gegenstand unsere Beachtung auf sich zieht, als ein ruhender und auch andere als Ortsveränderungen sind sehr geeignete Aufmerksamkeitsmotive, besonders wenn sie in kurzer Zeit sehr verschiedene Phase durchlaufen. Die beweglichen Auslagen in den Schaufenstern großer Läden und der Farbenwechsel der sukzessiv verschieden aufleuchtenden Reklameschilder beweisen zur Genüge, daß diese Erkenntnis auch in der praktischen Psychologie spekulierender Geschäftsleute bereits eine recht wichtige Rolle spielt.

Von Bewegung und Veränderung wird nun wohl niemand behaupten wollen, daß sie außer der Motivwirksamkeit in bezug auf unsere Beachtung auch die Faßlichkeit der Eindrücke zu erhöhen geeignet sei. Denn daß wir von einem ruhenden, sich gleichbleibenden Gegenstand ein klareres und deutlicheres Bild gewinnen können, als von einem in schneller Bewegung und Veränderung begriffenen, das dürfte manchem fast selbstverständlich erscheinen.

Damit haben wir aber auch die wichtigsten Fälle erschöpft, in denen ein Beachtungsmotiv, das mit dem Gegenstand der Aufmerksamkeit zusammenfällt, günstige Bedingungen für die Erregung der Beachtung enthält, während es gleichzeitig für klares und deutliches Erfassen nicht besonders geeignet ist. Nun müssen wir die Fälle ins Auge fassen, wo ein Beachtungsmotiv die Aufmerksamkeit auf einen von ihm verschiedenen Beachtungsgegenstand hinlenkt.


 c) Durch welche Umstände ist es bedingt, daß ein Bewußtseinsinhalt a die Aufmerksamkeit leichter auf einen von ihm verschiedenen Bewußtseinsinhalt b hinlenkt als ein anderer Bewußtseinsinhalt c und leichter als derselbe Bewußtseinsinhalt a einem vierten Bewußtseinsinhalt d unsere Beachtung verschaffen könnte; unter welchen Bedingungen vollzieht sich ferner die Aufmerksamkeitswanderung von a nach b am vollkommensten?

Wenn man bedenkt, daß Aufmerksamkeitswanderung für uns nichts anderes bedeutet, als die durch einen Bewußtseinsinhalt veranlaßte Steigerung des Bewußtseinsgrade an einem zweiten Bewußtseinsinhalt, so liegt es nahe, eine Analogie dieses Vorgangs mit dem durch Assoziation bedingten Reproduktionsprozeß anzunehmen. Beim letzteren wird durch das Reproduktionsmotiv in Unbewußtes ins Bewußtsein gehoben. Bei der Aufmerksamkeitswanderung, die durch ein Beachtungsmotiv veranlaßt ist, wird durch dieses ein Bewußtes in sinem Bewußtseinsgrad gesteigert. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, daß jede Aufmerksamkeitswanderung durch ein die Erregung höherer Bewußtseinsgrade weiter leitendes Beachtungsmotiv bedingt sein müsse. Wie es freisteigende Reproduktionen gibt, so gibt es erst recht auch, wenn man so sagen darf, freisteigende Beachtungen, d. h. ein Bewußtseinsinhalt enthält in sich selbst die Bedingungen zur Steigerung des Bewußtheitsgrades.

Aber wenn ein Beachtungsmotiv die Aufmerksamkeit auf einen von ihm verschiedenen Beachtungsgegenstand lenkt, dann erklärt sich das wohl ebenso aus der Wirksamkeit assoziativer Zusammenhänge, wie die Herbeiführung von Reproduktionen durch Reproduktionsmotive. Es ist infolgedessen wohl keine allzu kühne Hypothese, wenn wir behaupten: Je fester ein Bewußtseinsinhalt (a) mit einem anderen (b) assoziativ verknüpft ist, desto mehr ist  a  geeignet,  b  zum Gegenstand der Aufmerksamkeit zu machen.

Es gibt nun eine ganze Reihe von Momenten, durch die eine Steigerung der Festigkeit des assoziativen Zusammenhangs bedingt wird. Dahin gehören vor allem ein hoher Bewußtseinsgrad der Bewußtseinsinhalte bei Stiftung der Assoziation und ein häufiges Zusammen-auftreten der assoziierten Erlebnisse, ferner Eindeutigkeit des assoziativen Zusammenhangs, d. h. Verknüpfung eines Bewußtseinsinhaltes nicht mit vielen, sondern nur mit  einem  anderen und - nicht in letzter Linie - Ergänzung der unbewußten assoziativen Verbindung durch ein die Inhalte verknüpfendes Beziehungsbewußtsein. All diese und einige andere minder wichtige Momente, die eine Stärkung des assoziativen Zusammenhangs bedingen, machen auch ein Erlebnis  a  zu einem besonders geeigneten Motiv für die Steigerung des Bewußtheitsgrades eines Erlebnisses  b,  wenn wie an  a  und  b  verwirklicht sind. Zahlreiche Erfahrungen könnten hier zur Jllustration herangezogen werden. Wir wollen nur wenige herausgreifen. Daß man z. B. beim Betrachten von Photographien und sonstigen Abbildungen, an denen irgendein für das Original charakteristischer Zug die Aufmerksamkeit auf sich lenkt, ganz unwillkürlich sofort nach den übrigen Eigentümlichkeiten  sucht,  die am Original schon besondere Beachtung gefunden haben, ist bekannt. Dabei bedeutet aber das Suchen nichts anderes, als die Überleitung des höheren Bewußtheitsgrades vom bereits Beachteten auf ein im Gesamteindruck Mitempfundenes, aber nicht von Anfang an Mitbeachtetes. Es liegt in diesem Begriff des Suches übrigens auch ein Hinweis darauf, daß da, wo eine solche Beschreibung zutrifft, das am Original in die Augen Springende in der Abbildung durchaus nicht  selbständig  die Aufmerksamkeit auf sich zieht, daß also die Aufmerksamkeitswanderung hier wirklich bedingt ist durch den zwischen besonders auffallenden Bestandteilen einer Gesamtwahrnehmung (nämlich des Originals) gestifteten und darum besonders festen Assoziationszusammenhang.

Bekannt ist ferner, daß die Durchmusterung eines komplizierten Totaleindrucks bei verschiedenen Menschen eine ganz verschiedene Richtung erkennen läßt, je nach der Art der geläufigsten oder der überhaupt allein bestehenden Assoziationszusammenhänge. Der Bauer denkt sich nicht nur anderes bei der Betrachtung einer Landschaft als der Botaniker, der Geologe, der Maler; er sieht auch anderes. Er bemerkt vielleicht vor allem, wie viel oder wie wenig bebautes Land vorhanden ist. Dann fällt ihm auf, wie groß oder wie klein die einzelnen Felder sind. Von da aus wird seine Aufmerksamkeit weiter geführt zur Art der Bodenbehandlung, zum Stand der Saaten usw. Demgegenüber fällt etwa dem Geologen an derselben Landschaft zuerst die Farbe des Bodens auf. Im Anschluß an diese Beobachtung bemerkt er Gesteinsarten, die er bisher unbeachtet ließ. Nun entgeht ihm auch nicht länger der Eindruck der Gesamtformation usw. Dabei können sich diese Aufmerksamkeitswanderungen mit all ihrer Richtungsbestimmtheit ganz unabsichtlich vollziehen.

Noch entschiedener aber tritt die Determiniertheit der Aufmerksamkeitswanderungen hervor, wenn ein kompliziertes Gesamterlebnis bewußt nach besonderen Gesichtspunkten durchmustert wird. Man beabsichtige etwa, einen Tatbestand vom ökonomischen, ästhetischen, naturwissenschaftlichen Standpunkt aus zu beleuchten. Das heißt nichts anderes, als daß der assoziative Zusammenhang, dem die Aufmerksamkeitswanderung folgt, in diesem Fall noch verstärkt wird durch das Bewußtsein der Beziehung, in der die sukzessiv beachteten Bestandteile zueinander stehen.

Streng genommen muß man hier übrigens zwei Fälle unterscheiden. Eine richtige Verstärkung des  Assoziationszusammenhangs  durch das Beziehungsbewußtsein kommt nur bei dem einen davon in Frage. Nur dann nämlich, wenn die Glieder der Assoziation  beim Eingehen ihrer Verbindung  schon nicht bloß zusammen gegeben, sondern auch durch verknüpfende Relationen zur bewußten EInheit zusammen geschlossen gewesen sind, nur dann sind sie eben deswegen fester assoziiert. Wir haben dann den Tatbestand des logischen gegenüber dem mechanischen Gedächtnis. Nehmen wir einmal an, zwei Erlebnisse,  a  und  b,  seien in dieser Weise logisch verknüpft. Tritt nun als Reproduktions- oder Beachtungsmotiv das eine von ihnen,  a  oder  b,  auf, so wird sich seine Wirksamkeit eben infolge des festen assoziativen Zusammenhangs vor allem auf das andere Glied dieser Verbindung,  b  oder  a,  nicht auf ein bloß "mechanisch" mit  a  oder  b  verbundenes drittes Erlebnis erstrecken, auch wenn das Beziehungsbewußtsein  nicht  mit dem Gegebensein des Reproduktions- oder Beachtungsmotivs aufs neue hervortritt. Ist aber vollends das Motiv nicht nur  a  oder  b,  sondern  a  bzw.  b  nebst dem Bewußtsein der  a  und  b  verknüpfenden Beziehung, dann vollzieht sich erst recht der Reproduktionsverlauf oder die Aufmerksamkeitswanderung in der Richtung des festen Assoziationszusammenhangs  a-b  bzw.  b-a.  Dieser Fall ist gegeben, wenn wir irgendeinem Komplex von irgendeinem Standpunkt aus betrachten oder beleuchten, von dem aus wir ihn schon früher einmal durchmustert haben. Daß uns dabei  mehr einfällt,  wenn es sich um eine Rekonstruktion aus der Erinnerung handelt, daß wir  mehr beachten,  sofern es gilt, ein im Bewußtsein Gegebenes möglichst vollständig zur Klarheit und Deutlichkeit zu erheben, das ist bekannt und psychologisch durchaus erklärlich.

Es kann aber die Aufmerksamkeitswanderung ebenso wie der Reproduktionsverlauf auch durch das Bewußtsein von Beziehungen beeinflußt werden, die bei der Stiftung der Assoziationen nicht beachtet worden sind. Auch in diesem Fall wird die Richtungsbestimmtheit, die Schnelligkeit und Sicherheit der Aufmerksamkeitswanderung ebenso wie des Reproduktionsverlaufs erhöht. Aber von einer Verstärkung des Reproduktionszusammenhanges kann hier keine Rede sein. Hier handelt es sich offenbar um einen direkten Einfluß auf die Motivwirksamkeit.

Wenn wir daher die Frage nach den Umständen, unter denen ein Beachtungsmotiv besonders geeignet ist, die Aufmerksamkeit auf einen von ihm verschiedenen Beachtungsgegenstand hinzulenken, ganz korrekt beantworten wollen, so müssen wir außer auf die Festigkeit des Assoziationszusammenhangs zwischen Beachtungsmotiv und Beachtungsgegenstand und außer auf die ihn verstärkenden Momente noch auf andere Bedingungen hinweisen, die an der Festigkeit einer gegebenen assoziativen Verbindung nichts mehr ändern können und doch die Motivwirksamkeit in einer bestimmten Richtung zu steigern imstande sind.

Ein von diesen Bedingungen ist, wie wir gesehen haben, das mit den Beachtungsmotiv sich verbindende Bewußtsein der Beziehung, die zwischen dem Beachtungsmotiv und dem Beachtungsgegenstand besteht. Nun kann man freilich die Frage aufwerfen, ob dieses Beziehungsbewußtsein nicht einfach selbst als Beachtungsmotiv funktioniert und besonders wirksam ist wegen der Eindeutigkeit des assoziativen Zusammenhangs zwischen ihm und dem Beachtungsgegenstand. Wenn ich z. B. selbst beabsichtige oder einen anderen auffordere, das zu beachten, was rechts, links, oben, untenvon einem gerade betrachteten Punkt des Sehfeldes liegt oder aufzumerken auf das, was eine gewisse Zeit nach dem gegenwärtigen Augenblick geschehen wird, so muß doch das jetzt und hier Wahrgenommene in gar keinem assoziativen Zusammenhang stehen zu dem nachher und dort Wahrzunehmenden. Als Beachtungsmotiv funktioniert, so könnte man annehmen, hier lediglich das Orts- bzw. Zeitbewußtsein. Aber wenn es sich wirklich so verhält, so ist dieser Hinweis doch kein Einwand gegen das oben Gesagte. Denn es  kann  doch eine assoziative Beziehung auch zwischen den Inhalten, die in einer bestimmten räumlichen oder zeitlichen Relation stehen, vorhanden sein. Ist das nun der Fall, wirkt also der eine dieser Inhalte schon als Beachtungsmotiv und entfaltet das Orts- oder Zeitbewußtsein eine Motivwirksamkeit in gleichem Sinne, so findet eben dadurch eine Verstärkung des vom Beachtungsmotiv ausgehenden Einflusses auf die Bewußtheit des Beachtungsgegenstandes statt. Wir haben es hier einfach mit einer näheren Erklärung dessen zu tun, was wir allgemein "Steigerung der Motivwirksamkeit auf anderem Weg als durch Befestigung des assoziativen Zusammenhangs" genannt habe.

Eine andere Art solcher Erklärung für den in Rede stehenden Fall ist übrigens nicht nur denkbar, sondern auch schon versucht worden. Man kann nämlich mit Psychologen wie G. E. MÜLLER und A. PILZECKER annehmen, daß eine Ortsvorstellung diejenige Region im Substrat des bewußten Seelenlebens in Anspruch nimmt, die auch bei der aufmerksamen Wahrnehmung des dem betreffenden Ort zugehörigen Inhalts in Frage kommt. Nach dieser Auffassung würde es sich bei der Veranlassung Beachtung lokalisierter Inhalte durch das Bewußtsein der Lokalisation nicht um eine  Überleitung  von Erregungen, sondern um die  Vorbereitung  einer Erregung an Ort und Stelle handeln. Wenn wir dem Begriff der Reproduktionsgrundlage entsprechend den der  Beachtungsgrundlage  bilden dürfen, so können wir sagen: Es wird nach der zuletzt erwähnten Ansicht da, wo  neben einem Assoziationszusammenhang der Inhalte  ein Ortsbewußtsein die Aufmerksamkeitswanderung dirigiert, nicht eine Verstärkung des Beachtungsmotivs durch ein im gleichen Sinn wirksames Motiv, sondern eine der Motivwirksamkeit  entgegenkommende Hebung der Beachtungsgrundlage  angenommen. Wo der assoziative Zusammenhang der Inhalte fehlt und nur das Ortsbewußtsein die Aufmerksamkeitsrichtung bedingt, da würde es sich nach dieser Auffassung um einen Spezialfall desjenigen psychischen Geschehens handeln, bei dem ein Beachtungsgegenstand selbst die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auf die Frage, warum ein Gegenstand, den wir in einer Ortsvorstellung antizipieren, besonders geeignet sei, beachtet zu werden, müßte von dem hier eingenommenen Standpunkt aus die Antwort etwa folgendermaßen lauten: Die vorbereitende Ortsvorstellung wirkt ähnlich wie ein qualitativ mit dem zu beachtenden Erlebnis übereinstimmender, demselben vorausgehender Bewußtseinsinhalt. Wie im letzten Fall die  Übung  einen psychischen Prozeß zu höheren Bewußtseinsgraden gelangen läßt, so tritt auch im ersteren ein gewisser Übungserfolg ein, indem zwar nicht die Gesamtheit der in das Aufmerksamkeitserlebnis eingehenden Vorgänge, aber doch ein Teil derselben oder wenigstens einigen diesen sehr  ähnliche  Prozesse eine Art "Einstellung oder Stimmung des Sensoriums" auf den kommenden Eindruck herbeiführen. Ähnliches müßte natürlich zur Erklärung der analogen Bedeutung des Zeit- und des sonstigen Beziehungsbewußtseins angenommen werden.

Wir wollen nicht entscheiden, welche von diesen beiden Erklärungsmöglichkeiten die größere Wahrscheinlichkeit besitzt. Wir könnten einiges zugunsten der ersteren Hypothese (von der Motivwirksamkeit des Beziehungsbewußtsein), nichts zugunsten der letzteren anführen. Aber um uns entschieden für die eine oder andere Partei nehmen zu lassen, dazu reichen unsere Erfahrungen bis jetzt wohl kaum aus. Wir begnügen uns deshalb mit der Feststellung, daß die Wirksamkeit eines Beachtungsmotivs, welches mit dem Beachtungsgegenstand assoziativ verknüpft ist, unter allen Umständen gesteigert wird, wenn außer diesem Beobachtungsmotiv noch ein Bewußtsein der Beziehung vorhanden ist, die zwischen ihm und dem Beachtungsgegenstand besteht.

Weiter haben wir uns nun der Frage zuzuwenden, ob es noch andere Momente gibt, die, ohne eine Verstärkung des Assoziationszusammenhanges zwischen Beachtungsmotiv und Beachtungsgegenstand herbeizuführen, die Wirksamkeit des Beachtungsmotivs steigern können. Dabei erinnern wir uns derjenigen Umstände, die, abgesehen von der Festigkeit des assoziativen Bandes, einen Reproduktionsverlauf an Schnelligkeit und Präzision gewinnen lassen. Es sind dies neben dem Auftreten eines Beziehungsbewußtseins inbesondere ein hoher Bewußtseinsgrad des Reproduktionsmotivs, ferner gewisse Veränderungen der allgemeinen psychophysischen Disposition, sodann die Abwesenheit konkurrierender Reproduktionsmotive und der von ihnen oder von anderen psychischen Tatbeständen ausgehenden Hemmungen, sowie endlich das Bedingtsein eines in Lustzunahme oder Unlustverminderung bestehenden Gefühlsverlaufes durch den Gang der Reproduktion. All diese Umstände scheinen auch bei einer durch ein Beachtungsmotiv angeregten Aufmerksamkeitswanderung die Motivwirksamkeit zu erhöhen. Von der Bedeutung des Beziehungsbewußtseins haben wir bereits gesprochen.

Was den hohen Bewußtseinsgrad des Motivs anlangt, so ist derselbe bei einem Beachtungsmotiv eine selbstverständliche Voraussetzung. Aber das ist nicht so zu verstehen, als ob ein Bewußtseinsinhalt, der selbst die Aufmerksamkeit möglichst stark  fesselt,  zum Motiv für die Weiterleitung der Beachtung besonders geeignet wäre. Viel wirksamer in diesem Sinn ist ein Beachtungsmotiv, das momentan beachtet ist, ohne selbst besonders günstige Bedingungen für die Beachtung darzubieten, dem also die Aufmerksamkeit durch äußere Umstände oder durch die das  Motiv  im Gegensatz zum  Gegenstand  der Aufmerksamkeit auszeichnenden Eigentümlichkeiten vorübergehend zugewendet wird.

Die psychophysischen Dispositionen, die nicht nur der Aufmerksamkeitswanderung, sondern dem Entstehen des Aufmerksamkeitserlebnisses überhaupt günstig sind, sollen in einem folgenden Abschnitt für sich betrachtet werden.

Die Abwesenheit konkurrierender Beachtungsmotive hat offenbar eine ganz ähnliche Bedeutung wie die Eindeutigkeit des assoziativen Zusammenhangs zwischen Beachtungsmotiv und Beachtungsgegenstand. Wir können infolgedessen auch über diesen Punkt hier ganz kurz hinweggehen.

Etwas eingehender muß dagegen die Frage behandelt werden, inwieweit ein bestimmter Gefühlsverlauf die Aufmerksamkeitswanderung, durch die er bedingt ist, zu beeinflussen vermag. Wenn man, wie das einige Psychologen tun, die Aufmerksamkeit als eine Willenserscheinung betrachtet und wenn man ferner, wie das auch noch vielfach üblich ist, den Willen für ein durch Gefühle bestimmtes psychisches Geschehen erklärt, dann erscheint die Wirksamkeit von Gefühlen geradezu als integrierender Bestandteil jedes Aufmerksamkeitserlebnisses. Wir machen nun freilich weder die eine noch die andere Annahme. Eine allgemeine Bedingtheit der Aufmerksamkeit durch Gefühle kommt für uns infolgedessen nicht in Frage. Trotzdem haben wir bereits unter den Bedingungen, von denen es abhängt, daß ein Bewußtseinsinhalt mehr als ein anderer geeignet ist, unsere Beachtung auf sich zu lenken und bei sich festzuhalten, als gelegentlich wirksame Momente bestimmte Gefühlseffekte kennen gelernt. Aus dem in dieser Hinsicht Festgestellten scheint nun auch schon zu folgen, was hier über die Bedeutung der Gefühle für die Aufmerksamkeitswanderung zu sagen ist. Wenn nämlich Lust und Unlust gleich geeignet sind, die Beachtung  anzuregen  und wenn ein Bewußtseinsinhalt die Aufmerksamkeit um so mehr  festzuhalten  imstande ist, je größere Annehmlichkeit er besitzt, so scheint sich einfach deshalb auch eine Aufmerksamkeitswanderung von einem Beachtungsmotiv zu einem Beachtungsgegenstand um so leichter abzuspielen, je weniger angenehm bzw. je unangenehmer das erstere und je angenehmer der letztere ist. Danach sieht es so aus, als ob die Bedeutung des in einer Zustandsverbesserung bestehenden Gefühlsverlaufs bei der durch ein Beachtungsmotiv angeregten Aufmerksamkeitswanderung viel verständlicher wäre, als beim Reproduktionsprozeß. Denn beim letzteren ist ja das die Beschleunigung bedingende Gefühl, dem die Reproduktion zustrebt, zu der Zeit, wo es wirksam sein soll, gar nicht vorhanden, während es bei der Aufmerksamkeitswanderung doch mit dem Beachtungsgegenstand von vornherein gegeben zu sein scheint. Dieser Unterschied ist allerdings nur scheinbar; denn die Aufmerksamkeit ist, wie wir noch sehen werden, Vorbedingung für das Entstehen von Gefühlen. Mit Inhalten, die unbeachtet vorhanden sind, verknüpfen sich keine Gefühle. Infolgedessen ist die Annehmlichkeit der "Beachtungsgrundlage", solange ihr die Aufmerksamkeit noch nicht zugewendet ist, ebensowenig für das Bewußtsein vorhanden, als diejenige der Reproduktionsgrundlage. Wir müssen infolgedessen das, was wir - nicht ganz korrekt - Einfluß des Gefühlsverlaufes nennen, in beiden Fällen gleichmäßig erklären. Zu diesem Zweck können wir vielleicht annehmen, daß die Richtung der Zustandsänderung uns schon in der Motivwirksamkeit bewußt werde, noch bevor der volle Effekt (der Reproduktion bzw. der Aufmerksamkeitswanderung) eingetreten ist. Wir können aber auch die wahrscheinlichere Annahme machen, daß der Prozeß im Substrat des Seelenlebens, der einem gefühlsstarken Inhalt entspricht, ein anderer ist, als der einem indifferenten Inhalt korrespondierende. Dann muß natürlich auch die durch ihn bedingte Reproduktions- bzw. Beachtungsgrundlage besondere Eigenschaften besitzen, wodurch sich ihre ausgezeichnete Reaktion auf die Motivwirksamkeit erklärt. Wie dem nun auch sein mag, Tatsache ist jedenfalls, daß, so wie der Reproduktionsmechanismus besser funktioniert, wenn durch ihn eine Verbesserung unseres Gefühlszustandes herbeigeführt wird, auch die Aufmerksamkeit mit besonderer Vorliebe die Richtung vom weniger Angenehmen zum Erfreulichen einschlägt.

Wir haben also einen vollkommenen Parallelismus der Momente, die günstig sind für die Wirksamkeit des Reproduktionsmotivs einerseits und des Beachtungsmotivs, welches die Aufmerksamkeit auf einen von ihm selbst verschiedenen Gegenstand hinlenkt, andererseits. Dabei sind bisher vorwiegend diejenigen Fälle einer durch ein Beachtungsmotiv bedingten Aufmerksamkeitswanderung ins Auge gefaßt worden, bei denen Ausgangspunkt und Endpunkt, Beachtungsmotiv und "Beachtungsgrundlage" gleichzeitig gegeben sind. Die Analogie zwischen Reproduktion und Aufmerksamkeitswanderung scheint nun noch augenfälliger zu werden, wenn wir diejenigen Fälle der letzteren betrachten, bei denen das Motiv in einem dem Beachtungsgegenstand zeitlich vorausgehenden "Signal" besteht. Aber bei genauerer Betrachtung zeigt sich, daß es sich hier gar nicht mehr um bloße Analogie, sondern vielmehr um eine Kombination von Reproduktion und Aufmerksamkeitswanderung handelt. Das Signal ist zunächst Reproduktionsmotiv für die Vorstellung des Ereignisses, auf welches die Aufmerksamkeit eingestellt werden soll. Die Wahrnehmung dieses Ereignisses ist dann deshalb schon eine aufmerksame, weil sie durch eine gleichartige Vorstellung antizipiert worden ist. Außerdem kann aber auch noch eine Aufmerksamkeitswanderung vom Signal als Beachtungsmotiv zu der reproduzierten, die Wahrnehmung antizipierenden Vorstellung als Beachtungsgegenstand stattfinden. Aber nötig scheint diese Art des Beachtungswechsels nicht zu sein, um den durch das Signal bezweckten Endeffekt herbeizuführen: die reproduzierte antizipierende Vorstellung bleibt häufig unbeachtet. Wenn es nun eine bekannte Erfahrung ist, die man bei der Ausführung psychologischer Experimente auf Schritt und Tritt machen kann, daß die Zwischenzeit zwischen Signal und erwartetem Eindruck nicht zu klein und nicht zu groß sein darf, um eine richtige Einstellung der Aufmerksamkeit zu ermöglichen, so läßt sich daraus doch nichts folgern hinsichtlich der Zeit, die eine durch ein Beachtungsmotiv angeregte Aufmerksamkeitswanderung in Anspruch nimmt. Vielmehr dürfte sich ein inniger Zusammenhang nachweisen lassen zwischen dem kleinsten zulässigen Intervall und den für das betreffende Individuum und die betreffende Art von Vorstellungen in Betracht kommenden  Reproduktionszeiten.  Daß ein zu großes Intervall zwischen Signal und Eindruck für ein aufmerksames Erfassen des letzteren schädlich ist, das wird gewöhnlich durch den Hinweis auf die Tatsache erklärt, daß wir nur eine gewisse Zeit lang einem und demselben Bewußtseinsinhalt unsere Aufmerksamkeit zuwenden können. Wir würden lieber darauf hinweisen, daß wir selbst bei Zuwendung unserer Aufmerksamkeit einen Bewußtseinsinhalt nur beschränkte Zeit festzuhalten vermögen. Wenn also beispielsweise DWELSHAUVERS bei Versuchen, (1) bei denen dem Beobachter eine Signal 1, 3 oder 6 Sekunden vor dem zu beachtenden Eindruck gegeben wurde, stets günstigere Beachtungsresultate konstatieren konnte, als bei gleichartigen Versuchen, die er ohne vorbereitendes Signal anstellte, so erklärt sich dieser Befund nicht durch die Annahme, daß sich die reproduzierte antizipierende Vorstellung nötigenfalls 6 Sekunden lang auf dem Höhepunkt des Bewußtseins behaupten könne. Vielmehr darf man höchstens behaupten, daß der obere Grenzwert des Intervalls, bei dem ein günstiger Einfluß des Signals auf die Beachtung sich noch nachweisen läßt, zusammenfalle mit dem Maximum der Zeit, während welcher ein Bewußtseinsinhalt wie die Vorstellung des erwarteten Eindrucks überhaupt, wenn auch nicht in gleichbleibender Bewußtseinsidentität, festgehalten werden kann. Wenn ferner DWELSHAUVERS gefunden hat, daß mit zunehmender Größe des Intervalls zwischen Signal und Eindruck der Beachtungseffekt, d. h. die Geschwindigkeit der Reaktion, abnimmt, so darf das wohl auch nicht so interpretiert werden, daß mit längerer Dauer der durch das Signal reproduzierten antizipierenden Vorstellung ihr Bewußtseinsgrad immer mehr abnehme und daß dadurch das rechtzeitige aufmerksame Erfassen des Eindrucks beeinträchtigt werde. Vielmehr scheint gerade beim günstigsten Intervall von 1 Sekunde eine Beachtung der vorbereitenden Vorstellung des erwarteten Eindrucks nicht stattzufinden, während ein Versunkensein in die Erwartungsvorstellung gerade bei den signallosen Versuchen oft beobachtet werden kann. Eine abschließende Behauptung soll übrigens hier nicht aufgestellt werden. (2) In den bisher vorliegenden Bearbeitungen dieser Frage nach dem Einfluß des Intervalls zwischen Signal und Beachtungsgegenstand auf die Wirksamkeit des Signalmotivs ist die Bedeutung von Reproduktionsprozessen und von assoziativ bedingter Aufmerksamkeitswanderung noch gar nicht berücksichtigt und eine experimentelle Nachprüfung des einstweilen Festgestellten unter den hier entwickelten Gesichtspunkten soll erst vorgenommen werden.
LITERATUR - Ernst Dürr, Die Lehre von der Aufmerksamkeit, Leipzig 1907